{"id":16560,"date":"2021-05-07T16:05:03","date_gmt":"2021-05-07T15:05:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=16560"},"modified":"2021-05-07T17:38:51","modified_gmt":"2021-05-07T16:38:51","slug":"andrew-niccols-anon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2021\/andrew-niccols-anon\/","title":{"rendered":"Andrew Niccols ANON"},"content":{"rendered":"<h2><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/anon-copyright-netflix\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-16517 size-full\" title=\"Anon - Copyright NETFLIX\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Anon-Copyright-NETFLIX.jpg\" alt=\"Anon - Copyright NETFLIX\" width=\"260\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Anon-Copyright-NETFLIX.jpg 260w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Anon-Copyright-NETFLIX-214x300.jpg 214w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Anon-Copyright-NETFLIX-142x200.jpg 142w\" sizes=\"auto, (max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/a><strong>NETFLIX<\/strong> seit 30.04.2021<br \/>\n<strong>DVD &#8211; Blu-ray<\/strong> seit 2018<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Als Regisseur, sieben Kinofilme, f\u00fcnf davon Science Fiction in der gerne so bezeichneten High-Concept Kategorie. Drehb\u00fccher allesamt selbst verfasst. Und wenn auch nur als Autor, nicht vergessen Peter Weirs TRUMAN SHOW. Um die Harmonie nicht zu st\u00f6ren, lassen wir THE HOST einfach einmal auf Seite. Was Andrew Niccols auszeichnet, neben der Liebe zu seinem Stoff und der Detailversessenheit, ist sein Verm\u00f6gen alle k\u00fcnstlerischen Bereiche in Einklang mit der Essenz der Geschichte zu bringen. Musik, Kost\u00fcm, Produktionsdesign, Bildgestaltung, und nat\u00fcrlich die Schauspieler. Man kann das auch als Symbiose bezeichnen. Womit Niccols eigentlich selbst eine Br\u00fccke zum Symbiose thematisierenden THE HOST &#8211; SEELEN schlagen w\u00fcrde. Doch von da ist es nur ein Film, aber noch f\u00fcnf Jahre hin zu ANON. Ein Film, der kaum sein Konzept in wenigen Worten erkl\u00e4ren l\u00e4sst.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">F\u00fcr Ermittlungen braucht Detective Sal Frieland das Revier gar nicht zu verlassen, diesen monstr\u00f6sen Betonbau ohne Farbe und Stil, kalt und abweisend. Praktikabel muss er sein. So wie fast alles in dieser Gesellschaft. Schmucklose Fassaden, kaum Gr\u00fcn, wenig Verkehr, Menschen halten sich drinnen auf. Werbebanner und -tafeln gibt es auch nicht, so etwas wird direkt individuell auf das okulare Implantat gespielt. Wie auch alle anderen Informationen \u00fcber jeden Menschen, dem man begegnet. Ist der Mann dort dr\u00fcben verheiratet, hat die Frau da vorne eine Waffe dabei, wie alt sind denn die Personen die einem \u00fcber den Weg laufen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Alles was ein Mensch sieht wird aufgezeichnet, mit allen zusammenh\u00e4ngenden und erkl\u00e4renden Daten. Selbst von den fremden Leuten die einem vor das Gesicht kommen, ob beabsichtigt oder unfreiwillig. Und es ist jederzeit wieder abrufbar. Als Detective braucht sich Sal nur in das Implantat eines Verd\u00e4chtigen einlocken, und sich jede beliebige Situation zu jeder erdenklichen Zeit seines Gegen\u00fcber ansehen. Privatsph\u00e4re gibt es nicht, somit auch keinen Vorteil durch L\u00fcgen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Obwohl ANON ins Genre eines modernen Thrillers f\u00e4llt, gepaart mit gleichwertigen Portionen von Film Noir und klassischen Krimis, erz\u00e4hlt Niccols seine Geschichte fast schon gem\u00e4chlich. Aber nie erm\u00fcdend oder langweilig, daf\u00fcr sorgt schon die Pr\u00e4misse. Die melancholisch anmutende Ruhe in der Inszenierung ist der Grund, warum