{"id":1612,"date":"2011-09-18T17:26:36","date_gmt":"2011-09-18T16:26:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=1612"},"modified":"2011-09-18T17:45:49","modified_gmt":"2011-09-18T16:45:49","slug":"wishful-drinking-carrie-fisher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/wishful-drinking-carrie-fisher\/","title":{"rendered":"WISHFUL DRINKING: Die Welt der Carrie Fisher"},"content":{"rendered":"<h3><a rel=\"attachment wp-att-1616\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/wishful-drinking-carrie-fisher\/wishful-drinking-1\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1616\" title=\"Wishful-Drinking-1\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Wishful-Drinking-1.jpg\" alt=\"\" width=\"145\" height=\"200\" \/><\/a><strong><span style=\"color: #000000;\">Author \u2013 Actress \u2013 Alcoholic<\/span><\/strong><\/h3>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fisher hat eine Solo-B\u00fchnenshow. Mit therapeutischer Selbstzerfleischung redet sie dabei \u00fcber Gott und die Welt. Das eine sind ihre Eltern und das andere ihr manisch-depressiver Zustand.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fisher hat auch schon selbst gew\u00e4hlte Elektroschocktherapien hinter sich. Dadurch kann es passieren, dass sie auf der B\u00fchne einfach Episoden vergisst, die zum Programm geh\u00f6ren. Um sich besser zu erinnern, hat sie ein Buch geschrieben. Sozusagen das Buch zum St\u00fcck: WISHFUL DRINKING.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more--><strong><em>\u201cHi, ich bin Carrie Fisher, und ich bin Alkoholikerin.\u201d<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fisher hatte ihren ersten Kontakt mit Drogen im Alter von nur 13 Jahren. Es hat also nichts mit dieser einen Rolle in diesem Science-Fiction-Film zu tun. Ihre Mutter ist die Schauspielerin Debbie Reynolds, ihr Vater der S\u00e4nger Eddie Fisher. Stiefmutter ist Elizabeth Taylor. Oh, und Robert Mitchum hat sich ausf\u00fchrlich mit ihr dar\u00fcber unterhalten, dass Drogen gar nicht einmal so gut sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fishers Leben verl\u00e4uft in Liebe innerhalb der Familie. Sie liebt ihre Eltern, ihre Eltern lieben sie. Sie liebt ihren Bruder, und so weiter, und so weiter. Dennoch f\u00fchrt der Weg nicht an Alkohol und Medikamenten vorbei. Zugegeben, ihr Vater lie\u00df die Familie sitzen, um Liz Taylor zu ehelichen. Und Mutter Debbie kann man ohne \u00dcbertreibung exzentrisch nennen. Oder wie sollte man eine Person bezeichnen, die der eigenen Mutter und der leiblichen Tochter jeweils einen Vibrator schenkt?<\/span><\/p>\n<p><strong><em>\u201eIch habe mein Aussehen verkauft. Jedes Mal, wenn ich in den Spiegel schaue, muss ich George Lucas ein paar Dollar \u00fcberweisen.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fisher singt und tanzt, tritt dabei mit ihrer legend\u00e4ren Mutter auf. Und sie beginnt eine Leinwand-Karriere. Sie genie\u00dft Schauspielunterricht und ben\u00f6tigt diesen dringend, als sie f\u00fcr einen erfolgreichen Science-Fiction-Film S\u00e4tze sprechen muss, die f\u00fcr die menschlichen Stimmb\u00e4nder nicht geeignet sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fisher sagt gerne, George Lucas habe ihr Leben zerst\u00f6rt. Aber wirklich Schuld gibt sie niemandem an dem Dilemma, immer wieder abzust\u00fcrzen und der dunklen Seite der Drogen zu verfallen. Was sich anh\u00f6rt wie ein Niedergang durch aufkommende Popularit\u00e4t, hatte tats\u00e4chlich seinen Anfang sehr viel fr\u00fcher.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fisher beschlie\u00dft mit 28 Jahren, ihren ersten Roman zu schreiben, und l\u00e4sst sich zu Recherchezwecken in eine Entziehungsklinik einweisen. Oder so \u00e4hnlich.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> Ihr erster Roman nach dem Klinikaufenthalt ist POSTCARDS FROM THE EDGE, der in Deutsch tats\u00e4chlich BANKETT IM SCHNEE hei\u00dft. Warum auch immer. Und weil Carrie Fisher nur drogenabh\u00e4ngig ist, aber nicht faul, adaptiert sie auch gleich ihren Roman zu einem Drehbuch.