{"id":1106,"date":"2011-06-14T18:02:20","date_gmt":"2011-06-14T17:02:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?page_id=1106"},"modified":"2011-12-27T13:15:45","modified_gmt":"2011-12-27T12:15:45","slug":"der-wilhelm-scream","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/kino-essays\/der-wilhelm-scream\/","title":{"rendered":"Der Wilhelm-Scream"},"content":{"rendered":"<h5 style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #ff0000;\">Dieser Artikel erschien bereits im April 2010<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es war nicht weltbewegend und auch nicht sensationell. Viele d\u00fcrften der Nachricht, soweit sie \u00fcberhaupt zur Kenntnis genommen wurde, wenig Beachtung beigemessen haben. Doch der erneute Auftritt von Soldat Wilhelm in einer Gro\u00dfproduktion sch\u00fcttelt schon im Vorfeld so manchen uners\u00e4ttlichen Fan wach. Und Jon Favreau hat damit einen Coup gelandet, der nur scheinbar unbedeutend wirkt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Als Regisseur von IRON MAN 2 verk\u00fcndete Favreau \u00fcber sein Twitter-Portal, dass Soldat Wilhelm in der Fortsetzung der Comic-Verfilmung zu h\u00f6ren sein wird. Aus dem ehemaligen Insider-Gag wird nun eine Marketing-Kampagne.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_1110\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a rel=\"attachment wp-att-1110\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/kino-essays\/der-wilhelm-scream\/wilhelm-1\/\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1110\" class=\"size-full wp-image-1110\" title=\"Wilhelm-1\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Wilhelm-1.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"195\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Wilhelm-1.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Wilhelm-1-200x130.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/span><\/a><p id=\"caption-attachment-1110\" class=\"wp-caption-text\">Distand Drums 1951<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Als 1951 Raoul Walsh DISTANT DRUMS \u2013 DIE TEUFELSBRIGADE fertiggestellt hatte, ben\u00f6tigte die Postproduktion noch verschiedene Toneffekte. Unter anderem den Schrei eines Mannes, der von einem Krokodil gepackt wird. Es war damals wie heute \u00fcblich, solche Dinge sp\u00e4ter im Studio aufzunehmen und anzupassen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nach Studium diverser Unterlagen sind sich Filmhistoriker soweit einig, dass wohl am wahrscheinlichsten der S\u00e4nger Sheb Wooley im Auftrag der Warner Bros. an jenem Tag ins Studio gerufen wurde, um kr\u00e4ftig ins Mikrofon zu schreien. Wooley hatte die winzige Rolle des Soldaten Jessup schlie\u00dflich auch auf der Leinwand gespielt. W\u00e4hrend man Archiv-Ger\u00e4usche penibel katalogisierte, war man beim Feststellen ihrer Herkunft weniger zuverl\u00e4ssig. Wozu auch, es war nur ein Ger\u00e4usch. Wooleys Witwe hingegen best\u00e4tigte in einem Interview ihrem Mann als Verursacher des Schreis f\u00fcr die eigene Rolle.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Sechs Mal kreischte der vermeintliche Sheb Wooley in verschiedenen L\u00e4ngen und Tonlagen auf Band. Bei der durchgehenden Archiv-Aufnahme ist es der f\u00fcnfte Schrei bei Sekunde 21. Im Archiv von Warner blieb die Aufnahme mit dem Titel \u201eMann wird von Alligator gebissen und er schreit\u201c nur zwei Jahre. Bis f\u00fcr CHARGE AT FEATHER RIVER \u2013 DER BRENNENDE PFEIL f\u00fcr den von einem Pfeil getroffenen Soldaten Wilhelm in der Postproduktion ein Schrei ben\u00f6tigt wurde. Dem Schauspieler Ralph Brooks wurde einfach eine fremde Stimme verpasst.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_1111\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a rel=\"attachment wp-att-1111\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/kino-essays\/der-wilhelm-scream\/wilhelm-2\/\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1111\" class=\"size-full wp-image-1111\" title=\"Wilhelm-2\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Wilhelm-2.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"219\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Wilhelm-2.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Wilhelm-2-200x146.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/span><\/a><p id=\"caption-attachment-1111\" class=\"wp-caption-text\">Charge at Feather River 1953<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Bei darauf folgenden Filmen aus den Warner Studios schien man Gefallen an diesem speziellen Toneffekt gefunden zu haben. Nummer 5 von \u201eMann wird von Alligator gebissen und er schreit\u201c wird immer wieder verwendet, ohne dass sich jemand \u00fcber die H\u00e4ufigkeit der Benutzung klar wird. Bis der kleine Raubkopierer Ben Burtt daher kam und in den Sechzigern Tonaufnahmen von Filmen im Fernsehen machte, die er sich nach eigenen Aussagen abends im Bett mit Kopfh\u00f6rern anh\u00f6rte. Dem Ton-verbundenen Jungen fiel schnell die Wiederholung eines bestimmten Effektes auf, der in vielen verschiedenen