{"id":468,"date":"2011-03-23T07:18:42","date_gmt":"2011-03-23T06:18:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?page_id=468"},"modified":"2011-12-31T17:35:00","modified_gmt":"2011-12-31T16:35:00","slug":"freiwillige-selbstkontrolle","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/kino-wissen\/freiwillige-selbstkontrolle\/","title":{"rendered":"Freiwillige Selbstkontrolle"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: justify;\"><a rel=\"attachment wp-att-471\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/kino-wissen\/freiwillige-selbstkontrolle\/finaldraft-06\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-471\" title=\"FinalDraft-06\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FinalDraft-06.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"200\" \/><\/a><strong><span style=\"color: #000000;\"><\/span><span style=\"color: #000000;\">Freiwillige Selbstkontrolle<\/span><\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">September 1921<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der beliebte Stummfilmstar Fatty Arbuckle gibt wieder mal eine Party. Der Komiker, dessen Vorname eigentlich Roscoe lautet, hat seinen Spitznamen nicht zu Unrecht. Denn den treuherzig blickenden Dicken, der wie seine Leinwandauftritte vorgeben, keinem etwas zuleide tun kann, gibt es nur in den Augen seines Publikums.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Bei besagter extrem ausschweifender Party l\u00e4sst man Stra\u00dfenkleider Stra\u00dfenkleidung sein und einigt sich auf Pyjamahosen, w\u00e4hrend die meisten Damen oben ohne feiern und ausgelassen tanzen. Arbuckle verschwindet mit der aufstrebenden T\u00e4nzerin Virginia Rappe in einem der Schlafzimmer. Die Party findet mit Virginias entsetzlichen Schreien ein j\u00e4hes Ende. Der Liebling des \u201esauberen Humors\u201c droht noch, Virginia aus dem Fenster zu werfen, wenn sie nicht mit dem Heulen aufh\u00f6rt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Virginia Rappe stirbt an inneren Verletzungen, wie der Gerichtsmediziner feststellt. Nachdem der stark \u00fcbergewichtige Arbuckle Virginias komplette Kleidung in winzige St\u00fccke gerissen hat, st\u00fcrzte er sich mit seinem enormen Lebendgewicht auf die zierliche Frau. Blasenriss! Danach vergewaltigte er sie zuerst mit einer Champagnerflasche und dann mit einem scharfkantigen Gegenstand. Schneller, als der Gerichtsmediziner seinen Bericht abschlie\u00dfen kann, erfahren die Zeitungen von dem Vorfall.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Juli 1949<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft wird der erste Film zur Pr\u00fcfung \u00fcbergeben. INTIMIT\u00c4TEN von Paul Martin bekommt eine Altersfreigabe von 16 Jahren und darf nicht am Karfreitag, Bu\u00df- und Bettag, Allerseelen und Totensonntag gezeigt werden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Filmproduzent Erich Pommer, der Vorsitzende des Filmverleiherverbands, Horst von Hartlieb und Regisseur Carl Oertel wollen eine selbstverwaltete Filmkontrolle einrichten. Ihr Vorbild ist dabei der in Amerika sehr erfolgreich eingesetzte HAYS CODE. Die Filmindustrie will der neuen Bundesrepublik Deutschland und ihren Volksvertretern zuvorkommen, denn man hat nach dem Ende des dritten Reichs den Kragen gestrichen voll von staatlicher Einmischung und Reglementierung. Zudem, so wird Horst von Hartlieb zitiert, birgt staatliche Filmkontrolle auch die Gefahr der Politisierung.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Erich Pommer ist zu dieser Zeit von den Amerikanern mit dem Wiederaufbau der deutschen Films betraut und verf\u00fcgt so \u00fcber den n\u00f6tigen Freiraum. Die Moralapostel stehen schon Gewehr bei Fu\u00df, da die Besatzungsmacht Amerika bei der Zulassung von Filmen bisher keinerlei R\u00fccksicht auf den Jugendschutz nimmt. In einer l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Kommission mit Vertretern verschiedener Institutionen wird 1949 die FREIWILLIGE SELBSTKONTROLLE DER FILMWIRTSCHAFT gegr\u00fcndet. Die neue, kurz FSK genannte Einrichtung, ist von Anfang an so gut strukturiert, dass die Besatzer schon drei Monate