{"id":1428,"date":"2011-08-23T23:00:58","date_gmt":"2011-08-23T22:00:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=1428"},"modified":"2011-08-24T22:54:30","modified_gmt":"2011-08-24T21:54:30","slug":"nurberg-gruselt-auf-fantasy-filmfest-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/nurberg-gruselt-auf-fantasy-filmfest-2011\/","title":{"rendered":"N\u00fcrnberg gruselt auf: FANTASY FILMFEST 2011"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"attachment wp-att-1431\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/nurberg-gruselt-auf-fantasy-filmfest-2011\/ff11\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1431\" title=\"FF11\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FF11.jpg\" alt=\"\" width=\"146\" height=\"200\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">N\u00fcrnberg ist wieder aufger\u00fcstet. Och, was f\u00fcr ein geschichtlich geschmackloses Wortspiel. Wobei Geschmacklosigkeit auch durchaus zum Thema passen kann. Denn richtig konform in Geschmack und R\u00fccksicht ging das FANTASY FILMFEST noch nie. Zur Freude von Fan-Boys, Cineasten und Suchender der besonderen Filmkunst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Auf der Seite fantasyfilmfest.com, k\u00f6nnen sich interessierte Grusel- und Splatter-Liebhaber \u00fcber die Filme und das Programmschema der jeweiligen Festival-Orte informieren. Und eines sei betont: Die Informationen lohnen sich. Aber zur\u00fcck nach N\u00fcrnberg:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Hier wird das Fest mit dem Horrorthriller &#8222;Don&#8217;t be afraid of the Dark&#8220; er\u00f6ffnet. und von diesem 25. August an, geht es bis zum 1. September richtig rund in Deutschlands erfolgreichstem Kinokomplex, dem CINECITTA.\u00a0 Also bitte, informiert Euch \u00fcber das Programm, es lohnt sich wirklich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Und wer Festival unerfahren ist, oder sich grunds\u00e4tzlich \u00fcber diese Art von Veranstaltung informieren m\u00f6chte, und welche Filme ihn erwarten k\u00f6nnten, dem seien nachfolgende Artikel empfohlen.\u00a0 Zum 23. Fantasy Filmfest entstanden vier Folgeartikel \u00fcber das Festival und seine einzigartige Atmosph\u00e4re, gefolgt von zwei Artikeln zum Fest 2010. Ach ja, und einer der Mitverantwortlichen des Festes, hat sich den neugierigen Fragen des Schreibers ausgesetzt. Nicht nur die Filme im Fest lohnen sich, auch die Artikel dazu. So was muss man einfach gelesen haben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\"><a rel=\"attachment wp-att-1436\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/nurberg-gruselt-auf-fantasy-filmfest-2011\/ff09\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1436\" title=\"FF09\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FF09.jpg\" alt=\"\" width=\"142\" height=\"200\" \/><\/a>Fantasy Filmfest 2009<br \/>\nTeil 1:<strong><br \/>\nKleinod N\u00fcrnberg<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der N\u00fcrnberger Gro\u00dfraum k\u00f6nnte Filmhauptstadt sein. Von links kommen die Frankfurter, wo die Drehgenehmigungen zu teuer werden. Von oben kommen die Berliner, die keine neuen Locations mehr auftun k\u00f6nnen. Von unten dr\u00e4ngen die M\u00fcnchner, weil deren Bewohner die Schnauze von Dreharbeiten voll haben. Doch N\u00fcrnberg ist nicht bereit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">N\u00fcrnberg ver\u00f6det, weil viele kreative K\u00f6pfe arbeiten m\u00f6chten, aber keinerlei Infrastruktur vorhanden ist. Infrastruktur aufzubauen bedeutet, \u00fcber finanzielle Mittel zu verf\u00fcgen. Finanzielle Mittel stecken die St\u00e4dte der Metropolregion N\u00fcrnberg in alles, nur nicht in die Filmkunst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">N\u00fcrnberg hat auch interessante Filmfestivals. Da w\u00e4re das \u201eFilmfest T\u00fcrkei \/ Deutschland\u201c. Viele aufregende Produktionen aus der T\u00fcrkei, oder\u00a0 solche, die sich mit der T\u00fcrkei auseinandersetzen. Ein sehr gut besuchtes Festival, das allerdings nur t\u00fcrkischst\u00e4mmige Besucher anlockt. Oder auch die \u201e24 Stunden von N\u00fcrnberg\u201c. Ein Kurzfilmfestival, das 24 Stunden am St\u00fcck Kurzfilme in der Reihenfolge ihrer Einsendung zeigt. Der N\u00fcrnberger als solcher hat den Spa\u00df an so einer Veranstaltung noch nicht so richtig verstanden. \u00dcber sich hinaus w\u00e4chst kein Festival, welches sich mit Film besch\u00e4ftigt. Wenn \u00fcberhaupt, ist die finanzielle Unterst\u00fctzung durch die St\u00e4dte l\u00e4cherlich. In den Rath\u00e4usern hei\u00dft es da schon mal, Film gibt\u2019s woanders, wir machen in Kunst. Danke.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Berlin, Hamburg, K\u00f6ln, Frankfurt, Stuttgart, M\u00fcnchen. Das riecht fast schon nach faulem Zauber, wenn sich da N\u00fcrnberg in die Kette einreiht. Doch das 23. FANTASY FILMFEST macht auch in diesem Jahr wieder Station in N\u00fcrnberg. Die Genre-Fans danken es, die Organisatoren freuen sich. Schlie\u00dflich findet man mit dem CINECITTA in N\u00fcrnberg nicht nur das erfolgreichste, sondern auch\u00a0 das modernste Multiplex Deutschlands. Nein, und f\u00fcr die absonderlichen Filme des Festivals werden nicht etwa die kleinen Spuckn\u00e4pfe bereitgestellt, sondern mit Kino 2 und 3 eine Platzzahl von fast 800 Sitzen. Digitale Vorf\u00fchrung mit THX-Zertifizierung, und sogar THE FINAL DESTINATION erf\u00e4hrt seine Vorstellung in digitalem 3-D, in Hamburg und Berlin stand er \u00fcberhaupt nicht auf dem Programm.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Doch, oh weh, was ist nur in N\u00fcrnberg los? Die Fans wundern sich \u00fcber noch viele erh\u00e4ltliche Dauerkarten, mit denen alle 74 Vorstellungen abgedeckt werden d\u00fcrfen. Da stets zwei Filme gleichzeitig laufen, werden daraus nat\u00fcrlich nur 37 m\u00f6gliche Vorstellungen, und die Wahl f\u00e4llt verdammt schwer. In anderen St\u00e4dten m\u00fcssen diese Dauerkarten lange vorbestellt werden und sind in k\u00fcrzester Zeit ausverkauft. In N\u00fcrnberg gibt es auch noch drei Tage vor Festivalbeginn ohne Probleme Einzelkarten f\u00fcr den Festivalrenner LARGO WINCH oder den Er\u00f6ffnungsfilm CARRIERS. Am Abschlusstag gibt es noch eine Sneak-Preview, in den Vorjahren waren das durchaus Filme, deren Titel man nicht nennen durfte, weil die eigentliche Weltpremiere ganz woanders und viel sp\u00e4ter stattfinden wird. Karten? Kein Problem. Schieben wir es einfach auf die fr\u00e4nkische Gem\u00fctlichkeit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Festivalbegr\u00fcnder und \u2013leiter Rainer Stefan spricht wieder einmal von einem schwerpunktm\u00e4\u00dfigen Thriller-Festival. Doch das ist auch in Ordnung. Die Abnabelung vom reinen Horrorfest hat schon vor langer Zeit stattgefunden und wird eigentlich nur begr\u00fc\u00dft. Eine Ann\u00e4herung an kommende Blockbuster-Attraktionen soll es auch zuk\u00fcnftig nicht geben. DISTRICT 9 etwa hatte man lange vor den positiven Kassenprognosen ins Programm geholt. Und dabei hat doch alles so gem\u00fctlich angefangen. Punkmusik und Horrorfilm, das waren noch ruhige Zeiten in der alten Markthalle in Hamburg. Drei Bands und drei Filme und lediglich 2000 Besucher. Das war eben die gute alte Zeit, vor 23 Jahren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Schwerpunkte wechseln mit den Jahren, manchmal gibt es mehr Filme aus Skandinavien, manchmal sind die Fantasy-Streifen in der \u00dcberzahl, dann wieder dominiert der Splatter. Die Gewichtung ist dabei uninteressant, die Macher wollen zeigen, was ihnen in der Flut von Blockbuster-Wahn und Direct-to-Video entgehen k\u00f6nnte oder entgangen ist. Die Action-Fantasy PUSH hat f\u00fcr Deutschland keinen Kinoverleih gefunden. Drei Wochen vor seiner DVD-Ver\u00f6ffentlichung kann er im Rahmen dieses Festivals dort gesehen werden, wof\u00fcr er eigentlich gemacht wurde: Auf der gro\u00dfen Leinwand. Allein f\u00fcr das Programm 2008 musste die Festivalleitung von 20 Filmen eigene 35-Millimeter-Kopien erstellen lassen. Da bleibt selbst bei stets ausverkauften H\u00e4usern nicht mehr viel \u00fcbrig. Daf\u00fcr beweist es die Leidenschaft f\u00fcr die Sache.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Erfolg gibt Rainer Stefan und seinen Mitstreitern in allen Punkten Recht. Der Fan von Horror und Fantasy ist sowieso einer der besonderen. Kaum ein Publikum ist offener, aber kaum eines ist auch kritischer. Kommentare gibt es nur im Bezug auf das Gezeigte. Unmuts\u00e4u\u00dferungen werden sofort erledigt. Szenenapplaus ist allgegenw\u00e4rtig. Die Stimmung wird beherrscht von Ehrlichkeit und von derselben Leidenschaft, wie sie die Festivalmacher einbringen. Das macht dieses, wie \u00fcberhaupt ein Festival, zu etwas Besonderem. Das Publikum ist informiert und wei\u00df, worauf es sich einl\u00e4sst. Das ist ein riesiger Unterschied zu einem normalen Kinobesuch, der in der Regel von einer Mentalit\u00e4t der Ignoranz begleitet wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Anders als zum Beispiel beim renommierten SUNDANCE FILM FESTIVAL, welches zum Marktplatz umtriebiger Verleiher und Produzenten mutiert ist, ist ein Horror- und Fantasyfilmfest alles andere als ein Indikator f\u00fcr klingelnde Kassen oder einen leeren Saal. Ein Publikum, das wesentlich bewusster Filme aussucht und ansieht, l\u00e4sst sich als Trend nicht \u00fcbertragen. Der von den Fans auf dem FFF 2008 frenetisch gefeierte DIARY OF THE DEAD von George Romero fand gar nicht erst ins Kino, ein Vertrieb auf DVD dauerte immens lange. Selbst auf der silbernen Scheibe war der Erfolg bescheiden, scheinbar nur f\u00fcr eine sehr spezielle Schicht von Zuschauern interessant. Ein trauriger Anlass, der die Absichten der Organisatoren des FFF einmal mehr best\u00e4tigt. Der Interessierte soll seine Chance erhalten, im Kino mit Gleichgesinnten zu bejubeln, was man sonst nur in der verstunkenen Bude konsumieren k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das famili\u00e4re Gemeinschaftsgef\u00fchl kommt nicht von ungef\u00e4hr. Schlie\u00dflich teilt man etwas Besonderes, und dass dabei das zu gro\u00df anmutende Kino pl\u00f6tzlich zum kuscheligen Wohlf\u00fchlplatz schrumpft, ist nicht unbedingt nur ein feingeistiger Satz. Hier schneidet sich kein intellektuelles Kopfkino zwischen die Zuschauer, wie es bei themenbezogenen Festivals eben gerne passiert. Hier eint die Lust am Trivialen, doch mit hohem Niveau. Filme werden grunds\u00e4tzlich in der originalen Sprachfassung gezeigt und hilfreiche Untertitel gibt es vielleicht bei asiatischen oder franz\u00f6sischen Produktionen. Die Leinwand muss gro\u00df sein, das Tonsystem auf dem neuesten Stand. Die Lust am Trivialen wird zum Sinnbild des wahren Kinos. So muss Film gesehen, erlebt und verinnerlicht werden. Daf\u00fcr werden Filme gemacht. Gute Filme.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">In alter Tradition wird schon mal ein Film ins Programm geschoben, der alles andere als aktuell ist. Die knallbunte CinemaScope-Produktion DIE 36 KAMMERN DER SHAOLIN pr\u00e4sentiert sich einem Zuschauerkreis, der im Entstehungsjahr des Films snoch nicht geboren war. Alte Tradition eben, gerettet aus dem Grundgedanken des Festivals, Filme zu zeigen, die man sonst nie auf der Leinwand sieht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">So kann das Spektakulum beginnen, selbst in N\u00fcrnberg. Wenngleich der Er\u00f6ffnungsfilm CARRIERS von David und Alex Pastor in den anderen Festivalsorten mit Befremden aufgenommen wurde und weniger gut ankam. Vielleicht ist es in N\u00fcrnberg genauso, vielleicht findet man aber hier auch einen anderen Zugang. Alles Spekulation, alles ist m\u00f6glich. Au\u00dfer das Vergn\u00fcgen, das ist garantiert. Da kann man sich gerne auch mal reiben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Trotz tr\u00e4gem Vorverkauf und freier Dauerkarten beginnt am 27.09. das 23. Fantasy Filmfest im N\u00fcrnberger Cinecitta. Wie die Jahre zuvor, ist der Erfolg auch f\u00fcr dieses Jahr so gut wie in der Tasche. Denn trotz der fr\u00e4nkischen Gem\u00fctlichkeit ist es bei weitem besser besucht als alle anderen Filmfestivals, die sich in der Region abm\u00fchen. Aber das auch zu Recht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\"><a rel=\"attachment wp-att-1436\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/nurberg-gruselt-auf-fantasy-filmfest-2011\/ff09\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1436\" title=\"FF09\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FF09.jpg\" alt=\"\" width=\"142\" height=\"200\" \/><\/a>Fantasy Filmfest 2009<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> Teil 2:<\/span><br \/>\n<strong><span style=\"color: #000000;\"> Die Sache mit dem Bier<\/span><\/strong><\/h2>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201ePickel\u201c geht zum zweiten Mal raus, mit leeren Gl\u00e4sern. Artig tuschelt er ein Entschuldigung durch die Reihe direkt vor mir. Seine Kumpels rufen, \u201ePickel, bring mir auch noch eins mit\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Saal ist dunkel, deswegen kann ich Pickels Gesicht kaum erkennen, hoffe aber f\u00fcr ihn, das der Spitzname einen anderen Ursprung hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Typ schr\u00e4g vor mir in der Reihe, an dem Pickel sich das zweitemal vorbeidr\u00e4ngt, zieht die Beine hoch und meint l\u00e4ssig, \u201ewenn das so weitergeht, bist Du mir eins schuldig\u201c. Pickel sagt nichts.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es laufen noch die Trailer der Sponsoren. Die einzige Werbung beim FANTASY FILMFEST, die man allerdings gerne in Kauf nimmt, weil sich dadurch das Festival selbst finanziert. Keine Steuergelder, keine F\u00f6rdermittel. Ein gro\u00dfer Unterschied zu vielen anderen Festivals. Pickel kommt mit vier vollen Weizenbiergl\u00e4sern zur\u00fcck, ein gef\u00e4hrliches Unterfangen. Die Form der Gl\u00e4ser lassen solche Aktionen selten zu. Beim Typ, der was von Schuldigkeit gefaselt hatte, h\u00e4lt Pickel inne und meint, er solle sich ein Glas weg nehmen, es w\u00e4re f\u00fcr ihn. So wie der Typ schr\u00e4g vor mir, der nur einen coolen Spruch machen wollte, bin auch ich verbl\u00fcfft.