{"id":13193,"date":"2019-12-17T20:55:57","date_gmt":"2019-12-17T19:55:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=13193"},"modified":"2019-12-18T00:34:15","modified_gmt":"2019-12-17T23:34:15","slug":"motherless-brooklyn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2019\/motherless-brooklyn\/","title":{"rendered":"MOTHERLESS BROOKLYN"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2019\/motherless-brooklyn\/mb_mainart-indd\/\" rel=\"attachment wp-att-13179\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13179\" title=\"Copyright WARNER BROS. Entertainment GmbH\" alt=\"Copyright WARNER BROS.\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Motherless-Brooklyn-1.jpg\" width=\"260\" height=\"368\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Motherless-Brooklyn-1.jpg 260w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Motherless-Brooklyn-1-141x200.jpg 141w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Motherless-Brooklyn-1-211x300.jpg 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/a><em>MOTHERLESS BROOKLYN<\/em><br \/>\n<em> &#8211; Bundesstart 12.12.2019<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Lionel Essrog ist Privatdetektiv, ein ganz besonderer Privatdetektiv. Essrog leidet unter dem Tourette-Syndrom, was Mitte der 1950 bei den Leuten noch auf Unverst\u00e4ndnis f\u00fcr die Krankheit stie\u00df. Immer wieder wird der Detektiv den Menschen erkl\u00e4ren, dass man nicht w\u00fcsste was es sei. Allerdings wurde Tourette bereits 70 Jahre vor der Handlung des Films als Krankheitsbild festgestellt. Bei einem Film der versucht dieses Syndrom als zentralen Bestandteil der Geschichte zu behandeln, sollte man solche Fakten ber\u00fccksichtigen und etwas tiefer gehender thematisieren. Doch Tourette ist bei MOTHERLESS BROOKLYN ein Handlungsdetail, welches nichts zur Geschichte beitr\u00e4gt. Es wird entgegen jeder Erwartung kein tragendes Element im Verlauf. Was davon bleibt ist eine spielerische Beigabe, die hin und wieder f\u00fcr Lacher sorgt, aber keine relevante Rolle einnimmt. Auch wenn Verb\u00e4nde und Betroffene die Darstellung und den Umgang mit dem Tourette-Syndrom im Film als real und glaubw\u00fcrdig loben.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Vier Jahre nach Edward Nortons vielfach preisgekr\u00f6nten Kinodebut in PRIMAL FEAR &#8211; ZWIELICHT, kam Jonathan Lethems Roman &#8218;Motherless Brooklyn&#8216; auf den Markt. Hatte in ZWIELICHT eine Multiple Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung Nortons Karriere explosionsartig gestartet, kann man auch seine Faszination f\u00fcr Lethems Krimi nachvollziehen. 1999 erwarb er die Filmrechte, mit der Absicht das Drehbuch zu schreiben und die Hauptrolle zu \u00fcbernehmen. Da hatte sich Edward Norton allerdings schon einen zweifelhaften Ruf in der Filmindustrie erworben. Nicht nur st\u00e4ndige Drehbuch\u00e4nderung w\u00e4hrend der laufenden Produktionen verlangte der von sich selbst \u00fcberzeugte Star, sondern mischte sich gerne in die Regie ein und nahm mit Vehemenz Einfluss auf den Schnitt. Die Auseinandersetzungen mit anschlie\u00dfenden Gerichtsverhandlungen wegen AMERICAN HISTORY X sind heute noch filmschulische Paradebeispiele unkollegiales Verhalten. Aus dem MCU hat er sich schon w\u00e4hrend der Arbeiten an INCREDIBLE HULK selbst hinaus katapultiert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Fast zwanzig Jahre hatte es also in Anspruch genommen, bis MOTHERLESS BROOKLYN endlich auf die Leinwand kam. Es ist so etwas wie ein Autorenfilm geworden, denn Norton \u00fcbernahm neben Produktion, Drehbuch und Hauptrolle auch noch den Regiestuhl. Und f\u00fcr gerade einmal verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig schlappe 26 Millionen Dollar, offenbart sich ein Film, der nach einem viel h\u00f6heren Budget aussieht. Obwohl Norton die Zeit der Geschichte nach 1957 verlegte. Eine sehr clevere und k\u00fcnstlerisch ambitionierte Entscheidung. Im Gewand einer Hommage an den fr\u00fcheren Film-Noir kommen Handlungsger\u00fcst und Darsteller wesentlich besser zu Geltung. Im Laufe der Vorproduktion schien Norton der zeitliche Rahmen von &#8217;99 f\u00fcr die Geschichte nicht mehr angemessen. Die Verlagerung in die Zeit von &#8217;57 machte ihn zu einem wesentlich eleganteren Film, mit vielmehr spielerischen Umsetzungsm\u00f6glichkeiten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2019\/motherless-brooklyn\/motherless-brooklyn-3\/\" rel=\"attachment wp-att-13181\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-13181\" title=\"Copyright WARNER BROS. Entertainment GmbH\" alt=\"Copyright WARNER BROS.\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Motherless-Brooklyn-3.jpg\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Motherless-Brooklyn-3.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Motherless-Brooklyn-3-200x133.