sp\u00e4ter ganz offiziell die Filmkontrolle abtreten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">1922<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Hollywood treibt es richtig wild. Kino wird immer popul\u00e4rer, es gibt hochangesehene Stars und die Finanzen passen auch. Die wirklich junge Branche wei\u00df sich vor lauter \u00dcbermut gar nicht mehr zu benehmen. Sittenw\u00e4chter und Zeitungen st\u00fcrzen sich auf das unz\u00fcchtige Geb\u00e4rden, das privat von den Menschen veranstaltet wird, die auf der Leinwand Recht und Ordnung, Anstand und Moral verk\u00f6rpern. Und da der Faktor Geld in Hollywood von Anfang an regiert, und dieser Markt mit seinen Finanzen im Begriff ist, weiter zu expandieren, muss man etwas unternehmen. Einer der gewichtigsten Ausl\u00f6ser daf\u00fcr ist unter anderem der Prozess gegen Roscoe \u201aFatty\u2018 Arbuckle und die Anklage wegen Totschlags an Virginia Rappe.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Um den Erfolg in Hollywood besorgte Menschen gr\u00fcnden die Vereinigung der Produzenten und Verleiher, auch MPPDA genannt. 1945 wird daraus die MPAA (Motion Picture Association of America), aber das ist erst sp\u00e4ter von Interesse.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Es m\u00fcssen Richtlinien erstellt werden. Jemand muss mit eisernem Besen durchfegen. Nicht nur soll die Reputation der Unfehlbarkeit von Stars wiederhergestellt werden, man ist in der Industrie nicht minder besorgt, dass staatliche Institutionen die Kontrolle an sich rei\u00dfen k\u00f6nnten. Bisher hat sich niemand darum gek\u00fcmmert, was auf der als Leinwand sittlich gilt oder wo die moralischen Grenzen liegen. Das Medium ist jung und bereit, sich auszutesten. So mancher \u00f6ffentlich gewordene Lebenswandel einiger Partygirls und Drogenhengste macht die prek\u00e4re Situation nicht einfacher.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Es ist der ehemalige Postminister William Hays, der die Leitung der MPPDA \u00fcbernimmt. Und das Rattengesicht, wie man ihn sp\u00e4ter gerne hinter vorgehaltener Hand nennen wird, erl\u00e4sst als erstes ein sofortiges Arbeitsverbot f\u00fcr Fatty Arbuckle. Dieser wurde zwar vom Vorwurf des Totschlags frei gesprochen, aber der bereits entstandene schlechte Ruf soll mit Hollywood nicht in Verbindung gebracht werden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">1927<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">ist das Jahr, in dem William Hays seine ber\u00fcchtigte Liste mit Regeln zusammenstellt, die bestimmt, was Filmemacher auf der Leinwand zu vermeiden haben bzw. in welchen Bereichen sie sich vorsichtig verhalten sollen. Hays nimmt sich ein Beispiel an verschiedenen staatlichen Zensuraussch\u00fcssen, um diese Liste zu komplettieren. Denn genau diese staatlichen Einfl\u00fcsse sollen ja von der Filmbranche ferngehalten werden. Erst 1930 stellt Hays das Studio Relations Committee zusammen, das die Einhaltung der sogenannten Liste sicherstellen soll, was bisher auf Basis von freiwilligen Engagement geschieht. Das Studio Relations Committee hat nicht wirklich Handlungsvollmacht, aber das Rattengesicht Hays nimmt seinen ihn Job sehr ernst und sucht Unterst\u00fctzung bei kirchlichen Verb\u00e4nden, um durchzusetzen, was man ihm 1922 angetragen hat. Die Vereinigung der Produzenten und Verleiher (MPPDA) verpflichtet sich unter Hays wachsenden Einfluss, den PRODUCTION CODE zu akzeptieren und einzuhalten. Kein lustvolles K\u00fcssen, keine nackten Menschen, kein verf\u00fchrerisches Tanzen, kein Alkohol um des Vergn\u00fcgens willen, kein explizites Zeigen von kriminellen Handlungen. Racheakte sind ebenso wenig zu zeigen wie Beziehungen zwischen verschiedenen Nationalit\u00e4ten. Der PRODUCTION CODE ist lang und einige Punkt greifen derart ineinander, dass daraus wieder neue Regeln entstehen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">1934<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">endet die Zeit \u201evor dem Code\u201c. Joseph Breen hei\u00dft der erste Vorsitzende des nun eben nach ihm benannten BREEN OFFICE, welches die bisher fehlende Handlungsvollmacht endlich besitzt. Mit dem Production Code hat das Breen Office ganz klar zu sagen, was in Filmproduktionen gezeigt werden darf und was nicht: Es entscheidet, was man den Zuschauer vorenthalten soll. Es f\u00fchlt sich als das moralische Herzst\u00fcck amerikanischer Unterhaltung.