{"id":20199,"date":"2023-01-19T07:07:51","date_gmt":"2023-01-19T06:07:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=20199"},"modified":"2023-01-17T23:50:46","modified_gmt":"2023-01-17T22:50:46","slug":"babylon-rausch-der-ekstase","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2023\/babylon-rausch-der-ekstase\/","title":{"rendered":"BABYLON &#8211; Rausch der Ekstase"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=20201\" rel=\"attachment wp-att-20201\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-20201 size-full\" title=\"Babylon - Copyright PARAMOUNT PICTURES\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Babylon-Copyright-PARAMOUNT-PICTURES.jpg\" alt=\"Babylon - Copyright PARAMOUNT PICTURES\" width=\"258\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Babylon-Copyright-PARAMOUNT-PICTURES.jpg 258w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Babylon-Copyright-PARAMOUNT-PICTURES-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Babylon-Copyright-PARAMOUNT-PICTURES-141x200.jpg 141w\" sizes=\"auto, (max-width: 258px) 100vw, 258px\" \/><\/a><strong>&#8211; Bundesstart 19.01.2023<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">BABYLON ist ein leidlich ertr\u00e4gliches Fiasko an Anachronismen, inkoh\u00e4renter Struktur, fehlendem Rhythmus und kreativer Willk\u00fcr. Es gibt nur wenige bedeutende Szenen in Damien Chazelles \u00fcberlangen Machwerk, die mitrei\u00dfen, bewegen und durch Scharfsinn \u00fcberzeugen. Aber wirklich getragen wird BABYLON von lauten, ausufernden und, im negativen Sinne, Nerven aufreibender Sequenzen. Und das mit einer aufdringlich inszenierten Hauptdarstellerin, die erneut beweist, dass ihr Hysterie und Aufdringlichkeit mehr liegt, als nuanciertes Schauspiel. BABYLON ist ein \u00fcberzogener Abriss eines Hollywoods, wie es durch Legenden, Neider und der Klatschpresse geschaffen wurde. Nicht das es die ausschweifenden Exzesse auf Partys oder Filmsets nicht gegeben haben soll, das steht au\u00dfer Frage. Aber Damien Chazelles beabsichtigter, frenetischer Inszenierungsstil macht es unm\u00f6glich auch nur im Ansatz vermuten zu k\u00f6nnen, wo die Grenzen von kreativem Wahn und gesetzter Wirklichkeit verlaufen k\u00f6nnten.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Von 1926 an, zum Tonfilm, bis in die 1930er, mit einem Epilog Mitte der 50er. Hauptprotagonist ist eigentlich Manuel Torres, verk\u00f6rpert von Diego Clava, der mit diesem, seinem Hollywood-Deb\u00fct durch seine unglaublich eindringliche Zur\u00fcckhaltung begeistert. Der ausgewanderte Mexikaner tr\u00e4umt eigentlich davon beim Film zu arbeiten, ist aber bei Medienmogul Randolph Hearst als Laufbursche gestrandet. Im Film fungiert Manny, wie er sich sp\u00e4ter nennen wird, als Beobachter stellvertretend f\u00fcr das Publikum. Eher unfreiwillig wird er zum Helfer und Vertrauten des aufstrebenden Starlet Nellie LaRoy und dem gefeierten Schauspieler und Produzenten Jack Conrad.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">LaRoy und Conrad sind Figuren die sich am Starlet Clara Bow und dem Schauspieler John Gilbert orientieren &#8211; dem sogenannten, skandaltr\u00e4chtigen &#8218;It-Girl&#8216;, und dem bis zum Ende der 30er h\u00f6chstbezahlten Darsteller beim Film. Wirkliche Biografien sind das nat\u00fcrlich nicht, denn Damien Chazelle ist viel mehr daran interessiert eine Farce zu pr\u00e4sentieren, die den Aufbruch von Hollywood mit \u00fcberzogenem Witz und viel Sarkasmus nachstellt. Selbst mit dem roten Faden von Bow und Gilbert alias Nellie LaRoy und Jack Conrad verkommt BABYLON zu einer Nummernrevue von aberwitzig unterschiedlichen Ausrichtungen und Qualit\u00e4ten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der