{"id":12901,"date":"2019-10-06T21:12:10","date_gmt":"2019-10-06T20:12:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=12901"},"modified":"2019-10-06T21:12:37","modified_gmt":"2019-10-06T20:12:37","slug":"skin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2019\/skin\/","title":{"rendered":"SKIN"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2019\/skin\/skin-a\/\" rel=\"attachment wp-att-12895\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-12895\" title=\"Copyright 24 BILDER Filmagentur\" alt=\"Skin a, Copyright 24 BILDER Filmagentur\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Skin-a.jpg\" width=\"250\" height=\"353\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Skin-a.jpg 250w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Skin-a-141x200.jpg 141w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Skin-a-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><em>SKIN &#8211; Bundesstart 03.10.2019<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Mit 14 Jahren kam Bryon Widner in die Skinhead-Szene. Er wurde Mitbegr\u00fcnder des Vinlanders Social Club, der sich zu einem der gewaltt\u00e4tigsten rechtsextremen Gruppen in Amerika mauserte. Auf der FBI-Liste der meistgesuchten Rassisten stand der Name Bryon Widner. Der israelische Filmautor Guy Nattiv hat versucht, anhand Widners Abkehr vom Rassenhass ein Pl\u00e4doyer zu schaffen. 16 Jahre seines Lebens war Widner von seiner Einstellung gegen\u00fcber Minderheiten \u00fcberzeugt, bis er Julie Larsen und ihre drei Kinder aus erster Ehe traf. Im Film hei\u00dft sie Julie Price, weil ihr Charakter in dieser Nacherz\u00e4hlung aus dramaturgischen Gr\u00fcnden der gr\u00f6\u00dften Ver\u00e4nderung unterworfen ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Es war ein langer Weg vom Ballett tanzenden Spr\u00f6ssling, zum radikalen Skinhead. In seinen 25 vorangegangenen Rollen konnte Jamie Bell mit einer beeindruckenden Palette von verschiedenen Charakteren \u00fcberzeugen. Auffallend ist dabei, dass ihm der Erfolg ausgerechnet in gro\u00dfen Produktionen a-la KING KONG verwehrt blieb. Jamie Bell ist eindeutig im Independent-Kino zuhause, und somit f\u00e4llt die Verk\u00f6rperung des Bryon Widner genau in sein Spektrum. Leicht d\u00fcrfte es f\u00fcr Bell nicht gewesen sein. Widner war von Kopf bis Fu\u00df, aber haupts\u00e4chlich im Gesicht, mit rassistischen Symbolen t\u00e4towiert. Als sich die Produktionskasse fast geleert hatte, war kaum noch Geld f\u00fcr die Maskenbildner \u00fcbrig, und Bell musst \u00fcber Tage hinweg auch in seiner Freizeit mit den Zeichnungen im Gesicht leben. Freude bei der Arbeit sieht bestimmt anders aus.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Skin ist ein sehr bedr\u00fcckender Film. Die Bilder sind d\u00fcster, eine Sonne ist nicht existent, selbst Schwarz wirkt schwach und ausgeblichen. Das Dekor ist sp\u00e4rlich und abgenutzt, die Umgebung schmutzig und verschlammt, Autowracks stehen willk\u00fcrlich in der Landschaft verstreut. Die Dialoge beschr\u00e4nken sich auf das Notwendigste, ergie\u00dfen sich in ordin\u00e4re Plattit\u00fcden. Erst Bryons unsichere Ann\u00e4herungen zu Julie bringen eine ungelenke Note von Menschlichkeit in die Geschichte. Die Atmosph\u00e4re bleibt aber angespannt, unvorhersehbar und unangenehm. F\u00fcr manchen d\u00fcrfte es ein sehr unwirkliches Szenario sein, dem man sich eigentliche lieber verschlie\u00dfen m\u00f6chte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Aber Guy Nattiv inszeniert einen Zustand ohne Erkl\u00e4rung. So intensiv sich das Geschehen auch ausnimmt, es fehlt eine Tiefe, die \u00fcber das Klischee hinaus geht. Es gibt keine Ann\u00e4herung an die innere Zerrissenheit der Figuren, erst recht nicht an ihre Motivationen. Man m\u00f6chte als Zuschauer gar kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diese eigentlich in sich geschlossene Welt von irrationalem Hass und degenerierter Gesellschaft entwickeln, aber wenigstens den Versuch einer Rechtfertigung erfahren. Als unbedarfter Beobachter muss man sich aus den Stereotypen des H\u00f6rensagens bedienen, und die f\u00fchren \u00fcber Unverst\u00e4ndnis nicht hinaus. Es w\u00e4re mutig und ehrlich gewesen einen differenzierten Blick auf diese Subkultur und vor allem die Impulse und die Antriebskraft von Bryon Widner zu riskieren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Es ist ein trauriger Blick auf ein verschwendetes Leben, das Guy Nattiv geschrieben und inszeniert hat. Ohne Zweifel ist Jamie Bell beeindruckend, mit beklemmender Pr\u00e4senz. Doch dem wahren Wesen und auch dem Leidensweg des realen Bryon Widner kann er nicht gerecht werden. Wahrscheinlich ist das auch gar nicht m\u00f6glich. Aber Bell ist ein haupts\u00e4chlicher Grund, der SKIN letztendlich wirklich sehenswert macht. W\u00e4hrend Vera Farmiga als Mutter der Gemeinschaft einen leicht \u00fcbertriebenen Eindruck in ihrem manipulativen Gebaren macht, zeigt sich Bill Camp als Vater mit echtem G\u00e4nsehaut-Potential. Seine stoische Autorit\u00e4t vermittelt im Ansatz, wie solche Gruppen funktionieren. Es verdeutlicht das unsinniger Extremismus nur eine Flucht vor der eigenen Unzul\u00e4nglichkeit ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">In Bryon Widners bisheriger Lebensgeschichte gibt es noch so viel mehr, was seinen Charakter erst wirklich und noch eindringlicher erkl\u00e4ren w\u00fcrde. Aber vielleicht h\u00e4tte es nicht nur den zeitglichen Rahmen gesprengt, sondern auch die Akzeptanz des Publikums. So, oder so ist SKIN ein bemerkenswerter Film geworden, der tats\u00e4chlich unter die Haut geht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2019\/skin\/skin-b\/\" rel=\"attachment wp-att-12896\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-12896\" title=\"Copyright 24 BILDER Filmagentur\" alt=\"Skin b, Copyright 24 BILDER Filmagentur\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Skin-b.jpg\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Skin-b.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Skin-b-200x112.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Skin-b-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller:<strong> Jamie Bell, Danielle Macdonald, Daniel Henshall, Bill Camp, Louisa Krause, Zoe Margaret Coletti<\/strong> u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie &amp; Drehbuch:<strong> Guy Nattiv<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Kamera: <strong>Arnaud Potier<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: <strong>Lee Percy, Michael Taylor<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Musik: <strong>Dan Romer<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: <strong>Mary Lena Colston<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong> USA<\/strong> \/ 2018<\/em><br \/>\n<em><strong> 118<\/strong> Minuten<\/em><\/p>\n<h6>Bildrechte: <strong>24 BILDER Filmagentur<\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SKIN &#8211; Bundesstart 03.10.2019 Mit 14 Jahren kam Bryon Widner in die Skinhead-Szene. 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