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Freitagabend l\u00e4uft MOON von Duncan Jones. Immer wieder lie\u00dft man im Internet oder in der Presse es w\u00e4re ein sogenannter Favorit. Es ist 18:30 Uhr und es dauert noch eine halbe Stunde. Gerade mal 20 Leute stehen vor Kino 3 mit seinen \u00fcber 400 Sitzpl\u00e4tzen und warten auf den Einlass. Ich bin entsetzt. Aber drau\u00dfen herrscht exzellentes Sommerwetter, ist also kein Wunder, das man da Kino einfach Mal Kino sein l\u00e4sst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Eine Viertelstunde sp\u00e4ter, f\u00fcnfzehn Minuten vor Filmbeginn, erkenne ich meinen logischen Fehler. Zwei Stockwerke tiefer spuckt das Kino 2 die Festival-Zuschauer von WASTING AWAY aus und innerhalb der noch geschlossenen T\u00fcren von Kino 3 geht KILLING ROOM erst zu Ende. So t\u00e4uscht man sich, wenn man den Verstand ausschaltet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Irgendwie ist das Publikum gerade beim FANTASY FILMFEST ein ganz besonderes. Man erkennt sie sofort, ohne dass man wirklich erkl\u00e4ren k\u00f6nnte woran. Nun ja, bei einigen sind es die Schreibemappen, in denen lose die auf Din-A4 ausgedruckten Eintrittskarten aufbewahrt sind. Der Vorraum ist mittlerweile brechend voll. Die einzige Bedienung vom Getr\u00e4nke- und S\u00fc\u00dfigkeitenstand hat von zwei Kollegen dringend notwendige Unterst\u00fctzung erhalten. Die T\u00fcren von Kino 3 \u00f6ffnen sich und das Gewimmel wird zum optischen Chaos. Doch die meisten l\u00e4cheln zufrieden. Wer nicht l\u00e4chelt, dessen Gesicht ist mit diesem kaum zu beschreibenden erwartungsvollen Blick verkl\u00e4rt. Bis auf zehn oder zw\u00f6lf freie Pl\u00e4tze ist das Kino voll.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">MOON ist ein Paradebeispiel, wie man mit Erwartungshaltungen spielen kann. Duncan Jones\u2018 Geschichte, zu der Nathan Parker der Drehbuch verfasste, handelt von Sam Bell, der als einziger Mensch auf einer Mondstation den Abbau von Helium 3 \u00fcberwacht. Helium 3 ist DIE Energieform der Menschheit geworden und die Gewinnung auf der Mondoberfl\u00e4che l\u00e4uft fast automatisch, weswegen sich die Mannschaft auf tats\u00e4chlich eine Person beschr\u00e4nkt. Noch zwei Wochen muss Sam Bell seinen frustrierend einsamen Job machen, dann ist sein Dreijahresvertrag ausgelaufen. Doch nach einem schweren Unfall mit einem Range-Rover, ist Sam nicht mehr allein auf der Station.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nat\u00fcrlich kommt einen zuerst A SPACE ODYSSEE in den Sinn. Die kalte Atmosph\u00e4re, die vielen ruhigen Passagen, welche die Einsamkeit der Figur noch verst\u00e4rken. Schlie\u00dflich erinnert man sich an SOLARIS. Was ist Wirklichkeit, was ist Halluzination? Eine Prise OUTLAND ist auch dabei, als sich ein Rettungstrupp von der Erde ank\u00fcndigt, der aber nicht unbedingt Gutes im Schilde f\u00fchren muss. Nur ganz entfernt glaubt man etwas DARK STAR zu sp\u00fcren, wenn sich in sehr absurden, aber nachvollziehbaren Situationen die Lage auf der Station immer mehr zum Psychospiel entwickelt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Doch der Film verweigert jede Aussage, welche zu einem intellektuellen Gedankenspiel f\u00fchren soll und \u00fcbergibt diese Verantwortung an den Zuschauer. Sein und Schein, Psychose oder Verschw\u00f6rung. Der Film fordert heraus, weil er sehr n\u00fcchtern gegen\u00fcber seiner eigenen Geschichte bleibt. Es gibt keine geistig verwirrenden Erkl\u00e4rungsexzesse, oder Psychoanalysen. Danny Boyle hat das mit SUNSHINE versucht und verlief sich dabei auf dem Weg zur Sonne. Duncan Jones geht seinen Weg nicht durch die Figuren, sondern ganz nah daran vorbei. Was man dabei feststellt und wie man damit umgehen soll, ist Sache des Zuschauers. In dem er sich also Verweigert, wird er gerade deshalb zum gro\u00dfen Kopfkino.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Sam Rockwell und Duncan JOnesDas Publikum reagiert nicht so frenetisch, wie man es von anderen Filmen her kennt. Der Applaus wirkt verhalten. Es ist m\u00f6glich, das MOON erst verarbeitet werden muss. Ich glaube w\u00e4hrend der Vorstellung in den ruhigen Sequenzen nicht einmal ein R\u00e4uspern vernommen zu haben, und es gibt in MOON sehr viele ruhige Sequenzen. Es ging auch keiner raus um Bier zu holen. Gut nicht unbedingt ein Indiz, weil der alt eingesessene Festivalg\u00e4nger sich vor dem Film eindeckt und ge\u00fcbt ist, seinen Sessel f\u00fcr die Dauer des Films nicht zu verlassen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Dennoch habe ich mir die Frage gestellt, was das mit dem Weizenbier auf sich hat. Mir ist das schon in den Jahren zuvor aufgefallen, habe mich aber nie eingehend damit besch\u00e4ftigt. Warum ist der Konsum von Weizenbier beim Festival anteilsm\u00e4\u00dfig so unglaublich hoch. Das ist bei anderen Kinovorstellungen nicht zu beobachten. In einem Anfall von Wahnsinn, war ich ein paar Mal kurz davor ein paar Leute zu fragen. Warum kein Lager, oder kein Pils. Vielleicht einmal ein Wasser? Ich war schlau genug es zu lassen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ich kann mich mit dem Eindruck auseinandersetzen, den MOON auf mich gemacht hat. Der Rest des Publikums teilt sich w\u00e4hrenddessen f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Festival-Attraktionen auf, die bereits in f\u00fcnfzehn Minuten beginnen. Bei meinem Weg nach drau\u00dfen, str\u00f6men mir G\u00e4ste entgegen, die extra wegen THIRST oder ORPHAN gekommen sind. Und ich sch\u00fcttele den Kopf ob dieser einfachen Geschichte, die MOON erz\u00e4hlt hat. Wie raffiniert und eindrucksvoll es aber umgesetzt war. Trotzdem habe ich Duncan Jones\u2018 Film nach der Vorstellung auf der vorher verteilten Schulbewertungskarte nur eine Zwei gegeben. Vielleicht zu voreilig, weil er mich noch immer besch\u00e4ftigt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Da f\u00e4llt mir ein, das Weizenbier viel mehr N\u00e4hrwert hat, als normale Biere. Bei so einem Film-Marathon-Stress vielleicht eine gute Erkl\u00e4rung.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #333333;\"><em><strong>MOON <\/strong>&#8211; Darsteller: Sam Rockwell, Dominique McElligott, Kaya Scodelario und Kevin Spacey als Stimme von Gerty. Regie und Story: Duncan Jones \u2013 Drehbuch: Nathan Parker \u2013 Kamera: Gary Shaw \u2013 Bildschnitt: Nicolas Gastor \u2013 Musik: Clint Mansell \u2013 Produktionsdesign: Tony Noble, circa 97 Minuten, USA \/ 2008<\/em><\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\"><a rel=\"attachment wp-att-1436\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/nurberg-gruselt-auf-fantasy-filmfest-2011\/ff09\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1436\" title=\"FF09\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FF09.jpg\" alt=\"\" width=\"142\" height=\"200\" \/><\/a>Fantasy Filmfest 2009<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> Teil 3:<\/span><br \/>\n<strong><span style=\"color: #000000;\"> Die lange Tupper-Nacht<\/span><\/strong><\/h2>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Wie soll man das nur schaffen? Man gr\u00fc\u00dft sich mit freundlichen Blicken. Schon das Warten vor dem Einlass schwei\u00dft zusammen, was zusammen geh\u00f6rt. Ich h\u00f6re die Frage ein zweites Mal: Wie soll man das nur schaffen?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das Festival im dritten Tag. Viele m\u00fcde Gesichter. Aber es wird keiner schlapp machen, weil DISTRICT 9 in weniger als einer halben Stunde beginnet. Es ist einer dieser Filme, den sich die Festival-Macher geholt haben, bevor der gro\u00dfe Hype begann. Lange bevor andere erkannten, dass es sich hier um eine Perle handelt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Vor mir schlurft ein kleiner dicker Mann vorbei, der seine aus dem Internet ausgedruckten Eintrittskarten sortiert. Es ist so eine Aktenmappe, die mir auf diesem Festival schon oft aufgefallen ist, bei diversen Leuten. Andere sortieren sich selbst. Anscheinende Kumpel haben ebenso anscheinend keine Pl\u00e4tze nebeneinander bekommen. Einer verteilt Karten: \u201eDu gehst r\u00fcber auf die andere Seite in die und die Reihe, wir sitzen dann oben bei Platz so und so.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">In der lockeren, gro\u00dfen Wartetraube schaut mich eine vollkommen \u00fcberforderte Frau an und sagt: \u201eIch wollte gestern Nacht noch den anderen sehen, aber hab\u2018 mich dann doch umentschieden.\u201c\u00a0 Bevor ich fragen kann, welche Filme sie eigentlich meint, bemerke ich, dass sie gar nicht mit mir redet. Sie sieht durch mich hindurch und redet mit ihrer Freundin. Schade, ich h\u00e4tte mich gerne auf ein Gespr\u00e4ch eingelassen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es sind Aussagen und N\u00f6te, mit denen man mit fortschreitendem Festival immer \u00f6fter und energischer konfrontiert wird. So sehr die Besucher das Festival mit seinen \u00fcber siebzig Filmen in nur acht Tagen zu sch\u00e4tzen wissen, \u00e4rgern sie sich aber auch \u00fcber jeden verpassten Film. Au\u00dfer an Er\u00f6ffnungs- und Abschlussabenden laufen immer zwei Filme zeitgleich. Da muss man eben durch. Das von der Festivalleitung gestaltete Programmheft preist sowieso jeden Film als sehenswert an, also muss man sich bei der Auswahl auf seinen Instinkt und seine Vorlieben verlassen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ob m\u00fcde, \u00fcberfordert oder gestresst, der guten Stimmung scheint es keinen Abbruch zu tun. Ich beneide diese Freaks (liebevoll gemeint). Mehr als zwei Filme am Tag k\u00f6nnte ich nie verarbeiten. Geschweige denn zwei Filme an jedem der acht Tage. Ich nehme mir vor, das im Winter mit DVDs zu trainieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Wer sich auf YouTube ALIVE IN JO\u2019BURG von Neill Blomkamp angesehen hat, der wei\u00df nicht nur was ihn erwartet, sondern der will DISTRICT 9 auf keinen Fall verpassen. Aber was den neugierigen Zuschauer tats\u00e4chlich erwartet, ist doch um so vieles anders. Rudi F\u00fcrstberger bittet in seiner Funktion als Programmdirektor des Festivals bei der Anmoderation das Publikum nur, die Kameras in den Taschen zu behalten. Man wolle es sich nicht mit den Verleihern verscherzen, denn DISTRICT 9 wird zwei Wochen vor den meisten Europastarts gezeigt. Sonst sagt F\u00fcrstberger nichts weiter, er wei\u00df, dass dies der geheime Festivalh\u00f6hepunkt sein wird, und das bedarf keiner gro\u00dfen Erl\u00e4uterungen mehr.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Noch bevor es dunkel wird, vernehme ich das \u00d6ffnen und Schlie\u00dfen einer Dose. Ich drehe mich um und sehe einen Typen kr\u00e4ftig in eine Karotte bei\u00dfen. Aha, Selbstversorger.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Neill Blomkamp &amp; Sharlto CopleyNeill Blomkamp hat einen sehr einfachen Film gedreht. Da gibt es in seiner Erz\u00e4hlung keine gro\u00dfen Wendungen, keine wirklichen \u00dcberraschungen. Der Film selbst ist eine \u00dcberraschung, denn er konzentriert sich so konsequent auf seine eigene Geschichte, dass sich Parallelen zu S\u00fcdafrikas Apartheidpolitik noch viel st\u00e4rker herausgearbeiten werden. Doch weder Regie noch Drehbuch heben w\u00e4hrend des Filmes einen moralischen Zeigefinger, was bei einem US-amerikanischen Film wahrscheinlich zwangsl\u00e4ufig erfolgt w\u00e4re.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die \u201aPrawns\u2018 (Krabben) genannten Au\u00dferirdischen sind im Township District 9 abgeschoben worden, als ihr Raumschiff vor einigen Jahren \u00fcber Johannisburg havarierte. Man will sie nicht, diese stinkenden, ewig sabbernden, nach Katzenfutter geilen Aliens. Das ist nicht Spielbergs E.T., diese hier sehen h\u00e4sslich aus und benehmen sich auch so. Man will sie nicht, also soll durch die MNU (Multi-National-United) das Lager f\u00fcr die \u00fcber eineinhalb Millionen Prawns hundert Kilometer au\u00dferhalb der Gro\u00dfstadt errichtet werden. Mit der R\u00e4umung von DISTRICT 9 wird der linkische Wikus Van De MERWE beauftragt. Wikus-Darsteller Sharlto Copley ist auch kurz in ALIVE IN JO\u2019BURG zu sehen gewesen. So wie Blomkamp \u00fcberhaupt bei DISTRICT 9 die Mannschaft ins Boot holte, mit der er auch die Vorlage realisierte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die ersten f\u00fcnfzehn Minuten inszeniert Blomkamp als Dokumentation, ganz im Stile des eigenen Kurzfilms. Dann verl\u00e4sst der Film langsam seinen erkl\u00e4renden Einstieg. Die dazwischengeschnittenen Interview-Fetzen, die uns auf kommende Ereignisse neugierig machen, werden weniger und weniger. Aus dem schnellen Rhythmus einer Dokumentation sch\u00e4lt sich eine ebenso flott vorangetriebene Spielfilm-Struktur, die es schafft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Der Film hat nur sehr wenig \u00fcberfl\u00fcssige Bilder, eigentlich kaum welche, verliert sich auch nie in Zeit schindenden Einstellungen, und er kommt ohne f\u00fcllende Dialoge aus. Alleim Geschichte steht im Vordergrund, und so wird der Film auch vorangetrieben. Man k\u00f6nnte leicht am Showdown oder an einem sehr plakativen B\u00f6sewicht herum m\u00e4keln. Tats\u00e4chlich aber h\u00e4tte man hier mit ganz wenigen Handgriffen einen durchweg perfekten Film machen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">DISTRICT 9 ist trotz dieser Einw\u00e4nde ein Film mit einer sehr eigenen, ungewohnten Sprache. Er \u00fcberrascht damit, wie er dieses Thema umsetzt. Er \u00fcberrascht damit, wie er mit seinem Helden umgeht. Er \u00fcberrascht durch sein Feingef\u00fchl, die Erwartungen des Publikums immer ein klein wenig zu \u00fcbertrumpfen. Nicht, das Optik, Schnittrate oder Darstellung etwas v\u00f6llig Neues zeigen w\u00fcrden, aber es ist immer die Mischung, die es ausmacht. Und diese Mischung hat Blomkamp bei seiner Inszenierung perfekt getroffen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das Publikum quittiert es mit tosendem Applaus noch w\u00e4hrend der Abblende zu den Titeln. Und kaum wird das Zusammenschlagen der H\u00e4nde beendet, \u00f6ffnet sich wieder eine Dose, diesmal vor mir. Tupper, hab\u2018 ich es mir also gedacht. Ist mir in den Jahren zuvor so etwas aufgefallen? K\u00f6nnte ich nicht behaupten. Also zum Weizenbier das mitgebrachte Gem\u00fcse, oder das Obst. W\u00e4hrend des Abspanns ist der Saal schon hell und ich sehe mich um. Ein paar Reihen weiter hinten kaut jemand auf seiner Butterstulle.