{"id":1063,"date":"2011-06-13T18:37:25","date_gmt":"2011-06-13T17:37:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?page_id=1063"},"modified":"2011-06-14T21:16:58","modified_gmt":"2011-06-14T20:16:58","slug":"robert-mulligan","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/kino-menschen\/robert-mulligan\/","title":{"rendered":"Robert Mulligan &#8211; Realist"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"attachment wp-att-1066\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/kino-menschen\/robert-mulligan\/obit-mulligan\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1066\" title=\"Robert-Mulligan\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/mulligan1.jpg\" alt=\"\" width=\"143\" height=\"200\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Vom Tellerw\u00e4scher zum Million\u00e4r. Das ist der alte Traum vom gro\u00dfen Amerika. Es ist auch der Traum im undurchsichtigen Hollywood. Vom Laufburschen zum gefeierten Regisseur, das war Robert Mulligans Weg. Diese alte Stra\u00dfe des Gl\u00fccks, die es tats\u00e4chlich zu geben scheint, wenn man sich nur richtig anstellt. Der 1925 in der Bronx geborene Robert, meldete sich umgehend f\u00fcr den Kriegsdienst, als Amerika beschloss, am zweiten Weltkrieg teilzunehmen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Als Funker im Dienste des Marine Corps kam er unbeschadet zur\u00fcck und fand sofort eine Stelle im Redaktionsb\u00fcro der New York Times. Mit dem Gef\u00fchl f\u00fcr H\u00f6heres berufen zu sein, ging er erst einmal ein paar Stufen hinunter, als er die NYT verlie\u00df und als Botenjunge beim Fernsehsender CBS anheuerte. Mit Willen und Begeisterung lernte er alles, was mit dem Fernsehgesch\u00e4ft zu tun hatte, arbeitete sich h\u00f6her und h\u00f6her, wurde Kameramann und durfte bereits 1948 das erste Mal Regie f\u00fchren. Den Weg hatte er sich selbst mit Disziplin und Engagement geebnet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Robert Mulligan war nie einer der gro\u00dfen in Hollywood. Der Mann, der eigentlich Priester werden wollte, stieg bei CBS schnell zum Produktionsleiter diverser Serien auf und freundete sich mit einem gewissen Alan J. Pakula an. Zusammen arbeiteten sie an FEAR STRIKES OUT \u2013 DIE NACHT KENNT KEINE SCHATTEN und wurden sich bewusst, dass eine intensivere Bindung auch Gr\u00f6\u00dferes hervorbringen k\u00f6nnte. Dennoch war es Zufall, dass der erste Film, den die Pakula-Mulligan-Productions machten WER DIE NACHTIGALL ST\u00d6RT sein sollte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_1070\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignright\"><a rel=\"attachment wp-att-1070\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/kino-menschen\/robert-mulligan\/mulligan3\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1070\" class=\"size-full wp-image-1070\" title=\"Robert-Mulligan-3\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/mulligan3.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"354\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1070\" class=\"wp-caption-text\">mit Mary Badham w\u00e4hrend WER DIE NACHTIGALL ST\u00d6RT, von Leo Luchs fotografiert<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Robert Mulligan verglich seine Faszination f\u00fcr das Geschichten erz\u00e4hlen mit der Arbeit eines Ingmar Bergman. Sich Zeit zu nehmen, ohne den Zuschauer hinzuhalten. Gesichter wahrnehmen zu k\u00f6nnen, dem Publikum die M\u00f6glichkeit zu geben, darin zu lesen, die Charaktere zu erforschen. Mit WER DIE NACHTIGALL ST\u00d6RT f\u00fchrte er die zehnj\u00e4hrige Mary Badham zu einer Oscar-Nominierung, mit seinem letzten Film MAN IN THE MOON, machte er die Filmwelt mit dem Talent von Reese Witherspoon bekannt. Dazwischen waren Natalie Wood, Robert Redford, oder Steve McQueen. Namen wie Anthony Perkins, Tony Curtis, Richard Gere, oder eben Gregory Peck arbeiteten mit Mulligan. Aber es\u00a0 gab da auch Chris und Martin Udvarnoky.