{"id":249,"date":"2010-04-01T00:00:16","date_gmt":"2010-03-31T23:00:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=249"},"modified":"2011-03-26T14:14:13","modified_gmt":"2011-03-26T13:14:13","slug":"kick-ass-kicks-ass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2010\/kick-ass-kicks-ass\/","title":{"rendered":"KICK ASS kicks ass"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><a rel=\"attachment wp-att-250\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=250\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-250\" title=\"kickass1\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/kickass1.jpg\" alt=\"\" width=\"135\" height=\"200\" \/><\/a>Es ist die einfache Geschichte von Junge trifft M\u00e4dchen, Junge verliert M\u00e4dchen, Junge und M\u00e4dchen finden sich wieder. Alles schon mal dagewesen, und das nicht zu knapp. Der Verlierertyp, der die High-School-Queen nicht mit Heldentaten \u00fcberzeugen muss. Doch da ist immer dieser unheilvolle Schatten des Unausgesprochenen. Es ist wie in jeder Romanze, die ein Reibungspotenzial ben\u00f6tigt, um die Liebe auf den Pr\u00fcfstand zu stellen. Und nach altem Dramaturgie-Rezept verpasst es auch Dave Lizewski immer wieder, seiner scheinbar unerreichbaren Liebe Katie die Wahrheit zu gestehen. Denn je l\u00e4nger ein Gest\u00e4ndnis auf sich warten l\u00e4sst, desto gr\u00f6\u00dfer wird schlie\u00dflich der Vertrauensbruch bewertet. In jeder anst\u00e4ndigen Romanze geschieht dieses Zerw\u00fcrfnis in den letzten zwanzig Minuten, um dann zum tr\u00e4nenreichen Finale zu blasen. Bei KICK-ASS geschieht es in der Mitte des Films, dauert 30 Sekunden und danach m\u00f6chte Katie, mit ihren eigenen Worten gesprochen, dem Helden nur noch das Hirn aus dem Sch\u00e4del v\u00f6geln.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Nach seinem vollkommen untersch\u00e4tzten STARDUST bricht Regisseur Matthew Vaughn mit KICK-ASS endlich aus dem Schatten der von ihm produzierten Guy-Ritchie-Produktionen heraus. Es ist ein ur-amerikanischer Film geworden, der extrem britische Z\u00fcge tr\u00e4gt. Die Grundlage der Geschichte ist denkbar einfach und doch noch nicht ergr\u00fcndet worden: Warum hat sich noch nie ein Superhelden anbetender Fan selbst eine Maske \u00fcbergest\u00fclpt und ist zum Menschretter geworden? Dave Lizewski bestellt sich einen gr\u00fcnen Taucheranzug inklusive Maske, zieht los, ein Held zu sein, nennt sich Kick-Ass und bekommt beim ersten Einsatz gewaltig den Arsch versohlt. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Funktionieren die ersten Minuten des Films noch wie eine herk\u00f6mmlich inszenierte Pubert\u00e4ts-Kom\u00f6die, wenn Dave von seiner vollbusigen Lehrerin tr\u00e4umt und im stillen K\u00e4mmerlein m\u00e4chtig die Fleischpeitsche poliert, zwischendrin mit den Kumpels im Comic-Laden abh\u00e4ngt und existenzielle Fragen diskutiert, wird beim ersten Kick-Ass-Kampf schnell klar, dass das Herk\u00f6mmliche hier wahrlich nicht zu finden ist. Selbst nach schwerer Genesungszeit will der Enthusiast Dave nicht aufgeben und ger\u00e4t nicht nur wieder an die falschen B\u00f6sen, sondern macht eine erstaunliche Entdeckung. In einer Welt voller Comics und ihrer Verfilmungen gibt es Superhelden bereits. Und in der Szene, als ihn diese Erkenntnis trifft, \u00e4ndert sich nicht nur Daves Weltbild, sondern stellen sich auch die Weichen f\u00fcr das Publikum.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">KICK-ASS ist nicht einfach nur der Heldenname der Hauptfigur, sondern eine Beschreibung f\u00fcr den Umgang des Regisseurs mit seinem Publikum. Radikaler hat kaum ein Film in den letzten Jahren mit den Konventionen im Unterhaltungskino gebrochen. Da sind eine Brise SUPERBAD und ein Quantum WATCHMEN, was den Film erkl\u00e4ren k\u00f6nnte. Doch mit einer elfj\u00e4hrigen T\u00f6tungsmaschine kommt man in Erkl\u00e4rungsnotstand. Mit dem lila per\u00fcckten Hit-Girl bekommt das Genre des Superhelden-Films eine besondere Note. Geht es vordergr\u00fcndig um einen, der ein Held sein m\u00f6chte, ist es doch der eigentliche Tenor des Films, wie konsequent man als Held in der wirklichen Welt sein m\u00fcsste. Als b\u00f6ser Schatten der sympathischen Hauptfigur entwirft KICK-ASS einen speziellen, zum Star avancierenden Alptraum. Und verschiebt st\u00e4ndig seine Grenzen im Spiel zwischen fiktiver Wirklichkeit und wirklicher Fiktion.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Chloe Grace Moretz ist dieser Star, der eigentlich keiner sein d\u00fcrfte. Jedenfalls nicht in einer Filmwelt, die im Umgang mit Moral nicht zynischer sein k\u00f6nnte. Ein elfj\u00e4hriges M\u00e4dchen, das sich von Papa anschie\u00dfen l\u00e4sst, Drogendealern die Beine mit Macheten abschl\u00e4gt, sich zum Geburtstag Butterfly-Messer w\u00fcnscht oder mit einem L\u00e4cheln Kopfsch\u00fcsse aus direkter N\u00e4he verabreicht. Eine Elfj\u00e4hrige, die, statt mit Barbie zu spielen, Spa\u00df am T\u00f6ten hat und ihren Vater anhimmelt, der sie zu einer Mordmaschine erzog. Cloe Grace Moretz hat ein einnehmendes Aussehen und eine \u00fcberw\u00e4ltigende Aura, selbst hinter ihrer schwarzen Maske. Sie definiert KICK-ASS als Film, und sie definiert \u201ekicked ass\u201c.