{"id":12864,"date":"2019-09-27T18:42:34","date_gmt":"2019-09-27T17:42:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=12864"},"modified":"2019-09-28T13:30:01","modified_gmt":"2019-09-28T12:30:01","slug":"midsommar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2019\/midsommar\/","title":{"rendered":"MIDSOMMAR"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2019\/midsommar\/midsommar-a\/\" rel=\"attachment wp-att-12866\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-12866\" title=\"Copyright KINOWELT Filmverleih\" alt=\"Midsommar a, Copyright KINOWELT Filmverleih\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Midsommar-a.jpg\" width=\"250\" height=\"353\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Midsommar-a.jpg 250w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Midsommar-a-141x200.jpg 141w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Midsommar-a-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><em>MIDSOMMAR &#8211; Bundesstart 26.09.2019<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Nur ein Jahr ist vergangen, das Ari Aster mit seinem fulminant aufgenommenen HEREDITARY seinen Kinoeinstand feierte. Nur ein Jahr, und wieder sorgt Aster f\u00fcr helle Aufregung. Und das sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Nach seinen eigenen Aussagen, musste er mit MIDSOMMAR eine sehr schwierige Trennung verarbeiten. Mit diesen Worten im Hinterkopf, wenn man den Film &#8218;erfahren&#8216; hat und dann der Abspann auf der Leinwand l\u00e4uft, da schreit es einem f\u00f6rmlich hinterher, was f\u00fcr eine Beziehung das gewesen sein muss. Die harmonischen Kl\u00e4nge von The Haxan Cloaks, alias Bobby Krlics abschlie\u00dfenden Thema verkehren sich anhand des letzten Filmbildes zu unbehaglichen T\u00f6nen. Wen Ari Aster von den Zuschauern bereits 140 Minuten im Griff hatte, bei dem dr\u00fcckt er mit seinem Komponisten an dieser Stelle noch einmal kr\u00e4ftig zu.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Dani und Christian sind kein harmonisches Paar, ihre Beziehung wirkt eher zweckm\u00e4\u00dfig. Selbst eine gemeinsame Reise nach Schweden, zusammen mit drei von Christians Kommilitonen, \u00e4ndert wenig an dem n\u00fcchternen Verh\u00e4ltnis. F\u00fcr Ablenkung sorgt allerdings die kleine Kommune, in der sie im tiefen schwedischen Hinterland unterkommen. Abgeschottet von \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen wird dort neun Tage lang die Sommersonnwende mit abstrusen Ritualen gefeiert. Die anf\u00e4ngliche Faszination der f\u00fcnf G\u00e4ste, wandelt sich aber mit der Zeit zu einer Tour de Force der Sinne. Denn was die schwedische Gemeinde mit Freuden zelebriert, verst\u00f6rt die f\u00fcnf Amerikaner zutiefst.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Genre des Horrorfilms nimmt mittlerweile den gr\u00f6\u00dften Teil des Mainstream-Kinos ein. Viele Filme davon haben sogar eine genauere Definition. Doch was ist mit MIDSOMMAR, der lapidar als Horrorfilm gekennzeichnet ist, aber dennoch nicht wirklich in diese Schublade passt. Auch Psycho-Thriller w\u00e4re nicht wirklich treffend, noch weniger Okkult. Ein Freund des konventionellen Horrorfilms wird sich bestimmt bedanken, wenn er auf Grund dieser Definition einen lockeren Abend mit MIDSOMMAR verbindet. Wirklich eindeutig l\u00e4sst sich Ari Asters zweiter Film nicht bezeichnen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Noch vor dem Titel tauchen wir ein, in die Welt von Dani, erhaschen eine Ahnung \u00fcber ihre Beziehung, und erleben mit ihr das schockierende, wirklich d\u00fcstere Schicksal ihrer Familie. Es ist kein Schreckmoment, es ist keine blutige Szenerie. Aster hat den Zuschauer so subtil an diese Begebenheit herangef\u00fchrt, das einem der Atem weg bleibt. Von da an ist ganz sicher, dass dies kein Ausflug wird, wo sich der Schrecken mit einem erl\u00f6senden kurzen Lacher verfl\u00fcchtigt. Und trotz der immensen Laufzeit, wird sich diese Anspannung nicht l\u00f6sen. Aber Sitzfleisch bleibt gefordert. F\u00fcr manchen Zuschauer wird dies zur Belastungsprobe. Bei den extrem langen Einstellungen, ohne erkl\u00e4rende Handlungselemente, wird MIDSOMMAR immer wieder zur Herausforderung. Ohne weiteres h\u00e4tte man fast alle Szenen leicht k\u00fcrzen k\u00f6nnen, um den Erz\u00e4hlfluss etwas allgemeinfreundlicher zu gestalten, und w\u00fcrde dennoch nichts an Atmosph\u00e4re verlieren. Aber das ist eben Ari Asters Sandkasten, und er hat die Formen daf\u00fcr mitgebracht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2019\/midsommar\/midsommar-b\/\" rel=\"attachment wp-att-12867\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-12867\" title=\"Copyright KINOWELT Filmverleih\" alt=\"Midsommar b, Copyright KINOWELT Filmverleih\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Midsommar-b.jpg\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Midsommar-b.