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Bei allerh\u00f6chstens drei\u00dfig Minuten zwischen den einzelnen Vorstellungen muss man ger\u00fcstet sein. Ganz vorne sitzt eine etwa Zwanzigj\u00e4hrige, voll gepierct und T\u00e4towierung auf der Schl\u00e4fe. Ihre zerrissenen Netzstr\u00fcmpfe zeugen bestimmt nicht von Armut, sondern von ihrem Stil. Ich stelle mir das M\u00e4dchen gerade vor, wie sie auf einer Tupperware-Party eine Brotdose f\u00fcr das Fantasy Filmfest 2010 erwirbt.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"padding-left: 30px;\"><em><span style=\"color: #333333;\">DISTRICT 9<\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #333333;\"> Darsteller: Sharlto Copley, Jason Cope, David James, Vanessa Haywood, Mandla Gaduka, Kenneth Nkosi, Eugene Khumbayiwa, Louis Minnaar, William AllenYoung u.a.<\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #333333;\"> Regie: Neill Blomkamp \u2013 Drehbuch: Neill Blomkamp, Terri Tatchell \u2013 Kamera: Trent Opaloch \u2013 Bildschnitt: Julian Clarke \u2013 Musik: Clinton Shorter \u2013 Produktionsdesign: Philip Ivey, Circa 111 Minuten, Neuseeland \/ 2009<\/span><\/em><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\"><a rel=\"attachment wp-att-1436\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/nurberg-gruselt-auf-fantasy-filmfest-2011\/ff09\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1436\" title=\"FF09\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FF09.jpg\" alt=\"\" width=\"142\" height=\"200\" \/><\/a>Fantasy Filmfest 2009<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> Teil 4:<\/span><br \/>\n<strong><span style=\"color: #000000;\"> Endstation<\/span><\/strong><\/h2>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Provozierende Fragen nach Sinn und Sinnhaftigkeit von Gewaltdarstellung l\u00e4sst Rudi F\u00fcrstberger gar nicht erst an sich heran. Auf die Frage, ob es nicht bizarr sei, wenn das Publikum vor Begeisterung tobt, weil auf der Leinwand eine Frau von einem Autoreifen in St\u00fccke gerissen wird, antwortet F\u00fcrstberger sofort: \u201eNein, wieso?\u201c Eine Gegenfrage, mit der der Fragesteller ins Aus geschossen wird. Die Gegenfrage bleibt unbeantwortet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Seit 2002 ist Rudi F\u00fcrstberger in festen H\u00e4nden des Fantasy Filmfestivals und man bemerkt auch sofort, dass er un\u00fcberlegte Fragen oder undifferenzierte Aussagen \u00fcber Gewalt schon des \u00d6fteren im Keim ersticken musste. Er ist der Mann vor Ort. Der erste Ansprechpartner. The Big Cheese. Und da muss man Fans zufriedenstellen und nicht die herbeigequatschten Probleme anderer l\u00f6sen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Schlimmster Moment, sch\u00f6nster Moment. Da gibt es so viele, meint der Programmdirektor Rudi F\u00fcrstberger. Schlimme Momente vergisst er sehr schnell, \u201ees kann halt so viel schief gehen. Und wir haben alle gelernt, dass, egal was man macht, irgendwas schiefgehen wird. Man muss einfach damit leben k\u00f6nnen. Ich bin da inzwischen ganz gelassen. Man kann da nicht mehr rumspringen und ausflippen, das machen dann schon einige Leute im Kino.\u201c Nach kurzer \u00dcberlegung f\u00e4hrt F\u00fcrstberger fort, \u201eaber der sch\u00f6nste Moment, glaube ich, ist der erste Tag des Festivals, weil man dann da ist, wo man hingearbeitet hat, und zwar mehrere Monate lang. Der volle Saal mit den Fans, der erste Film, der l\u00e4uft, das ist wie der Startschuss f\u00fcr diesen t\u00e4glichen Marathon, den wir da vor uns haben.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Dieser ersehnte erste Tag liegt in diesem Jahr schon 13 Tage zur\u00fcck, also bereits 13 harte Tage, an denen alles reibungslos am Laufen gehalten wurde. Festival bedeutet ja nicht, dass es sich um einen einzelnen Austragungsort handelt, sondern es umfasst alle St\u00e4dte. Die einzelnen Programme greifen so ineinander, dass in drei St\u00e4dten gleichzeitig Filme pr\u00e4sentiert werden. In N\u00fcrnberg ist heute erst einmal pures Hollywood beim Filmfest angesagt. Die Eingangskontrollen f\u00fcr THE FINAL DESTINATION sind extrem. Schick schwarz gewandete Menschen mit Knopf im Ohr und ohne L\u00e4cheln sehen in jede Tasche. Erst wer sein Handy ganz ausschaltet, darf mit diesem den Saal betreten. Wer im Kino elektronisches Ger\u00e4t zeigt oder bedient, wird sofort angesprochen. Auch wenn man die Security nicht sieht, sie sehen einen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eEs gibt ja einen sehr engen Pool von Filmen, die man will, und den kennen nat\u00fcrlich viele. Aber dennoch haben wir versucht und es immer wieder geschafft, Entdeckungen zu machen.\u201c Als Programmdirektor des 23 Tage umfassenden Festivals ist Rudi F\u00fcrstberger sicher, dass sich in Zukunft daran nichts \u00e4ndern wird. Mit dem vierten FINAL DESTINATION zeigt das Festival einen Film, der wohl weniger das Pr\u00e4dikat \u201aGeheimtipp\u2018 tr\u00e4gt. Aber ein Leckerbissen ist es allemal, schlie\u00dflich darf er eine Woche vor den meisten europ\u00e4ischen Starts gezeigt werden. Den guten Ruf des Festivals und die ergebenen Fans als Marketing-Werkzeug zu nutzen, gelingt den Verleihern aber nicht. \u201eNat\u00fcrlich bekommen wir oft Sachen angeboten, das passiert die ganze Zeit, aber wir k\u00f6nnen auch Nein sagen. Wir suchen aus. Wir bekommen Sachen angeboten und sagen sehr oft Nein.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Zu THE FINAL DESTINATION muss man nicht Nein sagen. Selbst als reinstes Produkt der Studio-Industrie hat er dennoch alles, was dem Fantasy Filmfest gut zu Gesicht steht. Sehr makaber, \u00e4u\u00dferst blutig, und so comicartig inszeniert, dass man sich des Vergn\u00fcgens an den extrem \u00fcberdrehten Todesarten nicht zu sch\u00e4men braucht. Auch wenn es Leute gibt, die das anders sehen. Der abschlie\u00dfende Satz von Rudi F\u00fcrstberger zu diesem Thema ist, \u201eman muss das einfach im Kontext sehen.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nat\u00fcrlich kann es zu Diskussionen kommen oder zu Auseinandersetzungen \u00fcber bestimmte Filme und ihre Qualit\u00e4ten. Das Spektrum der gezeigten Filme ist aber auch enorm, gegen\u00fcber der eigentlich eingeschr\u00e4nkten Bandbreite von Genres. So h\u00e4lt man sich nicht nur seine Zuschauer, sondern gewinnt weitere hinzu.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eDieses Jahr haben wir uns sogar gesteigert\u201c, sagt F\u00fcrstberger in Bezug auf die Zuschauerzahlen. Gerechnet \u00fcber das gesamte Festival und alle Austragungsorte zusammen lag der Durchschnitt in den Vorjahren bei 120.000 Zuschauern. 2008 sollen es sogar 125.000 gewesen sein. Das waren ungef\u00e4hr 1600 verkaufte Karten pro Film, oder anders ausgedr\u00fcckt, jede einzelne Vorstellung hatte im Schnitt \u00fcber 200 belegte Sitzpl\u00e4tze. \u201eWir haben extrem gesteigert in Berlin und Hamburg, K\u00f6ln, ganz extrem in M\u00fcnchen in den Vorverkaufszahlen. Ich glaube N\u00fcrnberg und Frankfurt bleiben \u00e4hnlich wie letztes Jahr. Aber sonst extrem gesteigert, das liegt aber auch an dem Programm. Ein sehr starkes Programm dieses Jahr, das viele neue Zuschauer angezogen hat.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Rudi F\u00fcrstberger betont auch die angereisten G\u00e4ste aus Cleveland und New York, als Beleg f\u00fcr den mittlerweile weltweiten Bekanntheitsgrad des Festivals, f\u00fcr den er in aller Bescheidenheit Festivalleiter Rainer Stefan allein verantwortlich macht. \u201eEs war ein Crunch- und Punkfestival und Rainer hat irgendwelche trashigen Horrorfilme gezeigt. Am Anfang war das Programm ein Flyer mit den Titeln. Das waren ein oder zwei N\u00e4chte und daraus ist das hier entstanden.\u201c Nun berichten Variety und Hollywood Reporter als f\u00fchrende Branchenbl\u00e4tter von diesem Festival, und das beeindruckt F\u00fcrstberger. \u201eRainer hat das alleine aufgezogen, alleine durchgezogen und das Festival zu dem gemacht, was es heute ist.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">MOON und DISTRICT 9, in der eigentlich geheimen Sneak-Preview gibt es DESCENT 2 und dazu eben FINAL DESTINATION. Filme, die vor den offiziellen Starts gezeigt werden. Das reizt extrem. Und als Wiederholung einer schon erw\u00e4hnten Beobachtung: Man sieht die Filme mit einem Publikum, das diese Filme auch sehen will. Das kommt einfach an. Hingegen hat der Action-Kracher THE TOURNAMENT noch gar keinen Verleih. IN THE ELECTRIC MIST genoss eine einzige Vorstellung auf dem Internationalen Film Festival von Berlin. PUSH wird in Deutschland direkt auf DVD erscheinen. Da gibt das FANTASY FILMFEST wenigstens die Chance, zu sehen, was schnell mal ungesehen im Archiv verschwinden kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eWir lassen jedes Jahr Kopien herstellen und jedes Jahr Filme untertiteln, nat\u00fcrlich in Absprache mit den Verleihern\u201c, erkl\u00e4rt Rudi F\u00fcrstberger, hat dar\u00fcber aber vergessen, ob es dieses Jahr acht oder neun Filme waren, die erstellt werden mussten, um sie auf der gro\u00dfen Leinwand pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen. \u201eKeine Ahnung. Das Wichtigste, was ich jetzt im Kopf behalten muss, ist einfach, wohin die Kopien gehen. Diese ganze Logistik-Geschichte, weil wir eben immer in drei St\u00e4dten gleichzeitig sind. Das ist sehr schwierig und aufwendig, da darf nichts vergessen werden.\u201c Der Programmdirektor nennt es ein Experiment, das Fest innerhalb von 23 Tagen mit f\u00fcnf, sechs Mann zu stemmen, \u201edas zehrt einfach an jedem. Und es tut sehr gut, tats\u00e4chlich zu wissen, ich bin am neunten September fertig und hab danach meine Ruhe. Das ist schon sehr hart. Also einundzwanzig Tage ist die absolute Grenze, was man so schafft, um jeden Tag zu arbeiten.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">David R. Ellis und sene DarstellerJa, aber bis zu diesem Punkt sind es noch zehn Tage. Es gibt nur sehr selten ein paar Minuten, um sich einmal richtig zu entspannen. Rudi F\u00fcrstberger nutzt die Gelegenheit und setzt sich eine 3-D-Brille auf. Da spritzt Ged\u00e4rm, fliegen massenhaft Autoteile, Feuerwalzen sch\u00e4len sich aus der Leinwand. Das Publikum ist begeistert. Die mit Nachsichtger\u00e4ten ausgestatteten Securities st\u00f6ren eigentlich kaum, wenn sie im Auditorium die Stufen\u00a0 so langsam und leise wie m\u00f6glich auf und ab wandern. Nach nur 82 Minuten ist das \u00fcberdrehte Gemetzel vorbei und mit ihm vielleicht sogar der spa\u00dfigste Film des Festivals. Hier und da \u00e4ugen die Schwarzgekleideten noch mal in die ein oder andere Tasche, aber das ist auch gut so. Niemand nimmt Ansto\u00df daran. Die Reputation des Festivals geht einfach vor.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Dass mit dem Ausklang jedes Festivals bereits das n\u00e4chste Fest eingel\u00e4utet, wird Rudi F\u00fcrstberger nach 23 Tagen Dauerstress weniger tragisch sehen. \u201eDas ist wenigstens absehbar\u201c, meint er, \u201eda gibt\u2019s die n\u00e4chsten gro\u00dfen Geschichten, die laufen. Wir gehen dann auf die speziellen Filmm\u00e4rkte, die sind im Oktober und November. Damit wird alles absehbar.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Als nette \u00dcberbr\u00fcckungshilfe kommen seit sieben Jahren im Fr\u00fchjahr die FFF NIGHTS dazu. Der eingefleischte Fan der besonderen Filmkost wird an zwei Abenden in den bekannten Spielorten mit rund 10 vom Festival abgesetzten Filmen verw\u00f6hnt. Ein ebenso durchschlagender Erfolg, der ja f\u00f6rmlich nach Expandierung schreit. \u201eAuf gar keinen Fall\u201c, wehrt F\u00fcrstberger sofort ab, der Markt sei abgedeckt. \u201eWenn wir jetzt anfangen im Herbst, Winter und Fr\u00fchjahr \u2026nein. Die Leute m\u00fcssen sich auch auf etwas freuen k\u00f6nnen. Es gibt ja auch eine Erwartungshaltung ans Festival, und wir schauen eben, dass wir die gro\u00dfen Titel auch f\u00fcr das Festival bekommen. Wenn wir jetzt so anfangen w\u00fcrden, dann w\u00e4ren wir ja nur noch ein Vermarkter von Filmen, und kein Festival mehr.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eDer Reiz liegt schon auch darin, dass das Festival nur einmal im Jahr ist\u201c, betont F\u00fcrstberger. Trotz der ungebrochenen Freude am und auf dem Festival selbst, scheint besagter Dauerkartenfan einfach \u00fcberfordert zu sein. Lange harte Stunden im Dunkeln, und nat\u00fcrlich die Ungewissheit, den richtigen Film ausgesucht zu haben. Gestresst? \u00dcberfordert? \u201eJa\u201c, stimmt der Programmdirektor ohne Mitleid zu, \u201edas geh\u00f6rt eben dazu. Das sind einfach die wahren Filmfans, die sich auch eine Woche Urlaub daf\u00fcr nehmen. Das ist ja kein normaler Zuschauer, sondern der absolute Fan.\u201c<\/span><\/p>\n<h5 style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #333333;\"><em>THE FINAL DESTINATION<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333333;\"><em> Darsteller: Bobby Cambo, Shantel Van Santen, Nick Zano, Haley Webb, Mykelti Williamson, Krista Allen, Andrew Fiscella, Justin Welborn u.a.<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333333;\"><em> Regie: David R. Ellis \u2013 Drehbuch: Eric Bress \u2013 Kamera: Glen MacPherson \u2013 Bildschnitt: Mark Stevens \u2013 Musik: Brian Tyler \u2013 Produktionsdesign: Jaymes Hinkle ca. 82 Minuten, USA 2009<\/em><\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\"><a rel=\"attachment wp-att-1437\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/nurberg-gruselt-auf-fantasy-filmfest-2011\/ff10-2\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1437\" title=\"FF10\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FF101.jpg\" alt=\"\" width=\"149\" height=\"200\" \/><\/a>Fantasy Filmfest 2010<\/span><br \/>\n<strong><span style=\"color: #000000;\"> Frisches Blut und alte Haudegen<\/span><\/strong><\/h2>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Dass der Genrefilm l\u00e4ngst keinen Grund mehr hat, sich im Programmkino-Schatten des strahlenden Mainstream-Multiplex zu verstecken, beweist sich Jahr um Jahr am stetig wachsenden Erfolg des Fantasy Filmfests. F\u00fcr die Macher des Filmfests um Gr\u00fcnder Rainer Stefan bedeutet Genrefilm expliziter Splatter genauso wie Psychoschocker \u2013 vom Gangsterfilm bis zur experimentellen Bilderwucht. Das hei\u00dft vor allem Thriller, Horror oder Science Fiction aus Norwegen, Schweden, Vietnam, Frankreich, Belgien oder S\u00fcdkorea. Blut aus Amerika flie\u00dft dagegen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sehr verd\u00fcnnt durch die Venen des Filmfestes. Was das allj\u00e4hrliche Programm des FFF in reiner, grober, oft sehr derber Form zeigt, hat nat\u00fcrlich l\u00e4ngst auch das modrige Fleisch des amerikanischen Mainstream-Kinos aufgefrischt. Aber Bluttransfusionen dieser Art sind nun mal stark verw\u00e4ssert. Wer wissen will, wie es im Kino zur Legimitation eines von PIRANHAS angeknabberten Penis kommen konnte, der sollte Peter Jacksons BRAINDEAD gesehen haben, ebenfalls ein fr\u00fcherer Beitrag des FFF. Nur, dass der eine Film vor blutigem Charme strotzt, der andere hingegen zur fauligen Effekthascherei verkommen ist<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Sich acht Tage auf ein Festival dieser Gr\u00f6\u00dfe und Art einzulassen, bedeutet in erster Linie, die wirkliche Welt f\u00fcr acht Tage zu vergessen. 