{"id":18210,"date":"2022-01-29T08:00:51","date_gmt":"2022-01-29T07:00:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=18210"},"modified":"2022-01-29T00:41:36","modified_gmt":"2022-01-28T23:41:36","slug":"the-tragedy-of-macbeth","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2022\/the-tragedy-of-macbeth\/","title":{"rendered":"THE TRAGEDY OF MACBETH"},"content":{"rendered":"<h3><strong><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/macbeth-3-copyright-a24-apple-tv\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-18204 size-full\" title=\"Macbeth - Copyright A24 - APPLE TV+\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Macbeth-3-Copyright-A24-APPLE-TV.jpg\" alt=\"Macbeth 3 - Copyright A24 - APPLE TV+\" width=\"245\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Macbeth-3-Copyright-A24-APPLE-TV.jpg 245w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Macbeth-3-Copyright-A24-APPLE-TV-201x300.jpg 201w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Macbeth-3-Copyright-A24-APPLE-TV-134x200.jpg 134w\" sizes=\"auto, (max-width: 245px) 100vw, 245px\" \/><\/a>&#8211; seit 14.01.2022 bei APPLE TV+<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Wenn Kunst sich \u00fcber die Kunst erhebt. Einen Macbeth, den inszeniert man nicht einfach, daf\u00fcr muss man eine angemessene Motivation inne haben. Grob \u00fcberschlagen gibt es mindestens 5 Opern, 10 Fernsehfassungen und 14 Spielfilme die sich mit dem machthungrigen und den Verstand verlierenden K\u00f6nig von Schottland und seiner nicht minder sonderlichen Lady Macbeth auseinandersetzen. Mal in \u00fcberbordender Opulenz, mal schlicht auf den Text herunter gebrochen, gerne in aktuelle Bez\u00fcge gesetzt, aber auch wieder in klassischer Theaterform. Weil Bruder Ethan seine Theatererfahrung mit seinen jetzt schon gefeierten St\u00fccken weiter ausbauen m\u00f6chte, inszeniert und schreibt Joel w\u00e4hrenddessen erstmals solo einen Film. Interessanterweise mit einer Adaption aus einem Metier, die ihn schon wieder sehr nahe neben seinen Bruder stellt.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Man kann und sollte sich eine Handlungsabriss sparen, weil ein Teil der Zuschauer hinl\u00e4nglich mit der Geschichte vertraut sind, und der andere Teil durchaus auch einmal in einen unvoreingenommenen Genuss kommen sollten. Wie bohrende Reporter gerne zu fragen pflegen: Warum Shakespeare? Und warum gerade dieses St\u00fcck? Die Antwort scheint bei Joel Coen v\u00f6llig unerheblich. Was er f\u00fcr eine Geschichte erz\u00e4hlt, ist weniger herausfordernd, als die Art wie er dieses vielfach behandelte St\u00fcck erneut belebt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Noch bevor der Text den Zuschauer in Beschlag nimmt, \u00fcberf\u00e4llt einen die au\u00dfergew\u00f6hnliche Optik. Schwarzwei\u00df ist kein Stilmittel mehr, das noch gro\u00dfen Eindruck schindet. Aber was Bruno Delbonnel mit der Kamera anstellt, geht selbst \u00fcber verw\u00f6hnte Sehgewohnheiten weit hinaus. Delbonnel hat bisher lediglich bei LLEWYN DAVIS und BUSTER SCRUGGS mit den Coen-Br\u00fcdern zusammen gearbeitet. Vom feinen Naturalismus bei DAVIS zu der Technicolor-Cinemascope-Extravaganza von SCRUGGS, beweist Delbonnel mit dem deutschen Expressionismus von MACBETH, dass er bei den Coen-Br\u00fcdern gleichwertig neben Roger Deakins steht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Allerdings w\u00e4re Bruno Delbonnel ohne das mutige, bisweilen verst\u00f6rende B\u00fchnenbild von Jason T. Clark und Nancy Haigh unter der Leitung von Stefan Dechant ein wenig verloren gewesen. Wer die Skizzen und B\u00fchnenentw\u00fcrfe des 1966 verstorbenen Theater-Multitalentes Edward Gordon Craig kennt, der erkennt sofort die Urspr\u00fcnge von MACBETH&#8216; visueller Gestaltung. Eigentlich sind Craigs monumentale Stelen und Stufengebilde auf Theater- und Opernb\u00fchnen allgemein gerne verwendete Motive. Aber wie Delbonnel dies mit bewegter Kamera und optischer Raffinesse visuell \u00fcberh\u00f6ht, ist einmalig.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/macbeth-copyright-a24-apple-tv\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-18201 size-full\" title=\"Macbeth - Copyright A24 - APPLE TV+\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Macbeth-Copyright-A24-APPLE-TV.jpg\" alt=\"Macbeth - Copyright A24 - APPLE TV+\" width=\"640\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Macbeth-Copyright-A24-APPLE-TV.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Macbeth-Copyright-A24-APPLE-TV-300x211.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Macbeth-Copyright-A24-APPLE-TV-200x141.