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Midsommar-b-200x133.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Midsommar-b-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/span><\/a>Es gibt sehr explizite Gewaltdarstellungen, die in ihrer grafischen Umsetzung ihresgleichen suchen. Ganz wenige nur, aber sie reichen aus um den Horror nach innen zu tragen, ihn im Bewusstsein zu implementieren. Hier auf dieser sonnen\u00fcberstrahlten Aue ist alles und jederzeit m\u00f6glich. Dunkel wird es dank der Mitternachtssonne nicht. Doch es bleiben keine fr\u00f6hlichen Bilder. Haus und Hof Kameramann Pawel Pogorzelski taucht alles in blasse, kraftlose Farben, das Wei\u00df \u00fcberstrahlt ein wenig, so das die Bilder unbewusst unangenehm wahrgenommen werden. Lange Kamerafahrten werden durch pl\u00f6tzliche Schwenks aus ihrer meditativen Anmutung gerissen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ununterbrochen wird der Zuschauer mit nicht zu deutenden Symbolen konfrontiert, oder unerkl\u00e4rten Bildelementen. Man kommt nicht umhin, Dinge sehen oder verstehen zu wollen, die scheinbar wahllos ins Bild ger\u00fcckt wurden. Redet jemand aus der Gemeinschaft in Schwedisch, wird dies nicht \u00fcbersetzt. Das Unbehagen in einem w\u00e4chst, ohne es genau beschreiben zu k\u00f6nnen. Aber es ist stets gerechtfertigt. Die letzte Stunde in MIDSOMMAR ist schlie\u00dflich die Mutigste. Dialoge entfallen, oder werden belanglos. Ein sonderbares Ritual greift in das N\u00e4chste. Sie erkl\u00e4ren sich aber nicht, und sie scheinen auch in keinem Zusammenhang zu stehen. Eine weitere Entwicklung in der Handlung entf\u00e4llt. Manchmal sind die Szenen banal, manchmal auch sehr unangenehm. Selbst wenn da noch die Geduld des Zuschauers ob der zeitlichen L\u00e4nge strapaziert wird, hat Aster sein Publikum im Griff, weil es von Bild zu Bild, von Szene zu Szene verstehen will.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Das unerbittliche Ende kehrt zum urspr\u00fcnglichen, weil fassbaren Horror zur\u00fcck, und hat dann doch etwas Erl\u00f6sendes. Egal in welches Genre man MIDSOMMAR einordnen m\u00f6chte, oder mit wie vielen Bezeichnungen er definiert werden m\u00fcsste. Dieser Film bleibt lange im Ged\u00e4chtnis. So, oder so. Aber mit h\u00f6chstem Respekt vor Ari Asters radikaler Konsequenz.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2019\/midsommar\/midsommar-c\/\" rel=\"attachment wp-att-12868\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-12868\" title=\"Copyright KINOWELT Filmverleih\" alt=\"Midsommar c, Copyright KINOWELT Filmverleih\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Midsommar-c.jpg\" width=\"640\" height=\"410\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Midsommar-c.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Midsommar-c-200x128.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Midsommar-c-300x192.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller: <strong>Florence Pugh, Jack Reynor, Vilhelm Blomgren, William Jackson Harper, Ellora Torchia, Will Poulter<\/strong> u.a.<\/em><br \/>\n<em> Drehbuch &amp; Regie: <strong>Ari Aster<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Kamera: <strong>Pawel Pogorzelski<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: <strong>Lucian Johnston<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Musik: <strong>The Haxan Cloak<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: <strong>Henrik Svensson<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong> Schweden &#8211; Ungarn &#8211; USA<\/strong> \/ 2019<\/em><br \/>\n<em><strong> 147<\/strong> Minuten<\/em><\/p>\n<h6>Bildrechte: <strong>WELTKINO Filmverleih<\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>MIDSOMMAR &#8211; Bundesstart 26.09.2019 Nur ein Jahr ist vergangen, das Ari Aster mit seinem fulminant aufgenommenen HEREDITARY seinen Kinoeinstand feierte. 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