{"id":19294,"date":"2022-07-11T07:00:48","date_gmt":"2022-07-11T05:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=19294"},"modified":"2022-07-11T00:39:59","modified_gmt":"2022-07-10T22:39:59","slug":"rifkins-festival","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2022\/rifkins-festival\/","title":{"rendered":"RIFKIN&#8217;s FESTIVAL"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=19296\" rel=\"attachment wp-att-19296\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-19296 size-full\" title=\"Copyright FILMWELT\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Rifkins-Festival-Copyright-FILMWELT.jpg\" alt=\"Rifkins Festival - Copyright FILMWELT\" width=\"264\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Rifkins-Festival-Copyright-FILMWELT.jpg 264w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Rifkins-Festival-Copyright-FILMWELT-217x300.jpg 217w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Rifkins-Festival-Copyright-FILMWELT-145x200.jpg 145w\" sizes=\"auto, (max-width: 264px) 100vw, 264px\" \/><\/a><strong>&#8211; Bundesstart 07.07.2022<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Man muss ganz weit zur\u00fcckblicken, ins Anfangsjahrzehnt seiner Karriere, da gibt in den Siebzigern tats\u00e4chlich Jahreszahlen, in denen kein Kinofilm von Woody Allen erschienen ist. In den 2010ern waren es nun schon 2018 und 2021, und es machte sich Hoffnung breit, Allen w\u00e4re endlich zur Vernunft gekommen, zwanghaft jedes Jahr einen Film zu ver\u00f6ffentlichen. Der verstohlene Wunsch war schon lange gegeben, der Filmautor w\u00fcrde sich und dem Publikum mehr Zeit f\u00fcr die Ausarbeitung seiner Geschichten und deren Inhalte g\u00f6nnen. 2022 ist in Deutschland nun ein Zwitterjahr, hier startet sein j\u00fcngstes Werk RIFKIN\u2019s FESTIVAL. Der ist allerdings von 2020, wurde aber wegen \u201aman darf raten warum\u2018 nicht gestartet. Und der Film selbst bringt die Frage auf, warum jetzt \u00fcberhaupt noch.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Geradezu entt\u00e4uschend ist die Bildgestaltung, ausgerechnet von Vittorio Storaro. Das Internationale Filmfestival von San Sebastian ist nach eigenem Bekunden, das beliebteste Filmfestival und das, mit den sch\u00f6nsten Erinnerungen von Woody Allen. In diesem Film schickt er dieses Mal den im europ\u00e4ischen Kino festgefahrenen Filmdozent und -kritiker Mort Rifkin als sein Alter Ego nach San Sebastian. Aber an den Gef\u00fchlen in dieser selbsternannten Liebeserkl\u00e4rung an diese Stadt, l\u00e4sst er den Zuschauer nicht teilhaben.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Storaro zeigt die Stadt und ihre Umgebung in hellen, teilweise strahlenden Bildern. Aber es fehlen die kr\u00e4ftigen Farben, und ganz einfach die nachvollziehbar fesselnden Motive. Etwas einfallslos, unterstreicht der Kameramann die Stimmungen mit auff\u00e4lliger Lichtgestaltung. Szenen mit Morts Gattin Sue sind mit kalten hellblauen Lichtkanten und \u2013fl\u00e4chen inszeniert. Was ziemlich plump die emotionale Beziehung des Paares reflektieren soll. Vielleicht eine Hommage an die ganz alte Schule, wenn man nachsichtig sein will.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Kommt Morts unverhoffter Schwarm und \u00c4rztin Jo Rojas ins Bild, werden sehr starke Lichtakzente mit warmen Oranget\u00f6nen eingesetzt. Da der Regisseur ohnehin sehr gerne in statischen, lange stehenden Einstellungen dreht, wird die hier genutzte Bildsprache sehr schnell sehr fad. Selbst Mort Rifkins Gedankeng\u00e4nge sind in ihrer originell gemeinten Absicht nicht nach ihrem Potenzial genutzt, die auf das Format 4:3 geschrumpft in schwarzwei\u00df gedreht, und szenisch an Klassiker des Kinos angelehnt sind.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Das in einem CITIZEN KANE-Traum aus Rosebud die Selbstm\u00f6rderin Rose Budnick wird, ist dabei noch die witzigste Hommage. Ansonsten beschr\u00e4nken sich in Morts Tagtr\u00e4umen die Anlehnung an Bu\u00f1uel, Bergman, Lelouch oder Truffaut eher auf einzelne ikonografische Motive. Die stilistischen Merkmale der Meister sind aber kaum getroffen, daher wirken die angedachten Verbeugungen ziemlich halbherzig. Viel mehr ist Allen an seinen ureigenen Motiven und Stilmitteln interessiert.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=19297\" rel=\"attachment wp-att-19297\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-19297 size-full\" title=\"Copyright FILMWELT\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Rifkins-Festival-1-Copyright-FILMWELT.jpg\" alt=\"Rifkins Festival 1 - Copyright FILMWELT\" width=\"640\" height=\"428\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Rifkins-Festival-1-Copyright-FILMWELT.