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Mit dem Akzeptieren des Production Codes wird eine Selbstregulierung innerhalb der Industrie geschaffen, die erfolgreich jeden staatlichen Einfluss von Zensur und Politik aus Hollywood fern h\u00e4lt. Diese Rechnung geht dank der m\u00fchevollen Vorarbeit von William H. Hays wunderbar auf. Allerdings hat man den Tiger zum H\u00fcter der Schafe gemacht, um den Collie drau\u00dfen zu halten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">In vielen F\u00e4llen beginnen die Geschichten oder auch die bildliche Umsetzung unter der eingeschr\u00e4nkten k\u00fcnstlerischen Freiheit zu leiden. Und viele europ\u00e4ische Filme haben gleich \u00fcberhaupt keine Chance auf eine Vorf\u00fchrung in Amerika.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><a rel=\"attachment wp-att-473\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=473\"><\/a><a rel=\"attachment wp-att-476\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/kino-wissen\/freiwillige-selbstkontrolle\/finaldraft-06a\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-476\" title=\"FinalDraft-06a\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FinalDraft-06a.jpg\" alt=\"\" width=\"403\" height=\"352\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FinalDraft-06a.jpg 403w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FinalDraft-06a-200x174.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FinalDraft-06a-300x262.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 403px) 100vw, 403px\" \/><\/a><br \/>\n<\/span><strong><span style=\"color: #000000;\">1951<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">wird in der fast frischen Bundesrepublik Deutschland das erste Jugendschutzgesetz verabschiedet. Da Fernsehen sehr wenig verbreitet ist und an Video wirklich noch keiner denkt, richtet man diesen Jugendschutz mangels Medien auf den Kinofilm aus, mit den drei Stufen \u201ebis 10 Jahre\u201c, \u201ezwischen 10 und 16 Jahre\u201c und \u201eab 16 Jahre\u201c. Die Praxis der Pr\u00fcfung bleibt \u00fcber die Jahre konstant. 190 ehrenamtliche Pr\u00fcfer aus einer Vielzahl von Berufszweigen und unterschiedlichen Gesellschaftsschichten nehmen sich der eingereichten Filme an. In drei parallel arbeitenden Gremien werden t\u00e4glich Filme (heutzutage nat\u00fcrlich auch DVDs und Spiele mit filmischen Sequenzen) unter die Lupe genommen. Keiner der Pr\u00fcfer darf hauptberuflich f\u00fcr eine Film- oder Fernsehfirma arbeiten. Sie sollen entweder aus der Medienbranche kommen, mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben oder in Richtung Psychologie kundig sein. Sieben Pr\u00fcfer sitzen in einem Arbeitsausschuss. Der\u00a0 Hauptausschuss kommt an die Reihe, wenn der Arbeitsausschuss kein einstimmiges Urteil f\u00e4llt oder der Film erneut eingereicht wird. Dann sind es schon neun Pr\u00fcfer, die herangezogen werden. Der Appellationsausschuss darf\u00a0 an die ganz harten N\u00fcsse, ist dann aber im Verfahren der Pr\u00fcfung g\u00fcltig.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein Film muss nicht zur Pr\u00fcfung gestellt werden, jedoch hat sich die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO\/JK) dazu verpflichtet, nur gepr\u00fcfte und freigegebene Filme zu bewerben, verleihen und\/oder zu verkaufen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">1964<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">beginnt der Einfluss des Hays Codes an Wirkung zu verlieren. Sidney Lumets Gro\u00dfstadtdrama DER PFANDLEIHER zeigt zum ersten Mal zwei Frauen unverh\u00fcllt und die Produktionsfirma verweigert die geforderten Schnitte. Dann soll der Film eben ohne das Siegel des Produktion Codes in den Verleih kommen. Die ehemalige MPPDA, nun die Motion Picture Association of Amerika (MPAA), macht ihre Bedenken geltend, weil DER PFANDLEIHER den Holocaust als Hintergrund\u00a0 hat und die Szenen wichtiger emotionaler Bestandteil der Hauptfigur sind. Zudem hat das Breen Office mit Berufung auf den Production Code in den Anf\u00e4ngen des zweiten Weltkriegs peinlicherweise eine Produktion gestoppt, die die Konzentrationslager der Nazis zum Thema hatte, was wiederum andere Filme gegen das Nazi-Regime verhinderte. Der PFANDLEIHER bekommt unter dem Deckmantel der Ausnahme das Siegel.