THE PAPERBOY auf BluRay / DVD

THE PAPERBOY – DVD / BlueRay ab 18.07.2013

paperboy-01, Copyright Millennium Entertainment / StudioCanal

1969 kommt Starreporter Ward Jansen in seine Heimatstadt im zurück, um den Fall des zum Tode verurteilten Hillary van Wetter zu portraitieren. Ausgerechnet den Schwarzen Autor Yardley bringt Ward mit in die Stadt im tiefsten Süden der Staaten. Assistiert wird das Duo von der lasziven Charlotte. Charlotte hat sich über Briefverkehr mit Hillary van Wetter verlobt, nachdem er bereits in der Todeszelle saß. Da das Team einen Fahrer braucht, wird dafür Wards junger Bruder Jack engagiert, der bisher etwas planlos durch Leben ging. Jack verliebt sich in Charlotte, Yardley bekommt zum ersten Mal Rassismus zu spüren, Hillary entpuppt sich als idiotischer Hinterwäldler, und Ward verbirgt ein ihn zum Verhängnis werdendes Geheimnis. Lee Daniels dritter Langfilm stellt nicht die Schwarze Gesellschaft in den Vordergrund, und selbst der Rassismus gegen Yardley Acheman ist eher nebenher abgehandelt. Lee Daniels hat sich diesmal einem Puzzle von Geschichten zugewandt. Ein bizarres Puzzle von Geschichten.

Immer wieder wird der Zuschauer zur Frage gezwungen, worum es überhaupt geht. Da ist Jacks Liebe zu Charlotte, Charlottes unverständliche Beziehung zu Hillary, Wards Glauben an Hillarys Unschuld, und so weiter. Es sind viele kleine Episoden, die eigentlich ein großes Ganzes ergeben, aber immer den Anschein erwecken, als würde nichts wirklich zusammenpassen. Es gibt sehr viele interessante Kapitel und einnehmende Charakterstudien, aber auch recht verstörende Sequenzen, wie die Orgasmus-Szene im Gefängnis, oder das Heilmittel gegen Quallen-Verbrennungen. Was letztendlich Ward in einem Motelzimmer zustößt, hat dann auch gar nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun, und wirft noch mehr Fragen auf. Und dann gibt es durchweg diese Soul-Stücke, die als Musik-Untermalung die Szenerien ständig zu konterkarieren scheinen.

Man könnte PAPERBOY als extrovertiertes Meisterwerk bewundern, weil er ständig die Charaktere über die Geschichte stellt. Und die Charaktere sind wirklich unaufdringlich und subtil gezeichnet, also tatsächlich nicht uninteressant. Es sind spannende und auch sehr skurrile Beobachtungen, die man mit diesen Figuren erleben darf. Aber im Verlauf der Handlung leidet die Geschichte darunter. Aus dem Mix von Arthouse-Kino und Mainstream-Produkt, wird letztendlich ein unbefriedigendes Zusammenspiel vieler kleiner, aber attraktiver Sequenzen, die einfach nicht zusammenfinden. Das der Film keinen deutschen Kinoverleih fand, ist kaum verwunderlich. THE PAPERBOY ist ein viel zu schwer zu vermarktendes Produkt. Pedro Almodovar hat sich mehrere Male darum bemüht, den Regiestuhl für dieses Projekt zu übernehmen. Vielleicht hätte man einem Europäer dieses visuell, erzähltechnische Experiment eher nachgesehen. Aber da ist dieses umwerfende Ensemble, dieser hochgelobte Regisseur, sprich Autor. Und das wird den meisten Zuschauer etwas anders vorspiegeln, als ihnen letztendlich wiederfahren wird. THE PAPERBOY ist kein schlechter Film, auch kein misslungenes Experiment. Es ist ein Film, der sich deutlich von dem abhebt, was man eigentlich erwartet hätte.

paperboy-02, Copyright Millennium Entertainment / StudioCanal

Darsteller: Zac Efron, Matthew McConaughey, Nicole Kidman, David Oyelowo, John Cusack, Scott Glenn, Ned Bellamy u.a.
Regie: Lee Daniels
Drehbuch: Peter Dexter, Lee Daniels
Kamera: Roberto Schaefer
Bildschnitt: Joe Klotz
Musik: Mario Grigorov
Produktionsdesign: Daniel T. Dorrance
USA / 2012
zirka 107 Minuten

Bildquelle: Millennium Entertainment / StudioCanal
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