{"id":22853,"date":"2024-02-03T06:06:09","date_gmt":"2024-02-03T05:06:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=22853"},"modified":"2024-01-23T14:20:56","modified_gmt":"2024-01-23T13:20:56","slug":"a-great-place-to-call-home-jules","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2024\/a-great-place-to-call-home-jules\/","title":{"rendered":"A GREAT PLACE TO CALL HOME"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/jules-1-copyright-neue-visionen-filmverleih\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-22850 \" title=\"Jules 1 - Copyright NEUE VISIONEN Filmverleih\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Jules-1-Copyright-NEUE-VISIONEN-Filmverleih.jpg\" alt=\"Jules 1 - Copyright NEUE VISIONEN Filmverleih\" width=\"258\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Jules-1-Copyright-NEUE-VISIONEN-Filmverleih.jpg 353w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Jules-1-Copyright-NEUE-VISIONEN-Filmverleih-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Jules-1-Copyright-NEUE-VISIONEN-Filmverleih-141x200.jpg 141w\" sizes=\"auto, (max-width: 258px) 100vw, 258px\" \/><\/a><strong>JULES<\/strong><br \/>\n<strong>&#8211; Bundesstart 01.02.2024<\/strong><br \/>\n&#8211; Release 10.09.2023 (AUS)<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Es ist eine schrille Anomalie, dass ausgerechnet der v\u00f6llig abweichende deutsche Verleihtitel, pr\u00e4ziser den Charakter eines Films wiederspiegelt als der Originaltitel. Es ist das Motto von Boonton, Pennsylvania, an dem Milton Robinson in jeder der w\u00f6chentlichen Sitzungen des Gemeinderates Ansto\u00df nimmt. &#8218;A Great Place to call Home&#8216; w\u00e4re leicht missverst\u00e4ndlich, als &#8218;Ort von dem aus man sehr gut zuhause anrufen k\u00f6nnte&#8216;. Milton ist 79 Jahre, verwitwet, und lebt allein auf einem gro\u00dfz\u00fcgigen Anwesen. Tochter Denise k\u00fcmmert sich um die b\u00fcrokratischen Dinge. Der Kontakt zum Sohn ist vor Jahren abgebrochen. Miltons Altersdemenz nimmt zu, was seine Umwelt mit Geduld und R\u00fccksicht wahrnimmt. Und dann crashed eine fliegende Untertassen in Miltons Azaleen-Garten hinter dem Haus. Neben dem Stadt-Motto, eine weitere eine Beschwerde vor dem Gemeinderat. Zur Kenntnis genommen, und abgehakt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Es ist richtig, dass sich Marc Turtletaub einen gewichtigeren Namen als Produzent von zum Beispiel LITTLE MISS SUNSHINE oder THE FAVOURITE erworben hat. Aber wie in seiner vorherigen Regiearbeit PUZZLE, ist er im inszenieren wesentlich fokussierter auf das Reale im Menschen und das Ehrliche in der Geschichte. Wie auch in JULES, so der Originaltitel seiner j\u00fcngsten Inszenierung, selbst wenn darin ein kleines, geschlechtsloses, bl\u00e4ulich schmierendes, au\u00dferirdisches Wesen auf Miltons Couch sitzt und CSI schaut. Aber der fantastische Aspekt kann nicht verschleiern, wie clever und aufrichtig der Film sein Kernthema verfolgt. Es ist ein Film \u00fcber, aber nicht nur f\u00fcr \u00e4ltere Menschen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">JULES folgt einem schmalen Grat, und das au\u00dferordentlich gef\u00fchlvoll und ansprechend. Aber mit Witz und Temperament. Auch wenn Ben Kingsley als Milton manchmal einen etwas gesetzteren Eindruck macht. Er realisiert, das seine Synapsen nicht mehr richtig verlinkt sind, und glaubt sein Umfeld t\u00e4uschen zu k\u00f6nnen. Das macht ihn etwas beh\u00e4big, weil er vergeblich darauf bedacht ist keine Fehler zu machen. Das h\u00e4lt Turtletaub nicht von einer flotten Inszenierung ab. Er gibt seinen Darstellern und ihren Figuren Zeit, ruht sich aber nie der Handlung aus. Und das ist irgendwie auch ein Nachteil des Films, von dem man Anfangs erwaret, eine vergn\u00fcgliche Science Fiction Kom\u00f6die zu sehen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">JULES beleibt dennoch vergn\u00fcglich. Oberfl\u00e4chlich betrachtet, nennen ihn Stimmen h\u00e4misch eine Senioren-Version von E.T.. Das ist aber allen selbstgerechten Borniertheiten zum Trotz, \u00fcberhaupt nicht negativ zu bewerten. Ganz im Gegenteil, zwar sind beide Filme strukturell sehr \u00e4hnlich, bis identisch, aber inhaltlich ist JULES ist explizit auf eine ganz andere Altersgruppe ausgerichtet. Und fantastische Elemente werden bei Zielgruppen \u00fcber den demografisch wichtigen Altersklassen gerne wegen vorgeblicher Seriosit\u00e4t kaum genutzt. Dabei ist doch Ron Howards COCOON ein Paradebeispiel, wie sensationell man Fantastik ernst zu nehmend mit dem schwierigen Thema des Alterns verbinden kann.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/jules-2-copyright-neue-visionen-filmverleih\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-22851 size-full\" title=\"Jules 2 - Copyright NEUE VISIONEN Filmverleih\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Jules-2-Copyright-NEUE-VISIONEN-Filmverleih.jpg\" alt=\"Jules 2 - Copyright NEUE VISIONEN Filmverleih\" width=\"640\" height=\"440\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Jules-2-Copyright-NEUE-VISIONEN-Filmverleih.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Jules-2-Copyright-NEUE-VISIONEN-Filmverleih-300x206.