man dieses \u00fcberaus komplexe Konstrukt an Pr\u00e4misse verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig leicht nachvollziehen kann. Leichter jedenfalls, als man es in ausschweifenden S\u00e4tzen plausibel erkl\u00e4ren k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Jemand ist in der Stadt, der Menschen t\u00f6tet. Jemand der unsichtbar ist, und aus dem vernetzten System ausgeklinkt. Zuerst scheinen die Morde wahllos, doch erstaunlicherweise finden Sal und sein Partner Charles Gattis eine erste Spur. Clive Owen als Sal ist dabei wie das Abbild des modernen, desillusionierten Draufg\u00e4nger-Cops. Dem steht im perfekten Gleichgewicht ein stoischer Colm Feore als Gattis zur Seite, der unverkennbar den traditionellen Typus des gerechten Detektives l\u00e4ngst vergangener Filmtage verk\u00f6rpert. Ein L\u00e4cheln huscht \u00fcber ihr Gesicht, dass sie &#8222;endlich einmal einen richtigen Fall haben&#8220;.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/anon-2-copyright-netflix\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-16519 size-full\" title=\"Anon 2 - Copyright NETFLIX\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Anon-2-Copyright-NETFLIX.jpg\" alt=\"Anon 2 - Copyright NETFLIX\" width=\"640\" height=\"323\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Anon-2-Copyright-NETFLIX.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Anon-2-Copyright-NETFLIX-300x151.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Anon-2-Copyright-NETFLIX-200x101.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Killer klinkt sich in das aufzeichnende System der Opfer, und l\u00e4sst sie ihre eigene Ermordung aus dem Blickwinkel des T\u00e4ters erleben. Der M\u00f6rder bleibt unerkannt, weil dieser die F\u00e4higkeit besitzt, in Echtzeit die Aufzeichnungen jedes Menschen zu manipulieren. Damit l\u00f6scht er auch jede Aufnahme, welche andere von ihm machen. Wie es sich f\u00fcr einen klassischen Film Noir geh\u00f6rt, wird das vermeintlich B\u00f6se einer Femme Fatale in der Gestalt von Amanda Seyfried zu Lasten gelegt. Und der Titelheld wird ihr verfallen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Jetzt besteht das Ensemble, allen voran selbstredend das Dreigestirn, wirklich zu den Feinsten. Dennoch nutzt der Regisseur viel mehr ihre charismatische Pr\u00e4senz, und l\u00e4sst ihr Spiel sehr minimalistisch ausfallen. Es sind Einstellungsgr\u00f6\u00dfen der Gesichter, Kadrierung der Bilder, und Schnittfolgen, mit denen Niccols Emotionen weckt und Stimmungen setzt. Amir Mokri nutzt f\u00fcr seine Bildgestaltung den ganzen Rahmen. Als Sinnbild ihrer Desillusionierung werden die Protagonisten in \u00fcberproportionale R\u00e4ume gesetzt. Verzerrte Schatten der Personen sind gr\u00f6\u00dfer als ihre Darsteller, jagen sie, oder laufen ihnen davon.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Atmosph\u00e4re bestimmt den Handlungsverlauf, und Atmosph\u00e4re beherrscht Niccols seit seinem Erstling GATTACA. Die einzig wirkliche Action-Sequenz hier, ist eine ph\u00e4nomenal choreografierte Hetzjagd, die leicht an die auf zwei Zeitebenen spielende Autoverfolgung in Tony Scotts DEJA VU ankn\u00fcpfen kann. Das es bei ANON sp\u00e4ter noch eine \u00fcberraschende Wendung gibt, wird dabei schnell nebens\u00e4chlich, weil es die Genre bedingte traditionelle Erz\u00e4hlform herausfordert, in weiten Teilen mit Versatzst\u00fccken zu arbeiten, welche erf\u00fcllt werden m\u00fcssen. Dahingehend von uns auch erwartet werden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Aber ANON ist kein Abspielen von ausgelutschten Klischees. Er hat eine anhaltende Grundspannung weil sich alle Komponenten in der Inszenierung und den k\u00fcnstlerischen Bereichen so wundervoll