{"id":13358,"date":"2020-01-09T00:18:50","date_gmt":"2020-01-08T23:18:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=13358"},"modified":"2020-01-09T00:19:46","modified_gmt":"2020-01-08T23:19:46","slug":"little-joe-glueck-ist-ein-geschaeft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2020\/little-joe-glueck-ist-ein-geschaeft\/","title":{"rendered":"LITTLE JOE &#8211; Gl\u00fcck ist ein Gesch\u00e4ft"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2020\/little-joe-glueck-ist-ein-geschaeft\/little-joe-1\/\" rel=\"attachment wp-att-13355\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-13355\" title=\"Copyright X VERLEIH AG\" alt=\"Little Joe 1, Copyright X VERLEIH AG\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Little-Joe-1-e1578422104976.jpg\" width=\"212\" height=\"300\" \/><\/a><em>LITTLE JOE &#8211; Gl\u00fcck ist ein Gesch\u00e4ft<\/em><br \/>\n<em> &#8211; Bundesstart 09.01.2020<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Die Besprechung beruht auf der englischen Sprachfassung beim Fantasy Filmfest<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Man k\u00f6nnte Jessica Hausner eine Avantgarde-Filmemacherin nennen. Das ist sperrig, h\u00f6rt sich auch kaum definierbar an, was aber auch sehr gut auf ihre Filme zutreffend ist. Und in diesem Fall LITTLE JOE ziemlich genau beschreibt. In Deutschland hatte Hausners j\u00fcngstes Werk bereits beim Fantasy Filmfest 2019 Premiere gefeiert, wo man ihn als Horrorfilm pr\u00e4sentierte. Allerdings k\u00f6nnte er auch Drama sein, oder Science Fiction. Eben nicht definierbar. Eines kann man aber sagen, dass Hausner eigenwillig ist und sich den Status einer unbeugsamen Autorenfilmerin redlich verdient. Denn zu all den unbestimmten Genres gesellt sich noch ein entscheidendes Attribut, und das nennt sich experimentell. Anders kann man LITTLE JOE nicht beschreiben, vorausgesetzt man kann sich so offen darauf einlassen, wie es Jessica Hausner scheinbar von ihrem Publikum erwartet.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Pflanzenz\u00fcchterin und Biotechnologin Alice hat den Durchbruch bei einer neuen Blumengattung geschafft. Doch die alleinerziehende Mutter sitzt zwischen zwei St\u00fchlen, wo sie entscheiden muss, ob ihr der Erfolg oder die Beziehung zu ihrem Sohn wichtiger ist. Eigentlich sollte die Wahl klar sein, aber die Besonderheit bei der Little Joe benannten Pflanze ist deren F\u00e4higkeit Menschen gl\u00fccklich zu machen. Sofern die Menschen die Blume auch gut behandeln. Viel weiter braucht man gar nicht ausholen, um zu erahnen wohin die ohnehin sehr d\u00fcrftige Geschichte wachsen wird. Hausner selbst war es, die im Vorfeld immer wieder die K\u00d6RPERFRESSER ins Gespr\u00e4ch brachte. Welche Filmversion sie auch immer damit angesprochen haben will. Eigentlich hat jede Generation von Kinog\u00e4ngern ihre zeitgem\u00e4\u00dfe Umsetzung des Stoffes, wo ein fremder Organismus seine Opfer nicht einfach kopiert, sondern zu einem neuen, aber kollektiven Wesen macht. Sollte sich Hausner wirklich in diese spezielle Pr\u00e4misse einreihen wollen, dann ist ihre Aussage hinsichtlich einer Ver\u00e4nderung von sozialer Gesellschaft sehr fragw\u00fcrdig und schwer in einen aktuellen Kontext zu setzen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Tats\u00e4chlich ver\u00e4ndert Little Joe die Menschen, nur Alice bemerkt diese Ver\u00e4nderung in ihrem direkten Umfeld. Und wer jetzt wutentbrannt &#8218;Spoiler&#8216; ruft und ver\u00e4rgert reagiert, der hat nicht die geringste Ahnung, was Jessica Hausner in diesem ausgebreiteten Szenario tats\u00e4chlich auf ihr unbedarftes Publikum losl\u00e4sst. Jedenfalls nichts was man nach einer Inhaltsbeschreibung wirklich vermuten w\u00fcrde. Das f\u00fchrt zur\u00fcck zu dem Attribut des Experimentellen. Zuerst f\u00e4llt die n\u00fcchterne, extrem spartanische Ausstattung auf. R\u00e4ume sind haupts\u00e4chlich einem einzigen Farbton unterworfen, keine kr\u00e4ftigen Farben, eher blass oder unpassend wirkend hell, was die gewollte Atmosph\u00e4re konterkariert. In einem erzielt der Film tats\u00e4chlich eine, vielleicht auch unbeabsichtigte Stimmung, und das ist das in allen Szenen dominierende Wei\u00df. Die mit Wei\u00df einhergehende K\u00e4lte und N\u00fcchternheit schafft Unbehagen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2020\/little-joe-glueck-ist-ein-geschaeft\/little-joe3\/\" rel=\"attachment wp-att-13357\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-13357\" title=\"Copyright X VERLEIH AG\" alt=\"Little Joe 3, Copyright X VERLEIH