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Robert Mulligans gr\u00f6\u00dfte Angst definierte sich durch das dramatische Potential von WER DIE NACHTIGALL ST\u00d6RT. So leicht h\u00e4tte es ein tr\u00e4nenreiches R\u00fchrst\u00fcck werden k\u00f6nnen, oder ein moralisierender Wattebausch. Mit dieser Angst im Nacken, welche ihn ermahnte, niemals die Atmosph\u00e4re aus dem Fokus zu verlieren und auch nicht den eigenen Emotionen nachzugeben, traf der Regisseur Mulligan genau den unbeschwerten Ton ohne erhobenen Zeigefinger, wie ihn Harper Lee in ihrer mit dem Pulitzer-Preis geadelten Geschichte vorgegeben hatte. Ein Anspruch, den Robert auf seinen weiteren Weg, mit den Filmen mitnahm, die folgen sollten. Doch ein Mensch wie Robert Mulligan, der im Erforschen der Menschlichkeit sein h\u00f6chstes k\u00fcnstlerisches Gut sah, musste einmal aus diesem Dunstkreis ausbrechen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Robert Mulligan setzte sich selbst mit Tom Tryons Romanverfilmung von THE OTHER eine kaum zu \u00fcberbr\u00fcckende H\u00fcrde. Der Horrorfilm, der eigentlich mehr einen Thriller mit \u00fcbernat\u00fcrlichen Elementen darstellt, ist ein typisches Objekt der siebziger Jahre. Entgegen allen anderen Filmen, die Mulligan inszenierte, vermisst man bei THE OTHER dieses Gef\u00fchl von Zeitlosigkeit. In Fan- und Genrekreisen z\u00e4hlt man THE OTHER zu den Schockern im Stile von WICKER MAN, oder auch DON\u2019T LOOK NOW \u2013 WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN. Doch der Ausflug ins Horror-Genre steht dem Humanisten Robert Mulligan gar nicht gut zu Gesicht. Zu offensichtlich sind die vielen Wendungen, vorausschaubar bleiben s\u00e4mtliche \u00dcberraschungen, zu uninteressant wirken die Darsteller in den entscheidenden Handlungsphasen. Die Zwillinge Nils und Holland, die auf einer Farm in New England gro\u00df werden, verbindet viel mehr als nur ihre Blutsverwandtschaft. Grauenvolle Sterbef\u00e4lle h\u00e4ufen sich in der Umgebung der Zwillinge und es wird offenbar, das Holland etwas damit zu tun hat. Doch wie sich im Verlauf des Filmes heraus stellt, ist Holland vor geraumer Zeit selbst einem Unfall zum Opfer gefallen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Robert Mulligan versuchte mit dieser uralten Geschichte von Gut und B\u00f6se, welches sich durch eine Person vereint, dem Mythos von Jekyll und Hyde anzun\u00e4hern. Doch weder auf technischer Ebene, noch mit den Darstellern, konnte sich Mulligan auf sein sonst \u00fcbliches Niveau heben. Zudem versagt der Hokus-Pokus-Plot um die russische Gro\u00dfmutter mit \u00fcbernat\u00fcrlicher Begabung, den typischen Anleihen des realit\u00e4tsnahen Kinos der Siebziger Jahre eine ganz klare Absage. Was bei Polanskis Baby-Shower funktionierte, und der Wiege des B\u00f6sen die besondere Note verlieh, machte Robert Mulligans Adaption von THE OTHER zu seinem eigentlich einzigen Film, der die Erwartungen ganz und gar nicht erf\u00fcllte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Robert Mulligan war ein Regisseur f\u00fcr Schauspieler. Er war ein Regisseur, der weniger die Geschichte brauchte als die Verbundenheit seiner Darsteller mit ihren Charakteren. Er war seinem Vorbild Ingmar Bergman stets treu geblieben, vielleicht sogar mit THE OTHER, und das machte ihn zu etwas Speziellem. Robert Mulligan war nie einer der Gro\u00dfen. Er war nie unter den erst genannten Regisseuren. Es bleibt zu bef\u00fcrchten, das Robert Mulligan einfach nur der Regisseur von WER DIE NACHTIGALL ST\u00d6RT in Erinnerung bleiben wird. Das w\u00fcrde der Person Mulligan nicht gerecht werden, daf\u00fcr aber der Nachtigall und allen anderen Filmen, die Mulligan inszenierte. Mit einer kleinen Ausnahme vielleicht. Aber dar\u00fcber gibt es vielleicht auch die unterschiedlichsten Ansichten. Mag man es dem Andenken von Robert Mulligan zugestehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Robert Mulligan war nie einer der ganz Gro\u00dfen. Aber mal im Ernst, wenn sollte das jetzt noch st\u00f6ren? Zumindest machte er gro\u00dfe Filme, und die werden Bestand haben. Und mit ihnen auch sein Name, ob man sich dessen erinnert, oder nicht.<\/span><\/p>\n<h5><a rel=\"attachment wp-att-1067\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/kino-menschen\/robert-mulligan\/mulligan2\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1067\" title=\"Robert-Mulligan-2\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/mulligan2.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"375\" \/><\/a><strong>Bildquellen. Warner Bros &#8211; Film Reference &#8211; Leo Luchs<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Tellerw\u00e4scher zum Million\u00e4r. Das ist der alte Traum vom gro\u00dfen Amerika. Es ist auch der Traum im undurchsichtigen Hollywood. Vom Laufburschen zum gefeierten Regisseur, das war Robert Mulligans Weg. 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