{"id":20991,"date":"2023-05-18T06:06:31","date_gmt":"2023-05-18T04:06:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=20991"},"modified":"2023-05-18T10:01:54","modified_gmt":"2023-05-18T08:01:54","slug":"living-einmal-wirklich-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2023\/living-einmal-wirklich-leben\/","title":{"rendered":"LIVING \u2013 Einmal wirklich leben"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/living-copyright-sony-pictures\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-20982 size-full\" title=\"Living - Copyright SONY PICTURES\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Living-Copyright-SONY-PICTURES.jpg\" alt=\"Living - Copyright SONY PICTURES\" width=\"258\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Living-Copyright-SONY-PICTURES.jpg 258w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Living-Copyright-SONY-PICTURES-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Living-Copyright-SONY-PICTURES-141x200.jpg 141w\" sizes=\"auto, (max-width: 258px) 100vw, 258px\" \/><\/a><strong>LIVING<\/strong><br \/>\n<strong>&#8211; Bundesstart 18.05.2023<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der s\u00fcdafrikanische Regisseur Oliver Hermanus hat sich bisher lediglich in seinem Heimatland einen Namen gemacht. Womit der Regiesessel f\u00fcr LIVING somit als gl\u00fcckliche F\u00fcgung verstanden werden darf, denn Hermanus wei\u00df Atmosph\u00e4re zu erzeugen, und zwar auf den Punkt. Das beginnt beim Titelvorspann und seinen Originalaufnahmen des London der F\u00fcnfzigerjahre. Gro\u00dfe, goldene Namensnennungen im Stile des Kinos der Nachkriegszeit, und zeitgen\u00f6ssisches Bildformat leicht \u00fcber dem 1,33:1 Standard. M\u00e4nner in dunklen Anz\u00fcgen und Bowler stehen am Bahnsteig, um von den Vorst\u00e4dten nach London zu kommen. Die Kollegen sitzen zusammen, der Abteilungsleiter gr\u00fc\u00dft im vorbeigehen, nimmt aber in einem anderen Waggon Platz. Ziel ist die Stadtverwaltung von London, wo sich in engen B\u00fcros auf jedem der dicht zusammengestellten Schreibtischen Aktenberge zur Genehmigung h\u00e4ufen. Es ist das wahr gewordene Schreckgespenst von kalter, emotionsloser B\u00fcrokratie. Und Mr. Williams sitzt am Kopfende dieses Raumes, dass Abbild des stoischen Beamten.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">LIVING ist keine sonderlich originelle Geschichte, und man kann sich dar\u00fcber streiten ob es \u00fcberhaupt ein origineller Film ist. Sicher ist, dass diese Geschichte durch Bill Nighy lebt, dass dieser Film nur mit Bill Nighy so ansprechend sein kann. Denn LIVING wird zu etwas besonderem, weil Oliver Hermanus nie versucht seinen Film mit k\u00fcnstlich aufgebauschter Dramaturgie zu etwas Besonderem zu machen. Die ersten zwanzig Minuten gew\u00e4hren einen Einblick in den b\u00fcrokratischen Alltag in der Verwaltung, und dem eint\u00f6nigen, der Arbeit geopferten Leben von Mr. Williams. Dessen Kinder lieber M\u00fcdigkeit vorschieben, anstatt sich mit ihm zu unterhalten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">LIVING ist dabei sehr komisch, aber unterschwellig und unaufdringlich. Wie die Damen mit der Petition f\u00fcr einen Kinderspielplatz, die im ewigen b\u00fcrokratischen Kreislauf von einer Abteilung zur n\u00e4chsten verwiesen werden, weil die eine Abteilung erst etwas machen kann, wenn die vorherige etwas genehmigt hat. Bis es wieder im B\u00fcro von Mr. Williams landet, wo es abschlie\u00dfend im Stapel nie bearbeiteter Akten landet: \u201eEs kann nicht schaden\u201c. LIVING ist aber gleichzeitig sehr nachdenklich, bisweilen traurig. Wenn Mr. Williams mit fataler Prognose vom Doktor kommt, aber mit niemanden reden kann, weil er niemanden hat zum reden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">LIVING ist dabei aber niemals melodramatisch, auch nicht schwerm\u00fctig. Kern der Geschichte ist die Entdeckung des Lebens. Denn nichts anderes widerf\u00e4hrt Mr. Williams als von Schriftsteller Sutherland aus seinen \u00fcber Jahrzehnte festgefahrenen Routinen herausgerissen wird. Nach einer Nacht voller ausschweifender Gen\u00fcsse hat Williams den Bowler gegen einen Fedora getauscht, und bleibt der Arbeit unentschuldigt fern. Doch anstatt als symbolischer Befreiungsschlag in eine \u00fcberladene Ausgelassenheit zu verfallen, bleibt die Inszenierung stets geerdet und \u00fcberreizt nichts. Es ist ein durch und durch ehrlicher Film.