Filmen Verwendung gefunden hatte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ben Burtt und sein Kommilitone Richard Anderson studierten Anfang der Siebziger an der University of Southern California. F\u00fcr ihren Abschlussfilm 1974 besorgten sie sich nicht etwa aus dem Archiv von Warner, sondern von der Tonspur eines anderen Films den beiden Studenten bekannten Schrei des Soldaten Jessup. Eine pers\u00f6nliche Hommage mit Folgen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Burtt und Anderson wurden Tonmeister. Burtt wurde von Lucas f\u00fcr STAR WARS angeheuert und bekam im Rahmen seiner Arbeit die Gelegenheit, die Archive der verschiedenen Studios unsicher zu machen. Bei Warner wurde er schlie\u00dflich f\u00fcndig und durfte auf das Originalband zur\u00fcckgreifen, das im Rahmen von DISTANT DRUMS entstanden war. Allerdings betitelte Ben Burtt den Toneffekt nach seinem zweiten Einsatz f\u00fcr Soldat Wilhelm in CHARGE AT FEATHER RIVER.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Richard Anderson, der f\u00fcr Spielberg Ton machte, konterte umgehend bei POLTERGEIST mit dem Wilhelm Scream, was Burtt sofort bei RAIDERS OF THE LOST ARK beantwortete. Zwischen den Freunden entwickelte sich das Spiel, den Schrei in Produktionen des jeweils anderen zu entdecken. Nach Burtts eigenen Aussagen lie\u00dfen die gro\u00dfen Regisseure die beiden ohne Einw\u00e4nde gew\u00e4hren, so schaffte es Wilhelm in fast alle George-Lucas- und Steven-Spielberg-Filme. Doch auch Regisseur Joe Dante war, unabh\u00e4ngig von Burtt oder Anderson, auf Wilhelm aufmerksam geworden und lie\u00df ihn schon von seinem ersten Film 1976 an Verwendung finden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Als Toningenieur musste Filmhistoriker Steve Lee zwangsl\u00e4ufig fr\u00fcher oder sp\u00e4ter \u00fcber diesen Insider-Scherz stolpern. 2005 ver\u00f6ffentlichte er einen Internet-Artikel \u00fcber den Toneffekt. Bis dahin war der WILHELM SCREAM schon \u00fcber 130 Mal eingesetzt worden. Unter Filmkennern und -liebhabern war der Schrei keineswegs ein Geheimnis, doch mit Steve Lees Internet-Publikation wurde aus dem internen Wilhelm ein \u00f6ffentlicher, etwas zu breitgetretener Kult. Der Spa\u00df, den sich Tonkollegen und Regisseure \u00fcber die Jahre untereinander geg\u00f6nnt hatten, verlor sehr abrupt seinen Reiz.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ben Burtt \u00e4u\u00dferte sogar seine Entt\u00e4uschung \u00fcber die offene Popularit\u00e4t des WILHELM SCREAM und entschloss sich, den Toneffekt nach STAR WARS &#8211; EPISODE 3 nicht mehr zu verwenden. Ein bedauerlicher Protest, der an die Adresse von Steve Lee gerichtet war. Und auch Joe Dante hat jede Motivation an der weiteren Verwendung des Schreis verloren, da der aus dem kleinen Spa\u00df erwachsene \u00fcberbordende Rummel das Wesentliche \u00fcberdecken w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Aber ein Kult ist kaum zu stoppen. Und neben Peter Jackson gibt es viele weitere Filmschaffende, die sich bereits die Schuhe von Burtt, Anderson und Co. angezogen haben. Wie zum Beispiel Jon Favreau, der den in den letzten f\u00fcnf Jahren aberwitzig inflation\u00e4r benutzten Schrei in IRON MAN 2 loslassen m\u00f6chte. Damit f\u00fcttert er die uners\u00e4ttliche Fan- und Filmgemeinde mit einer weiteren Zuckerstange, die in diversen Foren und beim Twittern einige Kalorien ansetzen kann.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_1109\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignright\"><a rel=\"attachment wp-att-1109\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/kino-essays\/der-wilhelm-scream\/wilhelm-3\/\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1109\" class=\"size-full wp-image-1109\" title=\"Wilhelm-3\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Wilhelm-3.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"348\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Wilhelm-3.jpg 250w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Wilhelm-3-143x200.jpg 143w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Wilhelm-3-215x300.jpg 215w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/span><\/a><p id=\"caption-attachment-1109\" class=\"wp-caption-text\">Sheb Wooley<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Marketing-Kampagne oder doch nur liebevolle Hommage? Wer m\u00f6chte da schon urteilen m\u00fcssen. Als Ben Burtt sich im zarten Alter nachts die Kopfh\u00f6rer aufsetzte, um bei verschiedenen Filmen Donnergrollen, Pistolensch\u00fcsse und Todesschreie zu vergleichen, da durfte Film noch ein gro\u00dfes, zu ergr\u00fcndendes Geheimnis sein.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Bildquellen: Time Inc., Lionsgate Entertainment, Warner Bros.<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel erschien bereits im April 2010 Es war nicht weltbewegend und auch nicht sensationell. Viele d\u00fcrften der Nachricht, soweit sie \u00fcberhaupt zur Kenntnis genommen wurde, wenig Beachtung beigemessen haben. 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