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fishers Karriere als Autorin verl\u00e4uft wesentlich besser als die der Schauspielerin. POSTCARDS FROM THE EDGE \u2013 GR\u00dcSSE AUS HOLLYWOOD wird von Mike Nichols mit Meryl Streep und Shirley MacLaine verfilmt. Es ist die Geschichte von Suzanne Vale, einer Schauspielerin, die unter ihrer alles dominierende Mutter zu leiden hat. Die autobiografischen Einfl\u00fcsse sind nicht nur unverkennbar, sondern f\u00fcr die Autorin therapeutisch wirkende Selbstreflexion.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fisher wird fast nebenher einer der besten Drehbuch-Doktoren Hollywoods. Sie half zum Beispiel SISTER ACT aus der Klemme und beseitigte die gr\u00f6bsten M\u00e4ngel an Spielbergs HOOK. Auf der Leinwand avanciert sie zur \u201abesten Freundin der Hauptfigur\u2018, das Image der Nussschnecken tragenden Prinzessin wird sie nicht los. Daf\u00fcr folgt der Roman SURRENDER THE PINK \u2013 BEZIEHUNGSWEISE LIEBE. Es sollte nicht verwundern, dass dieser Roman ein bisschen autobiografisch angehaucht ist. Diesmal werden die Beziehung und das Scheitern der Ehe mit S\u00e4nger und Liedermacher Paul Simon in die Geschichte eingewoben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fisher heiratet im richtigen Leben erneut und bekommt eine Tochter, welche sie Billie nennt. Ihr Mann Bryan Lourde, seinerzeit einer der einflussreichsten Agenten Hollywoods, verl\u00e4sst nach einem Jahr die Familie. Lourde verl\u00e4sst die Familie f\u00fcr einen anderen Mann. Genug Material, um Alkohol und Medikamentenmissbrauch zu rechtfertigen. Und genug Material, daraus den Roman DELUSIONS OF GRANDMA \u2013 BYE BYE, ICH LIEBE DICH zu machen.<\/span><\/p>\n<p><strong><em>\u201eM\u00e4nner schwul werden zu lassen, ist eine meiner Superkr\u00e4fte. Ich schnapp mir mein rosa Telefon, nehme meinen regenbogenfarbenen Umhang, und schon bin ich da.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fisher schreibt mit b\u00f6sem Witz. Es grenzt fast an Selbstzerfleischung, wie offen sie mit sich und ihrer Umwelt umgeht. Und wenn man bei jedem ihrer Romane aus tiefstem Herzen lachen wird, bleibt dieses Lachen auch schon mal im Halse stecken. Man liest heraus, wie befreiend das alles f\u00fcr die Autorin sein muss, und wie viel Schmerz auch in ihr brennt. Schmerz \u00fcber ihr eigenes Unverm\u00f6gen, mit ihrer Sucht zurechtzukommen. Schmerz \u00fcber die Schmerzen, die sie anderen dabei zuf\u00fcgt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fisher geht fast schon brutal nach au\u00dfen damit, wie sie durchs Leben geht und wie sie immer wieder scheiterte. Aber in keiner Zeile, in keinem Moment ihrer zahlreichen Selbstreflexionen tr\u00e4gt sie Schuld zu anderen. Sie l\u00e4sst keinen Zweifel daran, dass SIE den Alkohol wollte, dass SIE immer wieder ihre Medikamente h\u00f6her als erlaubt dosierte. Auf der anderen Seite macht dies das Lesen auch schmerzhafter und intensiver. Mit einem steten L\u00e4cheln auf dem Gesicht. Man m\u00f6chte sich daf\u00fcr selbst ohrfeigen, aber erst noch eine weitere Seite lesen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fisher l\u00e4sst in dem noch nicht auf Deutsch erschienenen THE BEST AWFUL Suzanne Vale aus POSTCARDS wieder zwischen den Seiten wandeln. Noch stark fiktionalisiert bilden noch einmal die Ereignisse um Bryan Lourde, die gemeinsame Tochter und die pl\u00f6tzliche Homosexualit\u00e4t ihres Mannes den Hintergrund. W\u00e4hrend au\u00dferhalb der Fiktion, im wirklichen Leben also, bei der Schauspielerin zudem diagnostiziert wird, sie sei manisch-depressiv.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fishers nicht enden wollenden R\u00fcckf\u00e4lle zu Alkohol und Medikamenten-Cocktails, dazu die manische Depression, welche man neuerdings Bipolare St\u00f6rung nennt, machen sie nat\u00fcrlich f\u00fcr entsprechende Fachbl\u00e4tter interessant. Ihr Bekanntheitsgrad und der offensive Umgang mit ihren Problemen bringen ihr sogar einen Eintrag im Lehrbuch ABNORMALE PSYCHOLOGIE.