erg\u00e4nzen, was eine unglaublich fesselnde Atmosph\u00e4re erzeugt. Doch einen wesentlichen Anteil hat auch das Konzept der permanenten \u00dcberwachung, welches fasziniert und gleichzeitig abst\u00f6\u00dft, weil es den Zuschauer immerzu fordert, die filmische Ausreizung mit dieser okularen und biosensorischen Technik richtig zu verstehen und einzuordnen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Schaut man auf Andrew Niccols bisheriges Schaffen, dazu nat\u00fcrlich unbedingt TRUMAN SHOW, erkennt man schnell sein spezielles Talent, welches eine Spur neben eines allgemeinen k\u00fcnstlerischen Geschicks l\u00e4uft. Er kann seine noch so sonderlichen Zukunfts- und Gesellschaftsvisionen glaubhaft darstellen, real und greifbar machen. Wo andere mit Effekten und ausufernden Erkl\u00e4rversuchen \u00fcberzeugen wollen, setzt Niccols gegebene Realit\u00e4ten ganz schlicht der obskuren Dystopie gegen\u00fcber. Und dann verkn\u00fcpft er es, und l\u00e4sst aber den illusion\u00e4ren Teil nie Oberhand gewinnen. Die Vision wird als selbstverst\u00e4ndlich wahrgenommen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Wir m\u00fcssen uns eingestehen, dass wir vielleicht das Prinzip der okularen Implantate verstehen, aber bei weitem nicht ihre funktionelle Struktur. Aber es zeichnet den Film als anspruchsvolle Unterhaltung mit Tiefgang aus, wenn wir seiner komplexen Pr\u00e4misse trotzdem folgen k\u00f6nnen, und tats\u00e4chlich verstehen was wir wissen m\u00fcssen. Ohne den Bedarf es weitergehend zu hinterfragen. So etwas hat Andrew Niccol 2002 harsche Kritik eingebracht, als er mit S1M0NE k\u00fcnstlich erzeugte Darsteller thematisierte. Das war genau in dem Jahr als viele Cineasten ernsthaft vorschlugen Gollum aus LOTR: DIE ZWEI T\u00dcRME f\u00fcr den Oscar als besten Nebendarsteller zu nominieren. Das war technisch nat\u00fcrlich noch etwas von S1M0NEs Grundgedanken entfernt, aber schon viel zu nah. Was mag da nur aus dem Brettspiel Monopoly werden, f\u00fcr dessen Adaption Andrew Niccols seit geraumer Zeit angek\u00fcndigt ist.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/anon-1-copyright-netflix\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-16518 size-full\" title=\"Anon 1 - Copyright NETFLIX\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Anon-1-Copyright-NETFLIX.jpg\" alt=\"Anon 1 - Copyright NETFLIX\" width=\"640\" height=\"395\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Anon-1-Copyright-NETFLIX.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Anon-1-Copyright-NETFLIX-300x185.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Anon-1-Copyright-NETFLIX-200x123.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Darsteller: <strong>Clive Owen, Colm Feore, Amanda Seyfried, Mark O&#8217;Brien, Sonya Walger, Joe Pingue, Iddo Goldberg<\/strong> u.a.<\/em><br \/>\n<em>Drehbuch &amp; Regie: <strong>Andrew Niccol<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Kamera: <strong>Amir Mokri<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Bildschnitt: <strong>Alex Rodr\u00edguez<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Musik:<strong> Christophe Beck<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Produktionsdesign:<strong> Philip Ivey<\/strong><\/em><br \/>\n<strong><em>Kanada &#8211; Deutschland &#8211; Gro\u00dfbritannien &#8211; USA<\/em><\/strong><br \/>\n<strong><em>2018<\/em><\/strong><br \/>\n<em><strong>100<\/strong> Minuten<\/em><\/p>\n<h6>Bildrechte:<strong> NETFLIX<\/strong><\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>NETFLIX seit 30.04.2021 DVD &#8211; Blu-ray seit 2018 Als Regisseur, sieben Kinofilme, f\u00fcnf davon Science Fiction in der gerne so bezeichneten High-Concept Kategorie. 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