{"id":1853,"date":"2011-11-08T09:00:34","date_gmt":"2011-11-08T08:00:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=1853"},"modified":"2011-11-10T09:05:42","modified_gmt":"2011-11-10T08:05:42","slug":"tintin-tim-und-struppi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/tintin-tim-und-struppi\/","title":{"rendered":"EDITORIAL: Warum verstehen sich Steven und Tim nicht?"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"attachment wp-att-1580\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/george-clooney-filmfestival\/bandit-2\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1580\" title=\"Bandit\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Bandit1.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"132\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Dies ist ein Steven-Spielberg-Moment: Ein marodierender Panzer rumpelt durch die fiktive marokkanische Stadt Bagghar und schiebt in einer f\u00fcr den Regisseur typisch irrealen \u00dcberh\u00f6hung ein ganzes Hotel vor sich her. Am Ende der Verfolgungsjagd bricht der Panzer vom Hotel frei und zieht seiner Wege, w\u00e4hrend der Besitzer des Hotels herauskommt und erstaunt aber kommentarlos feststellt, dass sein Haus nun direkt am Strand steht. Ebenso schweigsam dreht er sich einfach um und klebt auf das Hotelschild neben die zwei vorhandenen einen dritten Stern.<\/span><br \/>\n<a rel=\"attachment wp-att-1855\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/tintin-tim-und-struppi\/tinitin-1\/\"><\/a><\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-1855\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/tintin-tim-und-struppi\/tinitin-1\/\"><\/a><span style=\"color: #000000;\"><a rel=\"attachment wp-att-1855\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/tintin-tim-und-struppi\/tinitin-1\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1855\" title=\"Tinitin-1\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Tinitin-1.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"144\" \/><\/a>\u201eTim und Struppi\u201c ist gespickt mit diesen Spielberg-Momenten. Was ist es dann, was diesem Film fehlt, um letztendlich ein wirklicher Steven Spielberg zu sein? Wenn das einstige Wunderkind Hollywoods behauptet, dass die Abenteuer von \u201eTim und Struppi\u201c auch eine Inspiration f\u00fcr \u201eIndiana Jones\u201c gewesen waren, m\u00f6chte man das sofort glauben und nicht als Marketingklischee verstanden wissen. Einmal am Laufen, l\u00e4uft der Film ohne Unterlass, warum aber l\u00e4uft er nicht rund?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Komplett am Computer entstandene Filme bieten alle Freiheiten dieser Welt. Vielleicht ist es das, was sich Spielberg schon bei \u201eIndiana Jones\u201c gew\u00fcnscht hat. Oben genannte Verfolgungsjagd ist in einer scheinbar einzigen Kameraeinstellung gedreht. Oder entwickelt? Wie auch immer man diese Arbeit am Computer bewerten m\u00f6chte. Zumindest hat Jamie Bell in seinem Motion-Capture-Anzug alle Bewegungen w\u00e4hrend dieser Verfolgungsjagd tats\u00e4chlich vorspielen m\u00fcssen. Aber ist das wirklich ein Ersatz f\u00fcr das geschundene Gesicht von Harrison Ford, wenn dieser an einem Panzer h\u00e4ngt und gegen eine Felsformation gedr\u00fcckt werden soll? In seinen Action-Sequenzen hat Spielberg nie so richtig die Grenze zur Realit\u00e4t akzeptiert. Ausgenommen bei \u201ePrivate Ryan\u201c selbstverst\u00e4ndlich. Bei Spielberg bestechen gerade die Abenteuerfilme mit selbstverst\u00e4ndlichen \u00dcberspitzungen und realit\u00e4tsfernen Seitenspr\u00fcngen, die aber genauso selbstverst\u00e4ndlich in Kauf genommen werden. Denn Spielberg inszeniert so unbeschwert charmant auf h\u00f6chstm\u00f6glichen Unterhaltungswert hin, dass man gewisse Dinge gar nicht erst in Frage stellen will.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Als nach einer Action-Sequenz Doctor Jones mit Elsa Schneider aus den Katakomben von Venedig durch einen Kanaldeckel auf einen von Touristen \u00fcberf\u00fcllten Platz steigt, ruft er zur Ablenkung \u00fcberrascht, \u201eah, Venedig!\u201c. Dies ist ein Steven-Spielberg-Moment. Kein Schenkelklopfer, kein M\u00f6rdergag, aber etwas \u00fcberraschend Erheiterndes, das die Anspannung wieder l\u00f6st. Und es ist steter Beweis, dass das Wunderkind trotz Schindler, Amistad oder der lila Farbe nicht von seinem unbeschwerten, fast kindlich anmutenden Gem\u00fct lassen kann. Ob lustig oder dramatisch, funktioniert im Kino der emotionale Moment grunds\u00e4tzlich \u00fcber Identifikationsfiguren. Das ist Richard Dreyfuss, wenn er im \u201ewei\u00dfen Hai\u201c als Antwort auf Robert Shaws zerdr\u00fcckte Dose einen Kaffeebecher zwischen den Fingern zerquetscht. Aber es ist auch Haley Joel Osment, wenn er in \u201eA.I.\u201c einfach nur dasitzt und Jahrhunderte darauf wartet, bis die blaue Fee mit ihm spricht. Oder es ist Harrison Ford.