{"id":2232,"date":"2011-12-31T17:37:17","date_gmt":"2011-12-31T16:37:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?page_id=2232"},"modified":"2012-01-05T10:48:01","modified_gmt":"2012-01-05T09:48:01","slug":"eine-frage-der-auflosung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/kino-wissen\/eine-frage-der-auflosung\/","title":{"rendered":"Eine Frage der Aufl\u00f6sung"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000000;\"><a rel=\"attachment wp-att-2265\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/kino-wissen\/eine-frage-der-auflosung\/finaldraft-12-2\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2265\" title=\"FinalDraft-12\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FinalDraft-121.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"200\" \/><\/a><\/span><a rel=\"attachment wp-att-2265\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/kino-wissen\/eine-frage-der-auflosung\/finaldraft-12-2\/\"><\/a><span style=\"color: #000000;\">Die Rubrik \u201eFinal Draft\u201c bezieht ihren Namen von der letzten Drehbuchfassung, auch Shooting-Script genannt. In den meisten F\u00e4llen ist der \u201eFinal Draft\u201c f\u00fcr die Dreharbeiten bindend, die Fassung ist Fakt, kaum noch etwas daran zu r\u00fctteln. So beziehen sich eben auch die Artikel in dieser Rubrik auf etwas Endg\u00fcltiges, etwas faktisch Klargestelltem. Die Geschichte des Tonfilms ist ebenso festgelegt wie die Bezeichnung verschiedener Trickeffekte. Doch auf einmal tut sich ein Thema auf, das nicht so einfach faktisch konkretisiert werden kann. Da gibt es eben nicht einfach Ja oder Nein, Wahrheit oder L\u00fcge. Oder am besten ausgedr\u00fcckt, da gibt es kein Null oder Eins. Und das ist beim Vergleich von Filmmaterial zu digitaler Aufzeichnung der Fall.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das Fandom lief hei\u00df, als Christopher Nolan ank\u00fcndigte, im Dezember 2011 den sechsmin\u00fctigen Prolog zu \u201eDark Knight Rises\u201c vor der Hauptvorstellung von \u201eMission: Impossible \u2013 Ghost Protocol\u201c zu zeigen. Allerdings betraf dieser Vorausblick nur IMAX-Kinos und nur solche, die \u201eMission: Impossible\u201c tats\u00e4chlich auf IMAX-Film vorf\u00fchrten, und nicht digital. Christopher Nolan hat mit seinem Kameramann Wally Pfister die Chefsessel von Warner vor den Kopf gesto\u00dfen und nebenbei die alte Frage wieder aufkochen lassen: Warum auf Film?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Warner wollte Nolan und Pfister bereits \u201eInception\u201c in 3-D drehen lassen, was diese zugunsten der Story ablehnten. Warner glaubte, sp\u00e4testens bei \u201eDark Knight Rises\u201c k\u00f6nnte man Nolan 3-D aufzwingen. Der unerwartete finanzielle und k\u00fcnstlerische Erfolg von \u201eInception\u201c brachte den Regisseur in eine noch bessere Position. F\u00fcr Warner bleibt das Geldabsch\u00f6pfen mit 3-D im Falle des Dark Knight ein Traum. Ein Alptraum, wenn man die zu erwartenden Besucherzahlen bedenkt und das Ausbleiben des 3-D-Zuschlags an der Kasse. Daf\u00fcr erf\u00fcllten sich Nolan und Pfister wieder das Vergn\u00fcgen, auf IMAX-Filmformat zu drehen. F\u00fcr die beiden Vision\u00e4re die einzige Alternative, ein Film-Abenteuer wieder visuell als Ereignis herauszustellen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">W\u00e4hrend Peter Jackson in Neuseeland mit 48 Red Kameras den \u201eHobbit\u201c digital und mit 3-D zum Leben erweckt, hat Nolan mit seiner Beharrlichkeit unter Cineasten einen kleinen Filmhype ausgel\u00f6st. Und dabei ist alles so einfach, denn es geht um Aufl\u00f6sung. Es geht um die Bildinformation. Es geht um Bilder, die weit mehr transportieren als nur die Geschichte. Hier an dieser Stelle geht es dabei um die Aufnahmeverfahren, wie ein Film auf Kamera gebannt wird. Die Sache mit der Projektion ist da eine ganz andere Sache, wird aber f\u00fcr die digitale Verbreitung hier mit angerissen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Geht man heute in ein digital ausger\u00fcstetes Kino, erwartet den Zuschauer ein klares, zitterfreies Bild, welches sich auf 15 Quadratmeter mit 3,2 Millionen Bildpunkten breitmacht. 