{"id":2365,"date":"2012-01-19T07:38:02","date_gmt":"2012-01-19T06:38:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=2365"},"modified":"2012-01-23T16:47:49","modified_gmt":"2012-01-23T15:47:49","slug":"j-edgar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/j-edgar\/","title":{"rendered":"Bleibt unter Verschluss: J. EDGAR"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"attachment wp-att-2366\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/j-edgar\/j-edgar-3\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2366\" title=\"J-Edgar-3\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/J-Edgar-3.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"249\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/J-Edgar-3.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/J-Edgar-3-160x200.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Die Geschichte eines Mannes, der jedes noch so gut geh\u00fctete Geheimnis der m\u00e4chtigsten M\u00e4nner Amerikas in den H\u00e4nden hielt. Eines Mannes, der es verstand, \u00fcber sein eigenes Leben nur Spekulationen zur\u00fcckzulassen. Clint Eastwood hat mit seiner Biografie \u00fcber John Edgar Hoover einen sehr sch\u00f6nen, sehr interessanten Film gemacht. Eastwood arbeitete allerdings mit einem von Dustin Lance Black verfassten Drehbuch, das kontinuierlich ohne Stimmungseinbr\u00fcche erz\u00e4hlt, aber zu keinem Zeitpunkt Spannungsb\u00f6gen aufbaut. Das wirft den Zuschauer in die Position eines unbeteiligten Beobachters, der sehr genau beobachten, aber nicht wirklich teilnehmen darf.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Der Titel \u201eJ. Edgar\u201c suggeriert Ann\u00e4herung an einen Mann, die \u00fcber den pers\u00f6nlichen Abstand von \u201eMister Hoover\u201c hinausgeht. Doch dies ist ein Trugschluss, der Film zeigt den Mann, wie man ihn in der \u00d6ffentlichkeit wahrgenommen hat. Dustin Lance Blacks Drehbuch verweigert sich jeder Spekulation, und Regisseur Eastwood inszeniert entsprechend. Er l\u00e4sst bildlich nur einflie\u00dfen, was an Augenblicken und Verhalten zu diversen \u00f6ffentlichen Spekulationen f\u00fchrte. Dabei gelingt es dem Regisseur genauso vage und unspektakul\u00e4r zu bleiben, wie es J. Edgar Hoover in seinem bekannten Auftreten selbst war.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Zur\u00fcckhaltung, die Buch und Inszenierung als Grundlage f\u00fcr ihre Erz\u00e4hlung w\u00e4hlen, ist auf der einen Seite sehr geschickt, anderseits lernen wir hierbei nur Mister Hoover kennen. J. Edgar bleibt au\u00dfen vor, was fast vierzig Jahre nach dessen Tod auch nur fair erscheint. Was f\u00fcr die Dramaturgie des Films zu kurz kommt, reicht den Machern des Films zu Ehren. Sie versuchen erst gar nicht, Dinge darzustellen, die nie erwiesen wurden. War er nun homosexuell oder nicht, trug er gerne Frauenkleider? J. Edgar Hoover, der Mann, der wirklich jedes noch so intime Detail \u00fcber die m\u00e4chtigsten M\u00e4nner Amerikas in entsprechenden Akten gesammelt hatte, schaffte es in seinen fast 50 Jahren als FBI-Direktor, die unangreifbarste Figur in der j\u00fcngsten amerikanischen Geschichte zu bleiben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Eigentlich ist es ein sehr sch\u00f6ner Trend, Biografien von Personen des \u00f6ffentlichen Lebens anhand eines kurzen, daf\u00fcr entscheidenden Abschnitts ihres Wirkens festzumachen, wie zum Beispiel geschehen bei \u201eThe Queen\u201c. \u201eJ. Edgar\u201c wendet sich wieder der klassischen Form zu, beschr\u00e4nkt sich dabei allerdings aus den bereits erw\u00e4hnten Gr\u00fcnden ausschlie\u00dflich auf die Jahre beim FBI. Ein wenig gelungener Kunstgriff ist dabei, drei Zeitebenen ineinander zu verweben. Darsteller und Inszenierung haben keine Probleme damit, sich in den jeweiligen Epochen akkurat an die Entwicklung der Charaktere anzupassen und in der Inszenierung dramaturgisch einzuordnen. Nur der Zuschauer ger\u00e4t anf\u00e4nglich etwas ins Schlingern. Zumal das Verschachteln der einzelnen Zeitebenen nicht wirklich aufeinander Bezug nimmt. Es h\u00e4tte einiges an Feinschliff ben\u00f6tigt, w\u00e4re aber stimmiger gewesen, wenn das Ereignis aus einem Block jeweils als Resultat der vorangegangenen Zeitebene zu werten w\u00e4re. Oder k\u00fcnstlerischer noch aufwendiger, wenn man nach bestimmten Geschehnissen die Ursache in einem erkl\u00e4renden R\u00fccksprung erfahren w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Doch \u201eJ. Edgar\u201c liegt so vor, wie sich Dustin Lance Black und Clint Eastwood entschieden haben, ihn zu schreiben und inszenieren. Es ist trotz allem ein sehr gelungener Film, der oftmals wesentlich gr\u00f6\u00dfer und aufwendiger inszeniert scheint, als er tats\u00e4chlich ist. Auch wenn wir nicht bis J. Edgar vordringen, so vermittelt ein unglaublich intensiver Leonardo DiCaprio doch, wie getrieben diese eigentlich unbekannte Figur war. Sein Gerechtigkeitssinn, seine Ordnungsliebe, die Liebe zu seinem Land und der Wille, sich durch nichts und niemanden von seinen Idealen abbringen zu lassen. Dabei gelingen Eastwood sehr viele durchaus humorvolle Momente. Keine schreienden Schenkelklopfer um des Unterhaltungswertes willen, daf\u00fcr subtile Anspielungen und spitze Dialoge, die den Mann, seine Epochen und seine Anliegen eher unterstreichen. Als Hoover seinen zuk\u00fcnftigen Wegbegleiter Clyde Tolson kennenlernt, macht Hoover sofort einige Bemerkungen \u00fcber Tolsons Garderoben-Auswahl. Es wird nicht weiter behandelt, aber dem Zuschauer wird schnell bewusst, dass dies die Standardkleidung der zuk\u00fcnftigen Agenten sein wird, die im Volksmund heute so ber\u00fchmt und ber\u00fcchtigt ist.