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Man kann dies moralisch \u00fcberbewerten. Und mit dieser Meinung l\u00e4ge man, realistisch gesehen, wirklich nicht falsch. Doch Realismus wiederspricht den Gepflogenheiten des Superhelden-Kinos. Aber gerade weil der gro\u00dfe Schauwert und der eigentliche Gehalt von einer Elfj\u00e4hrigen ausgehen, die noch vor der Pubert\u00e4t keine sittliche Gesinnung mehr besitzt, darf man das nicht unreflektiert lassen. Schlie\u00dflich ist das Szenario kein Tabubruch, weil so etwas als Tabu bisher nicht in Frage gestellt werden musste. Im modernen Kino vielleicht bei Bessons LEON, doch der folgte einer ganz anderen Dramaturgie. Ist KICK-ASS noch der pure Spa\u00df \u2013 und man kommt nicht umhin, dies tats\u00e4chlich als solchen zu beschreiben \u2013, wird die filmische Umsetzung von Hit-Girl wegweisend sein. Und da kann bei Nachahmern, Originalit\u00e4t bekanntlich schnell ins Fragw\u00fcrdige kippen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Dabei lief KICK-ASS stets Gefah, der Film zu werden, der er nie sein wollte. Denn die amerikanische R-Freigabe, vergleichbar mit dem deutschen FSK 18, kann durchaus die Einnahmen um zwei Drittel k\u00fcrzen. Da aus unerfindlichen Gr\u00fcnden die f\u00fchrenden Filmstudios Hollywoods Kassenerfolge nach dem heimischen Ticketverkauf messen und nicht nach den internationalen Gesamteink\u00fcnften, war f\u00fcr KICK-ASS stets ein PG-13 angepeilt gewesen. Praktisch ein lockeres \u201eab 16\u201c oder sehr strenges \u201eab 12\u201c. Vaughn als Regisseur und Co-Autor hat nat\u00fcrlich mit sich ringen m\u00fcssen, letztendlich aber doch den Film gemacht, der nun trotz oder gerade wegen aller Freigabe-Beschr\u00e4nkungen die Massen \u00fcberzeugt. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Vaughn inszeniert sehr klassisch, sehr strikt. Stimmung und Rhythmus sind sich erg\u00e4nzende Einheiten. Die Computer-Effekte sind erstaunlich, aber erfreulich reduziert, und beschleunigte ebenso wie verlangsamte Sequenzen durchweg effektiv eingesetzt. Optische und akustische Gimmicks ordnen sich strikt dem Lauf des Films unter. Dessen Ton ist eine st\u00e4ndige Verquickung von Romanze, Heldenepos und kruden Gewaltszenen. Und damit kann man Matthew Vaughns Comic-Verfilmung einen ann\u00e4hernd perfekten Charakter bescheinigen. Daf\u00fcr muss man allerdings die satirische Inszenierung in ihrer derben Konsequenz akzeptieren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Angef\u00fchrt vom erfreulich frischen Gesicht von Aaron Johnson ist das Ensemble erstaunlich harmonisch. Sogar dem selten \u00fcberzeugenden Nicholas Cage darf man zu seinem besten Auftritt seit Jahren gratulieren. Die Musikauswahl tut ihr \u00dcbriges, um den ohnehin freudig erregten Zuschauer in helle Ekstase zu versetzen. KICK-ASS katapultiert sich mit allem, was er hat, wie er arrangiert wurde, wie man ihn erleben darf, zum unterhaltsamsten, aber auch perfektesten Film in der Durchschnittlichkeit des Mainstream-Dschungels. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Perfekt, soweit man bereit ist, einiges einzustecken. Eine elfj\u00e4hrige T\u00f6tungsmaschine ist aber auch nicht sehr leicht zu verkraften. Und darf auch keineswegs unreflektiert bleiben. Aber es macht einfach zu viel Spa\u00df. Zynisch? Ja, vielleicht kann man dem Ganzen auch einen gewissen Grad an Zynismus vorwerfen. Hey, man ist erwachsen, und nicht umsonst soll die Altersfreigabe ihre Pflicht erf\u00fcllen. Dann wird alles gut, denn es macht wirklich sehr viel Spa\u00df.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>Darsteller: Aaron Johnson, Chloe Grace Moretz, Christopher Mintz-Plasse, Mark Strong, Nicholas Cage, Clark Duke, Lyndsey Fonseca u.a.<\/em><br \/>\n<em>Regie: Matthew Vaughn &#8211; Drehbuch: Matthew Vaughn, Jane Goldman nach dem Comic von Mark Millar und John Romita &#8211; Kamera: Ben Davies &#8211; Bildschnitt: Jon Harris, Pietro Scalia, Eddie Hamilton &#8211; Musikberatung: Ian Neil &#8211; Produktionsdesign: Russell De Rozario<\/em><br \/>\n<em>USA \/ 2009 \u2013 zirka 117 Minuten<\/em><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Bildquelle: Universal Pictures International<\/span><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist die einfache Geschichte von Junge trifft M\u00e4dchen, Junge verliert M\u00e4dchen, Junge und M\u00e4dchen finden sich wieder. 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