3,2 Millionen Pixel ist der augenblicklich weltweite Vorf\u00fchrstandard bei digitalen Kinos, auch 2K genannt, was 2048 Bildpunkte auf 1556 Zeilen bedeutet. Wird ein Film also auch auf 2K gedreht und bearbeitet, wird 1:1 auf die Leinwand \u00fcbertragen. Ein wenig mehr, als man zu Hause unter Blu-ray und HD auf den Fernseher bekommt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Aber auch f\u00fcr das digitale Kino gibt es High Definition, nennt sich 4K und versorgt ein einzelnes Filmbild mit fast 13 Millionen Pixeln. Daraus ergeben sich selbstverst\u00e4ndlich, ohne nachrechnen zu m\u00fcssen, 4096 x 3112 Pixel, was die vierfache Bildinformation von 2K bedeutet. Auch wenn noch sehr selten mit 4K vorgef\u00fchrt wird, das Material stattdessen f\u00fcr die Vorf\u00fchrung heruntergerechnet werden muss, macht sich die F\u00fclle an Mehrinformation im Bild bei Kontrast, Farbtiefe und Sch\u00e4rfe dennoch bemerkbar.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Hiermit beginnt der theoretische Teil, der angreifbare Abschnitt. Bei dem geht es um die Bildinformation bei herk\u00f6mmlichen Filmmaterial. Bei Film hei\u00dft es nicht Pixel, sondern K\u00f6rnung, und die ist nicht wie bei digitaler Aufzeichnung sauber vertikal und horizontal geordnet, sondern ein strukturloses Chaos auf dem Tr\u00e4germaterial. Die Schwierigkeit ist nun, dass es keine verl\u00e4sslichen Zahlen und keine zuverl\u00e4ssigen Studien gibt, wie viel K\u00f6rnung sich jetzt auf einem 22 x 16 mm gro\u00dfen Filmbild tats\u00e4chlich befindet, auf dem heute noch die meisten aller Hollywood-Blockbuster gedreht werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Unterschiedliche Quellen geben unterschiedliche Zahlen an, manche behaupten errechnet worden zu sein, andere glauben, dass eine Sch\u00e4tzung ausreichen muss. Wendet man sich vertrauensvoll an Kodak, den Hauptlieferanten der Glitzerwelt, erf\u00e4hrt man einen ungef\u00e4hren Wert der K\u00f6rnung, welcher 4000 x 3000 Pixel entsprechen w\u00fcrde. Diese Zahlen sind allerdings nicht belastbar und k\u00f6nnen nicht festgemacht werden. Es gibt viele Stimmen, die den Wert wesentlich niedriger ansetzen, ebenso viel allerdings setzen diese Zahlen um einiges h\u00f6her an. Vergleicht man unendlich viele Zahlen aus unendlich vielen Quellen, kristallisiert sich Kodaks Aussage als die realistischste Quelle heraus. Ein Filmbild enth\u00e4lt ungef\u00e4hr auf 12 Millionen Bildpunkten seine Informationen.<\/span><\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-2236\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/kino-wissen\/eine-frage-der-auflosung\/finaldraft-12-b\/\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2236\" title=\"FinalDraft-12-b\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FinalDraft-12-b.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"402\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FinalDraft-12-b.jpg 550w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FinalDraft-12-b-200x146.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FinalDraft-12-b-300x219.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/span><\/a><span style=\"color: #000000;\">Das analog aufgenommene Filmbild enth\u00e4lt also dieselbe Menge an Bildinformation wie eine mit 4K get\u00e4tigte Aufnahme. Was den Filmemacher sich also f\u00fcr das eine oder andere Medium entscheiden l\u00e4sst, ist seine rein pers\u00f6nliche Vorliebe an Handhabbarkeit und den Anspr\u00fcchen am Drehort. Die Handhabbarkeit einer IMAX-Kamera am Drehort ist da um einiges ungelenker. Der Koloss verschie\u00dft zwar herk\u00f6mmliches 70mm-Filmmaterial, allerdings nicht vertikal, wie das normale Kameras tun, sondern horizontal. Somit wird die eigentliche Filmbreite bei IMAX zur H\u00f6he des Filmbildes. Aus einem Bild mit den Abmessungen 52 x 23 mm wird ein Filmbild mit der Gr\u00f6\u00dfe 71 x 52 mm.