AG\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Little-Joe3-e1578422216604.jpg\" width=\"640\" height=\"378\" \/><\/span><\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> Da ist allerdings nicht nur die Schlichtheit der Settings, dazu irritieren umgehend Martin Gschlachts wirklich unkonventionelle Kamerafahrten. Die Einstellungen sind ungew\u00f6hnlich lang, die Kamera ist bis auf wenige Ausnahmen st\u00e4ndig in Bewegung. Dabei f\u00e4hrt sie immer wieder \u00fcber das Bild hinaus, verliert dabei die Figuren und die Bewegung endet im Nichts, w\u00e4hrend die Dialoge weitergef\u00fchrt werden. Das wirkt extrem unmotiviert, hat aber auch etwas provokant herausforderndes. Richtig einordnen l\u00e4sst sich dieses Konzept nicht. Genauso wie die schrillen Tonkollagen, die unentwegt einen enervierenden Ger\u00e4uschteppich auf die Zuschauer loslassen. Viel zu laut und \u00fcberhaupt nicht mit den Bildern kompatibel, soll dieser Ersatz f\u00fcr stimmige Filmmusik immer wieder eine nicht wahrnehmbare und auch gar nicht dargestellte Bedrohung heraufbeschw\u00f6ren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Ensemble angef\u00fchrt von Emily Beecham schl\u00e4gt sich wirklich sehr gut mit den Dialogen, die kaum echte Gef\u00fchle oder Stimmungen transportieren. Manche Charaktere sind auch wirklich nur wie lebende Textzeilen, die Zu- und Umst\u00e4nde erkl\u00e4ren. Einzig Kerry Fox als gebeutelte Wissenschaftlerin darf sich mit begreifbaren Emotionen herausspielen. Dem steht als krasser Gegensatz Kindsvater Sebastian H\u00fclk gegen\u00fcber, der verwirrend einf\u00e4ltig durchs Bild geht, und wie eine Karikatur des unbeholfenen Laiendarstellers in Szene gesetzt ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Weil aber auch gar nichts in diesem ganzen Gewirr zusammen passen scheint, und jedes k\u00fcnstlerische Gewerk f\u00fcr sich nur Fragen aufwirft, sieht man sich wirklich gen\u00f6tigt, einen bedeutenden \u00dcberbau zu finden. Das viel Energie in dieser Arbeit steckt, das ist unbestritten und auch best\u00e4ndig auf der Leinwand dargebracht. Allein konzeptionell stellt sich der Film selbst in Frage. Was hat die Geschichte am Ende wirklich erz\u00e4hlt. Oder provozierend gestellt, will die Geschichte eigentlich etwas erz\u00e4hlen. Nur weil man die Zusammenh\u00e4nge nicht begreift, die einzelnen St\u00fccke nicht in Einklang bringt, hei\u00dft das noch lange nicht, dass alles keinen Sinn machen w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Tats\u00e4chlich w\u00e4re die Einsch\u00e4tzung und Wahrnehmung von Zuschauern interessant, welche LITTLE JOE nicht derart analytisch n\u00fcchtern und auf einzelne Punkte herunter gebrochen empfunden haben. Zumindest rational und von Konventionen gepr\u00e4gt, kann Jessica Hausners Film nicht wirklich erfasst werden. Jedenfalls nicht in der Form und Leidenschaft, mit der er umgesetzt wurde. Vorausgesetzt Form war wirklich so beabsichtigt und Leidenschaft die treibende Kraft.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2020\/little-joe-glueck-ist-ein-geschaeft\/little-joe-2\/\" rel=\"attachment wp-att-13356\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-13356\" title=\"Copyright X VERLEIH AG\" alt=\"Little Joe 2, Copyright X VERLEIH AG\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Little-Joe-2-e1578422161449.jpg\" width=\"640\" height=\"378\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Darsteller: <strong>Emily Beecham, Ben Whishaw, Kerry Fox, Kit Connor, Ph\u00e9nix Brossard, David Wilmot, Leanne Best, Lindsay Duncan, Jessie Mae Alonzo, Sebastian H\u00fclk<\/strong> u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie:<strong> Jessica Hausner<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Drehbuch: <strong>Jessica Hausner, G\u00e9raldine Bajard<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Kamera: <strong>Martin Gschlacht<\/strong><\/em><br \/>\n<em><\/em><em>Bildschnitt:<strong> Karina Ressler<br \/>\n<\/strong>Sounddesign:<strong> Erik Mischijev, Matz M\u00fcller<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: <strong>Katharina W\u00f6pperman<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Gro\u00dfbritannien &#8211; \u00d6sterreich &#8211; Deutschland \/ <strong>2019<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong> 105<\/strong> Minuten<\/em><\/p>\n<h6>Bildrechte: <strong>X VERLEIH AG<\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>LITTLE JOE &#8211; Gl\u00fcck ist ein Gesch\u00e4ft &#8211; Bundesstart 09.01.2020 Die Besprechung beruht auf der englischen Sprachfassung beim Fantasy Filmfest Man k\u00f6nnte Jessica Hausner eine Avantgarde-Filmemacherin nennen. 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