{"id":1560,"date":"2011-09-07T07:48:12","date_gmt":"2011-09-07T06:48:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=1560"},"modified":"2011-09-09T07:39:51","modified_gmt":"2011-09-09T06:39:51","slug":"the-help-inception","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/the-help-inception\/","title":{"rendered":"EDITORIAL: Immer auf die Kleinen"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"attachment wp-att-1561\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/the-help-inception\/chicago-joe-2\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1561\" title=\"Redaktion\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Chicago-Joe1.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"132\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Jedes Kinojahr hat so seinen Schl\u00e4fer. 2010 war das zweifellos \u201eInception\u201c, ein Film, der mit seinem Trailer vorab viel versprach, aber dennoch thematisch \u00fcberhaupt nicht einzuordnen war. Der Erfolg von \u201eInception\u201c baute nicht auf dem Namen seines Erfinders, sondern das \u00fcberraschte Publikum entdeckte intelligentes Kopfkino innerhalb des Hardcore-Mainstream. \u201eInception\u201c blieb entgegen der \u00fcblich gewordenen Kassen-Gewohnheiten drei Wochen auf Platz eins der U.S.-Charts. Die Industrie war perplex. Der Film verlor zwar von Woche zu Woche 30% Einspielergebnis gegen\u00fcber seiner Vorwoche, aber das ist im Vergleich zum \u00fcblichen Verlust nicht sehr viel. 50% Abfall sind keine Seltenheit. Was herausstach, war nicht der geringere, prozentuale Verlust, sondern dass sich \u201eInception\u201c in der zweiten Woche gegen Nicholas Cages Zauberlehrling behauptete und er in der dritten Woche sogar Angelina Jolie mit \u201eSalt\u201c den ersten Platz verweigerte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Im \u00dcbrigen verloren \u201eDuell der Magier\u201c und \u201eSalt\u201c in ihren zweiten Wochen jeweils 45%. Aber was soll die Zahlenspielerei? Sie hilft nicht, das Ph\u00e4nomen zu verstehen, das die Industrie diese Woche vollkommen irritiert. \u201eThe Help\u201c tut es dem Vorjahres-Hit \u201eInception\u201c gleich und setzte sich die dritte Woche in Folge auf Platz eins. Gestartet war \u201eThe Help\u201c in der ersten Woche gar nur auf Platz zwei. Jetzt k\u00f6nnte man sagen, dass \u00dcberraschungen eben passieren im Filmgesch\u00e4ft, w\u00e4re \u201eThe Help\u201c nicht ein S\u00fcdstaaten-Drama, das in den Sechzigern spielt und von schwarzen Bediensteten handeln w\u00fcrde. Mit Darstellern, die bei Arthouse brillieren, aber keine Blockbuster-Zugkraft haben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Was die Studios ohnm\u00e4chtig reagieren l\u00e4sst, ist die Liste der von \u201eThe Help\u201c auf die zweiten Pl\u00e4tze verwiesenen Filme. \u201eFinal Destination 5\u201c, \u201eConan 3-D\u201c, \u201eFright Night 3-D\u201c, \u201eColombiana\u201c, \u201eDon\u2019t be afraid of the dark\u201c,\u201eApollo 18\u201d, und schlie\u00dflich \u201eShark Night 3-D\u201d. Qualitativ und inhaltlich nicht die besseren Filme, sicherlich, aber Produktionen mit viel mehr Marketingkraft und leichter zu erreichenden Zielgruppen. Wobei hinzukommt, dass die Blockbuster-Zielgruppe auch noch ein Vielfaches gr\u00f6\u00dfer ist. Von den sieben aufgez\u00e4hlten Filmen wurden vier in 3-D gezeigt. In Amerika bedeutet dies einen Preisaufschlag zwischen drei und f\u00fcnf Dollar pro Eintritt. Dass dort dr\u00fcben nur blanke Zahlen als Indikator f\u00fcr das Marketing