{"id":11005,"date":"2019-03-10T11:03:32","date_gmt":"2019-03-10T10:03:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=11005"},"modified":"2019-03-10T11:03:32","modified_gmt":"2019-03-10T10:03:32","slug":"beale-street","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2019\/beale-street\/","title":{"rendered":"BEALE STREET"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2019\/beale-street\/if-beale-street-1\/\" rel=\"attachment wp-att-10997\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-10997\" title=\"Copyright DCM Film Distribution\" alt=\"If-Beale-Street-1, Copyright DCM\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/If-Beale-Street-1.jpg\" width=\"250\" height=\"354\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/If-Beale-Street-1.jpg 250w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/If-Beale-Street-1-141x200.jpg 141w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/If-Beale-Street-1-211x300.jpg 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><em>IF BEALE STREET COULD TALK<\/em><br \/>\n<em> Bundesstart 07.03.2019<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Als James Baldwin 1973 seinen Roman BEALE STREET BLUES ver\u00f6ffentlichen lie\u00df, nahm er schon in den einleitenden Worten Bezug darauf, dass die Beale Street \u00fcberall w\u00e4re. &#8222;Jeder Afroamerikaner sei in der Beale Street geboren&#8220;. Ein besseres Gegenargument gab es kaum, als man Regisseur und Drehbuchautor Barry Jenkins vorwarf, seine Verfilmung spiele nicht in Memphis, wo es die Beale Street tats\u00e4chlich gibt. Barry Jenkins hat den Film nach New York verlegt, aus Respekt und Ehrerbietung gegen\u00fcber James Baldwin. Es war seine Lieblingsstadt, auch wenn der Schriftsteller wesentliche Zeit im Ausland verbrachte. Ein hochverdienter Beobachter seiner Generation, der Geschichte der Schwarzen in Amerika, und eine Gesellschaft, die den Umbruch weder wagt, noch m\u00f6chte. Seinem Verm\u00e4chtnis zum Trotz, verschwand sein Name nach seinem Tod 1987 schnell aus dem Ged\u00e4chtnis derer, die ihm mit seinen Worten viel zu verdanken h\u00e4tten. Erst mit der Bewegung &#8218;Black Lives Matter&#8216;, wurden Baldwins Romane und Essays wieder aktuell.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Gerade einmal zwei Jahre nach dem sensationellen Erfolg von MOONLIGHT, bringt dann Barry Jenkins erneut ein Schwergewicht in den Preisverleihungszirkus. Jetzt kann man \u00fcber Oscar-Nominierungen streiten wie man will, aber f\u00fcr einen unabh\u00e4ngig produzierten Film mit einem l\u00e4cherlichen Budget von 1,5 Millionen Dollar, hatte MOONLIGHT mit der Aussicht auf acht Auszeichnungen einige Leute aufgeschreckt, und viele in Verz\u00fcckung gebracht. Selbstredend wurde BEALE STREET hoch gehandelt und allerorts umjubelt. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Liebe, die Familie, die Selbstfindung und gleichzeitig Selbstbestimmung. Und immer gegenw\u00e4rtig, ein unverhohlener Rassismus. \u00dcberrascht fragt das schwarze P\u00e4rchen, warum der j\u00fcdische Vermieter ausgerechnet ihnen die Wohnung gibt. &#8222;Liebe ist Liebe, und ich bin meiner Mutter Sohn,&#8220; wird er antworten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">In Jenkins Film sind alle vorhanden. Die Zweifler, die Tr\u00e4umer, die Realisten, die Verweigerer. Und alle haben ihre Episoden. Fast wie ein Puzzle, sind es immer wieder Unikate an kleinen Sequenzen, die zusammen ein komplexes Bild ergeben. Und wie bei einem Puzzle, gibt es diese einfachen Teile, Teile die den Rand bilden, die alles umschlie\u00dfen. Sie sind deswegen so einfach, weil es die unumst\u00f6\u00dfliche Liebe zwischen Tish und Fonny ist. Sie 19 Jahre, er 22. Allen Widrigkeiten zum Trotz, behalten sie ihre Ideale. Es ist Anfang der 70er, und eine Hoffnung f\u00fcr Schwarze ist stets in der Schwebe. Diese Episoden setzt Jenkins zu einem Ganzen zusammen. Dabei kommt ihm allerdings ein dramaturgischer Fluss abhanden. Der Konflikt zwischen den M\u00fcttern von Tish und Fonny ist hart und schmerzlich, wird aber im weiteren Verlauf nicht mehr thematisiert. Fonnys bester Kumpel Daniel kommt aus dem Gef\u00e4ngnis, und in einem Minuten langen Dialog versucht er seine Perspektiven zu sortieren. Aber auch darauf geht der Film im weiteren Verlauf nicht mehr ein.