{"id":17739,"date":"2021-11-06T00:00:25","date_gmt":"2021-11-05T23:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=17739"},"modified":"2021-11-06T00:59:15","modified_gmt":"2021-11-05T23:59:15","slug":"ammonite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2021\/ammonite\/","title":{"rendered":"AMMONITE"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/ammonite_po_d_rz_neu-indd\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-17736 size-full\" title=\"Copyright TOBIS Film\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Ammonite-Copyright-TOBIS-Film.jpg\" alt=\"Ammonite - Copyright TOBIS Film\" width=\"250\" height=\"354\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Ammonite-Copyright-TOBIS-Film.jpg 250w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Ammonite-Copyright-TOBIS-Film-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Ammonite-Copyright-TOBIS-Film-141x200.jpg 141w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><strong>&#8211; Bundesstart 04.11.2021<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Das erste Bild in AMMONITE ist eine Putzfrau die m\u00fchsam mit der Hand den Boden schruppt und von einem Mann barsch zum Platz machen angefaucht wird. Das zweite Bild ist das des zu jener Zeit am besten erhaltenen Ichthyosaurus-Fossils in England, gefunden von Mary Anning an der K\u00fcste von Dorset. Das Schild am Fossil weist sie als Finderin aus. Mit einem ver\u00e4chtlichen Raunzen wird das Schild abgerissen und ersetzt, mit dem Hinweis auf das British Museum, welches diesen Fund gro\u00dfz\u00fcgig zur Ansicht bereitstellt. Filmemacher Francis Lee zeichnet aber kein verachtenswertes M\u00e4nnerbild in seinem Film. Es ist eher eine n\u00fcchterne Zustandsbeschreibung, die aber Kameramann St\u00e9phane Fontaine genau so abbildet. Es ist 1840, und das Leben im K\u00fcstenst\u00e4dtchen Lyme Regis ist f\u00fcr die beziehungslose Mary Anning nicht verkl\u00e4rt und romantisch, sondern rauh und oftmals trostlos.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die reale Mary Anning erlangte bereits in der Mitte ihrer kurzen Lebenszeit von 48 Jahren ein hohes Ansehen. Als autoditakte Pal\u00e4ontologin suchte und fand sie die bedeutendsten Fossilen in Gro\u00dfbritannien. Aber, sie war eben eine Frau. Und w\u00e4hrend \u00fcber weit unbedeutendere M\u00e4nner ganz B\u00fccher geschrieben wurden, ist \u00fcber ihre Fossilfunde hinaus ganz wenig von Mary Anning bekannt. Anlass f\u00fcr Francis Lee eine &#8218;was w\u00e4re wenn&#8216;-Fiktion zu ersinnen, die aber nicht sensationsl\u00fcstern oder provokant sein soll. Vielmehr stellt er die Frage, wie sehr sich ein Mensch selbst genug sein kann. Dabei ist er aber keineswegs belehrend oder k\u00fcnstlerisch \u00fcberheblich, und er will auch kein k\u00fcnstlich \u00fcberh\u00f6htes Psychogram zeichnen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der wohlhabende Roderick Murchison steht eines Tage in Marys kleinem Laden wo sie kleine Fossilen und Souvenirs verkauft. Der Geologe m\u00f6chte eine gef\u00fchrte Tour, und sie bei ihrer Arbeit beobachten. Es ist die \u00fcberaus gro\u00dfz\u00fcgige Bezahlung, welche die eigentlich zur\u00fcckgezogene Mary zustimmen l\u00e4sst. Wissend um ihre finanziellen Defizite, kommt Murchison sp\u00e4ter noch einmal auf sie zu. Eine Auslandreise zwingt ihn, seine schwer depressive Frau Charlotte zur\u00fcck zu lassen, und er m\u00f6chte das Mary sich in dieser Zeit um sie k\u00fcmmert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">In der Inszenierung verzichtet Francis Lee auf Musik oder dialoglastige Erkl\u00e4rungen. Er l\u00e4sst seine Darsteller agieren, und Fontaine liefert atmosph\u00e4rische Bilder die farb- und trostlos die Stimmung der Figuren wiederspiegeln. Kate Winslet und Saoirse Ronan sind zwei der bedeutendsten K\u00fcnstlerinnen im darstellerischen Gewerbe, und somit hat Regisseur Lee zwei der entscheidenden Faktoren einer gelungen Produktion gesichert. Sie sind einem extrem breiten Publikumskreis bekannt, und dar\u00fcber hinaus kann man sich auf ihre \u00fcberzeugenden Leistungen verlassen, unabh\u00e4ngig von den inszenatorischen Geschicken.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/a024_c018_03209k\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-17737 size-full\" title=\"Copyright TOBIS Film\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Ammonite-1-Copyright-TOBIS-Film.jpg\" alt=\"Ammonite 1 - Copyright TOBIS Film\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Ammonite-1-Copyright-TOBIS-Film.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Ammonite-1-Copyright-TOBIS-Film-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Ammonite-1-Copyright-TOBIS-Film-200x133.