{"id":13803,"date":"2020-03-27T12:53:40","date_gmt":"2020-03-27T11:53:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=13803"},"modified":"2020-03-30T11:07:54","modified_gmt":"2020-03-30T10:07:54","slug":"bei-netflix-der-schacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2020\/bei-netflix-der-schacht\/","title":{"rendered":"Bei Netflix: DER SCHACHT"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2020\/bei-netflix-der-schacht\/platform-1\/\" rel=\"attachment wp-att-13805\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-13805\" title=\"Copyright LATIDO FILMS\" alt=\"Platform 1, Copyright LATIDO FILMS\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Platform-1.jpg\" width=\"260\" height=\"368\" \/><\/a><em>EL HOYO \/ THE PLATFORM\u00a0 &#8211; auf Netflix<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Als Einsteiger in das gro\u00dfe Gesch\u00e4ft, sind die Macher von DER SCHACHT schon ziemlich lange im Gesch\u00e4ft. In einer Branche die eigentlich ebenso vom Wahn der jungen Generation besessen ist, ein klein wenig verwunderlich, dass es dann doch so fulminant funktioniert hat. Und &#8218;fulminant&#8216; ist durchaus angebracht. Denn auch wenn man aus vielen kleinen Details und Handlungselementen durchaus die passenden Vorbilder heraus sehen k\u00f6nnte, ist EL HOYO ein Film, dem man einfach ein sehr eigenes Profil zusprechen muss. Das er eine spanische Produktion ist, macht es diesem Filmdebut nicht einfacher. Man denke nur an SNOWPIERCER, der trotz seines haupts\u00e4chlich englischsprachigen Ensembles ein s\u00fcdkoreanisches Projekt war, hatte aus diesem Fakt heraus enorme Anlaufschwierigkeiten. \u00dcbrigends einer der Filme, mit denen man versucht vergleichend auf DER SCHACHT aufmerksam zu machen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Set- und Kost\u00fcmdesign hat ganz Arbeit geleistet. Es bleibt vollkommen unbestimmt, wie DER SCHACHT zeitlich zu verorten ist. Das Szenario ist eindeutig eine dystopische Zukunft, w\u00e4hrend die Kleidung offensichtliche Anleihen an die \u00c4ra des Franco-Regimes nimmt. Genauso unklar bleibt der eigentliche Zweck des Schachtes, der Anfangs \u00fcber eine nicht bekannte Anzahl von Etagen verf\u00fcgt, wo auf jeden Level lediglich zwei Personen auf sehr spartanische Weise untergebracht sind. Es entsteht umgehend der Eindruck, die Anlage w\u00e4re ein Gef\u00e4ngnis, was im sp\u00e4teren Verlauf allerdings in Frage gestellt wird. Der Film beginnt in einer altmodisch anmutenden Gro\u00dfk\u00fcche, mit einem \u00e4u\u00dferst pedantischen Chef. Dutzende von Jungk\u00f6chen bereiten die scheinbar k\u00f6stlichsten Gerichte. Umschnitt auf das Erwachen von Goreng auf Ebene 47. Sein Raumgenosse ist Trimagasi, ein unfreundlicher, untersetzter Mann mit undurchsichtigem Charakter.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Jede Ebene hat ein gro\u00dfes Loch in der Mitte wo einmal am Tag eine Plattform mit den vorz\u00fcglichsten Speisen von oben, der ersten Etage, nach unten f\u00e4hrt. Die Plattform h\u00e4lt nur wenige Minuten, und die Insassen k\u00f6nnen soviel essen wie sie schaffen, ohne etwas horten zu d\u00fcrfen. Das mit diesem System bei Level 47 nicht mehr viel essbares auf der Plattform liegt, kann man sich vorstellen. Trimagasi sch\u00e4tzt mindesten 150 Etagen, denn er war schon einmal auf 130. Nat\u00fcrlich wirft der Film dabei immer wieder Fragen auf, die aber scheinbar bewusst nicht beantwortet werden. Buch und Inszenierung weichen diesen berechtigten Fragen aber immer wieder so geschickt aus, dass der Zuschauer schnell lernt diesen Zustand der Ungewissheit zu akzeptieren. Fast so, wie die Insassen die menschenunw\u00fcrdigen Mechanismen in der Anlage als gegeben hinnehmen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2020\/bei-netflix-der-schacht\/platform-2\/\" rel=\"attachment wp-att-13806\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13806\" title=\"Copyright LATIDO FILMS\" alt=\"Platform 2, Copyright LATIDO FILMS\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Platform-2.jpg\" width=\"640\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Platform-2.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Platform-2-200x83.