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Jules-2-Copyright-NEUE-VISIONEN-Filmverleih-200x138.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Milton l\u00e4sst das au\u00dferirdische Wesen im Haus wohnen, solange es sein Schiff im Azaleen-Garten repariert. Die Nachbarinnen Sandy und Joyce, beide in gehobenen Alter, sind die einzigen, die eine leichte Ver\u00e4nderung in den sonst streng regulierten Abl\u00e4ufen von Milton erkennen. Und durch Neugierde getrieben, werden sie Verb\u00fcndete, als sie von dem Geheimnis erfahren. Was allerdings gar kein wirkliches Geheimnis ist. Das sind auch die witzigsten Momente im Film, dass Milton dem Kassierer im Supermarkt, seiner Tochter, dem Gemeinderat, und auch der Polizei von allem erz\u00e4hlt. Und er l\u00e4dt alle noch dazu ein, sich davon zu \u00fcberzeugen. So gewinnt der Witz auch ein klein bisschen Trauriges.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Das von Gavin Steckler sehr feinf\u00fchlige und ausgewogene Buch, seine erstes Filmscript, haut aber nicht mit dem emotionalen Holzhammer auf die relevanten Themen. Nat\u00fcrlicher Abbau, Einsamkeit, Unverst\u00e4ndnis, Bevormundung. Doch am schrecklisten, auch wenn es weniger schlimm scheint, ist die Ignoranz wenn niemand mehr zuh\u00f6rt und verstehen will. Aber es wird kein emotional aufgebauschtes Drama. Meist sind es sogar erheiternde Momente, wenn die Senioren aus sich heraus gehen, erz\u00e4hlen, ihre Gedanken schweifen lassen, wie sie wahrnehmen, von den Jungen bevormundet zu werden. Und immer ist Jules der Ausl\u00f6ser, dass stille Wesen welches unbewegt daneben sitzt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">JULES ist ein Film, der gleichzeitig absurd witzig und bewegend nachdenklich sein kann. Es ist nicht Ben Kingsleys eindringlichste Rolle, doch seine stoische Akzeptanz der eigenartigen Umst\u00e4nde ist dennoch Gold wert. Es geht schlie\u00dflich um seine Azaleen. Kingsley ist jener Milton, dem alle immer wieder einmal irgendwo auf der Stra\u00dfe, im Caf\u00e9, oder im Supermarkt begegnen, ohne wirklich Notiz von ihm zu nehmen. Doch JULES ist nicht ohne gravierende M\u00e4ngel. Denn die visuellen Effekte, sowie Makeup und Design von Jules, sind qualitativ Anfang der 1990er einzustufen. Die als selbstverst\u00e4ndlich angenommene Absurdit\u00e4t in den jeweiligen Szenen, relativiert das einigerma\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Nicht das es essenziell w\u00e4re, aber mittlerweile gibt es eben gewisse Standards in den Sehgewohnheiten. Zudem gibt es zwei verst\u00f6rende Szenen, die Turtletaub durch seine flotte Inszenierung schnell wieder beiseite schiebt. Umso st\u00e4rker wirken sie in die nach dem Film beginnende Rekapitulation hinein. Aber &#8211; seinem Anliegen hat Marc Turtletaub, zusammen mit Gavin Steckler, gen\u00fcgend Gewicht verliehen. Das Publikum wird vielleicht ab und an vom emotionalen Kurs abgelenkt. Doch JULES bleibt noch immer der Film, der keine \u00fcbertriebenen Sentimentalit\u00e4ten bem\u00fcht, und auch nie Mitleid einfordert, aber sehr gut zum Nachdenken anregt. So wird Boonton, Pennsylvania, dann doch mehr als nur eine Stadt, &#8218;aus der man sehr gut zuhause anrufen kann&#8216;.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/jules-4-copyright-neue-visionen-filmverleih\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-22852 size-full\" title=\"Jules 4 - Trailer Screenshot Copyright BLEEKER STREET\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Jules-4-Copyright-NEUE-VISIONEN-Filmverleih.jpg\" alt=\"Jules 4 - Trailer Screenshot Copyright BLEEKER STREET\" width=\"640\" height=\"356\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Jules-4-Copyright-NEUE-VISIONEN-Filmverleih.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Jules-4-Copyright-NEUE-VISIONEN-Filmverleih-300x167.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Jules-4-Copyright-NEUE-VISIONEN-Filmverleih-200x111.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p><em>Darsteller: <strong>Ben Kingsley, Harriet Sansom Harris, Jane Curtin, Jade Quon, Zo\u00eb Winter<\/strong> u.a.<\/em><br \/>\n<em>Regie: <strong>Marc Turtletaub<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Drehbuch: <strong>Gavin Steckler<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Kamera: <strong>Christopher Norr<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Bildschnitt: <strong>Ayelet Gil Efrat<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Musik: <strong>Volker Bertelmann<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Produktionsdesign: <strong>Randall Richards, Cherish M. Hale<\/strong><\/em><br \/>\n<strong><em>USA \/ 2023<\/em><\/strong><br \/>\n<em><strong>87<\/strong> Minuten<\/em><\/p><\/blockquote>\n<h6>Bildrechte:<strong> NEUE VISIONEN Filmverleih \/ BLEEKER STREET<br \/>\n<\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>JULES &#8211; Bundesstart 01.02.2024 &#8211; Release 10.09.2023 (AUS) Es ist eine schrille Anomalie, dass ausgerechnet der v\u00f6llig abweichende deutsche Verleihtitel, pr\u00e4ziser den Charakter eines Films wiederspiegelt als der Originaltitel. 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