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es ist ein Unternehmen der Herzen. Zwei der popul\u00e4rsten Produzenten und Regisseure b\u00fcndeln ihre Energie f\u00fcr ein Projekt, das im f\u00fcr den Umsatz entscheidenden Markt Amerika sonst kaum Chancen h\u00e4tte. F\u00fcr den zweiten Teil werden Regisseur und Produzent ihre Funktionen tauschen. Nicht so aufwendig wie das gegl\u00fcckte Wagnis \u201eHerr der Ringe\u201c, aber ein cineastisches Experiment, welches durchaus mit der in \u201eIndy\u201c aufgegangenen Kollaboration zwischen Lucas und Spielberg zu vergleichen ist. Lediglich der finanzielle und auch kulturelle Erfolg wird ein anderer sein. \u201eTim und Struppi\u201c entpuppt sich als Nonstop-Achterbahnfahrt, die kaum Verschnaufpausen l\u00e4sst. Richtig tiefgr\u00fcndig oder originell ist die Geschichte nicht, f\u00e4llt dabei allerdings \u00fcberhaupt nicht ins Gewicht. Die straffe und auf den Punkt gebrachte Regie macht alles andere wett. Tats\u00e4chlich haben Jackson und Spielberg einen der actionreichsten, dazu auch stimmigsten Abenteuerfilme auf die Leinwand gebracht, der in den letzten Jahren auf die Leinwand gekommen ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nicht weit von einem Jahrhundertwerk, h\u00e4tte man mit echten Schauspielern und klassischer Inszenierung gearbeitet. Steven Spielberg ist ein Schauspieler-Regisseur, und das ist das, was \u201eTim und Struppi\u201c leider vermissen l\u00e4sst. Es sind zum einen diese kalten toten Augen, die bei jedem Motion-Capture-Film sofort auffallen. Stellt sich die Frage, warum es bei \u201ePlanet der Affen\u201c funktioniert hat. Motion-Capture hat gro\u00dfe Fortschritte gemacht, doch viele Szenen entlarven das Verfahren immer noch durch manch unnat\u00fcrlich oder ungelenk wirkenden Ablauf in den Bewegungen. Hinzu kommt ein stereoskopisches Bild, das au\u00dfer einer gewissen R\u00e4umlichkeit nichts zur Erz\u00e4hlebene beizutragen versteht. Nicht einmal ein paar ins Auge springende Gimmicks g\u00f6nnen einem die Macher, obwohl sich das gerade bei diesem Film nicht nur anbieten, sondern auch rechtfertigen w\u00fcrde. Allein die Gewitter-Szene oder die Absturz-Sequenz h\u00e4tten mit diesen Techniken, in den H\u00e4nden dieser beiden begnadeten Filmemacher, Sternstunden des Kinos werden m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Bald kommt Spielbergs \u201eWar Horse\u201c in die Kinos. Ein Mann, ein Pferd, und beide mitten im Krieg. Das schreit f\u00f6rmlich nach einem Film mit vielen Spielberg-Momenten. Diesmal in anderer Richtung, wenn nach den wahrscheinlich reichlich \u00fcberstrapazierten melodramatischen Szenen zur Aufl\u00f6sung erst recht noch die Tr\u00e4nendr\u00fcse bem\u00fcht wird. Das funktioniert bei einem Regisseur, der nie so ganz die Grenzen der \u00dcberh\u00f6hung absch\u00e4tzen konnte. Aber man wird es hinnehmen, weil man das Herzblut sp\u00fcrt, das in der Inszenierung steckt. Herzblut, das bei \u201eTim und Struppi\u201c nur sichtbar wird, sich aber nicht \u00fcbertr\u00e4gt. So sch\u00e4lt sich aus einem eigentlich sehr guten Film eine brennende Frage: Warum l\u00e4uft er nicht wirklich rund? Und das bei einem Film, der eigentlich prall gef\u00fcllt ist mit Spielberg-Momenten.<\/span><\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-1856\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/tintin-tim-und-struppi\/tinitin-2\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1856 aligncenter\" title=\"Tinitin-2\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Tinitin-2.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"310\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Tinitin-2.jpg 550w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Tinitin-2-200x112.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Tinitin-2-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Darsteller: <strong>Jamie Bell, Andy Serkis, Daniel Craig, Nick Frost, Simon Pegg, Toby Jones, MacKenzie Crook, Daniel Mays, Gad Elmaleh<\/strong> u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie: <strong>Steven Spielberg<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Drehbuch:<strong> Steven Moffat, Edgar Wright, Joe Cornish<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Kamera: <strong>Michael Kahn<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: <strong>Michael Kahn<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Musik:<strong> John\u00a0 Williams<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Konzept Designer:<strong> Rebekha Tisch, Chris Guise<\/strong><\/em><br \/>\n<em> USA \/ 2011<\/em><br \/>\n<em> zirka <strong>107<\/strong> Minuten<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist ein Steven-Spielberg-Moment: Ein marodierender Panzer rumpelt durch die fiktive marokkanische Stadt Bagghar und schiebt in einer f\u00fcr den Regisseur typisch irrealen \u00dcberh\u00f6hung ein ganzes Hotel vor sich her. 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