{"id":25575,"date":"2024-12-21T06:06:42","date_gmt":"2024-12-21T05:06:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=25575"},"modified":"2024-12-03T15:26:26","modified_gmt":"2024-12-03T14:26:26","slug":"freuds-last-session-jenseits-des-glaubens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2024\/freuds-last-session-jenseits-des-glaubens\/","title":{"rendered":"FREUD &#8211; Jenseits des Glaubens"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: right;\"><strong><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=25579\" rel=\"attachment wp-att-25579\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-25579 \" title=\"Freud 1 - Copyright X VERLEIH\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Freud-1-Copyright-X-VERLEIH.jpg\" alt=\"Freud 1 - Copyright X VERLEIH\" width=\"256\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Freud-1-Copyright-X-VERLEIH.jpg 386w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Freud-1-Copyright-X-VERLEIH-211x300.jpg 211w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Freud-1-Copyright-X-VERLEIH-140x200.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 256px) 100vw, 256px\" \/><\/a>FREUD\u2019S LAST SESSION<\/strong><br \/>\n<strong>&#8211; Bundesstart 19.12.2024<\/strong><br \/>\n&#8211; Release 18.04.2024 (AUS)<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Am 25. Februar 1964 trafen sich Cassius Clay, Malcolm X, Jim Brown und Sam Cooke in einem Motelzimmer in Miami. Das ist erwiesener Fakt. Was die Ikonen der Schwarzenbewegung allerdings in jener Nacht zu bereden hatten, ist noch immer ein Mysterium. F\u00fcr Autor Kemp Powers war es aber Anlass, daraus ein spekulatives, dennoch sehr interessantes, weil nachvollziehbares Gedankenspiel zu entwickeln. Es wurde von Regina King unter dem gleichnamigen Titel ONE NIGHT IN MIAMI sehr erfolgreich verfilmt. Kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939, kurz\u00a0 vor seinem Ableben, empfing Psychoanalytiker Sigmund Freud in seinem Anwesen in London einen Professor aus Oxford. Auch das ist nachweislicher Fakt. Wer dieser Professor war, konnte nie gekl\u00e4rt werden. F\u00fcr B\u00fchnenautor Mark St. Germain Anlass zu einem raffinierten Gedankenspiel, w\u00e4re dieser Oxford Professor Schriftsteller C.S. Lewis gewesen.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Freud schwankt zwischen rasendem Schmerz, den ihm sein Mundh\u00f6hlenkarzinom verursacht, und der st\u00e4ndigen Einnahme von Morphium. Seinen eigenen Forschungen, und von ihm selbst zu Dogmen erhobenen Ergebnissen folgend, tr\u00e4gt Freud stolz seinen Atheismus vor sich her. Schon aus Prinzip will er an diesem Tag die Diskussion mit dem gl\u00e4ubigen Christen und autodidaktischen Theologen Lewis nicht verschieben. Und Anthony Hopkins geht mit fast schon absto\u00dfender \u00dcberheblichkeit in diese Begegnung. Hopkins Spiel l\u00e4sst keinen Zweifel, dass Freud sein atheistisches Weltbild f\u00fcr wahrhaftig h\u00e4lt. Nur das Publikum sieht ihn st\u00e4ndig mit Verwirrung k\u00e4mpfen, verursacht durch Schmerz und Medikation. F\u00fcr seinen Kontrahenten verkehrt Hopkins grandioses Spiel die eigentliche Unsicherheit von Freud, als anma\u00dfende Selbstsicherheit.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der anfangs ahnungslose Lewis sieht sich zuerst heftigen, verbalen Attacken ausgesetzt. Was einen zur\u00fcckhaltenden, aber charismatisch ausgepr\u00e4gten Darsteller wie Matthew Goode f\u00fcr diese Rolle geradezu pr\u00e4destiniert. Goode verfehlt eine physische \u00c4hnlichkeit mit C.S. Lewis, was aber f\u00fcr das Wesen der Geschichte vollkommen irrelevant ist. Mit seiner ruhigen, aber stets klaren und bestimmten Ausdrucksweise, ist der dargestellte Lewis ein perfekter Gegenpol zu dem nur anf\u00e4nglich dominant wirkenden Freud. Mit wachsamen Blick und leichter S\u00fcffisanz widerlegt Matthew Goode die provokanten Ausf\u00fchrungen von Freud, um Lewis&#8216; christlichen Glauben zu untermauern.