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Platform-2-300x125.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/span><\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Geschichte braucht auch gar nicht sehr lange, sich als Allegorie auf unsere Klassensysteme zu zeigen. W\u00e4re DER SCHACHT ein herk\u00f6mmlicher Thriller, g\u00e4be der Handlungsverlauf klar vor, dass die Bestrebungen der Protagonisten sein m\u00fcsste, sich von Ebene zu Ebene nach oben zu bringen. Aber auch hier wenden sich die Macher gegen die Erwartungshaltung ihrer Zuschauer. Wenn die Insassen jeden Monat wahllos auf eine andere Ebene verlegt werden, unterscheidet das DEN SCHACHT entscheidend von dem propagierten Vorbild SNOWPIERCER, oder erst recht den ebenfalls ins Marketing geworfenen THE CUBE. Man glaubt zu erkennen, dass man durch die Augen der Hauptfigur an jede gesellschaftliche Schicht heran gef\u00fchrt wird. Der Film erreicht dadurch eine gesteigerte Komplexit\u00e4t, an deren Aufl\u00f6sung der Zuschauer ma\u00dfgeblich beteiligt wird. Leicht macht es einem der Film nicht. Auch wenn er mit einer mit einem nur vermeintlich d\u00fcrftigen Handlungsger\u00fcst gebaut ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Das EL HOYO seine bedr\u00fcckende und undurchsichtige Atmosph\u00e4re durchweg halten kann, ist nicht allein der Verdienst von Galder Gaztelu-Urrutias exakt ausgewogener Debut-Inszenierung, die sehr wohl die richtigen Akzente in den ruhigen so wie den Spannungsmomenten setzt. Viel h\u00e4ngt bei diesem Film von der unaufdringlichen, aber sehr effektiven Kameraarbeit von Jon Dom\u00ednguez ab, der das karge Set-Design dennoch sehr abwechslungsreich zu inszenieren versteht. Und nat\u00fcrlich Elena Ruiz&#8216; und Jaritz Zubillagas Schnitt. Sie hatten genau das perfekte Gesp\u00fcr, wie man die oftmals sehr explizite Gewaltszenen montieren musste, um die handlungstechnisch notwendigen Schockeffekte effizient zu halten, ohne in reine Schauwerte abzurutschen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Nicht die erfolgreichsten, aber bestimmt die besten und originellsten Horrorfilme der letzten zwei Jahrzehnte wurden in Spanien oder lateinamerikanischen L\u00e4ndern produziert. Innerhalb dieses illustren Kreises z\u00e4hlt DER SCHACHT nicht unbedingt zu den Besten. Aber er ist \u00e4u\u00dferst spannend und in seiner Originalit\u00e4t sehr eigenst\u00e4ndig, was eventuelle Vergleiche mit anderen Filmen nicht nur obsolet macht, sondern auch irref\u00fchrend ist. Und er reizt zum nachdenken, was in diesem Genre meist sekund\u00e4r bleibt, wenn \u00fcberhaupt. Doch leicht macht es einem EL HOYO dabei wirklich nicht.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2020\/bei-netflix-der-schacht\/platform-3-kopie\/\" rel=\"attachment wp-att-13807\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13807\" title=\"Copyright LATIDO FILMS\" alt=\"Platform 3, Copyright LATIDO FILMS\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Platform-3-Kopie.gif\" width=\"640\" height=\"394\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller: <strong>Ivan Massagu\u00e9, Zorion Eguileor, Antonia San Juan, Emilio Buale, Alexandra Masangkay<\/strong> u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie: <strong>Galder Gaztelu-Urrutia<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Drehbuch: <strong>David Desola, Pedro Rivero<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Kamera: <strong>Jon D. Dom\u00ednguez<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt:<strong> Elena Ruiz, Haritz Zubillaga<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Musik: <strong>Ar\u00e1nzazu Calleja<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign:<strong> Azegi\u00f1e Urigoitia<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong> Spanien<\/strong> \/ 2019<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em><strong>94<\/strong> Minuten<\/em><\/p>\n<h6>Bildrechte:<strong> LATIDO FILMS<\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>EL HOYO \/ THE PLATFORM\u00a0 &#8211; auf Netflix Als Einsteiger in das gro\u00dfe Gesch\u00e4ft, sind die Macher von DER SCHACHT schon ziemlich lange im Gesch\u00e4ft. 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