{"id":1471,"date":"2011-08-27T21:09:02","date_gmt":"2011-08-27T20:09:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=1471"},"modified":"2011-09-22T09:15:28","modified_gmt":"2011-09-22T08:15:28","slug":"cowboys-and-aliens-harrison-ford","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/cowboys-and-aliens-harrison-ford\/","title":{"rendered":"Hei\u00dfer Ritt mit COWBOYS &#038; ALIENS"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000000;\"><a rel=\"attachment wp-att-1495\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/cowboys-and-aliens-harrison-ford\/cowboysaliens-1\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1495\" title=\"Cowboys&amp;Aliens-1\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/CowboysAliens-1.jpeg\" alt=\"\" width=\"153\" height=\"200\" \/><\/a>Ein auf den Kopf gestellter Schaufelraddampfer mitten in der W\u00fcste, und 500 Meilen vom n\u00e4chstm\u00f6glichen Fluss entfernt, auf dem er fahren k\u00f6nnte. Dieses Szenario ist sinnbildlich f\u00fcr die Absichten der Filmmacher. Es entzieht sich einfach jedweder Erkl\u00e4rung. Es k\u00f6nnte eine Hommage an Spielbergs W\u00fcste-Gobi-Szenen aus \u201eClose Encounters\u201c sein. Vielleicht ist es aber auch einfach nur ein unheimlich cooles Bild. Wer bei \u201eCowboys &amp; Aliens\u201c lange fragt, wird sehr lange irregehen. Es ist ein Film, der sich allein durch seinen Titel erkl\u00e4rt. Das tut \u201eSpartacus\u201c auch, und \u201eSaturday Night Fever\u201c erst recht, aber bei \u201eCowboys &amp; Aliens\u201c kommt tats\u00e4chlich nichts mehr hinter dem Titel. Just concept, no content, br\u00fcllen Kritiker in aller Welt, weil sie es ja am besten wissen m\u00fcssen, und weil sie nichts verstanden haben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Das \u201eKonzept\u201c ist das Goldene Kalb in Hollywood, der \u201eInhalt\u201c hingegen das rote Tuch. Wer will denn schon etwas vermitteln, wenn er auch einfach nur das Geld kassieren kann? Dass sich gleich sechs K\u00f6che an \u201eCowboys &amp; Aliens\u201c verschrieben haben, hat den Brei nicht unbedingt verdorben. Denn, wie sich der Film letztendlich zeigt, k\u00f6nnte dies durchaus ebenfalls zum Konzept geh\u00f6ren, den Inhalt mal sanft beiseite zu schieben. 1968 haben findige Produzenten in Hollywood Ideen zusammengeworfen, der eine sagte \u201eirgendwas mit Cowboys\u201c, und der andere rief dazwischen \u201eoder was mit Dinosauriern\u201c. Das ergab \u201eGwangis Rache\u201c, ein Western, wo tapfere Cowboys gegen einen Dinosaurier antreten m\u00fcssen. Jetzt hat man gar nicht so lange hin- und her\u00fcberlegen m\u00fcssen, denn die Vorlage gab es schon, und der Titel war Konzept.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Vieles in Jon Favreaus Film passiert, weil es einfach so passieren muss. Der stoische Anti-Held, der ohne Erinnerung in der W\u00fcste erwacht und umgehend drei fiese Typen umlegen muss. Wir wissen sofort, wie wir mit ihm dran sind. Sofort darauf lernen wir den Dorfpfarrer des Kaffs Absolution kennen, der dem wortkargen Fremden bereitwillig hilft. Fronten gekl\u00e4rt. Dann der junge Dolarhyde, der marodierend mit dem Namen seines Vaters hausieren geht. Und so geht es weiter und weiter. Jede Szene ist Exposition und auch Status quo. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Aber die Entwicklung einer Figur ist keine direkte Folge der vorangegangenen Ereignisse.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_1474\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a rel=\"attachment wp-att-1474\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/cowboys-and-aliens-harrison-ford\/cowboysaliens-2\/\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1474\" class=\"size-full wp-image-1474 \" title=\"Cowboys&amp;Aliens-2\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/CowboysAliens-2.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"197\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/CowboysAliens-2.jpeg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/CowboysAliens-2-200x131.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/span><\/a><p id=\"caption-attachment-1474\" class=\"wp-caption-text\">Master und Commander. Favreau (rechts) zeigt Craig wie es geht.<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Aber Jon Favreau kann genau mit diesem Konzept das Beste anfangen. Er beherrscht die Klischees, er bedient sich unentwegt daraus und kann sie auch effektiv nutzen. Und wer Western kennt, wird daf\u00fcr st\u00e4ndig mit Lachern belohnt. Gerade weil die Charaktere oftmals so vorhersehbar handeln, die Klischees bedient werden, funktioniert der Film in seinem gesamten angedachten Konzept. \u201eCowboys &amp; Aliens\u201c eben. Doch wo bei einem typischen Western der stoische Held entweder gegen einen miesen Viehbaron antreten muss oder in einem anderen Film eine ganze Bande von Dieben und R\u00e4ubern zur Strecke gebracht werden muss, gibt es in diesem Vertreter des Genres gleich die gesamte Bandbreite. Die R\u00e4uberbande, der Viehbaron, ein Indianerstamm, die aufrechten B\u00fcrger von Absolution. Sie gemeinsam sind der Wilde Westen, die Essenz dessen, was fr\u00fcher gro\u00dfartiges Kino ausmachte. Der titelgebende Gegner muss im Kollektiv besiegt werden. Und Jon Favreau war die beste Wahl f\u00fcr diesen Job.