{"id":22665,"date":"2024-01-06T06:06:07","date_gmt":"2024-01-06T05:06:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=22665"},"modified":"2024-01-06T15:40:21","modified_gmt":"2024-01-06T14:40:21","slug":"sofia-coppola-priscilla","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2024\/sofia-coppola-priscilla\/","title":{"rendered":"Sofia Coppolas PRISCILLA"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2024\/sofia-coppola-priscilla\/priscilla-1-copyright-a24-distribution\/\" rel=\"attachment wp-att-22667\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-22667\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Priscilla-1-Copyright-A24-Distribution.jpg\" alt=\"Priscilla 1 - Copyright A24 Distribution\" width=\"252\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Priscilla-1-Copyright-A24-Distribution.jpg 345w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Priscilla-1-Copyright-A24-Distribution-207x300.jpg 207w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Priscilla-1-Copyright-A24-Distribution-138x200.jpg 138w\" sizes=\"auto, (max-width: 252px) 100vw, 252px\" \/><\/a><strong>&#8211; Bundesstart 04.01.2024<\/strong><br \/>\n&#8211; Release 03.11.2023 (Can)<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Es gibt kaum Regisseure die sich so vehement, leidenschaftlich, und anspruchsvoll mit der Einsamkeit von Menschen auseinandersetzen wie Sofia Coppola. Frauen die in einer gewissen Isolation das Leben reflektieren, und dem Zuschauenden zug\u00e4nglich gemacht, aber niemals voyeuristisch betrachtet werden. Doch am wichtigsten ist es bei Coppola, dass sie ihre Figuren nie in die Opferrolle zw\u00e4ngt, sondern diese immer als gest\u00e4rkte Charaktere beschreibt, die eventuelle R\u00fcckschl\u00e4ge als Chance zu nutzen verstehen. Das waren 1999 selbst die f\u00fcnf Lisbon-Schwestern in VIRGIN SUICIDES. 2010 ging Sofia Coppola sogar einmal mit einem Mann auf ihre Markenzeichen-Reise der Selbstfindung, mit dem hervorragenden Stephen Dorff in SOMEWHERE. Da klingt es wie selbstverst\u00e4ndlich, dass sich die Filmemacherin irgendwann der Geschichte von Priscilla Beaulieu annehmen w\u00fcrde. Ein Herzensprojekt seit sie deren 1985er Memoiren &#8218;Elvis and Me&#8216; gelesen hatte.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">1959 lernt die vierzehnj\u00e4hrige Priscilla Beaulieu in West Deutschland den zehn Jahre \u00e4lteren Elvis Presley w\u00e4hrend seines Wehrdienstes kennen. Sie zieht mit dem Einverst\u00e4ndnis ihrer Eltern nach Graceland, Memphis. Elvis formt sie zu seiner Vorzeigefrau. Ihren High-School-Abschluss macht Priscilla auf einer katholischen M\u00e4dchenschule. W\u00e4hrend er in Hollywood arbeitet, ist sie daf\u00fcr auserkoren auf ihn zuhause zu warten und da zusein. Mit ihrer Vollj\u00e4hrigkeit heiraten Priscilla und Elvis. Neun Monate sp\u00e4ter wird Tochter Lisa-Marie geboren. 1973 l\u00e4sst sich Priscilla von Elvis scheiden, und verl\u00e4sst Graceland. Das ist die Zeit, die Sofia Coppola auch reflektiert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">In Besetzungsfragen hat Coppola in ihren Filmen noch nie entt\u00e4uscht. Bei Cailee Spaeny allerdings, befallen einem leichte Zweifel, wenn man sie das erste mal als Vierzehnj\u00e4hrige erlebt. Wie soll diese kindlich zerbrechliche Figur einen so subtil komplexen Charakter bis ins Erwachsenenalter von fast Drei\u00dfig transformieren? Spaeny meistert das mit ihrer einnehmenden Nat\u00fcrlichkeit, und eindringlichen Variationen. Wenn sie Elvis das erste mal vergeblich fragt, ihn nach Hollywood begleiten zu d\u00fcrfen, kommt das mit einer kindlich naiven Begeisterung. In sp\u00e4teren Jahren ist die Frage nur noch eine abgekl\u00e4rte Angewohnheit mit resignierender Erkenntnis ohnehin Graceland bleiben zu m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">In den st\u00e4ndigen Konfrontationen wegen der durch die Presse verbreiteten Ger\u00fcchte \u00fcber Aff\u00e4ren mit Anne-Margret oder Nancy Sinatra, wird Cailee Spaeny zunehmend erwachsener. Ihre wachsende Unzufriedenheit h\u00e4lt sie aber stets bedeckt. Es ist erstaunlich welch \u00fcberzeugende Wandlung Spaeny in nur zwei Stunden vollzieht. Eine Darstellerin die bisher schlichtweg untersch\u00e4tzt war. Viel von der manchmal G\u00e4nsehaut erzeugenden Atmosph\u00e4re kommt aber auch von Philippe Le Sourds fast schon unterk\u00fchlter Bildgestaltung. Sofia Coppolas Kameramann bei DIE VERF\u00dcHRTEN und ON THE ROCKS. Die Farbgebung ist trist, und die Einstellungen extrem akzentuiert.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2024\/sofia-coppola-priscilla\/priscilla-2-copyright-a24-distribution\/\" rel=\"attachment wp-att-22668\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-22668 size-full\" title=\"Priscilla 2 - Copyright A24 Distribution\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Priscilla-2-Copyright-A24-Distribution.jpg\" alt=\"Priscilla 2 - Copyright A24 Distribution\" width=\"640\" height=\"441\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Priscilla-2-Copyright-A24-Distribution.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Priscilla-2-Copyright-A24-Distribution-300x207.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Priscilla-2-Copyright-A24-Distribution-200x138.