{"id":1916,"date":"2011-11-23T17:56:03","date_gmt":"2011-11-23T16:56:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=1916"},"modified":"2012-01-05T10:40:15","modified_gmt":"2012-01-05T09:40:15","slug":"gott-des-gemetzels-carnage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/gott-des-gemetzels-carnage\/","title":{"rendered":"GOTT DES GEMETZELS  l\u00e4sst das St\u00fcck unversehrt"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1918\" title=\"carnage-1\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/carnage-1.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"258\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/carnage-1.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/carnage-1-155x200.jpg 155w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><span style=\"color: #000000;\">25 Jahre und 9 Filme nach \u201ePiraten\u201c versucht sich Roman Polanski erneut im komischen Bereich. Weder \u201ePiraten\u201c noch \u201eGott des Gemetzels\u201c sind wirklich Kom\u00f6dien, doch zumindest bei Letzterem sind die Figuren stets zu nah an einer tragischen Wirklichkeit, als dass man ihnen nur mit Humor begegnen kann. Als 2006 Yasmin Rezas St\u00fcck \u201eGott des Gemetzels\u201c Urauff\u00fchrung fand, wurde es umgehend zum B\u00fchnenklassiker. Und es beinhaltet alle Versatzst\u00fccke, welches ein St\u00fcck, das keine Kom\u00f6die ist, zu einem lustig-unterhaltsamen Programm macht. Man kennt die Figuren, man kennt ihre Ausreden, ihre Klischees, ihre Heucheleien und sogar ihre Routinen. Der Schauwert h\u00e4lt sich mit dem Fremdsch\u00e4mfaktor die Waage. Dem Menschsein nicht auf den Mund geschaut, aber tief in die Seele. \u201eGott des Gemetzels\u201c ist keine menschliche Trag\u00f6die, sondern die Entbl\u00f6\u00dfung einer Gesellschaft.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Film beginnt, wie es f\u00fcr die Figuren besser als Schluss gedient h\u00e4tte. Nachdem sich ihre beiden elfj\u00e4hrigen S\u00f6hne gepr\u00fcgelt hatten, einigen sich die Elternpaare Penelope und Michael Longstreet sowie Nancy und Alan Cowan auf die einvernehmliche Aussage gegen\u00fcber der Schulbeh\u00f6rde, dass alle Missverst\u00e4ndnisse gekl\u00e4rt seien und man sich zivilisiert des Themas angenommen habe. Der Zwischenfall soll vergeben und vergessen sein. Nancy und Alan Cowan sind bereits im Fahrstuhl, als das erste unvorsichtige Wort von Seiten der Longstreets f\u00e4llt. Was folgt ist eine wilde Demontage von zivilisiertem Verhalten und falscher Freundlichkeit. Ehrlichkeit wird auf einmal zu einer Waffe und Selbstbeherrschung zum Fremdwort. Das eigentliche Thema ist schnell vergessen. Die Konfrontationen nehmen immer bizarrere Formen an, die auch paar-\u00fcbergreifend eskalieren. Gegen Ende hei\u00dft es jeder gegen jeden, bis alles gesagt ist, auch wenn man nichts davon sagen und erst recht nichts h\u00f6ren wollte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Polanski, der mit Reza zusammen das Drehbuch umsetzte, inszenierte \u201eGott des Gemetzels\u201c sehr entspannt, fast an eine Boulevard-Kom\u00f6die erinnernd. Das Potenzial von Drama l\u00e4sst er nur erahnen, damit sich der Zuschauer auch auf das Sich-selbst-erkennen einlassen kann. Allerdings beschr\u00e4nkt sich die Inszenierung zu restriktiv auf den Charakter eines B\u00fchnenst\u00fccks. Pawel Edelmans Bilder g\u00f6nnen sich keine filmischen Finessen und engen den Zuschauer dadurch ein, dass die halbtotalen Bilder immerzu fokussieren. Es gibt kaum Nahaufnahmen, und noch weniger d\u00fcrfen sich die Figuren durch ihr Spiel erkl\u00e4ren. Yasmin Reza hat fantastische Figuren entworfen, die einen ph\u00e4nomenalen Querschnitt einer gesellschaftlichen Mittelschicht bilden. Aber es sind B\u00fchnenfiguren, die den Gro\u00dfteil \u00fcber Dialog transportieren m\u00fcssen. Mit einem Ensemble wie diesem versagt sich Polanski selbst sehr viele M\u00f6glichkeiten. Zumal die enorm kurze Laufzeit von 80 Minuten den Film grunds\u00e4tzlich zu schnell vorantreibt. Kein Zweifel, dass von allen vier Darstellern die Dialoge grandios ausgespielt werden. Doch das vorgegebene Tempo wirkt auf den Zuschauer zuweilen \u00fcberfordernd.<\/span><\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-1922\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/gott-des-gemetzels-carnage\/carnage-3\/\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1922\" title=\"Carnage-3\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Carnage-3.