74 Filme stehen zur Auswahl, jeweils zwei Filme laufen stets parallel, nur 3 oder 4 werden innerhalb des Programms wiederholt. Eine Selektierung f\u00e4llt dem Fan schwer. Das ewige Hin- und Herbl\u00e4ttern und -studieren des Programmheftes macht die Sache eher schwieriger. Eigentlich will jeder Beitrag gesehen werden. Wirkliche Hardcore-FFFler nutzen da durchaus die M\u00f6glichkeit der verschiedenen Festival-Orte, die zeitversetzt bespielt werden. Doch wer auf Reisen verzichten will und auch sonst mit weniger Freizeit f\u00fcr die Kinobesuche auskommen muss, der bl\u00e4ttert weiter hin und her im Programmheft.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Diverse Kategorien k\u00f6nnen dabei Entscheidungshilfen bieten, bevor man sich fragend die Kopfhaut vom Sch\u00e4del kratzt. Directors Spotlight, Centerpiece, Focus Asia, Special Premiere Screening oder Fresh Blood. Die letzten zwei Kategorien vereint dieses Jahr MONSTERS auf sich. Ein mit minimalster Crew im Guerilla-Stil gedrehter Science Fiction Film, in dem halb Mexiko und Amerika von Au\u00dferirdischen okkupiert ist. Ein Film, der Erinnerungen an den FFF-Erfolg DISTRICT 9 von 2009 aufkommen l\u00e4sst, um danach seinen Siegeszug im normalen Kinoprogramm anzutreten. Und ein Film, der den kommenden Blockbuster-Invasions-Filmen SKYLINE und BATTLE: LOS ANGELES das Blut aus dem K\u00f6rper pressen k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Zur Kategorie Fresh Blood geh\u00f6rt aber auch Daniel Barbers zweite Regiearbeit, mit einem Drehbuch von Gary Young, Autor von erst f\u00fcnf Filmen. Das Ergebnis hei\u00dft HARRY BROWN. Den Einstieg bilden schockierende, mit dem Handy gefilmte Bilder. Und der Film h\u00e4lt, was dieser Anfang verspricht. Es ist ein d\u00fcsterer Film, brutal und schonungslos, aber nicht grafisch blutig. Michael Caine spielt diesen Harry Brown, der sich in einer Welt wiederfindet, mit der er kaum noch zurechtkommt. R\u00fccksichtslose und gewaltbereite Jugendliche, die aus einem Stadtviertel einen Alptraum werden lassen, geh\u00f6ren nicht zu dem Lebensabend, wie ihn sich Harry Brown vorgestellt hatte. Er meidet die Schnellstra\u00dfen-Unterf\u00fchrung, weil er wei\u00df, dass sich dort der betrunkene und kaltbl\u00fctige Mob aufh\u00e4lt. Es ist diese Unterf\u00fchrung, wegen der Harry wieder einmal einen l\u00e4ngeren Umweg macht und deswegen zu sp\u00e4t ans Sterbebett seiner Frau kommt. Bei Harry beginnt eine Ver\u00e4nderung, die erst kaum sp\u00fcrbar ist, dann aber knallhart eintritt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">HARRY BROWN ist in allen technischen Aspekten tadellos umgesetzt. Die Bilder von Kameramann Marin Ruhe sind angemessen kalt und bedr\u00fcckend. Ein Film, der mit sehr viel Gesp\u00fcr eine subtil bedrohliche Atmosph\u00e4re erzeugt. Hilfeschreie zerfallen zwischen den Wohnsilos zu undefinierbaren T\u00f6nen. Auf Hilfe darf niemand hoffen. Aber HARRY BROWN ist kein Film der Effekte und technischen Raffinessen, es ist ein Schauspielfilm. Ein Schauspielfilm, bei dem man sich keinen besseren als Michael Caine vorzustellen wagt. Der Altmeister der gehobenen Unterhaltung beherrscht jede seiner Szenen mit greifbarer Pr\u00e4senz. Schleichend wird aus dem alten, traurigen Charakter, ein stoischer, verbitterter J\u00e4ger. Man hat sogar das Gef\u00fchl, dass Caine im Fortlauf des Films immer j\u00fcnger zu wirken scheint. So dominant Caine auch sein mag, lie\u00df es sich das \u201efrische Blut\u201c der Filmemacher nicht nehmen, ihm eine exquisite Auslese britischer Namen an die Seite zu stellen. Emily Mortimer, Charlie Creed-Miles, David Bradley und auch Liam Cunningham in einer kleinen Rolle stehen ihren Mann bzw. ihre Frau, und Jack O\u2019Connell darf die B\u00f6sartigkeit wiederholen, die ihn schon in EDEN LAKE so wunderbar hassenswert machte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">HARRY BROWN k\u00f6nnte die britische Variante von GRAN TORINO sein, allerdings ohne den schmalzigen falschen Pathos. Er hat aber auch viel vom Grundtenor aus NO COUNTRY FOR OLD MEN, mit Menschen; die in einen gesellschaftlichen Wandel hineinleben, der ihre eigenen Wertvorstellungen \u00fcber den Haufen wirft. Doch in erster Linie ist HARRY BROWN ein sehr eigenst\u00e4ndiger Film, der es brillant versteht, den Zuschauer an der Hand zu nehmen und den Griff immer fester zu schlie\u00dfen. Und gerade als man glaubt, den weiteren Verlauf der Geschichte vorausahnen zu k\u00f6nnen, wird HARRY BROWN pl\u00f6tzlich zu einer soziopolitischen Reflexion, allerdings ohne belehrender Absichten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Dieser Film ist einer der Gr\u00fcnde, die das FFF zu etwas Besonderem machen. Wo man auf Entdeckungsreise gehen kann, wo man auch alle Stufen von Emotionen durchlaufen darf, wo man unter Gleichgesinnten verweilt. Und es ist bei weitem nicht nur HARRY BROWN, den man dank des FFF auch dort sehen kann, wof\u00fcr er konzipiert wurde, aber wegen schlampiger Vertriebspolitik kaum gesehen wird: auf der gro\u00dfen Leinwand.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"padding-left: 30px;\"><em><span style=\"color: #333333;\">Harry Brown<\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #333333;\"> Darsteller: Michael Caine, Emily Mortimer, Charlie Creed-Miles, David Bradley, Liam Cunningham, Sean Harris, Ben Drew u.a.<\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #333333;\"> Regie: Daniel Barber \u2013 Drehbuch: Gary Young \u2013 Bildgestaltung: Martin Ruhe \u2013 Bildschnitt: Joe Walker \u2013 Musik: Ruth Barrett, Martin Phipps<\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #333333;\"> Gro\u00dfbritannien \/ 2009 \u2013 zirka 103 Minuten<\/span><\/em><\/h5>\n<p><em><span style=\"color: #333333;\"><br \/>\n<\/span><\/em><\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\"><a rel=\"attachment wp-att-1437\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/nurberg-gruselt-auf-fantasy-filmfest-2011\/ff10-2\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1437\" title=\"FF10\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FF101.jpg\" alt=\"\" width=\"149\" height=\"200\" \/><\/a>Fantasy Filmfest 2010<\/span><br \/>\n<strong><span style=\"color: #000000;\"> Zur\u00fcck in die Vergangenheit<\/span><\/strong><\/h2>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nahm man bisher auf dem Fantasy Filmfest Geschichtsunterricht, dann kam dieser meist in Form von asiatischen Epen aus Hongkong oder Taiwan. Mit 14 BLADES und LITTLE BIG SOLDIERS leistet China auch dieses Jahr wieder seinen Beitrag, den Schwert-und-Ehre-Freund in eine l\u00e4ngst vergangene Zeit zu entf\u00fchren. Bei LITTLE BIG SOLDIERS sogar mit einem gegen den Strich geb\u00fcrsteten Jackie Chan. Aus Kanada kommt noch eine besondere Mixtur, wo Live-Rollenspieler mit ihren selbst erschaffenen Charakteren gegen die wirkliche Welt ankommen m\u00fcssen. Das Ganze nennt sich dann THE WILD HUNT, und verspricht ein turbulenter Spa\u00df mit der Gewalt eines Psychothrillers zu werden. Doch dieses Jahr werden Zeitreisen haupts\u00e4chlich von Gro\u00dfbritannien gesponsert und nennen sich CENTURION, SOLOMON KANE und, ganz hei\u00df erwartet, BLACK DEATH.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Neil Marshall hat bisher nicht nur gute Filme gemacht, sondern mit dem letzten FFF-Beitrag DOOMSDAY bewiesen, mit sehr wenig Mitteln m\u00e4chtig die Erde beben zu lassen. Seine Gedanken kreisten beim Drehbuchschreiben von CENTURION um die Legende der neunten r\u00f6mischen Legion, die angeblich an der \u00e4u\u00dfersten Grenze des Reiches spurlos verschwunden sein soll. Historiker m\u00f6chten diese Legende l\u00e4ngst wiederlegt wissen, doch was interessiert das einen Filmemacher. Wer Geschichte unverf\u00e4lscht dargestellt sehen will, soll sich den Historie-Channel abonnieren. Gerade was bei anderen Produktionen w\u00fcnschenswert und angebracht w\u00e4re, wollte Neil Marshall \u00fcberhaupt nicht auf die Leinwand bringen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das R\u00f6mische Reich ist m\u00e4chtig. Nur an den n\u00f6rdlichen R\u00e4ndern Britanniens tun sich die Legion\u00e4re schwer. Bezeichnend sinniert Zenturio Quintus Dias (Fassbender) dann auch \u00fcber die Region, \u201esogar das Land m\u00f6chte uns t\u00f6ten\u201c. Aber zuerst sind einmal die Picts dran, ein Volksstamm, dem die Okkupation gar nicht behagt und der gleich in den ersten Minuten den Ton f\u00fcr den gesamten Film setzt. Der Guerilla-\u00dcberfall auf die Garnison ist blutig und brutal. Und so geht es auch munter weiter. Quintus Dias \u00fcberlebt mit gerade mal sechs Kameraden. Die Flucht durch das feindliche Land wird zu einem Lehrst\u00fcck von schottischer Beharrlichkeit, und da n\u00fctzt auch keine r\u00f6mische Finesse. Egal, wie tapfer sich die Legion\u00e4re m\u00fchen, k\u00e4mpfen, schlachten, br\u00fcllen oder bluten, die Picts dezimieren mit Hartn\u00e4ckigkeit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Marshall, als kreativer \u00dcbervater dieses Produktes, hat seine Vorbilder ganz genau studiert. Und in den immer und immer wieder demonstrierten Landschafts\u00fcberfl\u00fcgen spiegelt sich der HERR DER RINGE aber auch sehr gut wieder. Sam McCurdys Cinemascope-Aufnahmen sind brillant und ziehen wirklich in die Leinwand hinein. So was kommt eben dabei heraus, wenn man seine Vorbilder kennt. Doch erf\u00fcllen die gut kopierten Kameraspielereien durchaus einen ganz individuellen Zweck in der Dynamik des Filmtempos. Und dass der GLADIATOR hier wieder auflebt, tut auch nicht wirklich weh. Mit Schnitt-Tempo, Shutter-Aufnahmen und Farbstimmungen huldigt Marshall seinem Regiekollegen Ridley Scott auf besondere Weise, allerdings ohne die grimmige Verbissenheit. CENTURION wirkt dabei in keiner Sekunde aufgesetzt oder peinlich, gerade weil Marshall sein Vorbild genau studiert hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Geschichte, soweit man von einer sprechen kann, ist kaum existent. Doch es geht ja auch nicht um eine Geschichte, erst recht nicht um die historische Geschichte. Als Drehbuchautor hat Neil Marshall einfach seine Phantasie mit der Legende spielen lassen. Als Regisseur hat er sich dann auf die Essenz des Mediums konzentriert. Wie er schon mit DESCENT den Horrorfilm auf das N\u00f6tigste heruntergebrochen hat, ist CENTURION reinstes, unverf\u00e4lschtes und ohne Ballast ausstaffiertes Actionkino. Und wer es gerne rau m\u00f6chte, wird seine helle Freude daran haben. Jeder Hieb und jeder Schlag ist in den Kampfszenen auch ein Treffer, und jeder Treffer ist sehr blutig. Ganze Sequenzfolgen lang wird dann auch jeder Schnitt im Film ein Schnitt durch K\u00f6rperteile des Gegners. Oder Schlag. Oder Riss. Was man eben einem K\u00f6rper alles so antun kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Mit Michael Fassbender hat sich ein guter, charismatischer Hauptdarsteller gefunden. Doch so ein kleines bisschen l\u00e4uft ihm Dominic West als General Flavius Virilus den Rang als geballte M\u00e4nnlichkeit ab. Aber nur ein bisschen. Ansonsten ist CENTURION ein wirklicher Kracher, der zu unterhalten versteht und wei\u00df, worauf es ankommt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nur zu dem Ende \u00e4u\u00dfert sich Marshall etwas unzufrieden, weil ihn das Studio zu einem anderen Ende gen\u00f6tigt hatte, als er wollte. CENTURION funktioniert aber auch so zur besten Unterhaltung. Im Nachhinein w\u00e4ren Spekulationen \u00fcber das Was-w\u00e4re-wenn eh nur m\u00fchsam und am Ende vergebens. Da hat SOLOMON KANE weniger Schwierigkeiten, weil sein Ende ziemlich festgeschrieben stand, will man doch aus Robert E. Howards Romanvorlage einen Dreiteiler zaubern.