{"id":10418,"date":"2016-03-01T16:35:44","date_gmt":"2016-03-01T15:35:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=10418"},"modified":"2016-03-01T16:36:03","modified_gmt":"2016-03-01T15:36:03","slug":"spotlight-trifft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2016\/spotlight-trifft\/","title":{"rendered":"SPOTLIGHT trifft"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2016\/spotlight-trifft\/null-3\/\" rel=\"attachment wp-att-10420\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Copyright Paramount Pictures\" alt=\"Spotlight-1, Copyright Paramount Pictures\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Spotlight-1.jpg\" width=\"250\" height=\"353\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2016\/oscars-2015-die-gewinner\/oscarposter16\/\" rel=\"attachment wp-att-10385\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-10385\" alt=\"oscarposter16, Copyright AMPAS\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/oscarposter16.jpg\" width=\"120\" height=\"177\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/oscarposter16.jpg 250w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/oscarposter16-136x200.jpg 136w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/oscarposter16-204x300.jpg 204w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/a>SPOTLIGHT<br \/>\nBundesstart 25.02.2016<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">SPOTLIGHT war 2015 der erste Film, der als Oscar-Kandidat gehandelt wurde. Das Gl\u00fcck ist solchen Filmen allerdings selten beschienen, starten sie doch so fr\u00fch im Jahr, dass noch viel zu viel andere vielversprechende Kandidaten folgen, und dabei schnell aus dem Fokus geraten. Erste Stimmen verglichen SPOTLIGHT mit Alan J. Pakulas Meisterwerk ALL THE PRESIDENT&#8217;S MEN &#8211; DIE UNBESTECHLICHEN. Und das scheint nicht zu weit hergeholt zu sein, dass Filmemacher Tom McCarthy sich dieses Vorbild sehr genau zu Gen\u00fcge gef\u00fchrt hatte. Sachlich und ohne Sensationshascherei, aber \u00fcber die Protagonisten doch sehr emotional auf den Zuschauer \u00fcbertragen. Dabei geht es um den investigativen Journalismus. Als Woodward und Bernstein Mitte der Siebziger Nixon zu Fall brachten, war das noch eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Heute ist das kaum noch zu \u00fcberblicken. F\u00fcr angesehene Journalisten vielleicht, f\u00fcr den Konsumenten allerdings kaum. Zu viel wird zu schnell konsumiert. Sehr oft bleibt die Frage nach den Tatsachen, oder das Hinterfragen auf der Strecke. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more--><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Die Zeitung Boston Globe bekommt einen neuen Chefredakteur, Marty Baron. Er setzt sein Rechercheteam sofort auf einen Fall an, der dem Globe schon einmal zugespielt wurde. Ein katholischer Priester soll achtzig schutzbefohlene Jungen sexuell missbraucht haben. Das vierk\u00f6pfige Team um Walter &#8218;Robby&#8216; Robinson, mit Mike Rezendes, Sacha Pfeiffer, und Matt Carroll, vermuten erst andere Beweggr\u00fcnde des Redakteurs, der als Jude den Katholiken vielleicht etwas ans Bein fahren will. Aber das Spotlight genannte Team, w\u00e4re zu aufwendig, zu teuer, zu zeitintensiv. Schlie\u00dflich arbeitet Spotlight innerhalb des Boston Globes manchmal \u00fcber ein Jahr an einer Geschichte. Doch was das Team schon im Anfangsstadium feststellt, ist dass dieser Fall viel tiefer, und viel weitreichender ist. Dabei bekommen sie die ganze Macht in der Verkettung von Stadt, Staat und kirchlicher Institution zu sp\u00fcren. Selbst legale Anspr\u00fcche bleiben Spotlight manchmal verwehrt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Anders als bei Pakulas UNBESTECHLICHEN, erlaubt sich Tom McCarthy, der mit Josh Singer das Drehbuch verfasste, durchaus auch einmal sehr emotionale Ausbr\u00fcche, welche die Reporter pers\u00f6nlich bewegen. Aber McCarthy\u00a0 und Singer bleiben stets bei dem, um was es ihnen letztendlich geht. N\u00e4mlich wie man eine Wahrheit an den Tag bringt, ohne falsche Emotionen, oder f\u00f6rderliche Ger\u00fcchte zu streuen. Gibt es einen Gef\u00fchlsausbruch, ist er nicht an den Zuschauer gerichtet, sondern bleibt innerhalb der Geschichte zwischen seinen Figuren. Am Ende steht ein Artikel. Ein Artikel, der unumst\u00f6\u00dfliche Fakten aufweist, aber auch keine Fakten verschweigt, der keine Stellung bezieht, aber den Leser zu einer Stellung herausfordert. Dieser Artikel darf keine Meinung machen, aber er muss Reaktionen hervorrufen. Das Team Spotlight hat dass mit ihren 2001 begonnenen Recherchen sehr intensiv vor Auge gef\u00fchrt. Was erfolgte, ersch\u00fctterte die Welt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Aber der eigentliche Fall ist nur ein popul\u00e4res Beispiel, ein jeden Zuschauer bindendes Beispiel, um die Welt an die Wichtigkeit von Journalismus zu erinnern, wie er heute nicht mehr existent scheint. Soll nicht hei\u00dfen, dass es ihn nicht mehr gibt, sondern das er der Allgemeinheit immer weniger bewusst wird. Wie in DIE UNBESTECHLICHEN kann auch