{"id":2493,"date":"2012-02-05T17:46:38","date_gmt":"2012-02-05T16:46:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=2493"},"modified":"2012-02-06T18:16:53","modified_gmt":"2012-02-06T17:16:53","slug":"the-artist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/the-artist\/","title":{"rendered":"THE ARTIST blamiert amerikanische Studios"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"attachment wp-att-2494\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/the-artist\/artist-01\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2494\" title=\"Artist-01\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Artist-01.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"245\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Artist-01.jpg 550w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Artist-01-200x89.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Artist-01-300x133.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Die Begeisterung f\u00fcr \u201eThe Artist\u201c kennt keine Grenzen. Keine Preisverleihung, die ohne dieses strahlende Juwel in schwarz-wei\u00df auskommen k\u00f6nnte. Ein Film, der aufhorchen l\u00e4sst, der bewegt, der die M\u00f6glichkeiten des modernen Kinos auszureizen versteht, um die Vergangenheit begreifbar zu machen. Und wer \u201eThe Artist\u201c gesehen hat, verf\u00e4llt seinem Charme, ist hingerissen von seiner Konsequenz und zeigt sich begeistert vom Spiel mit den Techniken der filmischen Erz\u00e4hlkunst. Doch wenngleich \u201eThe Artist\u201c auch keine Mogelpackung ist, sollte er auch nicht als das Meisterwerk missverstanden werden, welches man ihm als Attribut anheften m\u00f6chte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Beginnend im Jahre 1927, als der Stummfilm noch grandiose Urst\u00e4nde feierte, und endend 1932, als der Tonfilm sich als allbeherrschend etabliert hatte, zeichnet Michel Hazanavicius mit seinem Film die Werte der Filmkunst als solche nach. Er verdeutlicht aber nicht die Notwendigkeit des immerw\u00e4hrenden Prozesses der Ver\u00e4nderung, obwohl dies offensichtlich in seiner Absicht lag. Die Klammer des Films ist jeweils eine Step-Nummer, anfangs ohne die vertrauten Kl\u00e4nge, am Ende in bester \u201eThat\u2018s Entertainment\u201c-Manier. W\u00e4hrend das F\u00fcr und Wider des Tonfilms auf der Hand zu liegen scheint, sind beide Szenen einfach zu perfekt als Hommage an die jeweilige nur wenige Monate auseinanderliegende Zeit angepasst, dass jede in ihrem eigenen Charme gerechtfertigt bleibt. Eine greifbare Differenzierung war vielleicht erdacht, findet aber doch nicht statt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Wenn man von ganz gro\u00dfem Kino spricht, dann spricht man meistens auch von ganz gro\u00dfem Aufwand, der sich in Ausstattung und Design auch auf der visuellen Ebene manifestiert. Und was \u201eThe Artist\u201c auf die Leinwand abl\u00e4sst, ist ganz gro\u00dfes Kino. Mit nur umgerechnet 15 Millionen Dollar ist das Zeitkolorit nahezu perfekt. Dass die Fassaden der gezeigten Premierenkinos, wie zum Beispiel der des heute noch existierenden La Reina Theaters, nicht dem historischen Original entsprechen, interessiert nur kleinkarierte Freigeister wie den Autor<\/span> <span style=\"color: #000000;\">dieser Zeilen. Doch ob Kost\u00fcmorgien in voll besetzten Kinos, ganze innerst\u00e4dtische Stra\u00dfenz\u00fcge mit zeitgen\u00f6ssischen Automobilen oder schwelgerischer Popanz mit zeitlich korrekten Innendekors \u2013 man darf es schon wagen, von einer optischen Orgie zu sprechen, was Ausstattung, Designer und Kost\u00fcmbildner geleistet haben. Von Bescheidenheit kann da nicht die Rede sein, sondern eher von Qualit\u00e4t und Quantit\u00e4t eines opulenten Kost\u00fcmschinkens. Die weltbestimmenden Studios sollten bei den Franzosen in die Schule gehen, was mit 15 Millionen Dollar nicht nur machbar ist, sondern auch nach sehr, sehr viel mehr aussieht.<\/span><\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-2510\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/the-artist\/artist-03\/\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2510\" title=\"Artist-03\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Artist-03.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"340\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Artist-03.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Artist-03-176x200.jpg 176w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Artist-03-264x300.jpg 264w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/span><\/a><span style=\"color: #000000;\">Mit Jean Dujardin hat Hazanavicius einen grandiosen Charakterkopf an die Spitze gestellt, der mit seiner optischen Mischung von Fairbanks und Gable den perfekten Stummfilm-Star gibt. Auch Berenice Bejo als aufsteigender Tonfilm-Star Peppy Miller versteht es, den notwendigen Charme, dieses kecke Selbstbewusstsein und die verschmitzte Frechheit zu zeigen, die Stars dieser \u00c4ra von sich gaben. Ihre offensichtlich s\u00fcdamerikanischen Gesichtsz\u00fcge verwehren dem Zuschauer dieses weiche und zart anmutende Etwas, welches Mary Pickford nach oben brachte und Hollywood die Garbo nach Amerika holen lie\u00df. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Was \u201eThe Artist\u201c nicht ist, ist ein zelebriertes Wehklagen \u00fcber die gute, alte Zeit. Es ist ein Spiel mit den Mitteln, mit den Formaten, aber auch mit der Geschichte. Wenn auch in schwarz-wei\u00df und ohne h\u00f6rbaren Dialog, arbeitet er ganz raffiniert mit den Tonebenen. Der Film spielt nicht in seiner in sich geschlossenen Welt, sondern verl\u00e4sst immer wieder seinen \u00dcberbau, wenn er zum Beispiel seine Hauptfigur lediglich in einem Alptraum T\u00f6ne h\u00f6ren l\u00e4sst. Die Figuren agieren nicht nur in einem Stummfilm, ihre Welt ist es tats\u00e4chlich, bis sie den Wandel der Zeit begreifen und diesen akzeptieren. Nur der gr\u00f6\u00dfte Stummfilm-Star aller Zeiten nicht. Indem sich George Valentin als Hauptdarsteller des wirklichen Films dem Fortschritt verweigert, bleiben dem Zuschauer von \u201eThe Artist\u201c auch die Dialoge verwehrt. Bis die Dinge knapp in einer Katastrophe enden. Der Tonfilm war eben nicht aufzuhalten. Nur die deutsche Synchronisation hat es tats\u00e4chlich wieder einmal in ihrer dummdreisten Arroganz geschafft, die alles erkl\u00e4rende Ironie in der Geschichte aus dem abschlie\u00dfenden Satz des Films wegzusynchronisieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nicht nur, dass die Erz\u00e4hlstruktur mit der f\u00fcr Filme herk\u00f6mmlichen Weise bricht, auch Kameramann Guillaume Schiffman tat sehr gut daran, sich nicht strikt an die optische Bildgestaltung und den szenischen Aufbau der damaligen Tage zu halten. Er arbeitete konform zum modernen Kino genauso mit Unsch\u00e4rfen, Naheinstellungen, Handkamera oder langen Fahrten. Nur versteht er es dabei ebenso wie der eigentliche Aufbau des Films selbst, die Muster und Techniken von damals erst auszureizen, um sie schlie\u00dflich komplett aufzubrechen. Denn die Entwicklung des Kinos war und ist nach wie vor ein flie\u00dfender Prozess, der sich nicht nur einfach von stumm auf Ton oder von Schwarz-wei\u00df auf Farbe fest machen l\u00e4sst. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Genau das zelebriert Michel Hazanavicius mit \u201eThe Artist\u201c. Es ist nicht der Hang zum Alten, sondern dass auch kreative Prozesse mit einer fortschrittlichen Entwicklung einhergehen. Er fordert auf, das Neue nicht einfach nur zu akzeptieren, sondern sich damit auseinanderzusetzen. Wer immer \u201eThe Artist\u201c mit dem Attribut Meisterwerk schm\u00fccken m\u00f6chte, kann dies ruhig tun. Er ist witzig, charmant, dramatisch und auch spannend. Er ist ein Film, der einen akzeptieren l\u00e4sst, was man aus dem modernen Kino nicht mehr gewohnt ist. Und dies nicht nur f\u00fcr Cineasten oder Filmhistoriker. Aber das Meisterwerk ist letztendlich nur ein Experiment. Ein Experiment, das funktioniert hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es ist ganz gro\u00dfes Kino, welches funktioniert, weil alle k\u00fcnstlerischen und technischen Komponenten sehr genau kalkuliert aufeinander abgestimmt sind. Weil alle k\u00fcnstlerischen und technischen Arbeiter sich ihrer Liebe zum Kino durchaus bewusst waren. Kino ist kein Ponyhof. Und jeder, der an \u201eThe Artist\u201c mitgearbeitet hat, fand ganz offensichtlich genau daran seine Freude. Es ist ein Spiel mit Konventionen und dem Brechen dieser Konventionen. Das macht aus \u201eThe Artist\u201c diesen ganz besonderen Film, der so nicht noch einmal m\u00f6glich w\u00e4re. Meisterwerk hin oder her.<\/span><\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-2509\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/the-artist\/artist-02\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2509\" title=\"artist-02\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/artist-02.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"367\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/artist-02.jpg 550w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/artist-02-200x133.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/artist-02-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Darsteller: <strong>Jean Dujardin, Berenice Bejo, Uggie, Dash, Dude, John Goodman, James Cromwell, Penelope Ann Miller, Missi Pyle <\/strong>u.v.a.<br \/>\nRegie &amp; Drehbuch: <strong>Michel Hazanavicius<\/strong><br \/>\nKamera: <strong>Guillaume Schiffman<\/strong><br \/>\nBildschnitt: <strong>Anne-Sophie Bion, Michel Hazanavicius<\/strong><br \/>\nMusik: <strong>Ludovic Bource<\/strong><br \/>\nProduktionsdesign: <strong>Laurence Bennett<\/strong><br \/>\nSet-Entwurf: <strong>Adam Mull<\/strong><br \/>\nAusstattung: <strong>Austin Buchinsky, Robert Gould<\/strong><br \/>\nKost\u00fcme: <strong>Mark Bridges<\/strong><br \/>\nFrankreich \/ 2011<br \/>\nzirka <strong>100<\/strong> Minuten<\/p>\n<h5>Bildquelle: <strong>Delphi Filmverleih Produktion<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Begeisterung f\u00fcr \u201eThe Artist\u201c kennt keine Grenzen. 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