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Wenn Priscilla lange und alleine im ausladenden Wohnraum von Graceland steht, dann sp\u00fcrt man auch ihre Einsamkeit. Wenn sie wieder einmal von ihrem Gatten erniedrigt wird, oder er seinen ehelichen Pflichten nicht nachkommen will, dann bleibt die Kamera lange auf ihrem, nur scheinbar, regungslosen Gesicht. Das Gef\u00fchlsspektrum von Cailee Spaeny, die in fast allen Szenen pr\u00e4sent ist, ist mitrei\u00dfend. Und Coppola entt\u00e4uscht nicht, wie sie Priscilla mit jeder Filmminute mit wachsendem Selbstbewusstsein zeichnet. Das Problem ist nur, sie stellt ihr auch nichts an emotionaler Gleichberechtigung gegen\u00fcber. Noch problematischer, der Film reduziert sich ausschlie\u00dflich auf zwei Figuren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Zweifelsfrei f\u00fchrt der Film sehr kompetent und intensiv das Schicksal einer Frau vor Augen. Und er zeigt sehr eindringlich, wie sie sich dem erfolgreich entgegenstellt. Aber Coppola verweigert einen intellektuellen Austausch von Sichtweisen. Ihre Absicht war die Perspektive von Priscilla Presley wiederzugeben, was ihr ausgezeichnet gelingt. Bis zu dem Punkt, dass es hier um Priscilla Presley geht, die einstige Frau des bekanntesten und erfolgreichsten S\u00e4ngers der Welt. Das Verh\u00e4ltnis des Paares ist durch tausend Biografien hinl\u00e4nglich bekannt, somit auch das Elvis privat ein sehr schwieriger Mensch gewesen sein muss. Aber hier ist die dargestellte Position von Priscilla reine Schwarzwei\u00dfmalerei.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Gerade bei Menschen von gr\u00f6\u00dftem \u00f6ffentlichen Interesse, wird von Coppola ausgerechnet der Kontext ausgespart, in welchem Priscillas Partner gefangen blieb. Auch das w\u00fcrde Elvis in seiner Beziehung zu keinem besseren Menschen machen. Doch in dieser Inszenierung wird er auf Egoismus, Ignoranz und Gr\u00f6\u00dfenwahn reduziert. In Anbetracht der bekannten Umst\u00e4nde ergibt das eine au\u00dferordentlich einseitige Wiedergabe, in der das wahre emotionale Potential ausgespart wird. Sofia Coppola geht aber in ihrer Adaption noch viel weiter. Keine der anderen Figuren wird in irgendeiner Weise eine relevante Rolle zugestanden. Sie werden zu Statisten und Stichwortgebern.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Selbst Manager Tom Parker findet nur in Elvis&#8216; Dialogen Erw\u00e4hnung. Tochter Lisa-Marie ist zierendes Beiwerk. Dreimal f\u00e4llt ihr Name, als w\u00e4re es ein Versehen gewesen. Elvis&#8216; Entourage wird zur geselligen M\u00e4nnerrunde, die nur ihrem Herren gef\u00e4llig ist. Die sonst starke Dagmara Dominczyk und Ari Cohen bleiben als Priscillas Mutter und Vater mit Standards\u00e4tzen besorgter Eltern absolut unterfordert. Die starke Reduktion auf nur zwei Personen, nimmt der Geschichte viel von ihrer eigentlichen Tragweite. Noch dazu, das Jacob Elrodi wahrlich nicht zu \u00fcberzeugendsten Elvis Darstellern z\u00e4hlt. Obwohl dieser in seiner geschichtlichen Relevanz, der eigentliche Ausl\u00f6ser der Erz\u00e4hlung ist. Als Portrait einer starken Frau, die Selbstbewusstsein und ihren Weg findet, Ist PRISCILLA wirklich beeindruckendes Kino. Als offenbarende Biografie ist der Film erstaunlich belanglos.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2024\/sofia-coppola-priscilla\/priscilla-4-copyright-a24-distribution\/\" rel=\"attachment wp-att-22669\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-22669 size-full\" title=\"Priscilla 4 - Copyright A24 Distribution\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Priscilla-4-Copyright-A24-Distribution.jpg\" alt=\"Priscilla 4 - Copyright A24 Distribution\" width=\"640\" height=\"386\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Priscilla-4-Copyright-A24-Distribution.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Priscilla-4-Copyright-A24-Distribution-300x181.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Priscilla-4-Copyright-A24-Distribution-200x121.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p><em>Darsteller: <strong>Cailee Spaeny, Jacob Elordi, Dagmara Dominczyk, Ari Cohen, Tim Post, Lynne Griffin<\/strong> u.a.<\/em><br \/>\n<em>Regie &amp; Drehbuch: <strong>Sofia Coppola<\/strong><\/em><br \/>\n<em>nach Memoiren von <strong>Priscilla Presley<\/strong>, mit <strong>Sandra Harmon<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Kamera:<strong> Philippe Le Sourd<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Bildschnitt: <strong>Sarah Fleck<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Musik: <strong>Phoenix<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Produktionsdesign: <strong>Tamara Deverell<\/strong><\/em><br \/>\n<strong><em>Italien, USA \/ 2023<\/em><\/strong><br \/>\n<em><strong>113<\/strong> Minuten<\/em><\/p><\/blockquote>\n<h6>Bildrechte: <strong>A24 Distribution<\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; Bundesstart 04.01.2024 &#8211; Release 03.11.2023 (Can) Es gibt kaum Regisseure die sich so vehement, leidenschaftlich, und anspruchsvoll mit der Einsamkeit von Menschen auseinandersetzen wie Sofia Coppola. 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