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eIch bin noch nicht bereit f\u00fcr die H\u00f6lle\u201c. Mit diesen Worten springt der kaltbl\u00fctige S\u00f6ldner Solomon Kane dem Sensenmann sprichw\u00f6rtlich von der Schippe. Sein bisheriger Lebenswandel hat ihn schon zu einem festen Kandidaten f\u00fcr die H\u00f6lle gemacht, und der Teufel wollte diese Seele endlich kochen. Doch der gerade in Nordafrika marodierende Kapit\u00e4n kann fliehen, wenngleich seine gesamte Besatzung ins Fegefeuer gesetzt wird. Das macht selbst den hartherzigsten S\u00f6ldner nachdenklich. Solomon Kane zieht sich ins Kloster zur\u00fcck und gibt sich ganz Gott hin. Doch es kann der Fr\u00f6mmste nicht in Frieden leben, wenn\u2019s dem Teufel nicht gef\u00e4llt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eEs gibt viele Wege zur Erl\u00f6sung, aber nicht alle sind friedfertig\u201c, bekommt der mit seiner Vergangenheit hadernde Kane mit auf dem Weg, als er sich unvermittelt auf einer Mission befindet, die ihn endg\u00fcltig mit seinem Schicksal konfrontieren wird. Und daf\u00fcr hat man mit James Purefoy einen mehr als idealen Darsteller gefunden. Nicht, dass sich Purefoy als einer der begnadetsten Schauspieler entpuppt, wenngleich er seine Rolle tadellos beherrscht. Aber es ist offensichtlich, dass die Produzenten bei der Besetzung die frappierende \u00c4hnlichkeit mit Hugh Jackman im Sinn hatten. Nicht nur Make-up und Frisur, sondern auch Beleuchtung und Kameraf\u00fchrung sind stets darauf ausgelegt, Purefoys\u00a0 \u00c4hnlichkeit zu Wolverine auszunutzen. Die Beweggr\u00fcnde liegen auf der Hand, tun dem eigentlichen Darsteller aber Unrecht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Was zuerst auff\u00e4llt bei diesem sehr straff inszenierten SOLOMON KANE, sind die langen Kameraeinstellungen in der ersten H\u00e4lfte, die dem Betrachter wirklich Zeit geben, die Atmosph\u00e4re aufzunehmen. Daf\u00fcr erz\u00e4hlen die Bilder auch sehr viel \u00fcber die eingerahmten Charaktere. Erst als Kane bei der 45-Minuten-Marke seine Berufung gefunden hat, zieht das Tempo an und der Ton sowie die Gewalt werden h\u00e4rter. Die Kampfszenen sind wohl keine Offenbarung, aber doch spannend und sehenswert. Ein paar Anachronismen tun sich im Film auf, da kann man dr\u00fcber streiten, muss man aber nicht. Bei der Gestaltung der B\u00f6sewichter h\u00e4tte man weniger auf Klischee setzen m\u00fcssen. Doch SOLOMON KANE ist ohnehin ganz allein James Purefoys Film, den er ohne weiteres ausf\u00fcllen kann. Da ist kein Hugh Jackman von N\u00f6ten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Freunde von Robert E. Howard m\u00fcssen selbst entscheiden, ob und wie getreu sich die filmische Umsetzung des von Gott und dem Teufel gleicherma\u00dfen getriebenen Solomon Kane an die Vorlage h\u00e4lt. Als Film ist er \u00fcberzeugendes Action-Kino mit angenehm unaufdringlichen Fantasy-Elementen. Vielleicht h\u00e4tten die Figur und die Ereignisse etwas radikaler sein k\u00f6nnen. Ein bisschen grafisch brutaler vielleicht. Doch wer will wirklich meckern, wie hei\u00dft es so sch\u00f6n: Es kann kein Regisseur in Frieden leben, wenn\u2019s dem Fan nicht gef\u00e4llt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Beiden Filmen, SOLOMON KANE und CENTURION, kann man gut und gerne vorwerfen, dass sie nicht viel Neues in die Arena der Fans und Filmjunkies werfen, und eine gewisse Vorhersehbarkeit ist auch nicht von der Hand zu weisen. Aber jeder f\u00fcr sich ist in Umsetzung und Pr\u00e4sentation einfach mitrei\u00dfend und unterhaltend. Und bei gesch\u00e4tzten 30 Millionen britischer Pfund pro Film ist auf der gro\u00dfen Leinwand bei keinem der beiden ein Unterschied zu f\u00fcnfmal so teuren Produktionen aus anderen L\u00e4ndern zu bem\u00e4ngeln. Und das macht richtig Freude. Beide Filme zeigen auch einmal explizit, dass es durchaus mehrere Schl\u00e4ge ben\u00f6tigen kann, bis ein Kopf vom Rumpf getrennt ist. Und das tut selbst dem Betrachter weh.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">M\u00fcnchen, Stuttgart und N\u00fcrnberg haben noch eine Chance. Und die sollte wahrgenommen werden. Bevor wieder jemand weint.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"padding-left: 30px;\"><em><span style=\"color: #333333;\">CENTURION<\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #333333;\"> Darsteller: Michael Fassbender, Liam Cunningham, David Morrissey, Dominic West, Noel Clarke, Riz Ahmed, Dave Legeno, Olga Kurylenko, Imogen Poots u.v.a.<\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #333333;\"> Regie &amp; Drehbuch: Neil Marshall \u2013 Bildgestaltung: Sam McCurdy \u2013 Bildschnitt: Chris Gill \u2013 Musik: Ilan Eshkeri \u2013 Production Design: Simon Bowles<\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #333333;\"> Gro\u00dfbritannien \/ 2010 \u2013 zirka 97 Minuten<\/span><\/em><\/h5>\n<h5 style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #333333;\"><em>SOLOMON KANE<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333333;\"><em> Darsteller: James Purefoy, Rachel Hurd-Wood, Jason Fleming, MacKenzie Crook, Philip Winchester, Patrick Hurd-Wood, Pete Postlethwaite, Alice Krige und Max von Sydow u.a.<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333333;\"><em> Regie &amp; Drehbuch: Michael J. Bassett &#8211; nach der Vorlage von Robert E. Howard \u2013 Bildgestaltung: Dan Laustsen \u2013 Bildschnitt: Andrew MacRitchie \u2013 Musik: Klaus Badelt \u2013 Produktions Design: Ricky Eyres<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333333;\"><em> Frankreich\/Tschechien\/ Gro\u00dfbritannien \/ 2009 \u2013 zirka 104 Minuten<\/em><\/span><\/h5>\n<div id=\"_mcePaste\" class=\"mcePaste\" style=\"position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow: hidden;\">Fantasy Filmfest 2009&nbsp;<\/p>\n<p>Teil 1:<br \/>\nKleinod N\u00fcrnberg<\/p>\n<p>Der N\u00fcrnberger Gro\u00dfraum k\u00f6nnte Filmhauptstadt sein. Von links kommen die Frankfurter, wo die Drehgenehmigungen zu teuer werden. Von oben kommen die Berliner, die keine neuen Locations mehr auftun k\u00f6nnen. Von unten dr\u00e4ngen die M\u00fcnchner, weil deren Bewohner die Schnauze von Dreharbeiten voll haben. Doch N\u00fcrnberg ist nicht bereit.<\/p>\n<p>N\u00fcrnberg ver\u00f6det, weil viele kreative K\u00f6pfe arbeiten m\u00f6chten, aber keinerlei Infrastruktur vorhanden ist. Infrastruktur aufzubauen bedeutet, \u00fcber finanzielle Mittel zu verf\u00fcgen. Finanzielle Mittel stecken die St\u00e4dte der Metropolregion N\u00fcrnberg in alles, nur nicht in die Filmkunst.<\/p>\n<p>N\u00fcrnberg hat auch interessante Filmfestivals. Da w\u00e4re das \u201eFilmfest T\u00fcrkei \/ Deutschland\u201c. Viele aufregende Produktionen aus der T\u00fcrkei, oder\u00a0 solche, die sich mit der T\u00fcrkei auseinandersetzen. Ein sehr gut besuchtes Festival, das allerdings nur t\u00fcrkischst\u00e4mmige Besucher anlockt. Oder auch die \u201e24 Stunden von N\u00fcrnberg\u201c. Ein Kurzfilmfestival, das 24 Stunden am St\u00fcck Kurzfilme in der Reihenfolge ihrer Einsendung zeigt. Der N\u00fcrnberger als solcher hat den Spa\u00df an so einer Veranstaltung noch nicht so richtig verstanden. \u00dcber sich hinaus w\u00e4chst kein Festival, welches sich mit Film besch\u00e4ftigt. Wenn \u00fcberhaupt, ist die finanzielle Unterst\u00fctzung durch die St\u00e4dte l\u00e4cherlich. In den Rath\u00e4usern hei\u00dft es da schon mal, Film gibt\u2019s woanders, wir machen in Kunst. Danke.<\/p>\n<p>Berlin, Hamburg, K\u00f6ln, Frankfurt, Stuttgart, M\u00fcnchen. Das riecht fast schon nach faulem Zauber, wenn sich da N\u00fcrnberg in die Kette einreiht. Doch das 23. FANTASY FILMFEST macht auch in diesem Jahr wieder Station in N\u00fcrnberg. Die Genre-Fans danken es, die Organisatoren freuen sich. Schlie\u00dflich findet man mit dem CINECITTA in N\u00fcrnberg nicht nur das erfolgreichste, sondern auch\u00a0 das modernste Multiplex Deutschlands. Nein, und f\u00fcr die absonderlichen Filme des Festivals werden nicht etwa die kleinen Spuckn\u00e4pfe bereitgestellt, sondern mit Kino 2 und 3 eine Platzzahl von fast 800 Sitzen. Digitale Vorf\u00fchrung mit THX-Zertifizierung, und sogar THE FINAL DESTINATION erf\u00e4hrt seine Vorstellung in digitalem 3-D, in Hamburg und Berlin stand er \u00fcberhaupt nicht auf dem Programm.<\/p>\n<p>Doch, oh weh, was ist nur in N\u00fcrnberg los? Die Fans wundern sich \u00fcber noch viele erh\u00e4ltliche Dauerkarten, mit denen alle 74 Vorstellungen abgedeckt werden d\u00fcrfen. Da stets zwei Filme gleichzeitig laufen, werden daraus nat\u00fcrlich nur 37 m\u00f6gliche Vorstellungen, und die Wahl f\u00e4llt verdammt schwer. In anderen St\u00e4dten m\u00fcssen diese Dauerkarten lange vorbestellt werden und sind in k\u00fcrzester Zeit ausverkauft. In N\u00fcrnberg gibt es auch noch drei Tage vor Festivalbeginn ohne Probleme Einzelkarten f\u00fcr den Festivalrenner LARGO WINCH oder den Er\u00f6ffnungsfilm CARRIERS. Am Abschlusstag gibt es noch eine Sneak-Preview, in den Vorjahren waren das durchaus Filme, deren Titel man nicht nennen durfte, weil die eigentliche Weltpremiere ganz woanders und viel sp\u00e4ter stattfinden wird. Karten? Kein Problem. Schieben wir es einfach auf die fr\u00e4nkische Gem\u00fctlichkeit.<\/p>\n<p>Festivalbegr\u00fcnder und \u2013leiter Rainer Stefan spricht wieder einmal von einem schwerpunktm\u00e4\u00dfigen Thriller-Festival. Doch das ist auch in Ordnung. Die Abnabelung vom reinen Horrorfest hat schon vor langer Zeit stattgefunden und wird eigentlich nur begr\u00fc\u00dft. Eine Ann\u00e4herung an kommende Blockbuster-Attraktionen soll es auch zuk\u00fcnftig nicht geben. DISTRICT 9 etwa hatte man lange vor den positiven Kassenprognosen ins Programm geholt. Und dabei hat doch alles so gem\u00fctlich angefangen. Punkmusik und Horrorfilm, das waren noch ruhige Zeiten in der alten Markthalle in Hamburg. Drei Bands und drei Filme und lediglich 2000 Besucher. Das war eben die gute alte Zeit, vor 23 Jahren.<\/p>\n<p>Die Schwerpunkte wechseln mit den Jahren, manchmal gibt es mehr Filme aus Skandinavien, manchmal sind die Fantasy-Streifen in der \u00dcberzahl, dann wieder dominiert der Splatter. Die Gewichtung ist dabei uninteressant, die Macher wollen zeigen, was ihnen in der Flut von Blockbuster-Wahn und Direct-to-Video entgehen k\u00f6nnte oder entgangen ist. Die Action-Fantasy PUSH hat f\u00fcr Deutschland keinen Kinoverleih gefunden. Drei Wochen vor seiner DVD-Ver\u00f6ffentlichung kann er im Rahmen dieses Festivals dort gesehen werden, wof\u00fcr er eigentlich gemacht wurde: Auf der gro\u00dfen Leinwand. Allein f\u00fcr das Programm 2008 musste die Festivalleitung von 20 Filmen eigene 35-Millimeter-Kopien erstellen lassen. Da bleibt selbst bei stets ausverkauften H\u00e4usern nicht mehr viel \u00fcbrig. Daf\u00fcr beweist es die Leidenschaft f\u00fcr die Sache.<\/p>\n<p>Der Erfolg gibt Rainer Stefan und seinen Mitstreitern in allen Punkten Recht. Der Fan von Horror und Fantasy ist sowieso einer der besonderen. Kaum ein Publikum ist offener, aber kaum eines ist auch kritischer. Kommentare gibt es nur im Bezug auf das Gezeigte. Unmuts\u00e4u\u00dferungen werden sofort erledigt. Szenenapplaus ist allgegenw\u00e4rtig. Die Stimmung wird beherrscht von Ehrlichkeit und von derselben Leidenschaft, wie sie die Festivalmacher einbringen. Das macht dieses, wie \u00fcberhaupt ein Festival, zu etwas Besonderem. Das Publikum ist informiert und wei\u00df, worauf es sich einl\u00e4sst. Das ist ein riesiger Unterschied zu einem normalen Kinobesuch, der in der Regel von einer Mentalit\u00e4t der Ignoranz begleitet wird.<\/p>\n<p>Anders als zum Beispiel beim renommierten SUNDANCE FILM FESTIVAL, welches zum Marktplatz umtriebiger Verleiher und Produzenten mutiert ist, ist ein Horror- und Fantasyfilmfest alles andere als ein Indikator f\u00fcr klingelnde Kassen oder einen leeren Saal. Ein Publikum, das wesentlich bewusster Filme aussucht und ansieht, l\u00e4sst sich als Trend nicht \u00fcbertragen. Der von den Fans auf dem FFF 2008 frenetisch gefeierte DIARY OF THE DEAD von George Romero fand gar nicht erst ins Kino, ein Vertrieb auf DVD dauerte immens lange. Selbst auf der silbernen Scheibe war der Erfolg bescheiden, scheinbar nur f\u00fcr eine sehr spezielle Schicht von Zuschauern interessant. Ein trauriger Anlass, der die Absichten der Organisatoren des FFF einmal mehr best\u00e4tigt. Der Interessierte soll seine Chance erhalten, im Kino mit Gleichgesinnten zu bejubeln, was man sonst nur in der verstunkenen Bude konsumieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Das famili\u00e4re Gemeinschaftsgef\u00fchl kommt nicht von ungef\u00e4hr. Schlie\u00dflich teilt man etwas Besonderes, und dass dabei das zu gro\u00df anmutende Kino pl\u00f6tzlich zum kuscheligen Wohlf\u00fchlplatz schrumpft, ist nicht unbedingt nur ein feingeistiger Satz. Hier schneidet sich kein intellektuelles Kopfkino zwischen die Zuschauer, wie es bei themenbezogenen Festivals eben gerne passiert. Hier eint die Lust am Trivialen, doch mit hohem Niveau. Filme werden grunds\u00e4tzlich in der originalen Sprachfassung gezeigt und hilfreiche Untertitel gibt es vielleicht bei asiatischen oder franz\u00f6sischen Produktionen. Die Leinwand muss gro\u00df sein, das Tonsystem auf dem neuesten Stand. Die Lust am Trivialen wird zum Sinnbild des wahren Kinos. So muss Film gesehen, erlebt und verinnerlicht werden. Daf\u00fcr werden Filme gemacht. Gute Filme.<\/p>\n<p>In alter Tradition wird schon mal ein Film ins Programm geschoben, der alles andere als aktuell ist. Die knallbunte CinemaScope-Produktion DIE 36 KAMMERN DER SHAOLIN pr\u00e4sentiert sich einem Zuschauerkreis, der im Entstehungsjahr des Films snoch nicht geboren war. Alte Tradition eben, gerettet aus dem Grundgedanken des Festivals, Filme zu zeigen, die man sonst nie auf der Leinwand sieht.<\/p>\n<p>So kann das Spektakulum beginnen, selbst in N\u00fcrnberg. Wenngleich der Er\u00f6ffnungsfilm CARRIERS von David und Alex Pastor in den anderen Festivalsorten mit Befremden aufgenommen wurde und weniger gut ankam. Vielleicht ist es in N\u00fcrnberg genauso, vielleicht findet man aber hier auch einen anderen Zugang. Alles Spekulation, alles ist m\u00f6glich. Au\u00dfer das Vergn\u00fcgen, das ist garantiert. Da kann man sich gerne auch mal reiben.<\/p>\n<p>Trotz tr\u00e4gem Vorverkauf und freier Dauerkarten beginnt am 27.09. das 23. Fantasy Filmfest im N\u00fcrnberger Cinecitta. Wie die Jahre zuvor, ist der Erfolg auch f\u00fcr dieses Jahr so gut wie in der Tasche. Denn trotz der fr\u00e4nkischen Gem\u00fctlichkeit ist es bei weitem besser besucht als alle anderen Filmfestivals, die sich in der Region abm\u00fchen. Aber das auch zu Recht.<\/p>\n<p>Fantasy Filmfest 2009<br \/>\nTeil 2:<br \/>\nDie Sache mit dem Bier<\/p>\n<p>\u201ePickel\u201c geht zum zweiten Mal raus, mit leeren Gl\u00e4sern. Artig tuschelt er ein Entschuldigung durch die Reihe direkt vor mir. Seine Kumpels rufen, \u201ePickel, bring mir auch noch eins mit\u201c.<\/p>\n<p>Der Saal ist dunkel, deswegen kann ich Pickels Gesicht kaum erkennen, hoffe aber f\u00fcr ihn, das der Spitzname einen anderen Ursprung hat.<\/p>\n<p>Der Typ schr\u00e4g vor mir in der Reihe, an dem Pickel sich das zweitemal vorbeidr\u00e4ngt, zieht die Beine hoch und meint l\u00e4ssig, \u201ewenn das so weitergeht, bist Du mir eins schuldig\u201c. Pickel sagt nichts.<\/p>\n<p>Es laufen noch die Trailer der Sponsoren. Die einzige Werbung beim FANTASY FILMFEST, die man allerdings gerne in Kauf nimmt, weil sich dadurch das Festival selbst finanziert. Keine Steuergelder, keine F\u00f6rdermittel. Ein gro\u00dfer Unterschied zu vielen anderen Festivals. Pickel kommt mit vier vollen Weizenbiergl\u00e4sern zur\u00fcck, ein gef\u00e4hrliches Unterfangen. Die Form der Gl\u00e4ser lassen solche Aktionen selten zu. Beim Typ, der was von Schuldigkeit gefaselt hatte, h\u00e4lt Pickel inne und meint, er solle sich ein Glas weg nehmen, es w\u00e4re f\u00fcr ihn. So wie der Typ schr\u00e4g vor mir, der nur einen coolen Spruch machen wollte, bin auch ich verbl\u00fcfft.