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">So ein Unterfangen steht und f\u00e4llt mit seinen Darstellern. Allzu oft bewegen sich die Charaktere auf einem sehr schmalen Grat. Gerade Craig und Ford als Lonergan und Dolarhyde h\u00e4tten sehr schnell ins L\u00e4cherliche abrutschen k\u00f6nnen. Doch \u201eCowboys &amp; Aliens\u201c stellt unter Beweis, dass Craig mit Charisma und seiner rauen Energie einen Film au\u00dferhalb seines eigentlichen Bekanntheitsgrades f\u00fchren kann. Und Ford? Er hat schon Lucas\u2018 f\u00fcrchterliche Dialoge zu einem Hochgenuss gewandelt. Das ist die Rolle, in der man ihn sehen m\u00f6chte, die er ausf\u00fcllen kann, und aus der er das Bestm\u00f6gliche herausholt. Das Sch\u00f6ne dabei ist, dass sich beide Darsteller-Gr\u00f6\u00dfen niemals im Weg sind oder sich mit ihrer \u00fcberragenden Pr\u00e4senz gegenseitig sperren. Zwei so unterschiedliche Charaktere k\u00f6nnen sich mit ihrer stimmigen Chemie so wunderbar erg\u00e4nzen. So wie die beiden den Film nicht dominieren, sondern anreichern, weckt das wehm\u00fctige Erinnerungen an die Paarungen von \u201eButch Cassidy and the Sundance Kid\u201c und \u201eDer Clou\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Gut, man muss zumindest zugeben, dass das Design der Au\u00dferirdischen alles andere als originell ist. Was sie an Aussehen und Wesensart zu bieten haben, hat man alles schon einmal gesehen. Aber das kann man einem Film verzeihen, der aus so wenig so viel macht. Angefangen bei den herausragenden Darstellern bis hin zu der straffen Regie. Und nat\u00fcrlich nicht zu vergessen Matthew Libatiques grandiose Bilder. Da springt das Herz vor Freude bei diesen klaren Bildern, die vom Kontrastumfang und der Farbs\u00e4ttigung dem Genre mehr als gerecht werden. Nur in den R\u00fcckblenden erlaubt sich Libatique leichte Verfremdungen, ansonsten bleiben die Szenen klassisch kadriert und in der Gestaltung im perfekten Kontrastbereich, was man heute leider nur noch selten sieht. Und wenn dazu Harry Gregson-Williams \u00fcberirdisches Jake-Lonergan-Thema erklingt, dann ist der Fanboy angekommen, wo er sich hinw\u00fcnschte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Alles zusammen macht das eigentlich einen perfekten Film. Aber ohne Inhalt. Es scheiden sich die gro\u00dfen K\u00f6pfe, ob dem Konzept tats\u00e4chlich Inhalt folgen muss. Es darf eigentlich nicht sein, dass sich immer gr\u00f6\u00dfere Produktionen auf immer weniger reduzieren. Im Hause Bruckheimer und Bay zum Beispiel ist dies Programm, und vielleicht liegt hier die zwiegespaltene Akzeptanz f\u00fcr \u201eCowboys &amp; Aliens\u201c. Wo immer mehr als 100 Millionen Dollar f\u00fcr einen Film spendiert werden, erwartet man zwangsl\u00e4ufig auch h\u00f6her gestellte Anspr\u00fcche an den Inhalt des Films. Doch seit Jahren wird \u00fcbersehen, dass dies ein Widerspruch in sich ist. Es ist das eigenartige Ph\u00e4nomen, dass das Prinzip des kalkulierten Blockbusters Standard geworden ist, aber vom Zuschauer von Film zu Film ignoriert wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Fragen tun sich auf, und Fragen bleiben unbeantwortet. Man m\u00f6chte von einem Produzenten-, Autoren und Regie-Team dieser Liga gerne etwas mehr erwarten. Aber dieses \u201eMehr\u201c kann bei diesem Film nicht definiert werden, weil er funktioniert, so wie er ist. Das m\u00f6chte so mancher nicht wahrhaben. Doch man muss einem Film zugestehen, auf Inhalt verzichten zu k\u00f6nnen, wenn dies schlicht und ergreifend zum Konzept geh\u00f6rt. Da braucht es keine zwingende Erkl\u00e4rung, warum ein Schaufelraddampfer mitten in der W\u00fcste liegt, solange es nur ein unheimlich cooles Bild ist. Oder ist er am Ende vielleicht ein Hinweis auf eine m\u00f6gliche Fortsetzung? Denn eines ist sicher, irgendwie muss der ja in die W\u00fcste gekommen sein, und die Aliens aus diesem Teil waren es nicht.<\/span><\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-1475\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/cowboys-and-aliens-harrison-ford\/cowboys-and-aliens\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1475\" title=\"Cowboys and Aliens\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/CowboysAliens-3.jpeg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/CowboysAliens-3.jpeg 600w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/CowboysAliens-3-200x137.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/CowboysAliens-3-300x206.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Darsteller: Daniel Craig, Harrison Ford, Olivia Wilde, Adam Beach, Paul Dano, Sam Rockwell, Keith Carradine, Clancy Brown u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie: Jon Favreau \u2013 Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman, Damon Lindlof, Mark Fergus, Hawk Ostby \u2013 Kamera: Matthew Libatique \u2013 Bildschnitt: Dan Lebental, Jim May \u2013 Musik: Harry Gregson-Williams \u2013 Produktionsdesign: Scott Chambliss<\/em><br \/>\n<em> USA \/ 2011 \u2013 zirka 118 Minuten<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein auf den Kopf gestellter Schaufelraddampfer mitten in der W\u00fcste, und 500 Meilen vom n\u00e4chstm\u00f6glichen Fluss entfernt, auf dem er fahren k\u00f6nnte. 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