{"id":24882,"date":"2024-09-21T06:06:16","date_gmt":"2024-09-21T04:06:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=24882"},"modified":"2024-09-20T10:04:34","modified_gmt":"2024-09-20T08:04:34","slug":"the-substance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2024\/the-substance\/","title":{"rendered":"THE SUBSTANCE"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=24884\" rel=\"attachment wp-att-24884\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-24884 \" title=\"Substance - Copyright MUBI\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Substance-Copyright-MUBI.jpg\" alt=\"Substance - Copyright MUBI\" width=\"264\" height=\"382\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Substance-Copyright-MUBI.jpg 387w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Substance-Copyright-MUBI-208x300.jpg 208w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Substance-Copyright-MUBI-138x200.jpg 138w\" sizes=\"auto, (max-width: 264px) 100vw, 264px\" \/><\/a><strong>&#8211; Release 19.09.2024 <\/strong>(world)<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Jugendwahn und Sch\u00f6nheitsideale. Dreimal wischen, zweimal tippen, einmal absenden, und schon wird man in der Welt dort drau\u00dfen gesehen, wie man selbst gerne wahrgenommen werden m\u00f6chte. Die leider nur sp\u00e4rlich umtriebige Filmemacherin Coralie Fargeat bekommt mit dem verst\u00e4rkten Zeitgeist von Social Media das Thema ihres erst zweiten Spielfilm f\u00f6rmlich auf dem Silbertablett serviert. Sehr leicht h\u00e4tte Fargeat einen relevanten Kommentar zu der soziologischen Ausrichtung unserer Gesellschaft machen k\u00f6nnen. Aber sie ist so schlau gewesen, weder moralisieren zu wollen, noch einem Trend hinterherzuhecheln. Auch wenn es genau um diesen Blick einer Gesellschaft auf absurde Ideale geht. Dieser Film ist aber keine Abrechnung die einen Spiegel vorhalten will, sondern das Portrait einer gebrochenen Pers\u00f6nlichkeit. Diese Pers\u00f6nlichkeit ist die vielfach pr\u00e4mierte Darstellerin Elisabeth Sparkle, die als Schauspielerin \u00fcber Vierzig ohnehin keine Rollen mehr bekommt, und jetzt mit F\u00fcnfzig sogar aus einer billigen Aerobic-Show gefeuert wird. Optisch angesiedelt in den 1980ern, ist der Film ein noch immer aktueller Blick auf\u00a0 sexistische Frauenbilder und dominante M\u00e4nnerwelten.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Und nur wer will, kann dann auch f\u00fcr sich eine Abrechnung mit einer gesellschaftlichen Zwangsst\u00f6rung entdecken. Es muss aber nicht sein, und das macht THE SUBSTANCE so gro\u00dfartig. In erster Linie geht es um Elisabeth, die sehr frustriert und extrem w\u00fctend, mit einer bisher unbekannten Substanz ein neue Chance bekommt. Aus ihrem K\u00f6rper erw\u00e4chst ihr ein zweites, viel j\u00fcngeres und sogar verbessertes Selbst. Die strikte Regel: Das Bewusstsein muss exakt alle sieben Tage, auf die Stunde genau, zwischen dem \u00e4lteren und j\u00fcngeren K\u00f6rper wechseln. Die junge Version nennt sich Sue, spricht bei ihrem ehemaligen, nichtsahnenden Produzenten vor, der bestimmt nicht zuf\u00e4llig Harvey hei\u00dft, und wird mit ihrer eigenen Folgesendung zum Star. Es sind M\u00e4nner wie Harvey, die Frauen wie Elisabeth in ein von der Gesellschaft toleriertes Elend dr\u00e4ngen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Es hat schon fast etwas Kammerspiel-artiges, in welch beschr\u00e4nktem Umfeld sich die Figuren bewegen. Obwohl Benjamin Kracun mit exzessiven Weitwinkelaufnahmen die R\u00e4umlichkeiten unheimlich weit macht. Das l\u00e4sst die Darsteller immer wieder auf wenig Raum ziemlich verloren und einsam aussehen. Und einsam ist jeder der Charaktere, und auch wirklich verloren. Elisabeth k\u00e4mpft mit dem Verlust ihres Selbstwertgef\u00fchls, und der schwindenden Akzeptanz beim Publikum. Sue verabscheut das Geheimnis ihrer jugendlich wirkenden Frische, und will auch ihr Bewusstsein nicht teilen m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Es ist unglaublich, was Coralie Fargeat ihren Darstellerinnen im Verlauf dieser Tour de Force zumutet. Umso bewundernswerter ist, was Demi Moore und Margaret Qualley bereit waren, f\u00fcr Elisabeth und Sue k\u00f6rperlich und geistig zu geben. Auch wenn sie sich \u00e4u\u00dferlich nicht so \u00e4hnlich sehen, bringen sie gleiche Energie und Leidenschaft f\u00fcr ihre Figuren, die im Bewusstsein eins sind. Diese Energie und Leidenschaft ist nie leicht zu ertragen. Qualley und Moore lassen fast schon schmerzhaft sp\u00fcren, wie sie von ihren Ambitionen und Verlust\u00e4ngsten getrieben sind. Dabei prescht Fargeat au\u00dfergew\u00f6hnlich radikal vor. SUBSTANCE ist kein Drama das versucht mit geschliffenen Dialogen oder subtilen Ans\u00e4tzen einen intelligenten Anstrich zu bekommen.