{"id":2062,"date":"2011-12-14T19:35:00","date_gmt":"2011-12-14T18:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=2062"},"modified":"2011-12-14T19:48:26","modified_gmt":"2011-12-14T18:48:26","slug":"let-me-in","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/let-me-in\/","title":{"rendered":"LET ME IN l\u00e4sst keinen au\u00dfen vor"},"content":{"rendered":"<h5><a rel=\"attachment wp-att-2066\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/let-me-in\/let-me-in-1\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2066\" title=\"Let-Me-In-1\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Let-Me-In-1.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Let-Me-In-1.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Let-Me-In-1-149x200.jpg 149w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><span style=\"color: #800000;\">Grundlage f\u00fcr die Besprechung ist die amerikanische DVD-Fassung, welche sich abgesehen von der Sprache, nicht von der deutschen Kinofassung unterscheiden sollte:<br \/>\n<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das amerikanische Publikum weigert sich vehement dagegen, synchronisierte Filme anzusehen. Eigentlich ein feiner Zug, w\u00e4re da nicht die unangebrachte, aber ebenso vehemente Weigerung, Filme mit Untertitel zu akzeptieren. Mit Ausnahme des Arthouse-Publikums vielleicht, aber das ist bekanntlich verschwindend gering im Vergleich zum umsatzbringenden Mainstream. Dies l\u00e4sst so verwirrende Stilbl\u00fcten wachsen, wie die franz\u00f6sische Produktion \u201eMein Vater, der Held\u201c mit Gerard Depardieu, die drei Jahre sp\u00e4ter in Amerika neu verfilmt wurde, ebenfalls mit Depardieu. Und Gerard Lauzier als Autor, der bereits das Original verfasst hatte. Den spanischen \u00dcberraschungsschocker \u201eREC\u201c brachten die Amerikaner erst gar nicht in die Kinos, sondern lieferten 12 Monate nach dessen Premiere gleich das Remake, w\u00e4hrend die DVD des Originals nach dem Kinostart des Remakes verh\u00f6kert wurde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Erst drei Jahre ist es her, dass die verschworene Horrorfilm-Weltgemeinschaft auf die zauberhafte Perle \u201eSo finster die Nacht\u201c aus Schweden aufmerksam wurde. Mit nur 53 Kinos und einem Ergebnis von etwas \u00fcber 2 Millionen Dollar hat auch \u201eSo finster die Nacht\u201c den widerborstigen Geist des amerikanischen Publikums heraufbeschworen. Selbst f\u00fcr einen Nischenfilm sind diese Zahlen so finster wie die Stimmung des Films selbst. Zwei Jahre brauchte die franz\u00f6sische Produktionsgesellschaft Wild Bunch f\u00fcr die amerikanische Fassung, aber ob es sich gerechnet hat, sei dahingestellt. Ob man diesen Film gebraucht hat, ist dagegen eine ganz andere Frage.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Los Alamos\/New Mexico, eine dicke Schneedecke bedeckt die Landschaft. Schon diese ersten Bilder rei\u00dfen den Zuschauer aus seinen liebgewordenen Sehgewohnheiten. Tats\u00e4chlich schneit es bis in den M\u00e4rz hinein in New Mexico, nur hat das bisher kein Film aufgegriffen. New Mexico ist das hei\u00dfe, stickige W\u00fcstenland, welches wir aus unz\u00e4hligen Filmen bereits kennen. Dies wird also nicht unser altbew\u00e4hrter Horrorfilm. Matt Reeves bleibt als Autor und Regisseur dem Original so weit treu, dass er das Publikum herausfordert, es verwirrt und tats\u00e4chlich eine Stimmung erzeugt, die man f\u00fcr gew\u00f6hnlich als \u201eeurop\u00e4isch\u201c bezeichnen w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der zw\u00f6lfj\u00e4hrige Owen ist ein stiller Au\u00dfenseiter, der f\u00fcr gew\u00f6hnlich in der Schule drangsaliert wird. Ohne Freunde h\u00e4ngt er stets allein am Kletterger\u00fcst inmitten der tristen Mittelstandssiedlung ab. Bis in die Nachbarwohnung die vermeintlich gleichaltrige Abby einzieht mit ihrem ebenso vermeintlichen Vater. \u201eWir k\u00f6nnen niemals Freunde sein\u201c, ermahnt sie Owen gleich am ersten Abend, von dem an sie sich jeden Abend treffen. Immer nur bei Dunkelheit. Und wer sich bei Filmen leicht ablenken l\u00e4sst, egal wie spannend und einnehmend sie sind, der wird sich fragen, wie die Macher es verdammt nochmal hinbekommen haben, dass bei Owen stets dicke Atemwolken aufsteigen, w\u00e4hrend bei Abby \u00fcberhaupt nichts zu sehen ist. In der gleichen Einstellung!<\/span><\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-2064\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/let-me-in\/let-me-in-3\/\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2064\" title=\"Let-Me-In-3\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Let-Me-In-3.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"287\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Let-Me-In-3.jpg 550w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Let-Me-In-3-200x104.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Let-Me-In-3-300x156.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/span><\/a><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Selbst wer unvorbelastet diesen Film sieht, wird nicht sehr lange brauchen, um Abbys Schicksal herauszufinden. Nur einmal f\u00e4llt w\u00e4hrend des Films das Wort Vampir, aber da ist es l\u00e4ngst nebens\u00e4chlich geworden. Es ist eine Geschichte \u00fcber das Erwachsenwerden. Nat\u00fcrlich eine etwas andere Geschichte \u00fcber das Erwachsenwerden, aber daf\u00fcr umso eindringlicher und origineller erdacht. Matt Reeves l\u00e4sst seinen Film von Greig Fraser in kalte, stahlblaue Bilder tauchen. Nur in den ruhigen Momenten der Ann\u00e4herung zwischen Abby und Owen g\u00f6nnt der Szenenbildner Fraser dem Zuschauer einen in die Irre f\u00fchrenden r\u00f6tlichen Farbton.