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Optik l\u00e4sst sich aber nicht von strukturell pragmatischen Bauten z\u00e4hmen. Viel Licht und noch mehr Dunkel spielen mit der Wahrnehmung. Wenn Macbeth vom Geist seine Freundes gequ\u00e4lt wird, erscheinen Schatten an W\u00e4nden und Boden, wo keine sein d\u00fcrften. Schwirrende Lichtreflexionen gehen immer wieder einher mit dem Wahnsinn, dem Lady Macbeth zu verfallen droht. Die spartanische Kulisse ist Bildnis der Monstrosit\u00e4t und radikalen Geradlinigkeit der Geschichte gleicherma\u00dfen. Das Vorbild des expressionistischen Kinos der 1920er ist eminent.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Kamera unterstreicht st\u00e4ndig den Zustand des Geschehens. Wo ist oben, wo ist unten? Die Perspektiven sind verdreht. In welche Richtung f\u00fchrt die Treppe an der Lady Macbeth steht? Wir k\u00f6nnen auch nicht erkennen, ob wir von oben auf die kreisenden Raben sehen, oder die V\u00f6gel auf uns herab. Auch bei Nacht strahlt die Sonne durch die Fenster, und die Tage sind im Dunkel darsgestellt. Das Setting verliert sich im Nebel, wenn das Schicksal der Figuren ungewiss scheint, aber das B\u00fchnenbild wird klar und scharf, wenn ihre Bestimmung besiegelt ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Einer Theaterauff\u00fchrung gleich, treten die Charakter von der Totalen geradewegs auf die Kamera zu in die Nahaufnahme, bevor sie ihren Dialog beginnen. Sie blicken die Zuschauer direkt an, rezitieren aber nicht, sie spielen. Vor allem Denzel Washington, der Amerikaner, der im britischsten aller B\u00fchnenst\u00fccke von einem Amerikaner in Szene gesetzt wurde. Den 400 Jahre alten Text nutzt Washington nicht zum Vortrag, sondern als Instrument f\u00fcr sein naturalistisches Spiel, in dem die ohnehin schwierige Sprache eher als Leitfaden dient.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Inhalte der Texte vermitteln die Darsteller in ihrer ganz eigenen Akzentuierung mit Darstellung anstelle von Vortrag. Sie blenden die Theatralik der B\u00fchne vollkommen aus, und Joel Coen inszeniert seine Schauspieler viel n\u00e4her am klassischen Filmdrama, als an einem Shakespeare-St\u00fcck. Die furchtlose Verflechtung von stark artifiziellen Kulissen, visuell verschwenderischer Bildgestaltung und dem \u00fcberragend modern realistischem Spiel beantwortet alle Fragen von selbst. Warum Shakespeare? Und warum gerade dieses St\u00fcck? Weil Joel Coen sehr eindrucksvoll noch viel Neues dazu beizutragen wusste, und somit die Kunst \u00fcber die Kunst erhob.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/macbeth-1-copyright-a24-apple-tv\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-18202 size-full\" title=\"Macbeth - Copyright A24 - APPLE TV+\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Macbeth-1-Copyright-A24-APPLE-TV.jpg\" alt=\"Macbeth 1 - Copyright A24 - APPLE TV+\" width=\"640\" height=\"441\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Macbeth-1-Copyright-A24-APPLE-TV.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Macbeth-1-Copyright-A24-APPLE-TV-300x207.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Macbeth-1-Copyright-A24-APPLE-TV-200x138.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em><span style=\"color: #000000;\">Darsteller: <strong>Denzel Washington, Frances McDormand, Alex Hassell, Bertie Carvel, Brendan Gleeson, Corey Hawkins, Harry Melling, Kathryn Hunter<\/strong> u.a.<\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #000000;\">Regie &amp; Drehbuch:<strong> Joel Coen<\/strong><\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #000000;\">nach dem St\u00fcck von <strong>William Shakespeare<\/strong><\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #000000;\">Kamera: <strong>Bruno Delbonnel<\/strong><\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #000000;\">Bildschnitt: <strong>Reginald Jaynes, Lucian Johnston<\/strong><\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #000000;\">Musik: <strong>Carter Burwell<\/strong><\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #000000;\">Produktionsdesign: <strong>Stefan Dechant<\/strong><\/span><\/em><br \/>\n<strong><em><span style=\"color: #000000;\">United States \/ 2021<\/span><\/em><\/strong><br \/>\n<em><span style=\"color: #000000;\"><strong>105<\/strong> Minuten<\/span><\/em><\/p>\n<h6>Bildrechte:<strong> A24 \/ APPLE TV+<\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; seit 14.01.2022 bei APPLE TV+ Wenn Kunst sich \u00fcber die Kunst erhebt. 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