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Aber was Geschick angeht, beweist Francis Lee das absolute Gesp\u00fcr f\u00fcr den richtigen Ton und einnehmende Stimmung. Nach zwischenmenschlichen Startschwierigkeiten, k\u00f6nnen sich die Frauen langsam zueinander \u00f6ffnen. Charlotte bricht immer weiter aus dem erdr\u00fcckenden Joch der Depression, w\u00e4hrend Mary es schafft behutsam ihren sch\u00fctzenden Mantel aus Unnahbarkeit und Misstrauen abzulegen. Die unterschiedlichen Frauen eint die Sehnsucht nach Verst\u00e4ndnis, Vertrauen und der M\u00f6glichkeit endlich aus ihrem Korsett der an sie gerichteten Verantwortung auszubrechen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Szene in der Mary f\u00fcr Charlotte Medikament bei ihrer Bekannten Elizabeth abholen m\u00f6chte, wird unvermittelt von Sonne \u00fcberstrahlt, die Farben werden kr\u00e4ftig. Zuerst verwirrt der Bruch in dem bisherigen optischen Design, weil danach das trostlose Ambiente wiederkehrt. Aber nicht f\u00fcr lange. Je mehr sich Charlotte und Mary ann\u00e4hern, umso intensiver wird auch die Farbgebung, bestimmen auch von Sonne durchflutete Bilder die Settings. Im Nachhinein entpuppt es sich als manipulatives Stilmittel. Im Fluss der ruhigen Erz\u00e4hlung allerdings, gelingt damit eine starke Bindung an die Charaktere.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Es gibt Sequenzen, da gehen Winslet und Ronan weit \u00fcber das hinaus was sie bisher an K\u00f6rperlichkeit in Filmen gegeben haben. Doch nichts davon macht den Eindruck forciert zu sein. Die Ruhe in der Inszenierung und die Glaubw\u00fcrdigkeit der beiden Frauen generieren eine nachvollziehbare Nat\u00fcrlichkeit, und es nimmt jede Anr\u00fcchigkeit aus der Beziehung. Eine explizite Liebesszene ist daher auch keine Kulmination dieser Beziehung, sondern eine Best\u00e4tigung ihrer Selbstbestimmung.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Es gibt keine dramaturgischen Elemente im Film welche diese Aff\u00e4re in Frage stellen k\u00f6nnten, oder dar\u00fcber richten w\u00fcrden. Lee hat alle M\u00f6glichkeiten in seiner Geschichte eliminiert, die in anderen Filmen aus den beiden Frauen einen Skandal generiert h\u00e4tten. Schlichtweg, weil es \u00fcberhaupt nicht darum geht. Letztendlich geht es Mary wie Charlotte nur um sich selbst. Doch sie missbrauchen sich nicht, aber sie brauchen sich. Diese Fiktion auf eine reale Person zu \u00fcbertragen wirft nat\u00fcrlich im ersten Moment Fragen auf. Doch die elementare Ausrichtung in der Erz\u00e4hlung, l\u00e4sst den Film viel weniger spekulativ wirken. Denn er unterstreicht das Bekannte im Wesen der realen Mary Anning, und da ging es um Leidenschaft und Selbstbestimmung.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">AMMONITE ist ein Film, der auch vollkommen ohne Dialoge auskommen w\u00fcrde, und trotzdem in seiner ganzen Intensit\u00e4t verst\u00e4ndlich bliebe. Es gibt vielleicht gerade einmal f\u00fcnf Dialogs\u00e4tze, die zum Verst\u00e4ndnis ben\u00f6tigt werden. Selbst zwei wichtige Briefe werden nicht verlesen, sondern deren Inhalt durch die Reaktionen der Darstellerinnen vermittelt. Nat\u00fcrlich ist es letztendlich Francis Lee, der dies mit einem Gesp\u00fcr f\u00fcr Timing und Tempo transportiert, das unerl\u00e4sslich ist, wenn eine so leidenschaftliche Erz\u00e4hlung funktionieren soll. Und sich dann auf Kate Winslet und Saoirse Ronan einfach zu verlassen, ist wie der Fund des ersten Ichthyosaurus: Einzigartig und bahnbrechend.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/a031_c005_0322u9\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-17738 size-full\" title=\"Copyright TOBIS Film\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Ammonite-2-Copyright-TOBIS-Film.jpg\" alt=\"Ammonite 2 - Copyright TOBIS Film\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Ammonite-2-Copyright-TOBIS-Film.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Ammonite-2-Copyright-TOBIS-Film-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Ammonite-2-Copyright-TOBIS-Film-200x133.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em><span style=\"color: #000000;\">Darsteller: <strong>Kate Winslet, Saoirse Ronan, Gemma Jones, James McArdle, Alec Scareanu, Fiona Shaw<\/strong> u.a.<\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #000000;\">Regie &amp; Drehbuch:<strong> Francis Lee<\/strong><\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #000000;\">Kamera: <strong>St\u00e9phane Fontaine<\/strong><\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #000000;\">Bildschnitt: <strong>Chris Wyatt<\/strong><\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #000000;\">Musik: <strong>Volker Bertelmann, Dustin O&#8217;Halloran<\/strong><\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #000000;\">Produktionsdesign: <strong>Sarah Finlay<\/strong><\/span><\/em><br \/>\n<strong><em><span style=\"color: #000000;\">Gro\u00dfbritannien &#8211; Australien &#8211; USA \/ 2020<\/span><\/em><\/strong><br \/>\n<em><span style=\"color: #000000;\"><strong>120<\/strong> Minuten<\/span><\/em><\/p>\n<h6>Bildrechte: <strong>TOBIS Film<\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; Bundesstart 04.11.2021 Das erste Bild in AMMONITE ist eine Putzfrau die m\u00fchsam mit der Hand den Boden schruppt und von einem Mann barsch zum Platz machen angefaucht wird. 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