<\/p>\n<p>Freitagabend l\u00e4uft MOON von Duncan Jones. Immer wieder lie\u00dft man im Internet oder in der Presse es w\u00e4re ein sogenannter Favorit. Es ist 18:30 Uhr und es dauert noch eine halbe Stunde. Gerade mal 20 Leute stehen vor Kino 3 mit seinen \u00fcber 400 Sitzpl\u00e4tzen und warten auf den Einlass. Ich bin entsetzt. Aber drau\u00dfen herrscht exzellentes Sommerwetter, ist also kein Wunder, das man da Kino einfach Mal Kino sein l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Eine Viertelstunde sp\u00e4ter, f\u00fcnfzehn Minuten vor Filmbeginn, erkenne ich meinen logischen Fehler. Zwei Stockwerke tiefer spuckt das Kino 2 die Festival-Zuschauer von WASTING AWAY aus und innerhalb der noch geschlossenen T\u00fcren von Kino 3 geht KILLING ROOM erst zu Ende. So t\u00e4uscht man sich, wenn man den Verstand ausschaltet.<\/p>\n<p>Irgendwie ist das Publikum gerade beim FANTASY FILMFEST ein ganz besonderes. Man erkennt sie sofort, ohne dass man wirklich erkl\u00e4ren k\u00f6nnte woran. Nun ja, bei einigen sind es die Schreibemappen, in denen lose die auf Din-A4 ausgedruckten Eintrittskarten aufbewahrt sind. Der Vorraum ist mittlerweile brechend voll. Die einzige Bedienung vom Getr\u00e4nke- und S\u00fc\u00dfigkeitenstand hat von zwei Kollegen dringend notwendige Unterst\u00fctzung erhalten. Die T\u00fcren von Kino 3 \u00f6ffnen sich und das Gewimmel wird zum optischen Chaos. Doch die meisten l\u00e4cheln zufrieden. Wer nicht l\u00e4chelt, dessen Gesicht ist mit diesem kaum zu beschreibenden erwartungsvollen Blick verkl\u00e4rt. Bis auf zehn oder zw\u00f6lf freie Pl\u00e4tze ist das Kino voll.<\/p>\n<p>MOON ist ein Paradebeispiel, wie man mit Erwartungshaltungen spielen kann. Duncan Jones\u2018 Geschichte, zu der Nathan Parker der Drehbuch verfasste, handelt von Sam Bell, der als einziger Mensch auf einer Mondstation den Abbau von Helium 3 \u00fcberwacht. Helium 3 ist DIE Energieform der Menschheit geworden und die Gewinnung auf der Mondoberfl\u00e4che l\u00e4uft fast automatisch, weswegen sich die Mannschaft auf tats\u00e4chlich eine Person beschr\u00e4nkt. Noch zwei Wochen muss Sam Bell seinen frustrierend einsamen Job machen, dann ist sein Dreijahresvertrag ausgelaufen. Doch nach einem schweren Unfall mit einem Range-Rover, ist Sam nicht mehr allein auf der Station.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kommt einen zuerst A SPACE ODYSSEE in den Sinn. Die kalte Atmosph\u00e4re, die vielen ruhigen Passagen, welche die Einsamkeit der Figur noch verst\u00e4rken. Schlie\u00dflich erinnert man sich an SOLARIS. Was ist Wirklichkeit, was ist Halluzination? Eine Prise OUTLAND ist auch dabei, als sich ein Rettungstrupp von der Erde ank\u00fcndigt, der aber nicht unbedingt Gutes im Schilde f\u00fchren muss. Nur ganz entfernt glaubt man etwas DARK STAR zu sp\u00fcren, wenn sich in sehr absurden, aber nachvollziehbaren Situationen die Lage auf der Station immer mehr zum Psychospiel entwickelt.<\/p>\n<p>Doch der Film verweigert jede Aussage, welche zu einem intellektuellen Gedankenspiel f\u00fchren soll und \u00fcbergibt diese Verantwortung an den Zuschauer. Sein und Schein, Psychose oder Verschw\u00f6rung. Der Film fordert heraus, weil er sehr n\u00fcchtern gegen\u00fcber seiner eigenen Geschichte bleibt. Es gibt keine geistig verwirrenden Erkl\u00e4rungsexzesse, oder Psychoanalysen. Danny Boyle hat das mit SUNSHINE versucht und verlief sich dabei auf dem Weg zur Sonne. Duncan Jones geht seinen Weg nicht durch die Figuren, sondern ganz nah daran vorbei. Was man dabei feststellt und wie man damit umgehen soll, ist Sache des Zuschauers. In dem er sich also Verweigert, wird er gerade deshalb zum gro\u00dfen Kopfkino.<\/p>\n<p>Sam Rockwell und Duncan JOnesDas Publikum reagiert nicht so frenetisch, wie man es von anderen Filmen her kennt. Der Applaus wirkt verhalten. Es ist m\u00f6glich, das MOON erst verarbeitet werden muss. Ich glaube w\u00e4hrend der Vorstellung in den ruhigen Sequenzen nicht einmal ein R\u00e4uspern vernommen zu haben, und es gibt in MOON sehr viele ruhige Sequenzen. Es ging auch keiner raus um Bier zu holen. Gut nicht unbedingt ein Indiz, weil der alt eingesessene Festivalg\u00e4nger sich vor dem Film eindeckt und ge\u00fcbt ist, seinen Sessel f\u00fcr die Dauer des Films nicht zu verlassen.<\/p>\n<p>Dennoch habe ich mir die Frage gestellt, was das mit dem Weizenbier auf sich hat. Mir ist das schon in den Jahren zuvor aufgefallen, habe mich aber nie eingehend damit besch\u00e4ftigt. Warum ist der Konsum von Weizenbier beim Festival anteilsm\u00e4\u00dfig so unglaublich hoch. Das ist bei anderen Kinovorstellungen nicht zu beobachten. In einem Anfall von Wahnsinn, war ich ein paar Mal kurz davor ein paar Leute zu fragen. Warum kein Lager, oder kein Pils. Vielleicht einmal ein Wasser? Ich war schlau genug es zu lassen.<\/p>\n<p>Ich kann mich mit dem Eindruck auseinandersetzen, den MOON auf mich gemacht hat. Der Rest des Publikums teilt sich w\u00e4hrenddessen f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Festival-Attraktionen auf, die bereits in f\u00fcnfzehn Minuten beginnen. Bei meinem Weg nach drau\u00dfen, str\u00f6men mir G\u00e4ste entgegen, die extra wegen THIRST oder ORPHAN gekommen sind. Und ich sch\u00fcttele den Kopf ob dieser einfachen Geschichte, die MOON erz\u00e4hlt hat. Wie raffiniert und eindrucksvoll es aber umgesetzt war. Trotzdem habe ich Duncan Jones\u2018 Film nach der Vorstellung auf der vorher verteilten Schulbewertungskarte nur eine Zwei gegeben. Vielleicht zu voreilig, weil er mich noch immer besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Da f\u00e4llt mir ein, das Weizenbier viel mehr N\u00e4hrwert hat, als normale Biere. Bei so einem Film-Marathon-Stress vielleicht eine gute Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Darsteller: Sam Rockwell, Dominique McElligott, Kaya Scodelario und Kevin Spacey als Stimme von Gerty. Regie und Story: Duncan Jones \u2013 Drehbuch: Nathan Parker \u2013 Kamera: Gary Shaw \u2013 Bildschnitt: Nicolas Gastor \u2013 Musik: Clint Mansell \u2013 Produktionsdesign: Tony Noble, circa 97 Minuten, USA \/ 2008<\/p>\n<p>Fantasy Filmfest 2009<br \/>\nTeil 3:<br \/>\nDie lange Tupper-Nacht<\/p>\n<p>Wie soll man das nur schaffen? Man gr\u00fc\u00dft sich mit freundlichen Blicken. Schon das Warten vor dem Einlass schwei\u00dft zusammen, was zusammen geh\u00f6rt. Ich h\u00f6re die Frage ein zweites Mal: Wie soll man das nur schaffen?<\/p>\n<p>Das Festival im dritten Tag. Viele m\u00fcde Gesichter. Aber es wird keiner schlapp machen, weil DISTRICT 9 in weniger als einer halben Stunde beginnet. Es ist einer dieser Filme, den sich die Festival-Macher geholt haben, bevor der gro\u00dfe Hype begann. Lange bevor andere erkannten, dass es sich hier um eine Perle handelt.<\/p>\n<p>Vor mir schlurft ein kleiner dicker Mann vorbei, der seine aus dem Internet ausgedruckten Eintrittskarten sortiert. Es ist so eine Aktenmappe, die mir auf diesem Festival schon oft aufgefallen ist, bei diversen Leuten. Andere sortieren sich selbst. Anscheinende Kumpel haben ebenso anscheinend keine Pl\u00e4tze nebeneinander bekommen. Einer verteilt Karten: \u201eDu gehst r\u00fcber auf die andere Seite in die und die Reihe, wir sitzen dann oben bei Platz so und so.&#8220;<\/p>\n<p>In der lockeren, gro\u00dfen Wartetraube schaut mich eine vollkommen \u00fcberforderte Frau an und sagt: \u201eIch wollte gestern Nacht noch den anderen sehen, aber hab\u2018 mich dann doch umentschieden.\u201c\u00a0 Bevor ich fragen kann, welche Filme sie eigentlich meint, bemerke ich, dass sie gar nicht mit mir redet. Sie sieht durch mich hindurch und redet mit ihrer Freundin. Schade, ich h\u00e4tte mich gerne auf ein Gespr\u00e4ch eingelassen.<\/p>\n<p>Es sind Aussagen und N\u00f6te, mit denen man mit fortschreitendem Festival immer \u00f6fter und energischer konfrontiert wird. So sehr die Besucher das Festival mit seinen \u00fcber siebzig Filmen in nur acht Tagen zu sch\u00e4tzen wissen, \u00e4rgern sie sich aber auch \u00fcber jeden verpassten Film. Au\u00dfer an Er\u00f6ffnungs- und Abschlussabenden laufen immer zwei Filme zeitgleich. Da muss man eben durch. Das von der Festivalleitung gestaltete Programmheft preist sowieso jeden Film als sehenswert an, also muss man sich bei der Auswahl auf seinen Instinkt und seine Vorlieben verlassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ob m\u00fcde, \u00fcberfordert oder gestresst, der guten Stimmung scheint es keinen Abbruch zu tun. Ich beneide diese Freaks (liebevoll gemeint). Mehr als zwei Filme am Tag k\u00f6nnte ich nie verarbeiten. Geschweige denn zwei Filme an jedem der acht Tage. Ich nehme mir vor, das im Winter mit DVDs zu trainieren.<\/p>\n<p>Wer sich auf YouTube ALIVE IN JO\u2019BURG von Neill Blomkamp angesehen hat, der wei\u00df nicht nur was ihn erwartet, sondern der will DISTRICT 9 auf keinen Fall verpassen. Aber was den neugierigen Zuschauer tats\u00e4chlich erwartet, ist doch um so vieles anders. Rudi F\u00fcrstberger bittet in seiner Funktion als Programmdirektor des Festivals bei der Anmoderation das Publikum nur, die Kameras in den Taschen zu behalten. Man wolle es sich nicht mit den Verleihern verscherzen, denn DISTRICT 9 wird zwei Wochen vor den meisten Europastarts gezeigt. Sonst sagt F\u00fcrstberger nichts weiter, er wei\u00df, dass dies der geheime Festivalh\u00f6hepunkt sein wird, und das bedarf keiner gro\u00dfen Erl\u00e4uterungen mehr.<\/p>\n<p>Noch bevor es dunkel wird, vernehme ich das \u00d6ffnen und Schlie\u00dfen einer Dose. Ich drehe mich um und sehe einen Typen kr\u00e4ftig in eine Karotte bei\u00dfen. Aha, Selbstversorger.<\/p>\n<p>Neill Blomkamp &amp; Sharlto CopleyNeill Blomkamp hat einen sehr einfachen Film gedreht. Da gibt es in seiner Erz\u00e4hlung keine gro\u00dfen Wendungen, keine wirklichen \u00dcberraschungen. Der Film selbst ist eine \u00dcberraschung, denn er konzentriert sich so konsequent auf seine eigene Geschichte, dass sich Parallelen zu S\u00fcdafrikas Apartheidpolitik noch viel st\u00e4rker herausgearbeiten werden. Doch weder Regie noch Drehbuch heben w\u00e4hrend des Filmes einen moralischen Zeigefinger, was bei einem US-amerikanischen Film wahrscheinlich zwangsl\u00e4ufig erfolgt w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die \u201aPrawns\u2018 (Krabben) genannten Au\u00dferirdischen sind im Township District 9 abgeschoben worden, als ihr Raumschiff vor einigen Jahren \u00fcber Johannisburg havarierte. Man will sie nicht, diese stinkenden, ewig sabbernden, nach Katzenfutter geilen Aliens. Das ist nicht Spielbergs E.T., diese hier sehen h\u00e4sslich aus und benehmen sich auch so. Man will sie nicht, also soll durch die MNU (Multi-National-United) das Lager f\u00fcr die \u00fcber eineinhalb Millionen Prawns hundert Kilometer au\u00dferhalb der Gro\u00dfstadt errichtet werden. Mit der R\u00e4umung von DISTRICT 9 wird der linkische Wikus Van De MERWE beauftragt. Wikus-Darsteller Sharlto Copley ist auch kurz in ALIVE IN JO\u2019BURG zu sehen gewesen. So wie Blomkamp \u00fcberhaupt bei DISTRICT 9 die Mannschaft ins Boot holte, mit der er auch die Vorlage realisierte.<\/p>\n<p>Die ersten f\u00fcnfzehn Minuten inszeniert Blomkamp als Dokumentation, ganz im Stile des eigenen Kurzfilms. Dann verl\u00e4sst der Film langsam seinen erkl\u00e4renden Einstieg. Die dazwischengeschnittenen Interview-Fetzen, die uns auf kommende Ereignisse neugierig machen, werden weniger und weniger. Aus dem schnellen Rhythmus einer Dokumentation sch\u00e4lt sich eine ebenso flott vorangetriebene Spielfilm-Struktur, die es schafft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Der Film hat nur sehr wenig \u00fcberfl\u00fcssige Bilder, eigentlich kaum welche, verliert sich auch nie in Zeit schindenden Einstellungen, und er kommt ohne f\u00fcllende Dialoge aus. Alleim Geschichte steht im Vordergrund, und so wird der Film auch vorangetrieben. Man k\u00f6nnte leicht am Showdown oder an einem sehr plakativen B\u00f6sewicht herum m\u00e4keln. Tats\u00e4chlich aber h\u00e4tte man hier mit ganz wenigen Handgriffen einen durchweg perfekten Film machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>DISTRICT 9 ist trotz dieser Einw\u00e4nde ein Film mit einer sehr eigenen, ungewohnten Sprache. Er \u00fcberrascht damit, wie er dieses Thema umsetzt. Er \u00fcberrascht damit, wie er mit seinem Helden umgeht. Er \u00fcberrascht durch sein Feingef\u00fchl, die Erwartungen des Publikums immer ein klein wenig zu \u00fcbertrumpfen. Nicht, das Optik, Schnittrate oder Darstellung etwas v\u00f6llig Neues zeigen w\u00fcrden, aber es ist immer die Mischung, die es ausmacht. Und diese Mischung hat Blomkamp bei seiner Inszenierung perfekt getroffen.<\/p>\n<p>Das Publikum quittiert es mit tosendem Applaus noch w\u00e4hrend der Abblende zu den Titeln. Und kaum wird das Zusammenschlagen der H\u00e4nde beendet, \u00f6ffnet sich wieder eine Dose, diesmal vor mir. Tupper, hab\u2018 ich es mir also gedacht. Ist mir in den Jahren zuvor so etwas aufgefallen? K\u00f6nnte ich nicht behaupten. Also zum Weizenbier das mitgebrachte Gem\u00fcse, oder das Obst. W\u00e4hrend des Abspanns ist der Saal schon hell und ich sehe mich um. Ein paar Reihen weiter hinten kaut jemand auf seiner Butterstulle.<\/p>\n<p>Bei allerh\u00f6chstens drei\u00dfig Minuten zwischen den einzelnen Vorstellungen muss man ger\u00fcstet sein. Ganz vorne sitzt eine etwa Zwanzigj\u00e4hrige, voll gepierct und T\u00e4towierung auf der Schl\u00e4fe. Ihre zerrissenen Netzstr\u00fcmpfe zeugen bestimmt nicht von Armut, sondern von ihrem Stil. Ich stelle mir das M\u00e4dchen gerade vor, wie sie auf einer Tupperware-Party eine Brotdose f\u00fcr das Fantasy Filmfest 2010 erwirbt.<\/p>\n<p>DISTRICT 9<br \/>\nDarsteller: Sharlto Copley, Jason Cope, David James, Vanessa Haywood, Mandla Gaduka, Kenneth Nkosi, Eugene Khumbayiwa, Louis Minnaar, William AllenYoung u.a.<br \/>\nRegie: Neill Blomkamp \u2013 Drehbuch: Neill Blomkamp, Terri Tatchell \u2013 Kamera: Trent Opaloch \u2013 Bildschnitt: Julian Clarke \u2013 Musik: Clinton Shorter \u2013 Produktionsdesign: Philip Ivey, Circa 111 Minuten, Neuseeland \/ 2009<\/p>\n<p>Fantasy Filmfest 2009<br \/>\nTeil 4:<br \/>\nEndstation<\/p>\n<p>Provozierende Fragen nach Sinn und Sinnhaftigkeit von Gewaltdarstellung l\u00e4sst Rudi F\u00fcrstberger gar nicht erst an sich heran. Auf die Frage, ob es nicht bizarr sei, wenn das Publikum vor Begeisterung tobt, weil auf der Leinwand eine Frau von einem Autoreifen in St\u00fccke gerissen wird, antwortet F\u00fcrstberger sofort: \u201eNein, wieso?