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Aber \u201eLet me in\u201c ist nicht einfach nur eleganter Stil, sondern eine ebenso elegante Verbindung aller filmischen Aspekte. Ob Kamera, Schnitt, Darsteller oder Rhythmus, alles f\u00fcgt sich zu einem \u00fcberraschend stimmungsvollen Ganzen. Und f\u00fcr das jammernde Volk der Schmuse-Vampir-Gegner bringt \u201eLet me in\u201c wieder einmal eine geh\u00f6rige Portion stimmungsvollen Horror, der es weitgehend versteht, die genre\u00fcblichen Klischees zu vermeiden. Obwohl der Film von zwei pubertierenden Kindern handelt, ist dies keine f\u00fcr fr\u00f6hliche Gruselstunden ausgelegte Teenager-Unterhaltung. Matt Reeves hat in seine eigene Interpretation des Stoffes so viel Anspruch gestellt, dass er tats\u00e4chlich nicht nur dem Original gerecht wird, sondern dem Original sogar noch weitergehende Aspekte abgewinnen kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Mit Kodi Smit-McPhee hat \u201eLet me in\u201c sicherlich den perfekten Verlierertypen gefunden. Seine von ihm ausgespielte Figur gibt der Grundgeschichte den denkbar g\u00fcnstigsten Anstrich, damit der Film funktioniert. Aber wie in allen Filmen, in denen man sie bewundern darf, ist auch hier Chloe Grace Moretz der unumstrittene Augenfang. Ihr Jahrhunderte alter Charakter ist keine alte Frau gefangen in einem jugendlichen K\u00f6rper, sondern eine seit Jahrhunderten im Alter von zw\u00f6lf Jahren stehengebliebene Figur. Moretz kann dies vermitteln, diese altersweise \u00dcberlegenheit, aber gleichzeitig kindliche Verletzlichkeit. Und nebenher hat man Elias Koteas noch nie in einem derart realistischen, abgehalfterten Make-up erlebt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Owen muss sich in einem Schulprojekt mit \u201eRomeo und Julia\u201c auseinandersetzen, das in der Version von Franco Zeffirellis Verfilmung in der Schule auch vorgef\u00fchrt wird. Der Vergleich scheint nur auf den ersten Blick weit hergeholt zu sein. Aber ein vermeintlicher Vampir und ein unscheinbarer Verlierer liegen n\u00e4her am thematischen Grundtenor von Shakespeares Drama. Komponist Michael Giacchino scheint das Thema von Nino Rota aus seiner `68er Filmfassung von \u201eRomeo und Julia\u201c f\u00f6rmlich inhaliert zu haben, wenn man die musikalische Untermalung zu diversen Szenen zwischen Abby und Owen vernimmt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Wenn ein Produzent ein vorschnelles Remake f\u00fcr den amerikanischen Markt ank\u00fcndigt, unter dem Vorwand, diesen sehenswerten Stoff dem heimischen Markt zug\u00e4nglich zu machen, dann sollte man diese Absichten ernst nehmen. In erster Linie will ein Produzent Geld verdienen, das sollte man ihm nicht nehmen. Daf\u00fcr bringt er tats\u00e4chlich einem verweigerungswilligen Publikum ab und an einen wirklich sehenswerten Stoff n\u00e4her, auch wenn der Rest des Cineastentums aufschreien m\u00f6chte. Im Falle von \u201eLet me in\u201c verkommt dieser Aufschrei zu einem unverst\u00e4ndlichen Gemurmel.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es ist nicht nur darstellerische Bravour, die zu bewundern ist, sondern auch das Gem\u00fct befriedigende Schocksequenzen, die exzellent umgesetzt wurden. \u201eLet me in\u201c ist ein Horrorfilm, der nicht nur Neues bietet, sondern dieses Neue auch perfekt verkauft. Man muss keine belastenden Vergleiche zu einer vorangegangenen Verfilmung ziehen, um diesen Film etwas abgewinnen zu k\u00f6nnen. Trotz Remake versteht er es sogar, sich diesen Vergleichen auf sehr geschickte Weise zu entziehen. Wenn Arthouse von Mainstream gebissen wird, ist das nur im Sinne des Betrachters.<\/span><\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-2065\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/let-me-in\/let-me-in-2\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2065\" title=\"Let-Me-In-2\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Let-Me-In-2.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"294\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Let-Me-In-2.jpg 550w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Let-Me-In-2-200x106.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Let-Me-In-2-300x160.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Darsteller: <strong>Kodie Smit-McPhee, Chloe Grace Moretz, Richard Jenkins, Elias Koteas, Cara Buono <\/strong>u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie, Drehbuch: <strong>Matt Reeves,<\/strong> nach dem Film \u201cSo finster die Nacht\u201c<\/em><br \/>\n<em> Kamera: <strong>Greig Fraser<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: <strong>Stan Salfas<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Musik: <strong>Michael Giacchino<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: <strong>Ford Wheeler<\/strong><\/em><br \/>\n<em> USA \/2010<\/em><br \/>\n<em> zirka <strong>116<\/strong> Minuten<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grundlage f\u00fcr die Besprechung ist die amerikanische DVD-Fassung, welche sich abgesehen von der Sprache, nicht von der deutschen Kinofassung unterscheiden sollte: Das amerikanische Publikum weigert sich vehement dagegen, synchronisierte Filme anzusehen. 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