gr\u00f6\u00dfte Anteil an Sequenzen ist laut und hektisch, was ganz offensichtlich als dynamisch und aufw\u00fchlend angedacht war, aber nur nervenzehrend wirkt. Die visuelle Umsetzung ist eigentlich tadellos, es scheitert schlichtweg an Ideen in der Inszenierung. Das Team Linus Sandgren an der Kamera, Tom Cross im Schnitt und Justin Hurwitz mit der Musik, haben mit dem Regisseur schon in variierenden Konstellationen bei WHIPLASH, LA LA LAND, FIRST MAN, und NO TIME TO DIE zusammengearbeitet. Die Kamera wei\u00df immer genau was sie tut und wo sie hin muss, setzt das aber unentwegt mit schwindelerregenden Zufahrten und Tracking-Shots um. Der Schnitt pulsiert regelrecht. Das Team erg\u00e4nzt sich hervorragend. Nur das die freigesetzte Energie erm\u00fcdet anstatt zu mitzurei\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Nach dem ersch\u00f6pfenden Opening, das immerhin 30 Minuten dauert, hat Justin Hurwitz\u2019 Soundtrack die Geduld mit seinem einf\u00e4ltigen Hauptthema bereits ausreichend strapaziert. Der stampfende Rhythmus und die qu\u00e4kenden Instrumente dominieren unabl\u00e4ssig die meisten, ohnehin \u00fcberfrachteten Szene. Das Thema langweilt wegen gnadenloser \u00dcbers\u00e4ttigung dann selbst im zur\u00fcckgenommenen Ragtime. Denn 189 Minuten werden zu einer unendlich scheinenden Zeitspanne, wenn Chazelle es fertig bringt, das Hauptthema von Justin Hurwitz in fast jeder Szene variationslos zu verwenden.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=20203\" rel=\"attachment wp-att-20203\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-20203 size-full\" title=\"Babylon1 - Copyright PARAMOUNT PICTURES\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Babylon1-Copyright-PARAMOUNT-PICTURES.jpg\" alt=\"Babylon1 - Copyright PARAMOUNT PICTURES\" width=\"640\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Babylon1-Copyright-PARAMOUNT-PICTURES.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Babylon1-Copyright-PARAMOUNT-PICTURES-300x126.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Babylon1-Copyright-PARAMOUNT-PICTURES-200x84.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Hier ein f\u00fcr eine halbe Sekunde ein kopulierendes Paar, dort ein fl\u00fcchtiger nackter Oberk\u00f6rper in der Menge, und jede Menge jubelnder und jauchzender Party-G\u00e4nger. Das macht aber lange nicht das skandal\u00f6ses Ambiente, mit dem sich BABYLON scheinbar gerne einh\u00fcllen w\u00fcrde. Mittendrin immer wieder Anleihen bei wahren Begebenheiten, wie Fatty Arbuckles t\u00f6dliche Vergewaltigung an Virginia Rappe. Was letztendlich alles irrelevant und nichtig wird, weil Damien Chazelle die realen Ereignisse nicht in einen nachvollziehbaren Kontext zu seiner Erz\u00e4hlung zu setzen versteht. Trag\u00f6dien verkommen zu Schauwerten. Der Vorwand der Satire zerst\u00f6rt die eigentliche Leidenschaft hinter dem seinerzeit tats\u00e4chlich existierenden Chaos des damaligen Produktionsbetriebes.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Drei au\u00dferordentliche Szenen in BABYLON verdeutlichen, wie verkehrt Damien Chazelle mit dem ganzen Rest seiner Inszenierung liegt. Als Estelle Conrad, die vom Theater kommt, Jack bei einer Drehbuchlesung helfen m\u00f6chte, verf\u00e4llt der fallende Filmstar in eine flammende Wutrede. Lautstark tobt er sich \u00fcber die Faszination, Macht und Wirkung des Kinos aus. Jack Conrads Worte treffen dabei den Kern, der auch heute noch G\u00fcltigkeit besitzt, um die Bedeutung f\u00fcr das Kino zu verdeutlichen. Jemanden die beste Rolle seiner bisherigen Karriere zu bescheinigen, ist meistens eine begeisterte \u00dcberreaktion aus dem Moment heraus. Aber bei Brad Pitt sollte dies f\u00fcr BABYLON in Betracht