<\/span><\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-2368\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/j-edgar\/j-edgar-2\/\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2368\" title=\"j-edgar-2\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/j-edgar-2.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"309\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/j-edgar-2.jpg 550w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/j-edgar-2-200x112.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/j-edgar-2-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/span><\/a><span style=\"color: #000000;\">Man muss den Maskenbildnern von Leonardo DiCaprio ein grandioses Kompliment aussprechen. Seit Richard Dreyfuss\u2019 Verwandlung in \u201eMr. Holland\u201c hat man nicht mehr eine derart \u00fcberzeugende Altersmaske gesehen. DiCaprio spielt sich entgegen allen Kritikern tats\u00e4chlich die Seele aus dem Leib, und man darf nicht vergessen, dass er einen Mann verk\u00f6rpert, der sich tats\u00e4chlich so gab. Aber mit dem atemberaubenden Makeup wird dem Darsteller eine zus\u00e4tzliche, erschreckend realistische Note zuteil. Warum die Maske dann bei Armie Hammer und seinem vergreisten Clyde Tolson derart versagt, ist unbegreiflich. Man hat Hammer, seiner Darstellung und dem Regisseur keinen Gefallen getan. Wenn ein Zuschauer mit negativen Gedanken aus dem Kino gehen sollte, dann betreffen diese sicherlich das schreckliche Makeup von Armie Hammer.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Aber die kleinen und auch die markanteren Schw\u00e4chen des Films t\u00e4uschen nicht \u00fcber die filmische Eleganz und den gegebenen Unterhaltungswert von \u201eJ. Edgar\u201c hinweg. Ein Film, der wirklich keine Absicht hat, jemanden zu demontieren, der selbst andere in die Knie zwang, um seine eigenen Interessen zu verfolgen. Das gibt dem Film eben auch etwas Leichtes und etwas Verspieltes, aber er ist nie leichtfertig oder desinteressiert. Und so ganz nebenbei ist es nicht uninteressant, wie das FBI tats\u00e4chlich so wurde, wie es heute noch von Hoover gepr\u00e4gt ist. F\u00fchrt man sich vor Augen, dass dies keine Beh\u00f6rde ist, die aus irgendwelchen Kommissionen heraus entstand, sondern dass ein einzelner Mann die Hartn\u00e4ckigkeit besa\u00df, getrieben durch die eigenen Wertvorstellungen, alles im Alleingang zu erschaffen, macht diese Beobachtung durchaus Spa\u00df. Dabei kann man von der Person des J. Edgar Hoover halten, was man mag. Aber was will man von ihm halten, wenn rein gar nichts von ihm wei\u00df. \u00dcber diesen Film zumindest wei\u00df man, dass er kein Meisterwerk zu sein vermag, aber dass er technisch und k\u00fcnstlerisch makellos ist. Und auch wenn er dem Zuschauer vielleicht erw\u00fcnschte Spannungsb\u00f6gen verwehrt, bleibt es doch ein sehenswertes Filmvergn\u00fcgen mit der notwendigen Portion Anspruch. Ein Eastwood eben.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><a rel=\"attachment wp-att-2367\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/j-edgar\/j-edgar-4\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2367\" title=\"J-Edgar-4\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/J-Edgar-4.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"344\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/J-Edgar-4.jpg 550w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/J-Edgar-4-200x125.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/J-Edgar-4-300x187.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Darsteller:<strong> Leonardo DiCaprio, Naomi Watts, Armie Hammer, Josh Lucas, Judi Dench, Jeffrey Donovan, Miles Fisher, Ary Katz, Dermot Mulroney<\/strong> u.v.a.<\/em><br \/>\n<em>Regie &amp; Musik: <strong>Clint Eastwood<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Drehbuch:<strong> Dustin Lance Black<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Kamera: <strong>Tom Stern<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Bildschnitt: <strong>Joel Cox, Gary D. Roach<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Produktionsdesign: <strong>James Murakami<\/strong><\/em><br \/>\n<em>USA \/ 2011<\/em><br \/>\n<em>zirka <strong>136<\/strong> Minuten<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte eines Mannes, der jedes noch so gut geh\u00fctete Geheimnis der m\u00e4chtigsten M\u00e4nner Amerikas in den H\u00e4nden hielt. Eines Mannes, der es verstand, \u00fcber sein eigenes Leben nur Spekulationen zur\u00fcckzulassen. 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