{"id":209,"date":"2009-12-01T00:00:05","date_gmt":"2009-11-30T23:00:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=209"},"modified":"2011-03-26T14:16:58","modified_gmt":"2011-03-26T13:16:58","slug":"roland-emmerichs-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2009\/roland-emmerichs-2012\/","title":{"rendered":"Roland Emmerichs 2012"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><a rel=\"attachment wp-att-210\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=210\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-210\" title=\"2012\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/2012a-136x200.jpg\" alt=\"\" width=\"136\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/2012a-136x200.jpg 136w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/2012a-204x300.jpg 204w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/2012a.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 136px) 100vw, 136px\" \/><\/a><\/span><\/h1>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Roland Emmerich daf\u00fcr zu ohrfeigen, dass 2012 so geworden ist, wie wir ihn jetzt erleben d\u00fcrfen, kommt dem Vorwurf an einen Priester gleich, dass dieser gl\u00e4ubig ist. Nat\u00fcrlich fordert es der Schwabe f\u00fcr jeden seiner Filme heraus, dass dieser als banal, inhaltlos und rei\u00dferisch kritisiert wird. Aber von einem muss man den Filmautor freisprechen, und das ist der vielfach erhobene Vorwurf der Naivit\u00e4t.<\/span><!--more--><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Selbstverst\u00e4ndlich wirkt dies im ersten Augenblick paradox. Doch mag all das Gemecker an Roland Emmerich verdient erscheinen und die harschen Kritiker sich auch im Recht w\u00e4hnen, so sollte man sich doch stets vor Augen f\u00fchren, wie der Obert\u00fcrkheimer \u00fcberhaupt erst aus M\u00fcnchen rausgekommen ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Am 21.12.2012 wird also die Welt untergehen. Zur Freude aller Esoteriker bezieht sich das Drehbuch nur sehr bedingt auf den zu diesem Datum endenden Maya-Kalender, der damit ja nicht den Weltuntergang, sondern eine neue Weltordnung prophezeit. Daf\u00fcr erweitern die Autoren Kloser und Emmerich die Quellen der Voraussagen um ein Vielfaches und lassen den durchgeknallten Verschw\u00f6rungstheoretiker in Form von Woody Harrelson unter anderem noch die Bibel und den Koran zitieren, sie alle haben es gewusst.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Auch der Zuschauer hat es gewusst, deswegen starrt er nun verz\u00fcckt auf die Leinwand. \u201aWir waren gewarnt\u2018. Nun bricht also die Welt auseinander. Sonneneruptionen haben den Erdkern soweit ver\u00e4ndert, dass dieser so etwas wie Mikrowellen abstrahlt. Die amerikanische Regierung erf\u00e4hrt davon 2009 und die Bev\u00f6lkerung erst 2012, wenn es passiert. F\u00fcr die vielen Action-Sequenzen braucht sich der Regisseur nicht viel einfallen zu lassen, das Schema bleibt unver\u00e4ndert. Ein heftiger Erdsto\u00df, dann ein gro\u00dfer Spalt, der den Asphalt aufrei\u00dft, und schlie\u00dflich tut sich die Erdkruste auf. Bei jedem heftigen Erdsto\u00df wei\u00df der Zuschauer also schon, sich umgehend in eine aufrechte Position auf dem Kinosessel zu begeben.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Um die gute Laune beim Zerst\u00f6ren der Welt zu erh\u00f6hen, mischen sich tats\u00e4chlich Dialoge wie der zwischen einem P\u00e4rchen, \u201elass ihn keinen Graben zwischen uns treiben\u201c, just in dem Moment, bevor eine Erdspalte das bewusste P\u00e4rchen trennt. Oder der die Katastrophe einleitende Riss f\u00fchrt genau zwischen die zwei zueinander deutenden Finger von Gott und Adam, im Fresko der Sixtinischen Kapelle. Im \u00dcbrigen ist die italienische Sequenz im Vergleich zu den anderen, \u00fcberragenden Katastrophenszenen, die am wenigsten \u00fcberzeugende. Aber bis dahin ist man ja l\u00e4ngst Opfer des visuellen Overkills geworden. Die Bildschnitt-Rate ist um einiges geringer als bei vergleichbaren Gro\u00dfproduktionen. Der Zuschauer soll ganz offensichtlich besser verarbeiten k\u00f6nnen, was er bisher noch nie zu sehen bekam.