{"id":19762,"date":"2022-10-15T07:07:55","date_gmt":"2022-10-15T05:07:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=19762"},"modified":"2022-10-10T23:43:18","modified_gmt":"2022-10-10T21:43:18","slug":"delias-gone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2022\/delias-gone\/","title":{"rendered":"DELIA&#8217;S GONE"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=19764\" rel=\"attachment wp-att-19764\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-19764 size-full\" title=\"Delias Gone - Copyright KINOSTAR\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Delias-Gone-Copyright-KINOSTAR.jpg\" alt=\"Delias Gone - Copyright KINOSTAR\" width=\"258\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Delias-Gone-Copyright-KINOSTAR.jpg 258w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Delias-Gone-Copyright-KINOSTAR-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Delias-Gone-Copyright-KINOSTAR-141x200.jpg 141w\" sizes=\"auto, (max-width: 258px) 100vw, 258px\" \/><\/a><strong>&#8211; auf Amazon Prime \/ US<\/strong><br \/>\n<strong>&#8211; Bundesstart 13.10.2022<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Es sind die Menschen in den Geschichten, weniger die Geschichten selbst, die Regisseur Robert Budreau interessieren. Nicht der typische Karriereverlauf des Trompeters Chet Baker in BORN TO BE BLUE, sondern dessen Motivationen und innerlichen Zerw\u00fcrfnisse. Nicht der absonderlich absurde Bank\u00fcberfall der in STOCKHOLM dem Syndrom den Namen gab, sondern das Wesen tief unter den bekannten Figuren. In DELIA&#8217;S GONE ist es ein geistig eingeschr\u00e4nkter Mensch, der den Tod seiner Schwester verstehen will. Louis will nicht aufkl\u00e4ren, oder bestrafen, er will es verstehen. Das ist ein sehr vielversprechender Ansatz, weil er neben der bekannten Spur von gewohnten Rachethrillern l\u00e4uft. Und die Darsteller daf\u00fcr hat der kanadische Filmemacher. Tomei, Hauser und der immer wieder untersch\u00e4tzte Stephan James. Und nicht zu vergessen, der hier sehr gut gegen seinen bisherigen Typus besetzte Travis Fimmel.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Stephan James spielt den nach einem Unfall gehirngesch\u00e4digten Louis in konstanter Unruhe, was auch den Ton des Films mitbestimmt. Seine Behinderung macht ihn fahrig und unsicher, immerzu vergewissert er sich mit hektischen Blicken. Louis hat Angst Fehler zu machen, hat Angst etwas nicht zu verstehen. Er ist sich seiner Situation durchaus bewusst, gerade weil er Fehler macht und vieles nicht sofort versteht. Nur mimisch h\u00e4tte sich James zur\u00fcck nehmen k\u00f6nnen, es lenkt oftmals von seiner \u00fcberzeugenden Unsicherheit ab.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Schwester Delia k\u00fcmmert sich aufopferungsvoll um Louis, deswegen hat sie auch eine Waffe im Handschuhfach. Denn meist reicht die Sozialunterst\u00fctzung nicht, da muss sie Louis&#8216; Medikamente auf andere Weise besorgen. Doch nach einem Streit liegt Delia tot auf dem Boden, und ihr Bruder kann sich an nichts erinnern. Nach Verb\u00fc\u00dfung seiner Haftstrafe trifft Louis auf Stacker, einer der Delia zuletzt lebend gesehen hat. Um Licht ins Dunkel zu bringen, begibt sich Louis auf Spurensuche, und die wird h\u00e4sslich und brutal.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Inszenierung von Robert Budreau ist gepr\u00e4gt von Versuchen, Handlungselemente und Charakterzeichnungen anders zu inszenieren, als in bekannten Genre-Modellen. Dazu geh\u00f6rt in erster Linie, dass Louis&#8216; Antrieb eben nicht Vergeltung ist, sondern sein Drang nach Verst\u00e4ndnis. Sehr geschickt stellt Budreau auch die typische Schwarzwei\u00dfmalerei diverser Figuren auf den Kopf, die Jahre nach den unheilvollen Ereignissen um Delia, selbst mit Schuld und S\u00fchne zum k\u00e4mpfen haben.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Brad Bairds Musikuntermalung ist mit ihren sp\u00e4rlichen Kl\u00e4ngen nicht au\u00dfergew\u00f6hnlich, aber sie erzeugt eine vibrierende Grundstimmung welche die Atmosph\u00e4re des Films zusammen mit Louis&#8216; rastloser Unsicherheit entscheidend pr\u00e4gt. DELIA&#8217;S GONE ist kein Thriller der sich dem sonst vorherrschenden R\u00e4tselraten verschreibt, sondern behandelt wie ein Ereignis Menschen ver\u00e4ndert. Es w\u00e4re vorteilhaft gewesen, h\u00e4tte Kameramann Steve Cosens diese abgewandelten Aspekte auch optisch aufgegriffen. Aber die bildliche Umsetzung ist bestenfalls zweckdienlich.