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Aber da ist auch schon das junge Hollywood. Das will raus. Raus aus den Zw\u00e4ngen, raus zum Spielen. Mike Nichols, Robert Aldrich, der junge Francis Ford Coppola stolpern in der Szenerie herum. Die Dialoge werden expliziter, die Bilder verlieren ihre Keuschheit, man will unbedingt auch politisch werden, noch dazu regierungskritisch. Als 1966 Jack Valenti Pr\u00e4sident der MPAA wird, ver\u00f6ffentlicht MGM zeitgleich Antonionis BLOW UP ohne Zertifikat, weil ihm die Freigabe versagt bleibt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Und auf einmal merkt man in der Industrie, dass die MPAA gar nichts dagegen tun kann. Die KATHOLISCHE LEGION F\u00dcR ANSTAND als st\u00e4ndiger Wegbegleiter des Production Codes und einflussreicher Helfer f\u00fcr die Sache, wird \u00fcberhaupt nicht mehr ernst genommen. Die freiwillige Selbstkontrolle der Amerikaner ist \u00fcberholt, wird nicht mehr akzeptiert und hat ausgedient. William H. Hays\u2018 entworfener Production Code wird abgeschafft.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Brauchts das denn wirklich, dass wir heute noch so zensiert werden? Nein, weil die FSK nicht zensiert. Genauso wenig, wie es die MPAA tut, seit Jack Valenti das amerikanische Bewertungssystem einf\u00fchrte. Ohne Alterseinschr\u00e4nkung, ab 6 Jahre, ab 12 Jahre, ab 16 Jahre und keine Jugendfreigabe, das sind vern\u00fcnftige Einstufungen, die nicht nur ihre Pflicht erf\u00fcllen, sondern dringlich notwendig sind. Es wurde geraume Zeit diskutiert, ob man zwischen 6 und 12 noch eine extra Einstufung einf\u00fchren soll, weil die nat\u00fcrliche Entwicklung der Kinder diese differenziertere Wahrnehmung zul\u00e4sst. \u00c4hnlich unterliegt ja die urspr\u00fcnglichen amerikanischen Ratings G (ohne Beschr\u00e4nkung), M (nur in Begleitung des Erziehungsberechtigten), R (nur ab 16) und X (nur ab 18) auch dem Wandel von Zeit und Notwendigkeit. Heute sind es G, PG, PG-13, R, NC-17 und die drei X f\u00fcr rein pornografische Werke.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Pr\u00fcfstellen auf beiden Seiten des gro\u00dfen Teiches machen Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Schnitte und \u00c4nderungen, weil nat\u00fcrlich jedes Studio aus finanziellen Gr\u00fcnden die m\u00f6glichst niedrigste Einstufung erreichen m\u00f6chte. Und wenn jemandem die Aug\u00e4pfel mit einem L\u00f6ffel entfernt werden, kann es daf\u00fcr weder ein 12er Freigabe noch eine Bewertung mit PG geben. Der Vorschlag zu k\u00fcrzen ist naheliegend, oder der Antragsteller gibt sich mit einem R oder ab 18 zufrieden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Nur wenige, leider aber viel zu laute engstirnige Kleingeister werfen diesen Gremien Zensur vor. Das ist nat\u00fcrlich polemischer Unsinn. Wer unqualifiziert von Zensur redet, sollte abwarten, was sich bez\u00fcglich des Internets in Deutschland tut wird. Dann k\u00f6nnen diese Phrasendrescher was \u00fcber Zensur lernen. F\u00fcr Zensur und Indizierung sind juristische Beh\u00f6rden zust\u00e4ndig.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es Fehlentscheidungen bei der Feststellung der Altersfreigabe gegeben hat und bestimmt weiterhin geben wird, bei \u00fcber 100.000 Filmen, die der FSK bisher zur Pr\u00fcfung vorgelegt wurden. Kritik geht meist einher mit massentauglichen Gro\u00dfproduktionen wie den HARRY-POTTER-Filmen, wo die Freigaben bei jedem neuen Teil eher willk\u00fcrlich erscheinen. Bei Catherine Breillats ROMANCE hingegen nahm die \u00d6ffentlichkeit nur Ansto\u00df an der bildlichen Umsetzung, nicht aber an der 18er Freigabe, die eine ungeschnittene Ausstrahlung im \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehen erm\u00f6glichte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Obwohl sich die MPAA in Amerika unabh\u00e4ngig schimpft, glauben manche Kritiker zu bemerken, dass einem Film von Steven Spielberg eine g\u00fcnstigere Freigabe gegeben wird, als es seinerzeit zum Beispiel Stanley Kubrick widerfahren sei.