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Motherless-Brooklyn-3-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/span><\/a>Eigentlich wollte Lionel Essrog mit seinen drei Kollegen den Mord an ihrem Mentor Frank Minna aufkl\u00e4ren. Einzelne, unscheinbare Hinweise bringen Essrog zu der schwarzen B\u00fcrgerrechtlerin Laura Rose, die versucht gegen die Gentrifizierung in Brooklyn anzugehen. Die Aktivit\u00e4ten von Laura Rose f\u00fchren ihn wiederrum zu dem Bau-Tycoon Moses Randolph. Mit der falschen Identit\u00e4t eines Reporters, erh\u00e4lt der Privatdetektiv nach und nach Einblick in die dunkle Machenschaften der st\u00e4dtischen Politik. Wie ein offenes Geheimnis hat Randolph die Stadtobersten alle in seiner Tasche. Frank Minna scheint bei seinen eigenen Ermittlungen zwischen Fronten gekommen zu sein, welche Essrog allerdings kaum klar bestimmen kann. Eigentlich m\u00fcsste er nur noch herausfinden, welche Seite vom Tod Frank Minnas profitieren w\u00fcrde. Doch dann kommt der bisher unauff\u00e4llige Architekt Paul ins Spiel, der mit einem Geheimnis die Karten neu mischt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Man kann die Absichten und letztendliche Umsetzung hoch halten. MOTHERLESS BROOKLYN gewinnt auch ohne direkte Vergleichsm\u00f6glichkeit zur Romanvorlage an Atmosph\u00e4re, und er\u00f6ffnet zur Grundidee mit der Ver\u00e4nderung der Zeit eine zus\u00e4tzliche, erz\u00e4hlerische Ebene. Aber der Film kann die Stimmungen nicht halten, da passen Musikauswahl, Settings und Farbgebung, doch nichts davon bleibt konstant. Immer wieder wird man aus dem atmosph\u00e4rischen Fluss gerissen. Wenn sich das Lichtdesign im B\u00fcro unvermittelt gegen das eigentlich angestrebte Zeitkolorit wendet, oder Jump-Cuts sowie extrem be- und entschleunigte Bilder die angestrebte, klassische Erz\u00e4hlweise durchbrechen. Dagegen sind andere Sequenzen viel zu lange, zu zeitintensiv inszeniert. Die verschiedenen Formen optischer Gestaltung lenken meist ab, als dass sie die Aufmerksamkeit fokussieren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Jonathan Lethem kann nicht leugnen, dass sein Roman den Spuren von Robert Townes CHINATOWN folgt, auch wenn MOTHERLESS BROOKLYN im Heute angesiedelt ist. Das mag auch einer von vielen Beweggr\u00fcnden f\u00fcr Edward Norton gewesen sein, das Drehbuch in eine fr\u00fchere Epoche zu setzen. Auch dieser Film richtet sich in seiner Aufl\u00f6sung nach einem ganz anderen Ende aus, als die 125 Minuten vorher vermuten lassen. Doch das Ende ist bei weitem nicht ann\u00e4hernd so \u00fcberraschend und komplex wie es CHINATOWN letztendlich zum Klassiker machte. Viel zu viel hat die Handlung in die Waagschale geworfen, hat falsche F\u00e4hrten gelegt, und schl\u00e4gt immer wieder Haken in nicht vorhersehbare Richtungen. Einige Handlungselement verlaufen auch in ein unerkl\u00e4rtes Nichts. Nach und nach f\u00fcgt sich aber alles stimmig zusammen, die Ereignisse werden schl\u00fcssig. Doch es fehlt dieser gewisse Funken, der einen \u00fcberraschten Aha-Effekt ausl\u00f6st, und sogar Diskussionsbedarf weckt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">F\u00fcr wahre Nostalgiker und leidenschaftliche Noir-Freunde d\u00fcrfte MOTHERLESS BROOKLYN lediglich ein \u00fcberlanger Versuch sein, welcher mit seinen Mitteln gut unterh\u00e4lt. F\u00fcr aufgeschlossene Kinofreunde wird es sogar ein sehr spannender Exkurs, mit sehr anspruchsvollen Details ans Zeitkolorit. Wobei auch hier die L\u00e4ngen bleiben und die Frage, warum so viel namhafte Darsteller relativ wenig Leinwandzeit bekommen. Edward Norton hingegen ist sehr oft, sehr lange von sich selbst in Szene gesetzt. Aber das kann auch dramaturgische Gr\u00fcnde haben.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2019\/motherless-brooklyn\/motherless-brooklyn-2\/\" rel=\"attachment wp-att-13180\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-13180\" title=\"Copyright WARNER BROS. Entertainment GmbH\" alt=\"Copyright WARNER BROS.\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Motherless-Brooklyn-2.jpg\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Motherless-Brooklyn-2.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Motherless-Brooklyn-2-200x133.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Motherless-Brooklyn-2-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Darsteller: <strong>Edward Norton, Gugu Mbatha-Raw, Alec Baldwin, Bobby Cannavale, Willem Dafoe, Bruce Willis, Ethan Suplee<\/strong> u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie &amp; Drehbuch: <strong>Edward Norton<\/strong>, nach dem Roman von <strong>Jonathan Lethem<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Kamera: <strong>Dick Pope<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: <strong>Joe Klotz<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Musik: <strong>Daniel Pemberton<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: <strong>Beth Mickle<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong> USA<\/strong> \/ 2019<\/em><br \/>\n<em><strong> 142<\/strong> Minuten<\/em><\/p>\n<h6>Bildrechte: <strong>WARNER BROS.<\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>MOTHERLESS BROOKLYN &#8211; Bundesstart 12.12.2019 Lionel Essrog ist Privatdetektiv, ein ganz besonderer Privatdetektiv. 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