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Mit Cusack, Ejiofor, Clover, Platt, Harrelson und Peet hat Emmerich wieder Schauspieler um sich geschart, die wie in all seinen vorangegangenen Produktionen auch diesen Film vor der Peinlichkeit bewahren. Dabei kam noch keinem Emmerich-Charakter f\u00fcr den Film relevante, tiefere Bedeutung zu. Den Vorw\u00fcrfen von charakterlichen Klischees und schwachen Dialogen steht der Regisseur und Autor mit einem L\u00e4cheln gegen\u00fcber. Seine immer wieder erkl\u00e4rten Ziele sind gewiss keine psychologischen Studien, sondern aufregende, visuelle Szenarien so zu verpacken, dass durch sie die Effekte eher noch fokussiert werden. Da wird dann auch die im Drehbuch vorgesehene Zerst\u00f6rung Mekkas schnell gekippt. Die reine Freude an optischen Reizen darf auf keinen Fall als missverstandenes Statement getr\u00fcbt werden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Unver\u00e4ndert seit dem Deb\u00fct ARCHE NOAH PRINZIP bilden M\u00e4nner den handlungstechnischen Mittelpunkt der Filme des Roland Emmerich. Es sind die unscheinbaren Verlierertypen, die mit einem m\u00e4chtigen Tritt in den Hintern zu plakativen Heroen aufsteigen. Frauen wird ebenso unver\u00e4ndert die Rolle zuteil, mit weit aufgerissenen Augen der Angst die Hilfe des Helden zu erfahren. Dabei setzt Emmerich seine Schauspieler stets als vielfach vergr\u00f6\u00dferte Imitation ihres eigenen Images ein. Somit ist John Cusack nicht nur der liebenswerte Loser, sondern der liebenswerteste Loser \u00fcberhaupt. Und es k\u00f6nnte auch nie einen ehrenwerteren amerikanischen Pr\u00e4sidenten geben als Danny Clover.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Banal ist die Handlung, inhaltslos die Dialoge sowie Interaktionen und rei\u00dferisch jeder Einsatz von computergenerierten Effekten. Aber zu keinem Zeitpunkt will Roland Emmerich seinem Publikum etwas anderes verkaufen. Auf dem Ticket steht das Ende der Welt, und das wird auch f\u00fcr jeden Cent des Tickets gegeben. Dies ist ein Roland-Emmerich-Film, und da bekommt man auch, was man erwartet. Nach dem Akt der puren Zerst\u00f6rung in INDEPENDENCE DAY und der klimatischen Katastrophe von DAY AFTER TOMORROW scherzten Freund wie Feind, dass als n\u00e4chstes wohl nur das Ende der Welt anstehen k\u00f6nnte. Diese Leute sollten Lotto spielen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Reichtum an Details, wie erst die amerikanische Westk\u00fcste im Meer versenkt und dann der Yellowstone Park zur Explosion gebracht wird, ist sagenhaft. Wie die Protagonisten durch dieses Armageddon gehetzt werden, ist an vielen Stellen einfach br\u00fcllend komisch. Schade, das sagen zu m\u00fcssen, aber tats\u00e4chlich jagt eine L\u00e4cherlichkeit die n\u00e4chste. Doch daf\u00fcr \u00fcberw\u00e4ltigen die Bilder. Ja, an manchen Stellen schaffen sie es sogar, dem Betrachter ein flaues Gef\u00fchl im Magen zu verpassen. Und wird die optische Reiz\u00fcberflutung des Desasters von scheinbar absichtlich schlecht inszenierten Dialogszenen unterbrochen, w\u00fcnscht man sich nichts sehnlicher, als den n\u00e4chsten starken Rums, der zuerst die Asphaltdecke aufrei\u00dft. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Roland Emmerich hat es verstanden, sich von Film zu Film zu steigern. Er wollte immer lauter, immer gewaltiger werden und hat sein Ziel erreicht. Was kommt jetzt, fragen sich Freund und Feind. Vielleicht sollte Emmerich endlich einmal inszenieren lernen. Die Erde so wunderbar zu zerst\u00f6ren, dass es einem einen freudigen Schauer \u00fcber den R\u00fccken jagt, das kann er. Aber inszenieren kann er nicht. Und weil der Regisseur immer lauter und immer gewaltiger werden wollte, f\u00e4llt seine markante Schw\u00e4che f\u00fcr das Inszenieren von Spannungsszenen bei 2012 umso st\u00e4rker ins Gewicht. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">B\u00f6se Zungen haben dereinst verk\u00fcndet, dass Besitzer der DVD von INDEPENDENCE DAY nach dem Angriff der Au\u00dferirdischen wieder abschalten w\u00fcrden. Das w\u00e4re durchaus im Bereich des M\u00f6glichen, weil nachvollziehbar. Was danach kommt, verliert merklich an unterhaltender Qualit\u00e4t. Leidig, dass sich Emmerich auch diese Eigenschaft zu eigen machte. GODZILLA verliert vollkommen jeden Biss, wenn es zum Showdown in den Madison Square Garden geht. Und bei 2012? Da versucht sich das Tempo selbst zu \u00fcberholen. Zum Leid eines bereits \u00fcberw\u00e4ltigten Publikums, werden in der letzten Stunde soviel Unm\u00f6glichkeiten komprimiert, dass sich die anf\u00e4ngliche Spannung zum Wunsch nach dem Abspann verkehrt. Hier glaubt der Schwabe Roland, dem Daraufgesetzten noch einmal etwas daraufzusetzen zu m\u00fcssen. Und das misslingt. Wieder einmal.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Aber man sollte sich von den Unzul\u00e4nglichkeiten eines Roland Emmerichs nicht wirklich abschrecken lassen. Auf DVD k\u00f6nnte man dann ja die letzte Stunde wegschalten. Gerechtfertigt mag der Vorwurf der Banalit\u00e4t sein, und inhaltslos trifft wohl zu, genau wie das Rei\u00dferische. Aber Emmerich ist keineswegs naiv. Er gibt seinem Publikum, was es erwartet zu sehen. Und wenn er sich noch so oft wiederholen wird, man bezahlt teures Geld, um es so zu bekommen. So wie er es bei 2012 erneut geschafft hat.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein gro\u00dfer Film f\u00fcr die gro\u00dfe Leinwand ist es. L\u00e4cherlich, unlogisch und weit ab jeder Vernunft. Doch woher nehmen Kritiker ihren Anspruch, dass es dieses eine Mal anders sein sollte. Roland Emmerich wird, wie immer bei jedem gerechtfertigten Vorwurf, milde in sich hinein l\u00e4cheln. Er ist ja nicht naiv. Er gibt einfach, was viele Zuschauer tief in ihrem Herzen wirklich wollen, aber nicht zugeben werden. Es ist dieser losgel\u00f6ste, magische Moment des Staunens. F\u00fcr die Nouvelle Vague sind andere zust\u00e4ndig. Und wer es nicht lassen kann, zu schimpfen, dem sei einfach nur gesagt: Wir waren doch gewarnt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #808080;\"><em>2012<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Darsteller: John Cusack, Chiwetel Ejiofor, Oliver Platt, Thandie Newton, Amanda Peet, Danny Clover, Woody Harrelson u.v.a<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Regie: Roland Emmerich \u2013 Drehbuch: Harald Kloser, Roland Emmerich \u2013 Kamera: Dean Semler \u2013 Bildschnitt: David Brenner, Peter Elliot \u2013 Musik: Harald Kloser \u2013 Produktionsdesign: Barry Chusid \u2013 Visuelle Effekte: Volker Engel, Marc Weigert<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>USA \/ 2009\u00a0 circa 158 Minuten<\/em><\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #808080;\"><span style=\"color: #000000;\">Bildquelle: Universal Pictures<\/span><em><br \/>\n<\/em><\/span><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roland Emmerich daf\u00fcr zu ohrfeigen, dass 2012 so geworden ist, wie wir ihn jetzt erleben d\u00fcrfen, kommt dem Vorwurf an einen Priester gleich, dass dieser gl\u00e4ubig ist. 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