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=19765\" rel=\"attachment wp-att-19765\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-19765 size-full\" title=\"Delias Gone 1 - Copyright KINOSTAR\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Delias-Gone-1-Copyright-KINOSTAR.jpg\" alt=\"Delias Gone 1 - Copyright KINOSTAR\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Delias-Gone-1-Copyright-KINOSTAR.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Delias-Gone-1-Copyright-KINOSTAR-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Delias-Gone-1-Copyright-KINOSTAR-200x133.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Marisa Tomei zeigt sich mit \u00fcberzogenen Manierismen im vollen Al Pacino Modus, was insofern unvorteilhaft ist, weil diese Art zu spielen selbst Al Pacino in seinen letzten Filmen unglaubw\u00fcrdig erscheinen l\u00e4sst. Sie hat st\u00e4rkere, anspruchsvollere Rollen gespielt, ohne in dieser Weise \u00fcberspielen zu m\u00fcssen. Das macht ausgerechnet Tomei und ihre Rolle als undurchsichtige Polizistin zum wirklichen Stolperstein in der ohnehin nicht rund laufenden Geschichte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Beziehung zwischen Sheriff Bo Walton und Bundespolizistin Fran Boyed wird nie richtig erschlossen. Noch vor den Ereignissen war Fran Sheriff und Bo ihr Deputy. Jetzt haben sich die Zust\u00e4ndigkeiten verkehrt, woher aber die aggressive Stimmung zwischen ihnen r\u00fchrt, kann nur erahnt werden. Ihr respektloses und die Positionen missachtendes Verhalten, und seine unterw\u00fcrfige Zur\u00fcckhaltung kann auf eine gescheiterte Aff\u00e4re hindeuten. Gleichsam spricht aber irref\u00fchrenderweise vieles in deren Dialogen und Handeln auch dagegen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">W\u00e4hrend Paul Walter Hauser wieder einmal sehr einnehmend seiner Rolle gerecht wird, erschlie\u00dfen sich sein und Tomeis Charakter nicht wirklich. Auch wenn der Verlauf zwei \u00dcberraschungen f\u00fcr die Figuren bereith\u00e4lt, \u00e4ndert es nichts daran, dass sie von Louis&#8216; Suche ablenken. Denn paradoxerweise w\u00e4re sie tats\u00e4chlich die interessanteren Charaktere, wenn sich das Drehbuch darauf eingelassen h\u00e4tte. Das Spiel von Marisa Tomei au\u00dfer Acht gelassen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Anfang des dritten Aktes tritt der Film dann auch noch aus seiner eigentlichen Erz\u00e4hlstruktur aus. Mit einem unpassenden Szenenwechsel werden Zusammenh\u00e4nge erl\u00e4utert, die eigentlich im Verlauf \u00fcber Louis&#8216; Spurensuche erkl\u00e4rt werden m\u00fcssten. Robert Budreau verliert gegen Ende das inszenatorische Gef\u00fchl zur dramaturgischen Aufl\u00f6sung. Es scheint, als h\u00e4tte er mit dem Finale nichts anfangen k\u00f6nnen, in dem sich eigentlich die emotionale Aufladung jeder beteiligten Figuren explosionsartig entladen m\u00fcsste. Den Zuschauenden bleibt eine unaufgeregte Abfolge von Erkl\u00e4rungen die in einer absehbaren Situation kulminieren, die durch die schwache Inszenierung kaum ber\u00fchrt. F\u00fcr eine Geschichte um Schuld und S\u00fchne, wird es den Figuren nicht gerecht, und ist dem Genre zwischen Thriller und psychologischem Drama nicht angemessen.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=19766\" rel=\"attachment wp-att-19766\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-19766 size-full\" title=\"Delias Gone 2 - Copyright KINOSTAR\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Delias-Gone-2-Copyright-KINOSTAR.jpg\" alt=\"Delias Gone 2 - Copyright KINOSTAR\" width=\"640\" height=\"396\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Delias-Gone-2-Copyright-KINOSTAR.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Delias-Gone-2-Copyright-KINOSTAR-300x186.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Delias-Gone-2-Copyright-KINOSTAR-200x124.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Darsteller: <strong>Stephan James, Marisa Tomei, Paul Walter Hauser, Travis Fimmel, Genelle Williams, Hmza Haq, Billy MacLellan<\/strong> u.a.<br \/>\nRegie: <strong>Robert Budreau<\/strong><br \/>\nDrehbuch: <strong>Robert Budreau, Michael Hamblin<\/strong><br \/>\nKamera: <strong>Steve Cosens<\/strong><br \/>\nBildschnitt: <strong>Geoff Ashenhurst<\/strong><br \/>\nMusik: <strong>David Braid<\/strong><br \/>\nProduktionsdesign: <strong>Zazu Myers<\/strong><br \/>\n<strong>Kanada, USA \/ 2022<\/strong><br \/>\n<strong>90<\/strong> Minuten<\/p>\n<h6>Bildrechte: <strong>KINOSTAR<\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; auf Amazon Prime \/ US &#8211; Bundesstart 13.10.2022 Es sind die Menschen in den Geschichten, weniger die Geschichten selbst, die Regisseur Robert Budreau interessieren. 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