{"id":20365,"date":"2023-02-10T06:00:52","date_gmt":"2023-02-10T05:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=20365"},"modified":"2023-02-09T21:05:49","modified_gmt":"2023-02-09T20:05:49","slug":"die-aussprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2023\/die-aussprache\/","title":{"rendered":"DIE AUSSPRACHE"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/women-talking-copyright-orion-releasing\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-20362 size-full\" title=\"Women Talking - Copyright ORION RELEASING\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Women-Talking-Copyright-ORION-RELEASING.jpg\" alt=\"Women Talking - Copyright ORION RELEASING\" width=\"258\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Women-Talking-Copyright-ORION-RELEASING.jpg 258w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Women-Talking-Copyright-ORION-RELEASING-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Women-Talking-Copyright-ORION-RELEASING-141x200.jpg 141w\" sizes=\"auto, (max-width: 258px) 100vw, 258px\" \/><\/a><strong>WOMEN TALKING<a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2021\/two-distant-strangers\/oscars21\/\" rel=\"attachment wp-att-16322\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-16322 alignright\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Oscars21.jpg\" alt=\"\" width=\"46\" height=\"123\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Oscars21.jpg 100w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Oscars21-75x200.jpg 75w\" sizes=\"auto, (max-width: 46px) 100vw, 46px\" \/><\/a><\/strong><br \/>\n<strong>&#8211; Bundesstart 12.02.2023<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Wo die Geschichte angesiedelt ist, bleibt zuerst vage. M\u00e4dchen und Frauen in identischen Gew\u00e4ndern und Hauben, Jungs und M\u00e4nner in karierten Hemden mit Denim-Latzhosen. Es ist eine unwirklich anmutende Szenerie, bei der Bildgestalter Luc Montepellier die Farben fast verschwinden l\u00e4sst. Der Film baut sich auf wie eine Allegorie auf die Anf\u00e4nge der Emanzipationsbewegung. Es gibt drei gemalte Bilder unter denen Frauen ihr Kreuz zur Abstimmung machen k\u00f6nnen. Sie k\u00f6nnen weder lesen noch schreiben. Die Bilder stehen f\u00fcr aufgeben, k\u00e4mpfen und weggehen. Es sind Optionen, was f\u00fcr eine Haltung die Frauen in der Gemeinde gegen die M\u00e4nner und gegen gew\u00e4ltt\u00e4tige Repressalien einnehmen werden. Und Sarah Polley inszeniert das so strukturiert und bildlich raffiniert, dass die stark verblasste Farbpalette die wortlos inszenierte, aufkommende Spannung noch intensiviert.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Da ist die zynische Mariche, die w\u00fctende Salome, die besonnene Ona, die altersweise Agata, oder die konservative Janz. Es gibt noch mehr M\u00e4dchen und Frauen, die sich an der Aussprache beteiligen, aber es sind diese Frauen, die jeweils eine emotionale Richtung in der Debatte um die Zukunft der Gemeinde verk\u00f6rpern. Um die Zukunft ihrer aller Leben. Durch die stringent gehaltene Richtung jeder einzelnen Frau, werden die Dialogpassagen wesentlich konzentrierter, was auch Wiederholungen vermeidet. Eigentlich ist der gesamte Film ein Dialog.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Es wird also sehr viel geredet, was um L\u00e4ngen spannender ist, als es das Publikum f\u00fcr m\u00f6glich halten w\u00fcrde. Umso auff\u00e4lliger sind dann die Handlungsteile au\u00dferhalb der Scheune. Polley inszeniert diese Abschnitte mit einem Hauch unheilvoller Mystik durch hohe Kontraste und starke Schatten, und vor allem ohne Dialog oder Erkl\u00e4rtext. Der Mann wird zum metaphysischem Ph\u00e4nomen. Im oberen Teil der gro\u00dfen Scheune, kommt es zum unabl\u00e4ssigen Abw\u00e4gen, wie konsequent und mit welcher Konsequenz sich die Frauen aus der strikten Ordnung ihres Lebens befreien k\u00f6nnen oder m\u00fcssen. Dieses Leben voller Demut und verordneter Selbstaufgabe.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">W\u00e4re am Ende der Ausbruch aus dem Kreislauf von Gewalt und Unterdr\u00fcckung doch ein S\u00fcnde, die mit dem Zorn Gottes einhergehen w\u00fcrde, und damit Exkommunikation zur Folge h\u00e4tte. So prophezeit es jedenfalls Janz, die einzige mit konkreter Haltung gegen ein m\u00f6gliches Aufbegehren. Ausgerechnet Janz, die ihren Beinamen Scarface der gro\u00dfen Narbe im Gesicht verdankt. Wie es zu der Entstellung kam, muss nicht erkl\u00e4rt werden. Frances McDormand verk\u00f6rpert Janz mit merklichem Argwohn gegen die zweifelnden Frauen. Und McDormand war es, die umgehend die Filmrechte erwarb, als Miriam Toews Roman 2018 erschien.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Regisseurin Sarah Polley, Ende der 1990er erfolgreiche Hoffnungstr\u00e4gerin im Independent-Film, erarbeitete umgehend Konzepte und Drehbuchentw\u00fcrfe, noch bevor sie gegen\u00fcber McDormand ihr Interesse an der Verfilmung bekundete. Polleys merkliche Leidenschaft \u00fcbertr\u00e4gt sich umgehend auf die Leinwand. Die k\u00fcnstlerische wie inhaltliche Umsetzung ist brillant. Wie die unaufdringlichen Details im Kost\u00fcm-Design, dass jeder Familie einen eigenen Entwurf in den Gew\u00e4ndern mit zugewiesenen Farbt\u00f6nen gibt. Auch wenn das wegen der zur\u00fcckgesetzten Farbintensit\u00e4t schwer zu identifizieren ist. Aber es ist so, und unterstreicht die Hingabe aller Gewerke.