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fishers B\u00fccher sind alles andere als variantenreich. Wobei es ungerecht w\u00e4re zu behaupten, kennt man eins, kennt man alle. Doch Fisher setzt ihre Charakteren stets ins selbe Umfeld mit denselben Problemen. Nat\u00fcrlich nicht sehr abwechslungsreich, doch kann man ihr zugute halten, dass sie \u00fcber das schreibt, bei dem sie sich am besten auskennt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fisher ist nicht nur eine Film-Ikone, deren Konterfei auf unz\u00e4hligen Bildern und auf den unterschiedlichsten Puppen, Figuren und Spielsachen zu finden ist. Sie ist auch mahnendes Vorbild f\u00fcr jene, die behaupten, jederzeit aufh\u00f6ren zu k\u00f6nnen. Und wenn man h\u00f6rt, wie sie die H\u00f6rb\u00fccher ihrer eigenen Romane spricht, dann ist das bitterb\u00f6se Vergn\u00fcgen gleich um ein Vielfaches lohnender. Und eindringlicher f\u00fcr alle, die das Schicksal teilen.<\/span><\/p>\n<p><strong><em>\u201eMeine Familie muss so stolz auf mich sein. Denkt daran, dass es mich als PEZ-Spender gibt und ich im Lehrbuch f\u00fcr Abnormale Psychologie zu finden bin. Wer sagt, man kann nicht alles haben?\u201d<\/em><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fishers k\u00fcrzestes Buch ist ihr neuestes Werk WISHFUL DRINKING. Daf\u00fcr hat sie den Weg der Romanstruktur verlassen. Es ist ihre pers\u00f6nlich verfasste Biografie, auf das Wesentliche reduziert. Und tats\u00e4chlich ist es eine Art Textbuch f\u00fcr ihre stets ausverkaufte B\u00fchnenshow. Der bei\u00dfende Humor ist ungebrochen. Auf manipulierende Emotionen verzichtet sie auch hier. Das liegt nicht jedem, weder gelesen noch als H\u00f6rbuch vorgetragen. Die Einblicke dabei sind einfach zu ehrlich und so offen, dass es leicht peinlich ber\u00fchrt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fishers WISHFUL DRINKING nennt die Personen nun beim Namen. Auch wenn die Geschichten in irgendeiner Form aus ihren Romanen bereits bekannt sind. Es ist die <\/span><a rel=\"attachment wp-att-1617\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/wishful-drinking-carrie-fisher\/wishful-drinking-2\/\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1617\" title=\"Wishful-Drinking-2\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Wishful-Drinking-2.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"419\" \/><\/span><\/a><span style=\"color: #000000;\">Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Auch wenn manche Episode derart absurd wirkt, dass man ihren Wahrheitsgehalt einfach anzweifeln muss, bleibt es die in ihrer unverwechselbaren Art die bisherige Lebensgeschichte einer Frau von \u00f6ffentlichem Interesse.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Carrie Fisher ist eine hervorragende, wenngleich nicht vielgestaltige Autorin. Sie versteht zu unterhalten, bleibt immer witzig und ist niemals oberfl\u00e4chlich. Ob die Wahrheit der Carrie Fisher das Abbild der Wirklichkeit ist oder nur Reflexionen von Erinnerungen, sei dahingestellt. Es ist die Welt der Carrie Fisher, und man lernt sie mit allen Schw\u00e4chen kennen. Und genau das macht sie stark.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/s\/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&amp;url=search-alias%3Daps&amp;field-keywords=wishful+drinking&amp;x=0&amp;y=0\"><span style=\"color: #808080;\">Mit diesem Link geht es zur deutschen Amazon-Seite, wo unter den englischen Ausgaben auch die deutsche Fassung zu finden ist.<\/span><\/a><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><br \/>\n<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Author \u2013 Actress \u2013 Alcoholic Carrie Fisher hat eine Solo-B\u00fchnenshow. Mit therapeutischer Selbstzerfleischung redet sie dabei \u00fcber Gott und die Welt. Das eine sind ihre Eltern und das andere ihr manisch-depressiver Zustand. 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