genommen werden und keine Zuschauerzahlen, kommt dem normalen Blockbuster gerne zugute. \u201eAvatar\u201c hat mit einer gesamten Milliarde Dollar \u00fcber dem Ergebnis von \u201eTitanic\u201c noch nicht ann\u00e4hernd die Zuschauerzahlen des Untergangsepos erreicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Eindeutiger kann die Aussage des Publikums an Studios, Filmemacher und Kinoketten nicht sein. Wie immer und immer wieder in den letzten Jahren, gibt es Anzeichen zum Umdenken. Und als solches k\u00f6nnte man \u201eThe Help\u201c auch verstehen. Doch der Trugschluss liegt darin, dass der Freund des gepflegten Vampir-Grusels sich an der Multiplex-Kasse nicht pl\u00f6tzlich doch f\u00fcr ein mit haupts\u00e4chlich Frauen besetztes Drama entscheidet. Genauso wenig wird der Splatter-Freund seinen Unmut \u00fcber 3-D damit kundtun, einen dialoglastigen Problemfilm zu w\u00e4hlen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Auf der anderen Seite ist aber der Erfolg des einen Films wohl doch Indikator f\u00fcr die Probleme der anderen Filme. \u201eInception\u201c konnte sich 2010 gegen \u201eSalt\u201c leicht durchsetzen, weil der Jolie-Starrer ein viel zu aufgesetzter Konzeptfilm war, w\u00e4hrend \u201eInception\u201c tats\u00e4chlich Neues brachte. \u201eThe Help\u201c hingegen setzt sich nicht durch, zieht keine Zuschauer von einem anderen Film ab. Aber von den bereits angesprochenen sieben anderen Filmen sind vier in 3-D, einer eine Fortsetzung, drei ein Remake, und drei haben eine ausgelutschte Pr\u00e4misse, wobei einer davon an einer Altersfreigabe krankt, die in dieser Sparte keinen aus dem Stra\u00dfencaf\u00e9 lockt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nach wie vor krankt es in der gro\u00dfen Unterhaltungsindustrie, was die Verantwortlichen nicht zur Kenntnis nehmen k\u00f6nnen. In einer Welt, wo der Starttermin von \u201eSpider-Man 2\u201c bereits feststeht, bevor der erste Teil fertiggestellt ist, hat das Kalk\u00fcl l\u00e4ngst den gesunden Verstand abgel\u00f6st. Bereits vor 17 Jahren beschwor in einem einzigartigen Pamphlet ausgerechnet Jeffrey Katzenberg die Industrie zu einem Umdenken, selbst einer der ganz gro\u00dfen Verdiener am Mainstream-Kino. Wenn mittlerweile multinationale Gro\u00dfkonzerne \u00fcber F\u00fcr und Wider in einer Branche entscheiden, die fr\u00fcher mit Herz und Leidenschaft gelenkt wurde, kann sich da nur sehr wenig bewegen. Eine traurige Wahrheit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die traurige Wahrheit f\u00fcr den Blockbuster ist aber auch der kleine, feine Triumph des kleinen Films. Was die Branche im Augenblick so perplex zur\u00fcckl\u00e4sst, sorgt f\u00fcr gro\u00dfe Schlagzeilen. Und deren Ohnmacht lenkt viel Aufmerksamkeit auf die immer und immer wiederkehrende Frage, warum der Markt so reagiert. Und das bringt automatisch \u201eThe Help\u201c mit ins Spiel und sehr viel Beachtung. Mehr Beachtung, als DreamWorks seinem bescheidenen Film mit einem kleinen Werbe-Etat jemals zugestanden h\u00e4tte. Und das freut auch jemanden, der lieber abgetrennte Gliedma\u00dfen und Frauen mit Waffen sieht, aber die Schnauze voll hat von nichtsnutzigem 3-D und dem Wiederk\u00e4uen abgewrackter Ideen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jedes Kinojahr hat so seinen Schl\u00e4fer. 2010 war das zweifellos \u201eInception\u201c, ein Film, der mit seinem Trailer vorab viel versprach, aber dennoch thematisch \u00fcberhaupt nicht einzuordnen war. 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