{"id":1348,"date":"2011-07-25T07:24:10","date_gmt":"2011-07-25T06:24:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=1348"},"modified":"2011-07-26T19:01:43","modified_gmt":"2011-07-26T18:01:43","slug":"insidious","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/insidious\/","title":{"rendered":"INSIDIOUS ist heimt\u00fcckisch"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"attachment wp-att-1351\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/insidious\/insidious1\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1351\" title=\"Insidious1\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Insidious1.jpg\" alt=\"\" width=\"169\" height=\"200\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">F\u00fcr den Cineasten gibt es nichts Schlimmeres als eine eingefallene Horde von Popcorn essenden und st\u00e4ndig schnatternden Jung-P\u00e4rchen. Aber es gibt f\u00fcr den Cineasten auch nichts Sch\u00f6neres als genau dieses Publikum, wenn es sich bei Filmen wie \u201eInsidious\u201c die Seele aus dem Leib schreit. Und so etwas passiert bei Horrorfilmen, die ihr Handwerk verstehen. Wenn das m\u00e4nnliche Publikum den Film vorgibt, werden die weiblichen Begleiter zum Indikator f\u00fcr manipulative Inszenierungsklischees. Sollte das aufgeschreckte und begruselte Publikum lauter quietschen als der dem Film eingemischte Toneffekt, dann hat ein Film wie \u201eInsidious\u201c schon gewonnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Es ist eine Tour de Force des Hand-vor-das-Gesicht-halten. Schon die erste Einstellung setzt den Ton f\u00fcr das, was kommen soll. Damit nicht genug, denn der folgende Titelvorspann ist einer der wirkungsvollsten und passendsten der letzten Jahre. Einfache Stills mit Innenansichten des Hauses. Aber hat sich da nicht im letzten Moment die Lampe bewegt? Moment, war da vielleicht ein Schatten? Dieser Vorspann ist schon ein brillantes Spannungselement f\u00fcr sich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Wan und Whannell als Regisseur und Autor haben schon die Reihe um den Jigsaw-M\u00f6rder initiiert, haben also, was G\u00e4nsehaut angeht, l\u00e4ngst den Bogen raus. Das merkt man diesem exzellenten Grusel-Thriller auch sofort an. Und dabei lassen sie nichts aus. Von der an den Nerven zerrenden Stille bis hin zum laut quietschenden Toneffekt, wenn etwas (erwartet) unerwartet ins Blickfeld springt. In der ersten H\u00e4lfte gehen die Macher keine Kompromisse ein. Was fr\u00fcher gut war, funktioniert noch heute. Und so beginnt der Film vom ersten Bild an, die Nerven zu strapazieren, und dabei werden eben jene Nerven ohne Verschnaufpause wie von einem irren Gitarristen gezupft und angeschlagen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das Ehepaar Lambert bezieht mit seinen drei Kindern ein neues, traumhaftes Haus. Traumhaft schon deshalb, weil es viele Zimmer, verwinkelte Ecken, unerforschte Dachb\u00f6den und unendlich lange Flure gibt. Kinog\u00e4nger kennen diese H\u00e4user, und die Familie Lambert lernt sie zu unserem grusligen Vergn\u00fcgen ebenfalls kennen. Zuerst sind es nur offene Schr\u00e4nke oder unscheinbare Schatten, bis sich sp\u00e4ter die spukenden Geister immer heftiger manifestieren. Ziel der Attacken ist der kleine Dalton, der bei einem besonders w\u00fcsten Geistertreiben ins Koma f\u00e4llt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Unglaublich, wie effektiv und effektiv einfach James Wan seine Inszenierung h\u00e4lt, ohne den Zuschauer von der Leine zu lassen. Whannell hat sogar eine der klischeebehaftetsten Szenen hineingeschrieben, in der Renai Lambert ihren Mann Josh von den unheimlichen Vorkommnissen erz\u00e4hlt und er mit der Du-bist-nur-gestresst-Nummer kommen m\u00f6chte, weil er immer bis sp\u00e4t arbeiten muss. Nur um im selben Moment genug Unheimliches zu erleben, dass er einem Umzug sofort zustimmt. Und in einem genialen Schachzug erfahren wir sp\u00e4ter, warum Josh als Lehrer bis so weit in die Nacht hinein arbeiten muss. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Doch da ist der Film l\u00e4ngst zerfallen. Ab der H\u00e4lfte bricht alles auseinander, was den Film bis dahin atemlos spannend, gruselig und zu einem m\u00f6rderischen Vergn\u00fcgen machte. In einem sehr missgl\u00fcckten Versuch, dem Geisterhausthriller etwas Neues hinzuzuf\u00fcgen, scheitern die Macher auf ganzer Linie. F\u00fcr die Hintergr\u00fcnde und Motivation der Schreckensherrschaft zieht man einen esoterischen Hokuspokus aus dem Hut, der weniger wie ein Horrorfilm aussieht, sondern mehr den Charakter eines verfilmten Videospiels ohne \u00dcberraschungen hat. Mit einem Mal verfliegen die stimmungs- und wirkungsvollen Spuk-Klischees. Innerhalb dieses Bruchs kommen noch zwei Filmfiguren hinzu, die jeden Realismus, den Rose Byrne und Patrick Wilson im Spiel aufbauen konnten, wie von Geisterhand verschwinden lassen. Der Film arbeitet nur noch auf sein Ende zu, das aber weder \u00dcberraschungen noch ordentlichen Grusel zeigt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eInsidious\u201c h\u00e4tte das Zeug gehabt, einer der besten Geisterhausthriller zu werden, w\u00e4ren Wan und Whannell nicht zu sehr bem\u00fcht gewesen, innovativ zu sein. Nur das Beste zu kopieren und diesem Besten eine pers\u00f6nliche Note zu versehen, h\u00e4tte vollkommen gereicht. Was gibt es denn f\u00fcr den Cineasten Sch\u00f6neres, als ein Publikum, das sich bei Filmen wie \u201eInsidious\u201c vor Schrecken die Seele aus dem Leib schreit? Der Schrecken des Cineasten kommt dann aber ab der zweiten H\u00e4lfte, wenn Geschnatter, polternde Toiletteng\u00e4nge und laut raschelnde Popcornt\u00fcten die Macht zur\u00fcckerobert haben.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><a rel=\"attachment wp-att-1350\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/insidious\/insidious2-2\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1350\" title=\"Insidious2\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Insidious21.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Insidious21.jpg 500w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Insidious21-200x105.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Insidious21-300x157.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Darsteller: Patrick Wilson, Rose Byrne, Lin Shaye, Ty Simpkins, Barbara Hershey, Leigh Whannell, Angus Sampson u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie &amp; Bildschnitt: James Wan \u2013 Drehbuch: Leigh Whannell \u2013 Kamera: David Brewer: Musik: Joseph\u00a0 Bishara \u2013 Produktionsdesign: Aaron Sims<\/em><br \/>\n<em> USA \/ 2010 \u2013 zirka 101 Minuten<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr den Cineasten gibt es nichts Schlimmeres als eine eingefallene Horde von Popcorn essenden und st\u00e4ndig schnatternden Jung-P\u00e4rchen. 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