McCarthy nicht die vollkommenen Zusammenh\u00e4nge der einzelnen Recherchephase verst\u00e4ndlich und alle Fakten dem Zuschauer zug\u00e4nglich machen. Aber zu keinem Zeitpunkt verliert sich der Zuschauer in den Zusammenh\u00e4ngen einer eigentlich viel zu komplexen Geschichte. Immer wieder greift der Ablauf einzelne bahnbrechende Handlungselemente auf, welche die eigentliche Schwierigkeit in der Arbeit der Journalisten aufzeigt. So mag der Skandal in der katholischen Kirche durchaus den Handlungsverlauf bilden, aber viel wichtiger ist den Filmemachern aufzudecken, wie solche Skandale schwei\u00dftreibend ans Tageslicht gef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">SPOTLIGHT ist ein Film, der seinen Zuschauer nicht losl\u00e4sst. Das kommt aber auch daher, dass er weniger Stellung bezieht, als dass er all seine Figuren ernst nimmt. In anderen Filmen w\u00e4re der von Billy Crudup verk\u00f6rperte Anwalt Eric Macleish nicht so verst\u00e4ndnisvoll, sondern als vollkommener Unsympath dargestellt worden. Immer wieder erkl\u00e4rt sich SPOTLIGHT mit seinen emotionalen \u00dcberraschungen \u00fcber die Darstellung seiner Schauspieler, und vermeidet dabei jeden Dialog. Wenn die von Rachel McAdams gespielte Sacha Pfeiffer mit einem Priester spricht, der nichts unrechtes in seinen unrechtlichen Handlungen erkennen kann, dann verl\u00e4sst sich McCarthy ganz auf seine Darsteller. Ohne Dialoge oder dramatischen Musikeinsatz l\u00e4sst er die Szene wirken. Unabl\u00e4ssig \u00fcberrascht einen SPOTLIGHT mit derartigen Szenen, und h\u00e4lt so sein Publikum genauso atemlos wie seine Figuren. Und mit einem Ensemble wie hier ist das auch nicht sehr schwierig. Man kann sie alle als brillant bezeichnen. Selbst der kaum bekannte Brian d&#8216; Arcy James kann sich im Spotlight-Team darstellerisch, selbst mit weit weniger Text, \u00fcberaus \u00fcberzeugend einreihen. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">SPOTLIGHT ist Spannungskino, welches kaum noch in dieser intensiven Form existiert. Man ist versucht, diese Genreform immer wieder in den Siebzigern zu suchen, weil es sie hier auff\u00e4lliger und auch \u00d6fter gegeben hat. Man kann in vielen Szenen SPOTLIGHT eine gewisse K\u00fchle nicht absprechen. Doch was diese Distanz in manchen Szenen ausmacht, tut dem Film r\u00fcckwirkend nur gut. Immer wieder lenkt er seine eigentlichen Absichten auf den zentralen Kern. In einer Szene sagt Keatons Charakter bei einer extrem wichtigen Recherche sehr k\u00fchl zu McAdams, sie solle dran bleiben. Hier gibt es kein aufjauchzendes &#8222;Oh, mein Gott&#8220;, sondern eine sehr n\u00fcchterne Herausstellung, sie w\u00e4re auf dem richtigen Weg.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Und genau hier macht SPOTLIGHT nicht nur einfach sehr viel Spa\u00df, sondern untermauert auch seinen Anspruch. Immer steht die Arbeit der Journalisten im Vordergrund. Ihre pers\u00f6nlichen Ansichten k\u00f6nnen sie \u00fcber Mimik und Gestik auf den Zuschauer \u00fcbertragen, aber nicht verbal. Denn es geht hier nicht um Meinungs-, oder Stimmungsmache, sondern um den Respekt \u00fcber die eigentliche Arbeit im Gesamten. Tom McCarthy hat hier, nicht nur dem investigativen, sondern dem seri\u00f6sen Journalismus im Allgemeinen, eine nicht nur wichtige, sondern auch kritische Stimme verliehen. Und nebenher einen der spannendsten Filme au\u00dferhalb des Action-Kinos gemacht.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2016\/spotlight-trifft\/null-4\/\" rel=\"attachment wp-att-10421\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-10421\" title=\"Copyright Paramount Pictures\" alt=\"Spotlight-2, Copyright Paramount Pictures\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Spotlight-2.jpg\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Spotlight-2.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Spotlight-2-200x133.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Spotlight-2-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller: <strong>Mark Ruffalo, Michael Keating, Brian d\u00b4Arcy James, Liev Schreiber, Rachel McAdams, Stanley Tucci, Billy Crudup<\/strong> u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie: <strong>Tom McCarthy<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Drehbuch: <strong>Tom McCarthy, Josh Singer<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Kamera: <strong>Masanobu Takayanagi<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: <strong>Tom McArdle<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Musik: <strong>Howard Shore<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign:<strong> Stephen H. Carter<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong> USA &#8211; Kanada<\/strong> \/ 2016<\/em><br \/>\n<strong><em> 128 Minuten<\/em><\/strong><\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>Paramount Pictures<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SPOTLIGHT Bundesstart 25.02.2016 SPOTLIGHT war 2015 der erste Film, der als Oscar-Kandidat gehandelt wurde. 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