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die einzige Konstante ist ein immer wieder eingeschobener R\u00fcckblick, wie Tish und Fonny ihre erste Nacht miteinander verbringen. Fast endlos, und auch erm\u00fcdend lange versucht der Regisseur die Beziehung der beiden auf diese eine Nacht zu komprimieren. F\u00fcnf, sechs Mal springt der Film zu dieser Szene zur\u00fcck, und streckt das Ereignis auf ein fast schon unertr\u00e4gliches Ma\u00df, wozu eine kurze Sequenz ausreichend gewesen w\u00e4re. Das Ergebnis dieser Nacht ist ja von Anfang an hinl\u00e4nglich bekannt. Grunds\u00e4tzlich neigt der Regisseur dazu, Dialoge und Szenen auf ein Maximum auszudehnen. Wie auch die eigentlich als Monolog zu bezeichnende Unterredung zwischen Daniel und Fonny. Die einzelnen Geschichten immer wieder aufzubrechen und im Handlungsverlauf \u00f6fters aufzugreifen, w\u00e4re die spannendere Variante des Erz\u00e4hlens gewesen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">\u00c4hnlich dem Erz\u00e4hlen, geht es mit James Laxtons Bildgestaltung, Laut Aussagen von Jenkins, haben er und Laxton Postkartenmotive aus jener Zeit studiert, um mit der Kamera eben diese Stimmungen zu erzeugen. Aber auch Laxton bringt keine erkennbare Bildsprache auf die Leinwand. Selbstverst\u00e4ndlich m\u00fcssen Einstellungen und Bewegungen variieren, wenn man eine Handlung oder bestimmte Szenen bildlich unterst\u00fctzen will. Aber die Kamera l\u00e4sst jede Art von Struktur vermissen. Manchmal sind es qu\u00e4lend lange Close-ups, die in der Monologisierung von anderen Close-ups unterbrochen werden. Dann gibt es wieder strahlende Moment, wie die Kreisfahrt, in der Fonny versucht in einem St\u00fcck Holz sein neuestes Kunstwerk zu erkennen. Gerade diese Fahrt ist ein Sinnbild daf\u00fcr, was Fonny zu tun hat und tun wird. Solche Augenblicke sind allerdings erschreckend gering gehalten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Mit was Barry Jenkins seinen Film rundherum aufwertet, ist das erstklassige Ensemble. Mit haupts\u00e4chlich unbekannten Gesichtern schafft er einen ber\u00fchrenden Realismus. Keiner der Schauspieler verliert gegen\u00fcber den anderen. Die Charaktere sind klar definiert, und die Darsteller machen das Beste daraus, ohne \u00dcbertreibung, ohne aufgesetzte Theatralik. Deswegen h\u00e4tte sich Jenkins doch dazu entscheiden sollen, etwas mehr die klassische Inszenierung zu bevorzugen. Sein Hang zum Ausreizen von diversen Kunstkniffen, ohne erkennbaren Zusammenhang zueinander, steht dem Thema und den Figuren oft\u00a0 nur im Weg.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2019\/beale-street\/ibsct_pr_stills__3-2-1\/\" rel=\"attachment wp-att-10998\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-10998\" title=\"Copyright DCM Film Distribution\" alt=\"If-Beale-Street-2, Copyright DCM\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/If-Beale-Street-2.jpg\" width=\"640\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/If-Beale-Street-2.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/If-Beale-Street-2-200x100.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/If-Beale-Street-2-300x150.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller: KiKi Layne, Stephan James, Regina King, Colman Domingo, Michael Beach, Diego Luna, Dave Franco, Pedro Pascal, Ed Skrein u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie &amp; Drehbuch: Barry Jenkins<\/em><br \/>\n<em> Kamera: James Laxton<\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: Joi McMillon, Nat Sanders<\/em><br \/>\n<em> Musik: Nicholas Britell<\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: Mark Friedberg<\/em><br \/>\n<em> USA \/ 2018<\/em><br \/>\n<em> 119 Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>DCM <\/strong><strong>Film Distribution<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>IF BEALE STREET COULD TALK Bundesstart 07.03.2019 Als James Baldwin 1973 seinen Roman BEALE STREET BLUES ver\u00f6ffentlichen lie\u00df, nahm er schon in den einleitenden Worten Bezug darauf, dass die Beale Street \u00fcberall w\u00e4re. &#8222;Jeder Afroamerikaner sei in der Beale Street &hellip; <a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2019\/beale-street\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,4],"tags":[2099,2098,171,769,2100,40,1468],"class_list":["post-11005","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-im-kino-gesehen","tag-barry-jenkins","tag-beal-street","tag-drama","tag-historiendrama","tag-moonlight","tag-oscar","tag-regina-king"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11005","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11005"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11005\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11044,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11005\/revisions\/11044"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11005"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11005"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11005"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}