{"id":1185,"date":"2011-07-01T18:26:02","date_gmt":"2011-07-01T17:26:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=1185"},"modified":"2011-07-04T14:49:42","modified_gmt":"2011-07-04T13:49:42","slug":"der-lange-weg-the-way-back","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/der-lange-weg-the-way-back\/","title":{"rendered":"Der lange Weg ist etwas zu lang"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000000;\"><a rel=\"attachment wp-att-1193\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/der-lange-weg-the-way-back\/way-back-1\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1193\" title=\"way-back-1\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/way-back-1.jpg\" alt=\"\" width=\"135\" height=\"200\" \/><\/a>Er hat uns mit Carpe Diem den Tag zu nutzen gelehrt und uns die Realit\u00e4t der Seefahrt w\u00e4hrend der napoleonischen Kriege gezeigt. Ohne Special Effects lie\u00df er die Welt untergehen und brachte den K\u00fchlschrank an den Amazonas. Er ist ein begnadeter Filmemacher mit dem Hang zu au\u00dfergew\u00f6hnlichen Stoffen. Vielleicht liegt es genau daran, dass man sich bei dem LANGEN WEG eher Blasen l\u00e4uft, als dass er sich als bequemer Laufschuh zeigt. Es ist eine sehr konventionelle Geschichte, derer sich Peter Weir nach neun Jahren Leinwand-Abstinenz angenommen hat, und die er leider ebenso konventionell erz\u00e4hlt. Etwas weit ab vom Weg des Au\u00dfergew\u00f6hnlichen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Sieben M\u00e4nner fliehen aus einem sibirischen Gefangenlager. Um der russischen Herrschaft zu entgehen, m\u00fcssen sie es bis in die Mongolei schaffen. Doch nach einem gnadenlos entbehrungsreichen Marsch m\u00fcssen sie an der Grenze feststellen, dass auch hier Lenin und Stalin sowie der rote Stern angekommen sind. Nun beginnt erst die eigentliche, aufopferungsreiche Odyssee. \u00dcber Tibet und den Himalaya bis nach Indien f\u00fchrt der Weg, um den unerbittlichen Klauen des russischen Regimes zu entkommen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u00dcber 6000 Kilometer soll sich der Weg der Fl\u00fcchtigen hingezogen haben, dabei waren sie 11 Monate lang unterwegs. Der Wahrheitsgehalt der angeblich wahren Begebenheit ist sehr umstritten, wird von verschiedenen Menschen als eigene Geschichte deklariert und ist, was Personen und zeitliche Abl\u00e4ufe angeht, in vielen Punkten widerlegt. Bei Peter Weir f\u00e4llt dies allerdings weniger ins Gewicht, weil er mit dem selbst verfassten Drehbuch sowieso dramaturgisch notwendige \u00c4nderungen vornehmen musste. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Richtig einnehmend wirkt der Film am Ende dann aber doch nicht. Die erste halbe Stunde beleuchtet das brutale Lagerleben eindringlich und mit fast unterk\u00fchlter Gelassenheit. Hier gelingt es Weir, seine St\u00e4rken in der Inszenierung voll auszuspielen, indem er ungew\u00f6hnliche Situationen n\u00fcchtern darstellt und sie gew\u00f6hnlich erscheinen l\u00e4sst. W\u00e4hrend der Flucht allerdings verliert Weir diese Kraft in der Inszenierung, weil er seinen Figuren zu wenig Pers\u00f6nlichkeit einr\u00e4umt. Dem Zuschauer kommt die Identifikation abhanden, weil die Charaktere austauschbar werden. \u201eG\u00fcte ist etwas f\u00fcr Hunde\u201c, raunzen sich die Fl\u00fcchtigen zu, obwohl der ein oder andere ohne diese G\u00fcte sterben w\u00fcrde. Aber der Zusammenhalt ist zu stark, das Konfliktpotenzial auf ein Mindestma\u00df heruntergeschraubt, als dass sich daraus Spannungsmomente ergeben k\u00f6nnten. Zudem begeht die Inszenierung den gro\u00dfen Fehler, gleich zu Beginn mit einer Texttafel auf den Ausgang der Geschichte hinzuweisen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Film st\u00fctzt sich in seiner Dramaturgie ganz auf den eigentlichen Feind Natur. Nicht der Zaun, nicht die Hunde, auch nicht die Waffen der Wachen sind die Vollstrecker f\u00fcr Fl\u00fcchtende, warnt der Lagerleiter. Die wirkungsvollste Schutzma\u00dfnahme ist die unerbittliche Natur Sibiriens. Fast hundert Minuten f\u00fchrt der Film seine Figuren schlie\u00dflich durch die gnadenlosen eisigen W\u00e4lder Sibiriens und die br\u00fctende Hitze der W\u00fcste Gobi bis \u00fcber die verschneiten H\u00f6hen des Himalayas. Stets sind die Fl\u00fcchtenden kurz vor dem Verdursten und Verhungern oder werden Opfer ihrer wundgelaufenen F\u00fc\u00dfe. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Dazwischen bewegt sich Russell Boyds Kamera wie eine Hommage an David Lean und Sergio Leone. Von grandiosen Landschaftstotalen springt das Bild in extreme Nahaufnahmen. Die Bilder sind beeindruckend, und gerade die Panoramen bleiben tats\u00e4chlich so lange stehen, dass man als Zuschauer sich darin verlieren kann. In dieser Beziehung ist WAY BACK ganz gro\u00dfes Kino im Sinne dessen, dass das Publikum die Leinwand nicht mehr als einfache Projektionsfl\u00e4che wahrnimmt. Die wenigen Nachtaufnahmen hingegen fallen einer uninspirierten und extrem k\u00fcnstlichen Beleuchtung zum Opfer. <\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_1196\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a rel=\"attachment wp-att-1196\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/der-lange-weg-the-way-back\/way-back-3\/\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1196\" class=\"size-full wp-image-1196\" title=\"way-back-3\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/way-back-3.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/way-back-3.jpg 500w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/way-back-3-200x117.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/way-back-3-300x175.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/span><\/a><p id=\"caption-attachment-1196\" class=\"wp-caption-text\">Zeigen sich Ed und Jim mit etwas zufrieden, das dem Regisseur doch nicht so gefallen mag?<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Darsteller w\u00e4ren allesamt \u00fcberzeugend, m\u00fcssten sie nicht alle mit  einem h\u00f6rbar k\u00fcnstlichen Akzent reden, welcher die Polen, Russen und  Amerikaner voneinander unterscheiden helfen soll. Doch ist dies das  geringste Problem, das Peter Weir seinen Figuren in den Weg stellt, um  beim Zuschauer auch emotional anzukommen. Er gibt ihnen einfach zu wenig  Geschichte, einen Hauch zu wenig pers\u00f6nlichen Charakter. Alles in allem  ist THE WAY BACK ein kraftvoller, beeindruckender Film. Und er ist  weder langweilig noch langatmig. Aber es ist ein Film von Peter Weir.  Weir, der Paris von Autos auffressen lie\u00df. Ein Mann, der uns ins bisher  unbekannte Gallipoli f\u00fchrte. Einer, der die Amish zu einem  Filmzitaten-Trend machte. Und der Einzige, der Jim Carrey eine  glaubhafte und sehenswerte Darstellung abringen konnte. Da w\u00e4re nach dem  \u201ekraftvoll und beeindruckend\u201c eigentlich doch noch ein \u201eetwas  Besonderes\u201c drin gewesen.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #000000;\"><a rel=\"attachment wp-att-1190\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/der-lange-weg-the-way-back\/way-back-2\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1190\" title=\"way-back-2\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/way-back-2.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/way-back-2.jpg 500w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/way-back-2-200x85.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/way-back-2-300x128.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/span><em>Darsteller: Jim Sturgess, Ed Harris, Colin Farrell, Alexandru Potocean, Sebastian Urzendowsky, Gustaf Skarsgard, Mark Strong und Saoirse Ronan<\/em><br \/>\n<em> Regie und Drehbuch: Peter Weir \u2013 Kamera: Russell Boyd \u2013 Bildschnitt: Lee Smith &#8211;\u00a0 Musik: Burkhard Dallwitz<\/em><br \/>\n<em> Gro\u00dfbritannien \/ 2010 \u2013 zirka 133 Minuten<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er hat uns mit Carpe Diem den Tag zu nutzen gelehrt und uns die Realit\u00e4t der Seefahrt w\u00e4hrend der napoleonischen Kriege gezeigt. 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