gezogen werden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Mit Diego Calva ist Brad Pitt einer der wenigen Faktoren, die diesen Film einen gewissen Wert abringen. Gegen Ende wird die Klatschkolumnistin Elinor St. John einen am Boden zerst\u00f6rten Jack Conrad erkl\u00e4ren, warum seine Karriere beendet ist, und wie unbedeutend dieses Ende f\u00fcr die Geschichte von Hollywood sein wird. Jean Smart erreicht hier mit ihrer ruhigen, aber sehr eindringlichen Stimme einen erstklassigen G\u00e4nsehaut-Moment. Sie ist neben Manny und Jack die am besten beschriebene Figur, bei der Smart nie gro\u00dfe Gesten ben\u00f6tigt., Nach der Wutrede ist es genau diese Szene, mit der Brad Pitt, nur auf seinen Gesichtsausdruck beschr\u00e4nkt, als einer der gro\u00dfartigsten Darsteller seiner Zeit nicht mehr in Frage gestellt werden darf.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Musiker Sidney Palmer ist ein Schwarzer, der es eigentlich in Hollywood geschafft hat. Bis zu dem Moment, wo seine Haut doch noch zu hell f\u00fcr die Kamera ist. Was folgt, fasst die ganze, heute noch best\u00e4ndige Verlogenheit und den bitteren Zynismus in der Industrie zusammen. Als Palmer kann Jovan Adepo in nur einer Einstellung den ganzen Schmerz transportieren, der mit den Dem\u00fctigungen und psychischen Wunden im Show-Gesch\u00e4ft bis heute einhergeht. Szenen wie diese h\u00e4tten BABYLON zu einem Juwel gemacht. Aber Damien Chazelle wollte offensichtlich etwas anderes. Und was er im Zuge dessen an realen Personen und tats\u00e4chlichen Ereignissen eingewoben hat, schmerzt und ergibt kaum Sinn.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201eWir alle k\u00f6nnen ersetzt werden, und wir werden ersetzt. Was aber bleibt ist die Idee von Hollywood. Diese Idee ist gr\u00f6\u00dfer als wir alle.\u201c Es sind sicherlich keine neuen philosophischen Ans\u00e4tze um das Ph\u00e4nomen Hollywood zu erkl\u00e4ren. So wie es aber Jean Smart sagt, geh\u00f6rt es zu den wenigen Momenten in diesem Film, die unter die Haut gehen. Und diese Worte sind Synonym f\u00fcr diesen Film, der nicht ann\u00e4hernd an das heranreicht, was er eigentlich vorgibt zu sein.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=20202\" rel=\"attachment wp-att-20202\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-20202 size-full\" title=\"Babylon 2 - Copyright PARAMOUNT PICTURES\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Babylon-2-Copyright-PARAMOUNT-PICTURES.jpg\" alt=\"Babylon 2 - Copyright PARAMOUNT PICTURES\" width=\"640\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Babylon-2-Copyright-PARAMOUNT-PICTURES.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Babylon-2-Copyright-PARAMOUNT-PICTURES-300x126.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Babylon-2-Copyright-PARAMOUNT-PICTURES-200x84.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Darsteller: <strong>Brad Pitt, Jean Smart, Diego Calva, Jovan Adepo, Olivia Wilde, Margot Robbie,\u00a0 Lukas Haas, Tobey Maguire, Flea, Max Minghella, Li Jun Li, Eric Roberts<\/strong> u.a.<br \/>\nRegie &amp; Drehbuch: <strong>Damien Chazelle<\/strong><br \/>\nKamera: <strong>Linus Sandgren<\/strong><br \/>\nBildschnitt: <strong>Tom Cross<\/strong><br \/>\nMusik: <strong>Justin Hurwitz<\/strong><br \/>\nProduktionsdesign: <strong>Florencia Martin<\/strong><br \/>\n<strong>USA \/ 2022<\/strong><br \/>\n<strong>189<\/strong> Minuten<\/p>\n<h6>Bildrechte:<strong> PARAMOUNT PICTURES<\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; Bundesstart 19.01.2023 BABYLON ist ein leidlich ertr\u00e4gliches Fiasko an Anachronismen, inkoh\u00e4renter Struktur, fehlendem Rhythmus und kreativer Willk\u00fcr. 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