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"295\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Carnage-3.jpg 550w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Carnage-3-200x107.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Carnage-3-300x160.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/span><\/a><span style=\"color: #000000;\">Das eigentliche Kammerspiel ist eingebettet in die zwei einzigen Szenen, die im Freien spielen, was eigenartig deplatziert wirkt. Doch Polanski braucht diese Szenen, um den dramatischen Druck regulieren zu k\u00f6nnen. Was wiederum den restlichen Film zu auff\u00e4llig als b\u00fchnenartig inszeniertes St\u00fcck entlarvt. Damit hat der Regisseur dem St\u00fcck, seinen Aussagen und dessen raffinierten Blick auf die unterschwelligen T\u00f6ne sehr wohl Rechnung getragen. Filmisch allerdings ist \u201eGott des Gemetzels\u201c lediglich ein Tr\u00e4ger f\u00fcr vier au\u00dferordentliche Schauspieler, welche den Spa\u00df an der Tragik zu vermitteln verstehen, der im steten Fluss auf das Publikum \u00fcbergeht. Zum Gl\u00fcck war Polanksi nicht dem Reiz erlegen, das Broadway-Ensemble mit Jeff Daniels, Hope Davis, James Gandolfini und Marcia Gay Harden zu engagieren. Das brachte John C. Reilly zu einem seiner besten Auftritte. Foster und Winslet sind nat\u00fcrlich die anerkannten Schwergewichte des Gesch\u00e4fts, und Waltz ist immer mehr im Kommen. Doch bei \u201eGott des Gemetzels\u201c ist es Reilly, der mit einer entwaffnenden Nat\u00fcrlichkeit den Zuschauer durch die H\u00f6hen und Tiefen eines entbl\u00f6\u00dfenden Tages f\u00fchrt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">25 Jahre nach \u201ePiraten\u201c hat Roman Polanski sich wieder im komischen Bereich versucht, und das sehr erfolgreich. Was nat\u00fcrlich zum gr\u00f6\u00dften Teil Ysamin Reza zu verdanken ist, aber dem Regisseur muss man zugutehalten, dass er dieses erfolgreiche St\u00fcck nicht verw\u00e4ssert hat oder dessen Strukturen f\u00fcr eine bessere Kommerzialisierung auf den Kopf stellen lie\u00df. Der Schauwert h\u00e4lt sich mit dem Fremdsch\u00e4mfaktor die Waage. Und das ist doch schon wieder ein Grund, etwas genauer hinzusehen. Schlie\u00dflich ist es keine menschliche Trag\u00f6die, sondern die Entbl\u00f6\u00dfung einer Gesellschaft. Und dabei kann Fremdsch\u00e4men schnell einmal zur Selbsterkennung f\u00fchren, mit viel Freude und Gel\u00e4chter.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><a rel=\"attachment wp-att-1920\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/gott-des-gemetzels-carnage\/carnage-4\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1920\" title=\"Carnage-4\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Carnage-4.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"310\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Carnage-4.jpg 550w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Carnage-4-200x112.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Carnage-4-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><em>Darsteller:<\/em><br \/>\n<em> <strong>Jodie Foster <\/strong>&#8211; Penelope Longstreet<\/em><br \/>\n<em> <strong>Kate Winslet<\/strong> &#8211; Nancy Cowan<\/em><br \/>\n<em> <strong>John C. Reilly<\/strong> &#8211; Michael Longstreet<\/em><br \/>\n<em> <strong>Christoph Waltz<\/strong> &#8211; Alan Cowan<\/em><br \/>\n<em> <strong>Elvis Polanski <\/strong>und<strong> Eliot Berger<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Regie: <strong>Roman Polanski<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Drehbuch:<strong> Roman Polanski, Yasmina Reza<\/strong>, nach dem St\u00fcck von Yasmina Reza<\/em><br \/>\n<em> Kamera: <strong>Pawel Edelman<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: <strong>Herve de Luze<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Musik: <strong>Alexandre Desplat<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: <strong>Dean Tavoularis<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Frankreich \u2013 Deutschland \u2013 Polen \u2013 Spanien \/ 2011<\/em><br \/>\n<em> zirka<strong> 79 <\/strong>Minuten<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>25 Jahre und 9 Filme nach \u201ePiraten\u201c versucht sich Roman Polanski erneut im komischen Bereich. 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