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es geht weiter mit nicht belastbaren Zahlen, die allerdings ebenfalls aus dem Hause Kodak kommen. IMAX bezieht sein Material ausschlie\u00dflich bei Kodak, denn die unglaublich pr\u00e4zisen Apparaturen bei Aufnahme und Vorf\u00fchrung lassen keinerlei Toleranz im Filmmaterial zu. Ohne sich allerdings festzulegen, gibt man an, dass ein Filmbild mit 10000 x 7000 Pixeln vergleichbar w\u00e4re. Rein theoretisch ist das eine K\u00f6rnung von 70 Millionen Bildpunkten. Was sich im Rechenvergleich mit den 12 Millionen Pixeln bei 35mm-Material ungef\u00e4hr decken w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-2237\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/kino-wissen\/eine-frage-der-auflosung\/finaldraft-12-a\/\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2237\" title=\"FinalDraft-12-a\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FinalDraft-12-a.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"385\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FinalDraft-12-a.jpg 550w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FinalDraft-12-a-200x140.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FinalDraft-12-a-300x209.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/span><\/a><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das IMAX-Filmformat bietet also mehr als die f\u00fcnffache Menge an Bildinformation wie ein auf herk\u00f6mmlichem Material gedrehter oder mit 4K aufgenommener Film. Eine vergleichende Zahlenspielerei: Eine gro\u00dfe Multiplex-Leinwand hat eine Breite von 15 Metern. Um immer noch ein glasklares, perfektes Filmbild zu haben, k\u00f6nnte mit einer mehr als f\u00fcnffachen Bildinformation die Leinwand 75 Meter breit sein. Die weltweit gr\u00f6\u00dfte IMAX-Leinwand hingegen ist auch nur 35 Meter breit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Wer an dieser Stelle noch nicht kapituliert hat, versteht vielleicht die Absicht hinter Christopher Nolans und Wally Pfisters Vorhaben, ihre Filme komplett auf IMAX-Format zu drehen. Denn bei dieser Menge an Bildinformation ben\u00f6tigt man kein 3D, um die Tiefe eines Bildes zu erfahren, um die Umgebung naturgetreu zu erfassen, um als Zuschauer tats\u00e4chlich \u201ein den\u201c Film gezogen zu werden. Brad Bird hat sich von Nolan \u00fcberzeugen und anstecken lassen, und 30 Minuten f\u00fcr \u201eMission: Impossible \u2013 Ghost Protocol\u201c auf IMAX gedreht. Das Ergebnis ist im wahrsten Sinne des Wortes schwindelerregend, aber \u00fcberw\u00e4ltigend. Bei \u201eDark Knight Rises\u201c werden es zwischen 40 und 50 Minuten sein. Warum so wenig? Weil der spezielle Mechanismus, den Bildstand beim Bildtransport immer korrekt zu halten, die IMAX-Kamera so verdammt laut macht, dass Szenen, in denen der Originalton vom Drehort gebraucht wird, nicht umsetzbar sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Red-Kameras, mit denen sich Peter Jackson in Neuseeland zufrieden gibt, sind da wesentlich Set-freundlicher. Daf\u00fcr dreht Jackson anstatt mit den \u00fcblichen 24 Bildern pro Sekunde auf 48 Bilder. Um es auf das Einfachste herunterzubrechen, k\u00f6nnte man das durchaus damit vergleichen, dass sich die daraus ergebende Bildinformation verdoppelt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die viele Zahlenspielereien, einige faktische, andere sehr hypothetisch, sind kein Pro und Kontra f\u00fcr oder wider Digital oder gar dem IMAX-Format. Es sind reine Betrachtungsweisen, um zu verdeutlichen, warum sich Filmemacher aus dem einen oder anderen Grund f\u00fcr ein Format entscheiden. Denn alle Formate haben ihre Vorteile, so wie jedem auch Nachteile entgegenstehen. Letztendlich soll sich der Filmemacher daf\u00fcr entscheiden, was f\u00fcr seinen Film das Beste in der Umsetzung ist. Und jeder wei\u00df, dass sowohl Nolans \u201eDark Knight Rises\u201c als auch Jacksons \u201eHobbit\u201c kaum einen Zuschauer entt\u00e4uschen werden, weil sie ihre Visionen genau so umsetzen, wie diese ihnen vorschweben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ach, wer immer noch glaubt, es sei billiger, komplett auf Digital zu produzieren anstelle des umst\u00e4ndlicher zu handhabenden Films, der t\u00e4uscht gewaltig. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erz\u00e4hlt werden.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rubrik \u201eFinal Draft\u201c bezieht ihren Namen von der letzten Drehbuchfassung, auch Shooting-Script genannt. In den meisten F\u00e4llen ist der \u201eFinal Draft\u201c f\u00fcr die Dreharbeiten bindend, die Fassung ist Fakt, kaum noch etwas daran zu r\u00fctteln. 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