{"id":15395,"date":"2020-12-08T20:37:08","date_gmt":"2020-12-08T19:37:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=15395"},"modified":"2020-12-08T23:46:32","modified_gmt":"2020-12-08T22:46:32","slug":"netflix-mank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2020\/netflix-mank\/","title":{"rendered":"Netflix &#8211; MANK"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2020\/netflix-mank\/mank-1-copyright-netflix\/\" rel=\"attachment wp-att-15397\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-15397 size-full\" title=\"Mank 1 - Copyright NETFLIX\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mank-1-Copyright-NETFLIX.jpg\" alt=\"Mank 1 - Copyright NETFLIX\" width=\"246\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mank-1-Copyright-NETFLIX.jpg 246w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mank-1-Copyright-NETFLIX-202x300.jpg 202w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mank-1-Copyright-NETFLIX-135x200.jpg 135w\" sizes=\"auto, (max-width: 246px) 100vw, 246px\" \/><\/a><em>MANK<\/em><br \/>\n<em>&#8211; Netflix &#8211; 04.12.2020<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Um was es gehen w\u00fcrde, hatte man David Fincher gefragt. Schlie\u00dflich sind seit seinem letzten Spielfilm sechs Jahre vergangen. Allerdings ist in Wirklichkeit so, dass MANK 20 Jahre zu sp\u00e4t kommt. Bereits nach THE GAME 1997 sollte das Drehbuch seines Vaters f\u00fcr den Regisseur das n\u00e4chste Projekt werden. Wie schon bei seinem Erstling ALIEN\u00b3 hatte David Fincher ganz konkrete Vorstellungen von der visuellen und strukturellen Umsetzung. Und wie bei ALIEN\u00b3, fand die Vision des noch nicht ganz etablierten Wunderknaben keinen Bef\u00fcrworter, sprich Produzenten. Trotz seiner spektakul\u00e4ren Beitr\u00e4ge zum modernen Kino, musste David Fincher tats\u00e4chlich zwanzig Jahre auf die Verwirklichung von MANK warten. Welch eine Ironie, dass ausgerechnet ein Streaming-Unternehmen das ungew\u00f6hnliche Projekt um eine kinematografische Legende mit offenen Armen empfing.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">In kurzen Worten, hie\u00df es im Vorfeld immer, es ginge um den Streit, wer f\u00fcr das Drehbuch und letztendlich auch den Erfolg von CITIZEN KANE verantwortlich ist. Es ginge um den Streit zwischen Autor Herman J. Mankiewicz und Regisseur Orson Welles. Doch so ganz trifft die Beschreibung nicht. Fincher, der \u00c4ltere, behandelt in seiner gesamten Abhandlung Mankiewicz faktisch als geistigen Urheber. Erfinder von Geschichte, Struktur und Subtext. Nur in den letzten Sekunden spricht Fincher, der J\u00fcngere, jenes die Filmwelt bewegende Zerw\u00fcrfnis als fast nebens\u00e4chlichen Epilog an.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Nach einer seiner zahllosen Alkoholexzesse, wird Autor und Journalist Herman J. Mankiewicz auf der entlegenen Kember Campbell Ranch in Victorville, California einquartiert. Kaum bewegungsf\u00e4hig, mit Gipskorsagen ans Bett gefesselt, soll er ein Drehbuch f\u00fcr die neue Hollywood Verhei\u00dfung Orson Welles schreiben. Ohne Zuhilfe von Alkohol. Nur um ihn vom Theater weg nach Hollywood zu bewegen, sagt RKO dem Regisseur die uneingeschr\u00e4nkte Stoffwahl und absolute Kreativkontrolle zu. Und dessen Autorenwahl fiel auf den unangepassten Mank. Wie er gerne genannt werden will.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Film ist witzig, eher absurd als dramatisch, und durchweg spannend. Doch vor allem will er zu keiner Zeit schlauer sein, als seine Zuschauer. Man kann MANK durchaus als \u00e4u\u00dferst unterhaltsam und lehrreich gleicherma\u00dfen beschreiben. Und dann nat\u00fcrlich dieses Killer-Ensemble. Es ist fast erschreckend, wie sich die Darsteller mit so wenig Makeup, optisch derart \u00fcberzeugend ihren realen Vorbildern angleichen konnten. Ganz zu schweigen von ihrem \u00fcberragenden Spiel. Hut ab.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Gedreht wurde MANK mit einer Monochrome Red, somit ist das Ausgangsmaterial schwarzwei\u00df, ohne M\u00f6glichkeit auf eine Farbfassung. Aber das ist auch gut so, denn die gesamte atmosph\u00e4rische Gestaltung ist darauf ausgelegt, und das im vollen Umfang. Schwarzwei\u00df wird zur optischen Erweiterung der Erz\u00e4hlung. Licht und Schatten sind keine Spielerei, unterschiedliche Kontrastentw\u00fcrfe kein blo\u00dfes Gimmick, und die Wahl der individuellen Sch\u00e4rfentiefe eine emotionale Komponente.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Es versteht sich fast von selbst, dass Bildgestalter Erik Messerschmidt seine visuelle Konzeption an CITIZEN KANEs Gregg Toland anlehnte. Das funktioniert nur in Teilen, trotz aller guten Absichten kann MANK optisch nicht leugnen digital gedreht worden zu sein. Zudem inszenierte Fincher den Film im Format 2,2:1, welches streng genommen erst 13 Jahre sp\u00e4ter etabliert wurde. Ob Zugest\u00e4ndnis, oder bewusste k\u00fcnstlerische Freiheit, ist nicht festzumachen, aber auffallend.