PROMETHEUS – Teil 1: Die positive Betrachtung

Wegen menschlichen Versagens, wurde bei Veröffentlichung der folgenden Besprechung der dritte Absatz nicht angezeigt und am 24.08. nachgereicht. Der Rest des Textes blieb unverändert.

Als seinerzeit die Agenturmeldung kam, Ridley Scott sei gerade in Island, um für PROMETHEUS den „Anbeginn der Zeit“ zu filmen, hätte jedem klar sein müssen, dass da etwas Größeres auf das Publikum zukommen würde. Vom Alien-Prequel hatten sich Scott, John Spaihts und Damon Lindelof längst verabschiedet und auch immer wieder darauf hingewiesen. In ihren Stübchen hatte sich die Geschichte in eine ganz andere Richtung entwickelt. In der Außenwelt wollte man trotz aller Beteuerungen davon nichts wahrhaben. Der größte Anteil am Misserfolg von PROMETHEUS trägt die Beharrlichkeit von Kritikern und Zuschauern, letztendlich doch einen Film mit dem beliebtesten Xenomorphen des Weltalls erwartet zu haben. Autoren und Regie machen es den Leuten auch nicht leicht, wenn sie die Geschichte von PROMETHEUS zudem bewusst in das Alien-Universum legen. Auf der einen Seite hat Ridley Scott einen erstklassigen Science-Fiction-Film inszeniert, paradoxerweise lässt sich der Film auf der anderen Seite auch vollkommen demontieren.

Die ersten Minuten sind atemberaubend. Selten hat ein Film den Zuschauer gleich in den ersten Einstellungen so hineingezogen. Hier zeigen Scott und Kameramann Dariusz Wolski den „Anbeginn der Zeit“, und man glaubt es, nein, spürt es sofort. Die unglaubliche Magie, welche die Landschaftsaufnahmen ausstrahlen, können nur unendlich lange Farb- und Kontrastkorrekturen in der Nachbearbeitung zugrunde liegen. Möchte man meinen. Denn die optische Raffinesse des Films nimmt hier erst ihren Anfang. Ist das Raumschiff Prometheus erst einmal auf dem Weg zu LV-223 (für Nerds ganz wichtig: Nicht LV-426), vermitteln die Raum- und Planetenaufnahmen ein fast schon beklemmendes Gefühl für die Größe und Weite außerweltlicher Orte. Hier hält sich der Film weitgehend an sein optisches Konzept, in Außenaufnahmen und Action-Sequenzen immer Größenverhältnisse und Standorte zu vermitteln, was sich in grandiosen, landschaftlichen Supertotalen wiederspiegelt. Bei Dialogszenen hingegen ist die Kamera stets nahe an den Gesichtern, während die Halbtotalen den erklärenden Schüssen ohne Dialog vorbehalten bleiben.

Der Meister, mit seiner 3-D-Apparatur der Red-Kameras

PROMETHEUS ist ein überwältigendes Erlebnis in seiner visuellen Umsetzung, wo alles makellos ineinander greift. Realaufnahmen, digitale Effekte und handgearbeitete Spezial-Effekte. Scotts Langzeitkollaborateur Pietro Scalia hatte auch hier wieder das Gespür für das den Szenen angemessene Tempo im Schnitt. Wobei Scalia hier noch die Wirkung von 3-D mit berücksichtigen musste, wo es bei einer zu schnellen Schnittfolge für Zuschauer schnell einmal unangenehm werden kann. So nebenbei dürfte PROMETHEUS dann auch der erste Mainstream-Blockbuster sein, der 3-D so einsetzt wie es sein sollte, wenn man es über den reinen Showeffekt hinweg benutzen möchte. Die volle Tiefenwirkung des stereoskopischen Bildes kommt in den totaleren Aufnahmen zum Tragen, während man in näheren Einstellungen, oder in Einstellungen, die mit ausgeprägter Schärfentiefe arbeiten, die räumliche Tiefe zurückgenommen hat. Das verhindert den peinlich anmutenden Effekt welcher die einzelnen Ebenen wie Pappfiguren wirken lässt. Insgesamt ist jedes Bild für den bestmöglichen räumlichen Aspekt umgesetzt. So macht man Filme in 3-D, von denen der Zuschauer auch profitiert.

Technisch ist PROMETHEUS allererste Sahne, vielleicht ist „perfekt“ gar kein so schlechter Begriff. Denn zu den perfekt umgesetzten technischen Aspekten gesellt sich die für einen Ridley Scott Film übliche Besetzung, die scheint, als hätte man die Figuren im Buch den Darstellern auf den Leib geschrieben. Noomi Papace als Leitfigur ist eine überzeugende und für Scott typische Frauengestalt, die den Zuschauer jederzeit für sich einnimmt. Charlize Theron ist hinreißend und zugleich eines der größten Geheimnisse von PROMETHEUS, man möchte ihr ins Gesicht schlagen und ihr gleichzeitig anderweitig nahekommen. Das Geheimnis um ihren wahren Charakter ist auch wesentlicher Bestandteil vom Grundtenor PROMETHEUS‘. Die beste charakterliche Entwicklung erfährt allerdings Idris Elba als Kapitän Janek. Er ist keine Kunstfigur, sondern Elbas faszinierende Auslegung für den zuerst gleichgültig scheinenden Raumschiff-Kommandanten, der sich damit abgefunden hat, woher er kommt, und längst ein für sich passendes Weltbild erschuf. Elbas charakterliche Entwicklung für Janek ist der ehrlichste und interessanteste Progress einer Figur im diesem Film. Der auffälligste Charakter und die beste Zeichnung einer Figur kommen allerdings von Michael Fassbender. Sein Android David kann einem immer wieder einen kalten Schauer über den Rücken jagen. Wie er lernt, wie er beobachtet, wie er Mensch sein möchte, das ist einfach sensationell. Wenn er als künstliche Intelligenz Menschen hintergeht und verrät, dann ist das für ihn weder Verrat noch Täuschung. Er folgt einem Prinzip der Logik, welches menschliche Verhaltensnormen gerne einmal außer Acht lässt. Zudem ist die Figur David vielleicht der wichtigste Charakter für die Geschichte und Weiterentwicklung der Handlung von PROMETHEUS.

Zum zweiten Teil – Eine metaphysische Betrachtung

Darsteller: Noomi Rapace, Michael Fassbender, Idris Elba, Logan Marshall-Green, Charlize Theron, Guy Pearce u.a.
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: John Spaihts, Damon Lindelof, nach Motiven von Dan O‘Bannon
Kamera: Dariusz Wolski
Bildschnitt: Pietro Scalia
Musik: Marc Streitenfeld
Produktionsdesign: Arthur Max
zirka 123 Minuten

Bildquelle:  Twentieth Century Fox
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