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">In Amerika wie auch in Deutschland finanzieren sich die Gremien durch die Geb\u00fchren, die bei einer Pr\u00fcfung anfallen. Das vermittelt nat\u00fcrlich das Gef\u00fchl der Unabh\u00e4ngigkeit. Dennoch sollte man solche Gremien durchaus auch kritisch beobachten. Jedoch darf\u00a0 man sich nicht durch fehlgeleitete Emotionen hinrei\u00dfen lassen, die in manch unverantwortlichen \u00c4u\u00dferungen enden. Bl\u00f6dsinnigstes Argument ist dabei nat\u00fcrlich, dass die Praxis der freiwilligen Selbstkontrolle \u00fcberholt sei. Dicht gefolgt von dem Wahnsinn, dass ein gewisser Teil von Konsumenten sich in seiner Freiheit eingeschr\u00e4nkt f\u00fchlt, sollte jenseits des Ozeans oder hier bei uns ein Film einen Schnitt im Zuge der Freigabe-Pr\u00fcfung erfahren haben.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Eingeschr\u00e4nktes Denkverm\u00f6gen behindert die Wahrnehmung, dass gerade zwischen Europa und Amerika sehr unterschiedliche Akzeptanzen in der gesellschaftlichen und sozialen Wahrnehmung herrschen. Erfreut sich das amerikanische PG-13-Publikum an gezeigter Selbstjustiz, kann der zw\u00f6lfj\u00e4hrige Deutsche sich an nackten Frauen sattsehen. Umgekehrt unm\u00f6glich, das sollte die Allgemeinheit endlich begreifen. So kommt es eben zu unterschiedlichen Schnittfassungen, \u00fcber die sich so gerne ereifert wird ohne gro\u00df vorher nachzudenken. Besonders die FSK ist st\u00e4ndig bem\u00fcht, die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen aktuell zu erfahren, ob in direkten Gespr\u00e4chen, mit speziell ausgew\u00e4hlten Filmen oder \u00fcber Analysen von Jugendvertretern. Der stete Wandel von Gesellschaft und sozialen Werten wird dabei stets ber\u00fccksichtigt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Eine um f\u00fcnf Sekunden ver\u00e4nderte Filmfassung gegen\u00fcber der urspr\u00fcnglich in Amerika ver\u00f6ffentlichen Fassung zu sehen, diesen widrigen Umstand dann auch zu verstehen, in Kauf zu nehmen und zu akzeptieren geh\u00f6rt ebenso zu einer sozialen Kompetenz, die unsere Gesellschaft funktionieren l\u00e4sst.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">1922 \u2013 1933<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Nat\u00fcrlich ist die Schilderung des Skandals um Roscoe Arbuckle ein \u00fcbertriebenes Produkt aus Kenneth Angers Feder. Die Geschehnisse im Hotelzimmer des besagten Tages verlaufen wesentlich unspektakul\u00e4rer, Virginia Rappe ist bekannterweise\u00a0 schon vorher mit Blasenentz\u00fcndung krank gewesen, eine Vergewaltigung wird von Virginias Freundin erfunden, die Zeitungen bl\u00e4hen die Sache mit an den Haaren herbei gezogenen Details bis zur Unkenntlichkeit auf. \u00dcber drei Instanzen wird Arbuckle von den Vorw\u00fcrfen freigesprochen. Dennoch bleibt der durch falsche Meinungsmache von der \u00d6ffentlichkeit zu Unrecht Verurteile das erste Ziel von Moralapostel William Harrison Hays und erh\u00e4lt in Arbeitsverbot.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Roscoe Arbuckle verdiente sich erst sp\u00e4t wieder ein paar Dollar in Hollywood, und auch nur, weil er unter falschem Namen Regie f\u00fchrte. Erst 1933 bot Warner ihm an, die Regie f\u00fcr einen Langfilm unter seinem richtigen Namen zu inszenieren. Roscoe \u201aFatty\u2018 Arbuckle war \u00fcber dieses Angebot derart erfreut, dass er noch in derselben Nacht an einem Herzinfarkt starb.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Bildquelle: Disney<br \/>\n<\/span><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freiwillige Selbstkontrolle September 1921 Der beliebte Stummfilmstar Fatty Arbuckle gibt wieder mal eine Party. Der Komiker, dessen Vorname eigentlich Roscoe lautet, hat seinen Spitznamen nicht zu Unrecht. 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