\u201c Eine Gegenfrage, mit der der Fragesteller ins Aus geschossen wird. Die Gegenfrage bleibt unbeantwortet.<\/p>\n<p>Seit 2002 ist Rudi F\u00fcrstberger in festen H\u00e4nden des Fantasy Filmfestivals und man bemerkt auch sofort, dass er un\u00fcberlegte Fragen oder undifferenzierte Aussagen \u00fcber Gewalt schon des \u00d6fteren im Keim ersticken musste. Er ist der Mann vor Ort. Der erste Ansprechpartner. The Big Cheese. Und da muss man Fans zufriedenstellen und nicht die herbeigequatschten Probleme anderer l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Schlimmster Moment, sch\u00f6nster Moment. Da gibt es so viele, meint der Programmdirektor Rudi F\u00fcrstberger. Schlimme Momente vergisst er sehr schnell, \u201ees kann halt so viel schief gehen. Und wir haben alle gelernt, dass, egal was man macht, irgendwas schiefgehen wird. Man muss einfach damit leben k\u00f6nnen. Ich bin da inzwischen ganz gelassen. Man kann da nicht mehr rumspringen und ausflippen, das machen dann schon einige Leute im Kino.\u201c Nach kurzer \u00dcberlegung f\u00e4hrt F\u00fcrstberger fort, \u201eaber der sch\u00f6nste Moment, glaube ich, ist der erste Tag des Festivals, weil man dann da ist, wo man hingearbeitet hat, und zwar mehrere Monate lang. Der volle Saal mit den Fans, der erste Film, der l\u00e4uft, das ist wie der Startschuss f\u00fcr diesen t\u00e4glichen Marathon, den wir da vor uns haben.\u201c<\/p>\n<p>Dieser ersehnte erste Tag liegt in diesem Jahr schon 13 Tage zur\u00fcck, also bereits 13 harte Tage, an denen alles reibungslos am Laufen gehalten wurde. Festival bedeutet ja nicht, dass es sich um einen einzelnen Austragungsort handelt, sondern es umfasst alle St\u00e4dte. Die einzelnen Programme greifen so ineinander, dass in drei St\u00e4dten gleichzeitig Filme pr\u00e4sentiert werden. In N\u00fcrnberg ist heute erst einmal pures Hollywood beim Filmfest angesagt. Die Eingangskontrollen f\u00fcr THE FINAL DESTINATION sind extrem. Schick schwarz gewandete Menschen mit Knopf im Ohr und ohne L\u00e4cheln sehen in jede Tasche. Erst wer sein Handy ganz ausschaltet, darf mit diesem den Saal betreten. Wer im Kino elektronisches Ger\u00e4t zeigt oder bedient, wird sofort angesprochen. Auch wenn man die Security nicht sieht, sie sehen einen.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt ja einen sehr engen Pool von Filmen, die man will, und den kennen nat\u00fcrlich viele. Aber dennoch haben wir versucht und es immer wieder geschafft, Entdeckungen zu machen.\u201c Als Programmdirektor des 23 Tage umfassenden Festivals ist Rudi F\u00fcrstberger sicher, dass sich in Zukunft daran nichts \u00e4ndern wird. Mit dem vierten FINAL DESTINATION zeigt das Festival einen Film, der wohl weniger das Pr\u00e4dikat \u201aGeheimtipp\u2018 tr\u00e4gt. Aber ein Leckerbissen ist es allemal, schlie\u00dflich darf er eine Woche vor den meisten europ\u00e4ischen Starts gezeigt werden. Den guten Ruf des Festivals und die ergebenen Fans als Marketing-Werkzeug zu nutzen, gelingt den Verleihern aber nicht. \u201eNat\u00fcrlich bekommen wir oft Sachen angeboten, das passiert die ganze Zeit, aber wir k\u00f6nnen auch Nein sagen. Wir suchen aus. Wir bekommen Sachen angeboten und sagen sehr oft Nein.\u201c<\/p>\n<p>Zu THE FINAL DESTINATION muss man nicht Nein sagen. Selbst als reinstes Produkt der Studio-Industrie hat er dennoch alles, was dem Fantasy Filmfest gut zu Gesicht steht. Sehr makaber, \u00e4u\u00dferst blutig, und so comicartig inszeniert, dass man sich des Vergn\u00fcgens an den extrem \u00fcberdrehten Todesarten nicht zu sch\u00e4men braucht. Auch wenn es Leute gibt, die das anders sehen. Der abschlie\u00dfende Satz von Rudi F\u00fcrstberger zu diesem Thema ist, \u201eman muss das einfach im Kontext sehen.\u201c<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann es zu Diskussionen kommen oder zu Auseinandersetzungen \u00fcber bestimmte Filme und ihre Qualit\u00e4ten. Das Spektrum der gezeigten Filme ist aber auch enorm, gegen\u00fcber der eigentlich eingeschr\u00e4nkten Bandbreite von Genres. So h\u00e4lt man sich nicht nur seine Zuschauer, sondern gewinnt weitere hinzu.<\/p>\n<p>\u201eDieses Jahr haben wir uns sogar gesteigert\u201c, sagt F\u00fcrstberger in Bezug auf die Zuschauerzahlen. Gerechnet \u00fcber das gesamte Festival und alle Austragungsorte zusammen lag der Durchschnitt in den Vorjahren bei 120.000 Zuschauern. 2008 sollen es sogar 125.000 gewesen sein. Das waren ungef\u00e4hr 1600 verkaufte Karten pro Film, oder anders ausgedr\u00fcckt, jede einzelne Vorstellung hatte im Schnitt \u00fcber 200 belegte Sitzpl\u00e4tze. \u201eWir haben extrem gesteigert in Berlin und Hamburg, K\u00f6ln, ganz extrem in M\u00fcnchen in den Vorverkaufszahlen. Ich glaube N\u00fcrnberg und Frankfurt bleiben \u00e4hnlich wie letztes Jahr. Aber sonst extrem gesteigert, das liegt aber auch an dem Programm. Ein sehr starkes Programm dieses Jahr, das viele neue Zuschauer angezogen hat.\u201c<\/p>\n<p>Rudi F\u00fcrstberger betont auch die angereisten G\u00e4ste aus Cleveland und New York, als Beleg f\u00fcr den mittlerweile weltweiten Bekanntheitsgrad des Festivals, f\u00fcr den er in aller Bescheidenheit Festivalleiter Rainer Stefan allein verantwortlich macht. \u201eEs war ein Crunch- und Punkfestival und Rainer hat irgendwelche trashigen Horrorfilme gezeigt. Am Anfang war das Programm ein Flyer mit den Titeln. Das waren ein oder zwei N\u00e4chte und daraus ist das hier entstanden.\u201c Nun berichten Variety und Hollywood Reporter als f\u00fchrende Branchenbl\u00e4tter von diesem Festival, und das beeindruckt F\u00fcrstberger. \u201eRainer hat das alleine aufgezogen, alleine durchgezogen und das Festival zu dem gemacht, was es heute ist.\u201c<\/p>\n<p>MOON und DISTRICT 9, in der eigentlich geheimen Sneak-Preview gibt es DESCENT 2 und dazu eben FINAL DESTINATION. Filme, die vor den offiziellen Starts gezeigt werden. Das reizt extrem. Und als Wiederholung einer schon erw\u00e4hnten Beobachtung: Man sieht die Filme mit einem Publikum, das diese Filme auch sehen will. Das kommt einfach an. Hingegen hat der Action-Kracher THE TOURNAMENT noch gar keinen Verleih. IN THE ELECTRIC MIST genoss eine einzige Vorstellung auf dem Internationalen Film Festival von Berlin. PUSH wird in Deutschland direkt auf DVD erscheinen. Da gibt das FANTASY FILMFEST wenigstens die Chance, zu sehen, was schnell mal ungesehen im Archiv verschwinden kann.<\/p>\n<p>\u201eWir lassen jedes Jahr Kopien herstellen und jedes Jahr Filme untertiteln, nat\u00fcrlich in Absprache mit den Verleihern\u201c, erkl\u00e4rt Rudi F\u00fcrstberger, hat dar\u00fcber aber vergessen, ob es dieses Jahr acht oder neun Filme waren, die erstellt werden mussten, um sie auf der gro\u00dfen Leinwand pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen. \u201eKeine Ahnung. Das Wichtigste, was ich jetzt im Kopf behalten muss, ist einfach, wohin die Kopien gehen. Diese ganze Logistik-Geschichte, weil wir eben immer in drei St\u00e4dten gleichzeitig sind. Das ist sehr schwierig und aufwendig, da darf nichts vergessen werden.\u201c Der Programmdirektor nennt es ein Experiment, das Fest innerhalb von 23 Tagen mit f\u00fcnf, sechs Mann zu stemmen, \u201edas zehrt einfach an jedem. Und es tut sehr gut, tats\u00e4chlich zu wissen, ich bin am neunten September fertig und hab danach meine Ruhe. Das ist schon sehr hart. Also einundzwanzig Tage ist die absolute Grenze, was man so schafft, um jeden Tag zu arbeiten.\u201c<\/p>\n<p>David R. Ellis und sene DarstellerJa, aber bis zu diesem Punkt sind es noch zehn Tage. Es gibt nur sehr selten ein paar Minuten, um sich einmal richtig zu entspannen. Rudi F\u00fcrstberger nutzt die Gelegenheit und setzt sich eine 3-D-Brille auf. Da spritzt Ged\u00e4rm, fliegen massenhaft Autoteile, Feuerwalzen sch\u00e4len sich aus der Leinwand. Das Publikum ist begeistert. Die mit Nachsichtger\u00e4ten ausgestatteten Securities st\u00f6ren eigentlich kaum, wenn sie im Auditorium die Stufen\u00a0 so langsam und leise wie m\u00f6glich auf und ab wandern. Nach nur 82 Minuten ist das \u00fcberdrehte Gemetzel vorbei und mit ihm vielleicht sogar der spa\u00dfigste Film des Festivals. Hier und da \u00e4ugen die Schwarzgekleideten noch mal in die ein oder andere Tasche, aber das ist auch gut so. Niemand nimmt Ansto\u00df daran. Die Reputation des Festivals geht einfach vor.<\/p>\n<p>Dass mit dem Ausklang jedes Festivals bereits das n\u00e4chste Fest eingel\u00e4utet, wird Rudi F\u00fcrstberger nach 23 Tagen Dauerstress weniger tragisch sehen. \u201eDas ist wenigstens absehbar\u201c, meint er, \u201eda gibt\u2019s die n\u00e4chsten gro\u00dfen Geschichten, die laufen. Wir gehen dann auf die speziellen Filmm\u00e4rkte, die sind im Oktober und November. Damit wird alles absehbar.\u201c<\/p>\n<p>Als nette \u00dcberbr\u00fcckungshilfe kommen seit sieben Jahren im Fr\u00fchjahr die FFF NIGHTS dazu. Der eingefleischte Fan der besonderen Filmkost wird an zwei Abenden in den bekannten Spielorten mit rund 10 vom Festival abgesetzten Filmen verw\u00f6hnt. Ein ebenso durchschlagender Erfolg, der ja f\u00f6rmlich nach Expandierung schreit. \u201eAuf gar keinen Fall\u201c, wehrt F\u00fcrstberger sofort ab, der Markt sei abgedeckt. \u201eWenn wir jetzt anfangen im Herbst, Winter und Fr\u00fchjahr \u2026nein. Die Leute m\u00fcssen sich auch auf etwas freuen k\u00f6nnen. Es gibt ja auch eine Erwartungshaltung ans Festival, und wir schauen eben, dass wir die gro\u00dfen Titel auch f\u00fcr das Festival bekommen. Wenn wir jetzt so anfangen w\u00fcrden, dann w\u00e4ren wir ja nur noch ein Vermarkter von Filmen, und kein Festival mehr.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer Reiz liegt schon auch darin, dass das Festival nur einmal im Jahr ist\u201c, betont F\u00fcrstberger. Trotz der ungebrochenen Freude am und auf dem Festival selbst, scheint besagter Dauerkartenfan einfach \u00fcberfordert zu sein. Lange harte Stunden im Dunkeln, und nat\u00fcrlich die Ungewissheit, den richtigen Film ausgesucht zu haben. Gestresst? \u00dcberfordert? \u201eJa\u201c, stimmt der Programmdirektor ohne Mitleid zu, \u201edas geh\u00f6rt eben dazu. Das sind einfach die wahren Filmfans, die sich auch eine Woche Urlaub daf\u00fcr nehmen. Das ist ja kein normaler Zuschauer, sondern der absolute Fan.\u201c<\/p>\n<p>THE FINAL DESTINATION<br \/>\nDarsteller: Bobby Cambo, Shantel Van Santen, Nick Zano, Haley Webb, Mykelti Williamson, Krista Allen, Andrew Fiscella, Justin Welborn u.a.<br \/>\nRegie: David R. Ellis \u2013 Drehbuch: Eric Bress \u2013 Kamera: Glen MacPherson \u2013 Bildschnitt: Mark Stevens \u2013 Musik: Brian Tyler \u2013 Produktionsdesign: Jaymes Hinkle ca. 82 Minuten, USA 2009<\/p>\n<p>Fantasy Filmfest 2010<br \/>\nFrisches Blut und alte Haudegen<\/p>\n<p>Dass der Genrefilm l\u00e4ngst keinen Grund mehr hat, sich im Programmkino-Schatten des strahlenden Mainstream-Multiplex zu verstecken, beweist sich Jahr um Jahr am stetig wachsenden Erfolg des Fantasy Filmfests. F\u00fcr die Macher des Filmfests um Gr\u00fcnder Rainer Stefan bedeutet Genrefilm expliziter Splatter genauso wie Psychoschocker \u2013 vom Gangsterfilm bis zur experimentellen Bilderwucht. Das hei\u00dft vor allem Thriller, Horror oder Science Fiction aus Norwegen, Schweden, Vietnam, Frankreich, Belgien oder S\u00fcdkorea. Blut aus Amerika flie\u00dft dagegen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sehr verd\u00fcnnt durch die Venen des Filmfestes. Was das allj\u00e4hrliche Programm des FFF in reiner, grober, oft sehr derber Form zeigt, hat nat\u00fcrlich l\u00e4ngst auch das modrige Fleisch des amerikanischen Mainstream-Kinos aufgefrischt. Aber Bluttransfusionen dieser Art sind nun mal stark verw\u00e4ssert. Wer wissen will, wie es im Kino zur Legimitation eines von PIRANHAS angeknabberten Penis kommen konnte, der sollte Peter Jacksons BRAINDEAD gesehen haben, ebenfalls ein fr\u00fcherer Beitrag des FFF. Nur, dass der eine Film vor blutigem Charme strotzt, der andere hingegen zur fauligen Effekthascherei verkommen ist<\/p>\n<p>Sich acht Tage auf ein Festival dieser Gr\u00f6\u00dfe und Art einzulassen, bedeutet in erster Linie, die wirkliche Welt f\u00fcr acht Tage zu vergessen. 74 Filme stehen zur Auswahl, jeweils zwei Filme laufen stets parallel, nur 3 oder 4 werden innerhalb des Programms wiederholt. Eine Selektierung f\u00e4llt dem Fan schwer. Das ewige Hin- und Herbl\u00e4ttern und -studieren des Programmheftes macht die Sache eher schwieriger. Eigentlich will jeder Beitrag gesehen werden. Wirkliche Hardcore-FFFler nutzen da durchaus die M\u00f6glichkeit der verschiedenen Festival-Orte, die zeitversetzt bespielt werden. Doch wer auf Reisen verzichten will und auch sonst mit weniger Freizeit f\u00fcr die Kinobesuche auskommen muss, der bl\u00e4ttert weiter hin und her im Programmheft.<\/p>\n<p>Diverse Kategorien k\u00f6nnen dabei Entscheidungshilfen bieten, bevor man sich fragend die Kopfhaut vom Sch\u00e4del kratzt. Directors Spotlight, Centerpiece, Focus Asia, Special Premiere Screening oder Fresh Blood. Die letzten zwei Kategorien vereint dieses Jahr MONSTERS auf sich. Ein mit minimalster Crew im Guerilla-Stil gedrehter Science Fiction Film, in dem halb Mexiko und Amerika von Au\u00dferirdischen okkupiert ist. Ein Film, der Erinnerungen an den FFF-Erfolg DISTRICT 9 von 2009 aufkommen l\u00e4sst, um danach seinen Siegeszug im normalen Kinoprogramm anzutreten. Und ein Film, der den kommenden Blockbuster-Invasions-Filmen SKYLINE und BATTLE: LOS ANGELES das Blut aus dem K\u00f6rper pressen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Zur Kategorie Fresh Blood geh\u00f6rt aber auch Daniel Barbers zweite Regiearbeit, mit einem Drehbuch von Gary Young, Autor von erst f\u00fcnf Filmen. Das Ergebnis hei\u00dft HARRY BROWN. Den Einstieg bilden schockierende, mit dem Handy gefilmte Bilder. Und der Film h\u00e4lt, was dieser Anfang verspricht. Es ist ein d\u00fcsterer Film, brutal und schonungslos, aber nicht grafisch blutig. Michael Caine spielt diesen Harry Brown, der sich in einer Welt wiederfindet, mit der er kaum noch zurechtkommt. R\u00fccksichtslose und gewaltbereite Jugendliche, die aus einem Stadtviertel einen Alptraum werden lassen, geh\u00f6ren nicht zu dem Lebensabend, wie ihn sich Harry Brown vorgestellt hatte. Er meidet die Schnellstra\u00dfen-Unterf\u00fchrung, weil er wei\u00df, dass sich dort der betrunkene und kaltbl\u00fctige Mob aufh\u00e4lt. Es ist diese Unterf\u00fchrung, wegen der Harry wieder einmal einen l\u00e4ngeren Umweg macht und deswegen zu sp\u00e4t ans Sterbebett seiner Frau kommt. Bei Harry beginnt eine Ver\u00e4nderung, die erst kaum sp\u00fcrbar ist, dann aber knallhart eintritt.