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Rifkins-Festival-1-Copyright-FILMWELT-300x201.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Rifkins-Festival-1-Copyright-FILMWELT-200x134.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Managerin Sue, Gattin von Mort, verbringt mit dem aufstrebenden Regie-Wunderkind Philippe auffallend mehr Zeit als f\u00fcr die Termine w\u00e4hrend des Festivals n\u00f6tig sein m\u00fcsste. Das seine wesentlich j\u00fcngere Frau eventuell eine Aff\u00e4re begonnen haben k\u00f6nnte, scheint Mort nicht in den Sinn zu kommen. Seine Herzprobleme schiebt er stattdessen auf seine st\u00e4ndigen Sinnfragen, dabei begegnet er der jungen \u00c4rztin Joanna Roja. Mort und Jo beginnen eine platonische Beziehung, bei der sie nicht nur \u00fcber San Sebastian mehr erfahren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Auch in RIFKIN\u2019S FESTIVAL kann Woody Allen nicht wirklich verdeutlichen, wie sich der merkliche Altersunterschied zwischen seinem Alter Ego und den st\u00e4ndig massiv j\u00fcngeren Mitspielerinnen erkl\u00e4rt. Mort wirft ein zwei Dialogzeilen \u00fcber sein Verh\u00e4ltnis zu Sue ein, aber ein wirkliches Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die zwei extrem unterschiedlichen Figuren gewinnt man dabei auch nicht. Die Obsession f\u00fcr die Besetzung von viel j\u00fcngeren Frauen ist schon seit geraumer Zeit erm\u00fcdend.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Permanenz mit welcher der Filmautor an diesem provokante Stilmittel festh\u00e4lt ist erstaunlich. Wie hier eben auch, zeigt er nicht das geringste Interesse, die gegenseitige Anziehung von gegens\u00e4tzlichen Figuren charakterlich aufzudecken. W\u00e4hrend Wallace Shawn als Mort in typischer Allen-Manier lautstark \u00fcber den Sinn des Lebens sinniert, sinniert der Zuschauer \u00fcber die Motivationen der Filmfiguren. In kaum einem seiner Filme waren die Charaktere so aneinander vorbei inszeniert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">W\u00e4hrend im wirklichen Leben die Liebe \u00fcberall Platz finden kann, erwartet man von einer egal in welchem Stil gehaltenen Geschichte, einen Art Hintergrund, mit dem sich f\u00fcr die Zuschauenden die Figuren auch erschlie\u00dfen. In RIFKIN\u2019S FESTIVAL tun sie das nicht. Zudem erwecken alle Dialogszenen, als w\u00e4ren sie improvisiert. Es gibt sp\u00fcrbare Pausen, die Protagonisten suchen scheinbar nach Worten, S\u00e4tze wiederholen sich. Das mag ein bewusstes Stilmittel sein, hier funktioniert es aber nicht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Je nach Sichtweise, sollte man noch einmal zwei oder eben vier Jahre zur\u00fcck auf den stilistisch atemberaubenden WONDER WHEEL werfen. Eine fabelhaft ausgeglichene Romanze mit Krimi-Einschlag, die mit pointierten Spitzen hervorragend Laune macht. Ein Film, mit einer traumhaft \u00fcberragenden Kameraf\u00fchrung, welche die Magie des Kinos wiederspiegelt, ebenfalls von Vittorio Storaro. Das ist ein Film, den man von Woody Allen sehen will. Dazu m\u00fcsste er sich eben einfach etwas mehr Zeit g\u00f6nnen, und den Zuschauenden.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=19298\" rel=\"attachment wp-att-19298\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-19298 size-full\" title=\"Copyright FILMWELT\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Rifkins-Festival-2-Copyright-FILMWELT.jpg\" alt=\"Rifkins Festival 2 - Copyright FILMWELT\" width=\"640\" height=\"428\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Rifkins-Festival-2-Copyright-FILMWELT.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Rifkins-Festival-2-Copyright-FILMWELT-300x201.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Rifkins-Festival-2-Copyright-FILMWELT-200x134.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Darsteller: <strong>Wallace Shawn, Gina Gershon, Louis Garrel, Elena Anaya, Sergi L\u00f3pez, Richard Kind, Nathalie Poza<\/strong> u.a.<br \/>\nRegie &amp; Drehbuch: <strong>Woody Allen<\/strong><br \/>\nKamera: <strong>Vittorio Storaro<\/strong><br \/>\nBildschnitt: <strong>Alisa Lepselter<\/strong><br \/>\nMusik: <strong>Stephane Wrembel<\/strong><br \/>\nProduktionsdesign: <strong>Alain Bain\u00e9e<\/strong><br \/>\n<strong>Spanien, Italien, USA \/ 2020<\/strong><br \/>\n<strong>88<\/strong> Minuten<\/p>\n<h6>Bildrechte: <strong>FILMWELT Filmverleih<\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; Bundesstart 07.07.2022 Man muss ganz weit zur\u00fcckblicken, ins Anfangsjahrzehnt seiner Karriere, da gibt in den Siebzigern tats\u00e4chlich Jahreszahlen, in denen kein Kinofilm von Woody Allen erschienen ist. 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