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Gary Oldman in einem leidenschaftlichen Dialog als Beispiel das Jagdflugzeug Messerschmitt anf\u00fchrt, muss man einfach als Anerkennung f\u00fcr MANKs Kameramann sehen. Aber auch die Elektro-Musiker Raznor und Ross lie\u00dfen sich ihre Art von Huldigung nicht nehmen. Ihre Soundtrack ist ausschlie\u00dflich f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Instrumente aus den 1940ern komponiert und orchestriert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2020\/netflix-mank\/mank-3-copyright-netflix\/\" rel=\"attachment wp-att-15399\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-15399 size-full\" title=\"Mank 3 - Copyright NETFLIX\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mank-3-Copyright-NETFLIX.jpg\" alt=\"Mank 3 - Copyright NETFLIX\" width=\"640\" height=\"330\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mank-3-Copyright-NETFLIX.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mank-3-Copyright-NETFLIX-300x155.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mank-3-Copyright-NETFLIX-200x103.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die kammerspielartige Schaffensphase des an das Bett gefesselten Mankiewicz wird immer wieder mit R\u00fcckblicken aufgerissen. Bis sich schlie\u00dflich die Gewichtung der Erz\u00e4hlung fast vollst\u00e4ndig auf die Ereignisse legt, von denen der Autor seine Inspiration zieht, und damit auch seine D\u00e4monen bek\u00e4mpft. Marion Davies, Randolph Hearst, David Selznick, Irving Thalberg, und nat\u00fcrlich Studiomogul Louis B. Mayer. Als sehr kluge Entscheidung erweist sich die sehr sparsame Einbindung des Charakters Orson Welles.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Dadurch, dass Welles eine fast nebens\u00e4chlichen und sehr geringen Teil zugesprochen bekommt, festigt MANK noch zus\u00e4tzlich die Ansicht, dass das Drehbuch die alleinige Leistung von Mankiewicz war. Es ist nat\u00fcrlich eine detailverliebte Ann\u00e4herung und Verquickung der historischen Figuren, und auch ein intelligente Analyse durch dramaturgisch verzerrten Fakten. Wer glaubt das MANK lediglich ein reflektierender Abriss eines kulturellen Ereignisses ist, irrt sich gewaltig.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Dialoge sind geradezu waghalsig, durchzogen mit Metaphern und weltpolitischen Ansichten. Fast jeder Satz wiegt bedeutungsschwer, und jeder Wortwechsel hat Substanz. Und auch wenn es vordergr\u00fcndig immer um die kreative Schaffenskraft und das Filmemachen geht, verbirgt sich dahinter weit mehr. In Wirklichkeit sind es Unterhaltungen und Monologe um politische Umw\u00e4lzungen, und totalit\u00e4re Strukturen. Da werden Studiobosse und Medienmogule blo\u00dfgestellt, die unvermittelt als Beispiele f\u00fcr gesellschaftliche und kreative Umbr\u00fcche herhalten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">In einer besonders absurden, aber gar nicht so weit hergeholten Szene, bejubeln arbeitslos gewordene Statisten ihren Heil bringenden Studiochef, der sie eigentlich zuvor noch mit offensichtlichen L\u00fcgen erst brotlos gemacht hat. Auf wirklich eindringliche Weise nutzt MANK die Erz\u00e4hlform von CITIZEN KANE. Hier wie dort, entwickelt sich die Geschichte viel tiefer und vielbedeutender als sie zu erz\u00e4hlen vorgibt. Wo MANK inhaltlich aber kein Kind jener Zeit bleibt, sondern geschickte Verbindungen und Denkanst\u00f6\u00dfe f\u00fcr das Heute veranschaulicht. Fr\u00fcher war nicht alles schlecht, aber heute ist es nicht viel besser.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2020\/netflix-mank\/mank-2-copyright-netflix\/\" rel=\"attachment wp-att-15398\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-15398 size-full\" title=\"Mank 2 - Copyright NETFLIX\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mank-2-Copyright-NETFLIX.jpg\" alt=\"Mank 2 - Copyright NETFLIX\" width=\"640\" height=\"393\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mank-2-Copyright-NETFLIX.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mank-2-Copyright-NETFLIX-300x184.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mank-2-Copyright-NETFLIX-200x123.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Darsteller: <strong>Gary Oldman, Lily Collins, Tom Pelphrey, Amanda Seyfried, Sam Troughton, Arliss Howard, Charles Dance, Tuppence Middleton, Toby Leonard Moore, Ferdinand Kingsley, Monika Gossmann<\/strong> u.a.<\/em><br \/>\n<em>Regie: <strong>David Fincher<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Drehbuch: <strong>Jack Fincher<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Kamera: <strong>Erik Messerschmidt<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Bildschnitt: <strong>Kirk Baxter<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Musik: <strong>Trent Raznor, Atticus Ross<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Produktionsdesign: <strong>Donald Graham Burt<\/strong><\/em><br \/>\n<strong><em>USA \/ 2020<\/em><\/strong><br \/>\n<em><strong>131<\/strong> Minuten<\/em><\/p>\n<h6>Bildrechte: <strong>NETFLIX<\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>MANK &#8211; Netflix &#8211; 04.12.2020 Um was es gehen w\u00fcrde, hatte man David Fincher gefragt. 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