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/living-1-copyright-sony-pictures\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-20983 size-full\" title=\"Living 1 - Copyright SONY PICTURES\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Living-1-Copyright-SONY-PICTURES.jpg\" alt=\"Living 1 - Copyright SONY PICTURES\" width=\"640\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Living-1-Copyright-SONY-PICTURES.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Living-1-Copyright-SONY-PICTURES-300x203.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Living-1-Copyright-SONY-PICTURES-200x135.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">LIVING verliert im Verlauf der ver\u00e4nderten Lebenssituation auch nie ganz den eingefahrenen Beamten, der Mr. Williams irgendwie noch ist. Was die Geschichte f\u00fcr eine wundervolle, wenngleich nicht wirklich \u00fcberraschende Aufl\u00f6sung von seinem Schicksal zu gebrauchen versteht. Mr. Rodney Williams nutzt seine Stellung und seinen Einfluss um zum Ende hin wenigstens einmal etwas vern\u00fcnftiges zu tun. Und wer k\u00f6nnte das besser verk\u00f6rpern als Bill Nighy. Egal wie oft man das bei anderen Darstellern in anderen Filmen zu glauben meint, hier ist es offensichtlicher Fakt, dass LIVING nur mit dem immerfort melancholischen Charme von Nighy in dieser ansprechenden Form m\u00f6glich ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">LIVING geisterte schon Jahre durch den Kopf von Schriftsteller\/Komponist\/Kolumnist\/Drehbuchautor Kazuo Ishiguro. Real wurde das Projekt erst als sich Ishiguro und Nighy einmal ein Taxi teilten, und der Autor den Schauspieler darauf ansprach. Egal in welchen Rollen, verk\u00f6rpert Billy Nighy alleine schon physisch eine gewisse Tragik, was dem Charakter Williams extrem gut tut. Die Figur braucht keine Worte, sondern erkl\u00e4rt sich mit Nighy in seiner ganzen Wesensart und all seinem Tun. Aimee Lou Wood verk\u00f6rpert als erfolglose aber lebensbejahende Margaret einen aufregenden Gegenpart, dem sich Rodney Williams ebenso wenig entziehen kann, wie die Zuschauenden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">LIVING ist aber nicht einfach nur ein Film \u00fcber das Leben. Nicht nur Rodney ist eine tragische Figur. Es geht auch um Verlust, verpasste Chancen, und falsche Vorurteile, was die anderen Charaktere erst zu sp\u00e4t bemerken. Dennoch verweigert Oliver Hermanus seinem Film die M\u00f6glichkeit auf das gro\u00dfe Melodram oder falsche Emotionen. Es ist ganz sicher keine sonderlich \u00fcberraschende Geschichte, aber ein sehr sch\u00f6ner Film bei dem sich leichter Humor und sanfte Tragik gegenseitig st\u00fctzen und erg\u00e4nzen. Die Welt aus der Rodney Williams entfliehen konnte wird sich nicht ver\u00e4ndern, daf\u00fcr wird sein Verm\u00e4chtnis viele Kinder einfach gl\u00fccklich machen. Am Ende dreht sich hier die alte Sinnfrage nach der Notwendigkeit eines Remake in die entgegengesetzte Richtung. LIVING macht richtig Lust auf Akira Kurosawas Original EINMAL RICHTIG LEBEN von 1952. Der ja eigentlich auch nur eine Adaption von Leo Tolstois \u201aTod des Iwan Iljitsch\u2018 ist.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/living-2-copyright-sony-pictures\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-20984 size-full\" title=\"Living 2 - Copyright SONY PICTURES\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Living-2-Copyright-SONY-PICTURES.jpg\" alt=\"Living 2 - Copyright SONY PICTURES\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Living-2-Copyright-SONY-PICTURES.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Living-2-Copyright-SONY-PICTURES-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Living-2-Copyright-SONY-PICTURES-200x133.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Darsteller: <strong>Bill Nighy, Aimee Lou Wood, Alex Sharp, Tom Burke, Adrian Rawlins, Hubert Burton, Oliver Chris, Michael Cochrane<\/strong> u.a.<br \/>\nRegie: <strong>Oliver Hermanus<\/strong><br \/>\nDrehbuch: <strong>Kazuo Ishiguro<\/strong><br \/>\nnach <strong>Akira Kurosawa<\/strong>s Film IKIRU<br \/>\nKamera: <strong>Jamie Ramsay<\/strong><br \/>\nBildschnitt: <strong>Chris Wyatt<\/strong><br \/>\nMusik: <strong>Emilie Levienaise-Farrouch<\/strong><br \/>\nProduktionsdesign:<strong> Helen Scott<\/strong><br \/>\n<strong>Schweden, Gro\u00dfbritannien, Japan \/ 2022<\/strong><br \/>\n<strong>102<\/strong> Minuten<\/p>\n<h6>Bildrechte: <strong>SONY PICTURES CLASSICS<\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>LIVING &#8211; Bundesstart 18.05.2023 Der s\u00fcdafrikanische Regisseur Oliver Hermanus hat sich bisher lediglich in seinem Heimatland einen Namen gemacht. 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