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/women-talking-2-copyright-orion-releasing\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-20364 size-full\" title=\"Women Talking 2 - Copyright ORION RELEASING\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Women-Talking-2-Copyright-ORION-RELEASING.jpg\" alt=\"Women Talking 2 - Copyright ORION RELEASING\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Women-Talking-2-Copyright-ORION-RELEASING.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Women-Talking-2-Copyright-ORION-RELEASING-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Women-Talking-2-Copyright-ORION-RELEASING-200x133.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Doch in erster Linie ist es Luc Montepelliers Kameraf\u00fchrung. Ohne die w\u00e4re trotz Polleys unglaublich fokussierten Regie, die Erz\u00e4hlung nie so intensiv. Die Regisseurin kann sehr viel erkl\u00e4ren, ohne das Publikum mit Begleittexten zu bevormunden. Was sich gut in der Eingangssequenz mit der verletzten Ona zeigt, deren Bedeutung erst im weiteren Verlauf verst\u00e4ndlich wird. So gewinnt DIE AUSSPRACHE eindringliche Spannung, ohne manipulative Effekthascherei oder lehrhaften Zeigefinger. Das wichtigste sind aber die Gespr\u00e4chspassagen, was im Normalfall zu erm\u00fcdenden L\u00e4ngen f\u00fchrt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Und Essenz dieses Films sind eben ausgedehnte Dialogsequenzen. Das k\u00f6nnen nur wenige Menschen wirklich ansprechend inszenieren, wenn der gewichtige Ton in der Stimmung erhalten bleiben muss. Polley kann das, mit einer faszinierenden Koordination von Einstellungen und Schnitt \u2013 und dem \u00fcberw\u00e4ltigenden Ensemble. Auf die Darstellerinnen einzeln einzugehen, w\u00fcrde nur den Rahmen sprengen, und auch nichts Neues \u00fcber sie erz\u00e4hlen. Rooney Mara, Jessie Buckley oder Claire Foy, die Namen der jungen aber bereits festen Gr\u00f6\u00dfen im Gesch\u00e4ft sprechen f\u00fcr sich. Sch\u00f6n das Judith Ivey wieder einmal in einer angemessen anspruchsvollen Rolle zu sehen ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Eines der nebens\u00e4chlich wirkenden Details, ist die Erw\u00e4hnung das DIE AUSSPRACHE im Jahr 2010 spielt. Die Romanautorin Miriam Toews, die mit Polley am Drehbuch arbeitete, ist selbst Mennonitin. Ihre Erz\u00e4hlung ist eine wahre Geschichte aus einer abgeschiedenen und streng von modernen Einfl\u00fcssen isolierten Mennoniten-Gemeinde. Innerhalb der Glaubensgemeinschaft bet\u00e4ubten M\u00e4nner die Frauen um sie zu missbrauchen und auch zu schw\u00e4ngern. Der Glaube an die Sache und die Angst vor Exkommunikation machte es den Frauen lange unm\u00f6glich darauf zu reagieren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Aber die Grenzen zwischen Gestern und Heute verschwimmen. DIE AUSSPRACHE ist Allegorie auf die Emanzipationsbewegung, und gleichzeitig ein aktueller Kommentar \u00fcber die Rolle der Gesellschaft gegen\u00fcber Frauen. Aber vorrangig ist der Film starkes Kino mit hohem Anspruch. Sarah Polley setzt ihrem Film den Titel von Toews Roman voran \u2013 <strong>&#8218;Dies ist ein Akt weiblicher Vorstellungskraft&#8216;.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/women-talking-1-copyright-orion-releasing\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-20363 size-full\" title=\"Women Talking 1 - Copyright ORION RELEASING\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Women-Talking-1-Copyright-ORION-RELEASING.jpg\" alt=\"Women Talking 1 - Copyright ORION RELEASING\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Women-Talking-1-Copyright-ORION-RELEASING.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Women-Talking-1-Copyright-ORION-RELEASING-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Women-Talking-1-Copyright-ORION-RELEASING-200x133.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Darsteller: <strong>Rooney Mara, Judith Ivey, Emily Mitchell, Frances McDormand, Jessie Buckley, Claire Foy, Kate Hallett, Ben Whishaw<\/strong> u.a.<br \/>\nRegie:<strong> Sarah Polley<\/strong><br \/>\nDrehbuch: <strong>Sarah Polley, Miriam Toews<\/strong><br \/>\nKamera: <strong>Luc Montepellier<\/strong><br \/>\nBildschnitt:<strong> Christopher Donaldson, Roslyn Kalloo<\/strong><br \/>\nMusik: <strong>Hildur Gu\u00f0nad\u00f3ttir<\/strong><br \/>\nProduktionsdesign:<strong> Peter Cosco<\/strong><br \/>\n<strong>USA \/ 2022<\/strong><br \/>\n<strong>104<\/strong> Minuten<\/p>\n<h6>Bildrechte: <strong>ORION RELEASING<\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WOMEN TALKING &#8211; Bundesstart 12.02.2023 Wo die Geschichte angesiedelt ist, bleibt zuerst vage. 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