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=24885\" rel=\"attachment wp-att-24885\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-24885 size-full\" title=\"Substance 1 - Copyright MUBI\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Substance-1-Copyright-MUBI.jpg\" alt=\"Substance 1 - Copyright MUBI\" width=\"640\" height=\"315\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Substance-1-Copyright-MUBI.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Substance-1-Copyright-MUBI-300x148.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Substance-1-Copyright-MUBI-200x98.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Im Resultat ist es ebenso unglaublich, was Coralie Fargeat ihrem Publikum im Verlauf dieser Tour de Force zumutet. David Cronenberg muss diesen Film lieben, der schlie\u00dflich das Sub-Genre Bodyhorror definiert hat. Coralie Fargeat geht in der Beziehung vielleicht sogar etwas weiter, und inszeniert ihren Film in kompromissloser Extreme. Die Geburt von Sue aus Elisabeth&#8216; R\u00fccken, offene Fleischwunden, k\u00f6rperliche Verfall, Blut, Knochen, Eiter, Mord und Totschlag. Der Film zeigt, was sonst der Phantasie \u00fcberlassen bleibt. Das ist immer schockierend, oftmals ekelerregend, manchmal unertr\u00e4glich.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Aber alles was der Film kredenzt bleibt stets im Kontext. Und alles ergibt auch Sinn. Willk\u00fcr k\u00f6nnte man Fargeat vorwerfen, aber es w\u00e4re dann auch nicht ihr Film, dieser Film, diese Erfahrung. Es kann absto\u00dfend sein, und bleibt doch unabl\u00e4ssig faszinierend zu beobachten. THE SUBSTANCE ist das, was man am besten als einen wilden Ritt beschreibt. Ein Film der seine Energie nicht durch die meist verst\u00f6renden Weitwinkel-Optik gewinnt, auch nicht durch seine sorgsame, sehr stimmige Schnittfolgen. Es ist Rafferties provozierender Elektro-Soundtrack mit seinen peitschenden Rhythmen und dissonanten Tonfolgen. Und das schonungslos intensive Spiel von Margaret Qualley und Demi Moore ist das treibende Instrument. Faszinierende Figuren, die mit ihrem fanatischen Charakter viel Menschlichkeit in den Wahnsinn von Sch\u00f6nheitsidealen und Jugendwahn bringen. Was f\u00fcr eine Reaktion auch immer Coralie Fargeat in bestimmten Szenen ausl\u00f6st, ist genau die Reaktion, welche sie beabsichtigt hat.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Da liegen unfreiwillige Komik und befreiendes Lachen genauso beieinander, wie absto\u00dfender Ekel und mitf\u00fchlende Traurigkeit. Es sind diese exzessiv nach au\u00dfen gekehrten Mittel, die ganz tief nach innen f\u00fchren. Ein wilder Ritt eben.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=24886\" rel=\"attachment wp-att-24886\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-24886 size-full\" title=\"Substance 2 - Copyright MUBI\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Substance-2-Copyright-MUBI.jpg\" alt=\"Substance 2 - Copyright MUBI\" width=\"640\" height=\"380\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Substance-2-Copyright-MUBI.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Substance-2-Copyright-MUBI-300x178.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Substance-2-Copyright-MUBI-200x119.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 80px;\">Darsteller: <strong>Demi Moore, Margaret Qualley, Dennis Quaid<\/strong> u.a.<br \/>\nRegie &amp; Drehbuch: <strong>Coralie Fargeat<\/strong><br \/>\nKamera: <strong>Benjamin Kracun<\/strong><br \/>\nBildschnitt: <strong>Coralie Fargeat, Jerome Eltabet, Valentin F\u00e9ron<\/strong><br \/>\nMusik: <strong>Raffertie<\/strong><br \/>\nProduktionsdesign: <strong>Stanislas Reydellet<\/strong><br \/>\n<strong>Gro\u00dfbritannien \/ 2024<\/strong><br \/>\n<strong>140<\/strong> Minuten<\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>MUBI<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; Release 19.09.2024 (world) Jugendwahn und Sch\u00f6nheitsideale. Dreimal wischen, zweimal tippen, einmal absenden, und schon wird man in der Welt dort drau\u00dfen gesehen, wie man selbst gerne wahrgenommen werden m\u00f6chte. Die leider nur sp\u00e4rlich umtriebige Filmemacherin Coralie Fargeat bekommt mit &hellip; <a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2024\/the-substance\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,4],"tags":[890,4886,4885,171,148,4672,4884,336],"class_list":["post-24882","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-im-kino-gesehen","tag-cannes","tag-coralie-fargeat","tag-demi-moore","tag-drama","tag-horror","tag-margaret-qualley","tag-the-substance","tag-thriller"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24882","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24882"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24882\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24923,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24882\/revisions\/24923"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24882"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24882"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24882"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}