<\/p>\n<p>HARRY BROWN ist in allen technischen Aspekten tadellos umgesetzt. Die Bilder von Kameramann Marin Ruhe sind angemessen kalt und bedr\u00fcckend. Ein Film, der mit sehr viel Gesp\u00fcr eine subtil bedrohliche Atmosph\u00e4re erzeugt. Hilfeschreie zerfallen zwischen den Wohnsilos zu undefinierbaren T\u00f6nen. Auf Hilfe darf niemand hoffen. Aber HARRY BROWN ist kein Film der Effekte und technischen Raffinessen, es ist ein Schauspielfilm. Ein Schauspielfilm, bei dem man sich keinen besseren als Michael Caine vorzustellen wagt. Der Altmeister der gehobenen Unterhaltung beherrscht jede seiner Szenen mit greifbarer Pr\u00e4senz. Schleichend wird aus dem alten, traurigen Charakter, ein stoischer, verbitterter J\u00e4ger. Man hat sogar das Gef\u00fchl, dass Caine im Fortlauf des Films immer j\u00fcnger zu wirken scheint. So dominant Caine auch sein mag, lie\u00df es sich das \u201efrische Blut\u201c der Filmemacher nicht nehmen, ihm eine exquisite Auslese britischer Namen an die Seite zu stellen. Emily Mortimer, Charlie Creed-Miles, David Bradley und auch Liam Cunningham in einer kleinen Rolle stehen ihren Mann bzw. ihre Frau, und Jack O\u2019Connell darf die B\u00f6sartigkeit wiederholen, die ihn schon in EDEN LAKE so wunderbar hassenswert machte.<\/p>\n<p>HARRY BROWN k\u00f6nnte die britische Variante von GRAN TORINO sein, allerdings ohne den schmalzigen falschen Pathos. Er hat aber auch viel vom Grundtenor aus NO COUNTRY FOR OLD MEN, mit Menschen; die in einen gesellschaftlichen Wandel hineinleben, der ihre eigenen Wertvorstellungen \u00fcber den Haufen wirft. Doch in erster Linie ist HARRY BROWN ein sehr eigenst\u00e4ndiger Film, der es brillant versteht, den Zuschauer an der Hand zu nehmen und den Griff immer fester zu schlie\u00dfen. Und gerade als man glaubt, den weiteren Verlauf der Geschichte vorausahnen zu k\u00f6nnen, wird HARRY BROWN pl\u00f6tzlich zu einer soziopolitischen Reflexion, allerdings ohne belehrender Absichten.<\/p>\n<p>Dieser Film ist einer der Gr\u00fcnde, die das FFF zu etwas Besonderem machen. Wo man auf Entdeckungsreise gehen kann, wo man auch alle Stufen von Emotionen durchlaufen darf, wo man unter Gleichgesinnten verweilt. Und es ist bei weitem nicht nur HARRY BROWN, den man dank des FFF auch dort sehen kann, wof\u00fcr er konzipiert wurde, aber wegen schlampiger Vertriebspolitik kaum gesehen wird: auf der gro\u00dfen Leinwand.<\/p>\n<p>Harry Brown<br \/>\nDarsteller: Michael Caine, Emily Mortimer, Charlie Creed-Miles, David Bradley, Liam Cunningham, Sean Harris, Ben Drew u.a.<br \/>\nRegie: Daniel Barber \u2013 Drehbuch: Gary Young \u2013 Bildgestaltung: Martin Ruhe \u2013 Bildschnitt: Joe Walker \u2013 Musik: Ruth Barrett, Martin Phipps<br \/>\nGro\u00dfbritannien \/ 2009 \u2013 zirka 103 Minuten<\/p>\n<p>Fantasy Filmfest 2010<br \/>\nZur\u00fcck in die Vergangenheit<\/p>\n<p>Nahm man bisher auf dem Fantasy Filmfest Geschichtsunterricht, dann kam dieser meist in Form von asiatischen Epen aus Hongkong oder Taiwan. Mit 14 BLADES und LITTLE BIG SOLDIERS leistet China auch dieses Jahr wieder seinen Beitrag, den Schwert-und-Ehre-Freund in eine l\u00e4ngst vergangene Zeit zu entf\u00fchren. Bei LITTLE BIG SOLDIERS sogar mit einem gegen den Strich geb\u00fcrsteten Jackie Chan. Aus Kanada kommt noch eine besondere Mixtur, wo Live-Rollenspieler mit ihren selbst erschaffenen Charakteren gegen die wirkliche Welt ankommen m\u00fcssen. Das Ganze nennt sich dann THE WILD HUNT, und verspricht ein turbulenter Spa\u00df mit der Gewalt eines Psychothrillers zu werden. Doch dieses Jahr werden Zeitreisen haupts\u00e4chlich von Gro\u00dfbritannien gesponsert und nennen sich CENTURION, SOLOMON KANE und, ganz hei\u00df erwartet, BLACK DEATH.<\/p>\n<p>Neil Marshall hat bisher nicht nur gute Filme gemacht, sondern mit dem letzten FFF-Beitrag DOOMSDAY bewiesen, mit sehr wenig Mitteln m\u00e4chtig die Erde beben zu lassen. Seine Gedanken kreisten beim Drehbuchschreiben von CENTURION um die Legende der neunten r\u00f6mischen Legion, die angeblich an der \u00e4u\u00dfersten Grenze des Reiches spurlos verschwunden sein soll. Historiker m\u00f6chten diese Legende l\u00e4ngst wiederlegt wissen, doch was interessiert das einen Filmemacher. Wer Geschichte unverf\u00e4lscht dargestellt sehen will, soll sich den Historie-Channel abonnieren. Gerade was bei anderen Produktionen w\u00fcnschenswert und angebracht w\u00e4re, wollte Neil Marshall \u00fcberhaupt nicht auf die Leinwand bringen.<\/p>\n<p>Das R\u00f6mische Reich ist m\u00e4chtig. Nur an den n\u00f6rdlichen R\u00e4ndern Britanniens tun sich die Legion\u00e4re schwer. Bezeichnend sinniert Zenturio Quintus Dias (Fassbender) dann auch \u00fcber die Region, \u201esogar das Land m\u00f6chte uns t\u00f6ten\u201c. Aber zuerst sind einmal die Picts dran, ein Volksstamm, dem die Okkupation gar nicht behagt und der gleich in den ersten Minuten den Ton f\u00fcr den gesamten Film setzt. Der Guerilla-\u00dcberfall auf die Garnison ist blutig und brutal. Und so geht es auch munter weiter. Quintus Dias \u00fcberlebt mit gerade mal sechs Kameraden. Die Flucht durch das feindliche Land wird zu einem Lehrst\u00fcck von schottischer Beharrlichkeit, und da n\u00fctzt auch keine r\u00f6mische Finesse. Egal, wie tapfer sich die Legion\u00e4re m\u00fchen, k\u00e4mpfen, schlachten, br\u00fcllen oder bluten, die Picts dezimieren mit Hartn\u00e4ckigkeit.<\/p>\n<p>Marshall, als kreativer \u00dcbervater dieses Produktes, hat seine Vorbilder ganz genau studiert. Und in den immer und immer wieder demonstrierten Landschafts\u00fcberfl\u00fcgen spiegelt sich der HERR DER RINGE aber auch sehr gut wieder. Sam McCurdys Cinemascope-Aufnahmen sind brillant und ziehen wirklich in die Leinwand hinein. So was kommt eben dabei heraus, wenn man seine Vorbilder kennt. Doch erf\u00fcllen die gut kopierten Kameraspielereien durchaus einen ganz individuellen Zweck in der Dynamik des Filmtempos. Und dass der GLADIATOR hier wieder auflebt, tut auch nicht wirklich weh. Mit Schnitt-Tempo, Shutter-Aufnahmen und Farbstimmungen huldigt Marshall seinem Regiekollegen Ridley Scott auf besondere Weise, allerdings ohne die grimmige Verbissenheit. CENTURION wirkt dabei in keiner Sekunde aufgesetzt oder peinlich, gerade weil Marshall sein Vorbild genau studiert hat.<\/p>\n<p>Die Geschichte, soweit man von einer sprechen kann, ist kaum existent. Doch es geht ja auch nicht um eine Geschichte, erst recht nicht um die historische Geschichte. Als Drehbuchautor hat Neil Marshall einfach seine Phantasie mit der Legende spielen lassen. Als Regisseur hat er sich dann auf die Essenz des Mediums konzentriert. Wie er schon mit DESCENT den Horrorfilm auf das N\u00f6tigste heruntergebrochen hat, ist CENTURION reinstes, unverf\u00e4lschtes und ohne Ballast ausstaffiertes Actionkino. Und wer es gerne rau m\u00f6chte, wird seine helle Freude daran haben. Jeder Hieb und jeder Schlag ist in den Kampfszenen auch ein Treffer, und jeder Treffer ist sehr blutig. Ganze Sequenzfolgen lang wird dann auch jeder Schnitt im Film ein Schnitt durch K\u00f6rperteile des Gegners. Oder Schlag. Oder Riss. Was man eben einem K\u00f6rper alles so antun kann.<\/p>\n<p>Mit Michael Fassbender hat sich ein guter, charismatischer Hauptdarsteller gefunden. Doch so ein kleines bisschen l\u00e4uft ihm Dominic West als General Flavius Virilus den Rang als geballte M\u00e4nnlichkeit ab. Aber nur ein bisschen. Ansonsten ist CENTURION ein wirklicher Kracher, der zu unterhalten versteht und wei\u00df, worauf es ankommt.<\/p>\n<p>Nur zu dem Ende \u00e4u\u00dfert sich Marshall etwas unzufrieden, weil ihn das Studio zu einem anderen Ende gen\u00f6tigt hatte, als er wollte. CENTURION funktioniert aber auch so zur besten Unterhaltung. Im Nachhinein w\u00e4ren Spekulationen \u00fcber das Was-w\u00e4re-wenn eh nur m\u00fchsam und am Ende vergebens. Da hat SOLOMON KANE weniger Schwierigkeiten, weil sein Ende ziemlich festgeschrieben stand, will man doch aus Robert E. Howards Romanvorlage einen Dreiteiler zaubern.<\/p>\n<p>\u201eIch bin noch nicht bereit f\u00fcr die H\u00f6lle\u201c. Mit diesen Worten springt der kaltbl\u00fctige S\u00f6ldner Solomon Kane dem Sensenmann sprichw\u00f6rtlich von der Schippe. Sein bisheriger Lebenswandel hat ihn schon zu einem festen Kandidaten f\u00fcr die H\u00f6lle gemacht, und der Teufel wollte diese Seele endlich kochen. Doch der gerade in Nordafrika marodierende Kapit\u00e4n kann fliehen, wenngleich seine gesamte Besatzung ins Fegefeuer gesetzt wird. Das macht selbst den hartherzigsten S\u00f6ldner nachdenklich. Solomon Kane zieht sich ins Kloster zur\u00fcck und gibt sich ganz Gott hin. Doch es kann der Fr\u00f6mmste nicht in Frieden leben, wenn\u2019s dem Teufel nicht gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt viele Wege zur Erl\u00f6sung, aber nicht alle sind friedfertig\u201c, bekommt der mit seiner Vergangenheit hadernde Kane mit auf dem Weg, als er sich unvermittelt auf einer Mission befindet, die ihn endg\u00fcltig mit seinem Schicksal konfrontieren wird. Und daf\u00fcr hat man mit James Purefoy einen mehr als idealen Darsteller gefunden. Nicht, dass sich Purefoy als einer der begnadetsten Schauspieler entpuppt, wenngleich er seine Rolle tadellos beherrscht. Aber es ist offensichtlich, dass die Produzenten bei der Besetzung die frappierende \u00c4hnlichkeit mit Hugh Jackman im Sinn hatten. Nicht nur Make-up und Frisur, sondern auch Beleuchtung und Kameraf\u00fchrung sind stets darauf ausgelegt, Purefoys\u00a0 \u00c4hnlichkeit zu Wolverine auszunutzen. Die Beweggr\u00fcnde liegen auf der Hand, tun dem eigentlichen Darsteller aber Unrecht.<\/p>\n<p>Was zuerst auff\u00e4llt bei diesem sehr straff inszenierten SOLOMON KANE, sind die langen Kameraeinstellungen in der ersten H\u00e4lfte, die dem Betrachter wirklich Zeit geben, die Atmosph\u00e4re aufzunehmen. Daf\u00fcr erz\u00e4hlen die Bilder auch sehr viel \u00fcber die eingerahmten Charaktere. Erst als Kane bei der 45-Minuten-Marke seine Berufung gefunden hat, zieht das Tempo an und der Ton sowie die Gewalt werden h\u00e4rter. Die Kampfszenen sind wohl keine Offenbarung, aber doch spannend und sehenswert. Ein paar Anachronismen tun sich im Film auf, da kann man dr\u00fcber streiten, muss man aber nicht. Bei der Gestaltung der B\u00f6sewichter h\u00e4tte man weniger auf Klischee setzen m\u00fcssen. Doch SOLOMON KANE ist ohnehin ganz allein James Purefoys Film, den er ohne weiteres ausf\u00fcllen kann. Da ist kein Hugh Jackman von N\u00f6ten.<\/p>\n<p>Freunde von Robert E. Howard m\u00fcssen selbst entscheiden, ob und wie getreu sich die filmische Umsetzung des von Gott und dem Teufel gleicherma\u00dfen getriebenen Solomon Kane an die Vorlage h\u00e4lt. Als Film ist er \u00fcberzeugendes Action-Kino mit angenehm unaufdringlichen Fantasy-Elementen. Vielleicht h\u00e4tten die Figur und die Ereignisse etwas radikaler sein k\u00f6nnen. Ein bisschen grafisch brutaler vielleicht. Doch wer will wirklich meckern, wie hei\u00dft es so sch\u00f6n: Es kann kein Regisseur in Frieden leben, wenn\u2019s dem Fan nicht gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>Beiden Filmen, SOLOMON KANE und CENTURION, kann man gut und gerne vorwerfen, dass sie nicht viel Neues in die Arena der Fans und Filmjunkies werfen, und eine gewisse Vorhersehbarkeit ist auch nicht von der Hand zu weisen. Aber jeder f\u00fcr sich ist in Umsetzung und Pr\u00e4sentation einfach mitrei\u00dfend und unterhaltend. Und bei gesch\u00e4tzten 30 Millionen britischer Pfund pro Film ist auf der gro\u00dfen Leinwand bei keinem der beiden ein Unterschied zu f\u00fcnfmal so teuren Produktionen aus anderen L\u00e4ndern zu bem\u00e4ngeln. Und das macht richtig Freude. Beide Filme zeigen auch einmal explizit, dass es durchaus mehrere Schl\u00e4ge ben\u00f6tigen kann, bis ein Kopf vom Rumpf getrennt ist. Und das tut selbst dem Betrachter weh.<\/p>\n<p>M\u00fcnchen, Stuttgart und N\u00fcrnberg haben noch eine Chance. Und die sollte wahrgenommen werden. Bevor wieder jemand weint.<\/p>\n<p>CENTURION<br \/>\nDarsteller: Michael Fassbender, Liam Cunningham, David Morrissey, Dominic West, Noel Clarke, Riz Ahmed, Dave Legeno, Olga Kurylenko, Imogen Poots u.v.a.<br \/>\nRegie &amp; Drehbuch: Neil Marshall \u2013 Bildgestaltung: Sam McCurdy \u2013 Bildschnitt: Chris Gill \u2013 Musik: Ilan Eshkeri \u2013 Production Design: Simon Bowles<br \/>\nGro\u00dfbritannien \/ 2010 \u2013 zirka 97 Minuten<\/p>\n<p>SOLOMON KANE<br \/>\nDarsteller: James Purefoy, Rachel Hurd-Wood, Jason Fleming, MacKenzie Crook, Philip Winchester, Patrick Hurd-Wood, Pete Postlethwaite, Alice Krige und Max von Sydow u.a.<br \/>\nRegie &amp; Drehbuch: Michael J. Bassett &#8211; nach der Vorlage von Robert E. Howard \u2013 Bildgestaltung: Dan Laustsen \u2013 Bildschnitt: Andrew MacRitchie \u2013 Musik: Klaus Badelt \u2013 Produktions Design: Ricky Eyres<br \/>\nFrankreich\/Tschechien\/ Gro\u00dfbritannien \/ 2009 \u2013 zirka 104 Minuten<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>N\u00fcrnberg ist wieder aufger\u00fcstet. Och, was f\u00fcr ein geschichtlich geschmackloses Wortspiel. Wobei Geschmacklosigkeit auch durchaus zum Thema passen kann. Denn richtig konform in Geschmack und R\u00fccksicht ging das FANTASY FILMFEST noch nie. Zur Freude von Fan-Boys, Cineasten und Suchender der &hellip; <a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/nurberg-gruselt-auf-fantasy-filmfest-2011\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,3],"tags":[59,238,237,148,236],"class_list":["post-1428","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-rund-ums-kino","tag-fantasy-filmfest","tag-filmfestival","tag-grusel","tag-horror","tag-nurnberg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1428","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1428"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1428\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1452,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1428\/revisions\/1452"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1428"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1428"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1428"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}