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Wenn zwei der eindrucksvollsten Darsteller aus zwei Generationen, als zwei in ihren jeweiligen F\u00e4chern einflussreichsten Koryph\u00e4en unseres Jahrhunderts aufeinandertreffen, dann will man das sehen. Kurz und knapp. Und Filmemacher Matthew Brown h\u00e4lt in weiten Teilen auch, was diese Pr\u00e4misse verspricht. Kameramann Ben Smithard hat Anthony Hopkins schon bei THE FATHER durch die Niederungen von Demenz gef\u00fchrt. Auch hier wird Smithard mit der Optik zu einem Erz\u00e4hler. Je nach Gef\u00fchlslage, versteht er mit statischen Einstellungen oder bewegten Bildern den philosophischen Kampf zwischen Atheismus und christlichen Glauben emotional zu unterstreichen. An dieser Stelle weiter auf die komplexen Ansichten beider Parteien einzugehen w\u00e4re nicht dienlich.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=25581\" rel=\"attachment wp-att-25581\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-25581 size-full\" title=\"Freud 3 - Copyright X VERLEIH \/ SABRINA LANTOS\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Freud-3-Copyright-X-VERLEIH.jpg\" alt=\"Freud 3 - Copyright X VERLEIH \/ SABRINA LANTOS\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Freud-3-Copyright-X-VERLEIH.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Freud-3-Copyright-X-VERLEIH-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Freud-3-Copyright-X-VERLEIH-200x133.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Dem Film gelingt nahezu perfekt, die Weltanschauungen beider Gr\u00f6\u00dfen vorurteilsfrei zu vermitteln. Allein wie Hopkins mit seiner Zigarre zwischen den Fingern, gen\u00fcsslich den Akt des Rauchens sexualisiert, ist schlichtweg Leinwandgold. Matthew Browns Inszenierung hat lediglich einen ganz gro\u00dfen Nachteil. Mit der Beziehung zwischen Freuds Tochter Anna und der Kinderpsychoanalytikerin Dorothy Burlingham, \u00f6ffnet der Film eine Nebenhandlung, die durchaus ungew\u00f6hnlich und interessant ist. Doch dieser Zweig rei\u00dft auch immer wieder aus dem Fluss des wesentlich spannenderen Duells der intellektuellen Geistesgr\u00f6\u00dfen Freud und Lewis. Selbst wenn im sp\u00e4teren Verlauf die &#8222;Bindungst\u00f6rung&#8220; zwischen Vater und Tochter essenzielles Thema wird. Zumindest erweist sich die sehr facettenreiche Liv Lisa Fries als \u00fcberzeugende Anna.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Zus\u00e4tzlich bem\u00fcht die Handlung noch erkl\u00e4rende R\u00fcckblenden. Zum Beispiel, um die durch Fliegeralarm ausgel\u00f6sten Angstzust\u00e4nde von Lewis zu vertiefen, oder Annas Hintergrund in Wien weiter auszubauen. Wegen der deutschen Angriffe werden Kinder aufs Land evakuiert. Diese Szene am Bahnhof ist f\u00fcr Lewis nicht man annehmen k\u00f6nnte, die Eingebung f\u00fcr die \u201aNarnia Chroniken\u2018. Es wird seine Motivation, selbst Kinder aus der Stadt bei sich aufzunehmen, und erst diese geben ihm viel sp\u00e4ter die Idee f\u00fcr das erste Buch. Dennoch will der Regisseur mit einigen seiner Bilder eine inspirierende Verbindung zu Lewis bekanntester Buchreihe assoziieren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Das ist alles gut umgesetzt und f\u00fcgt sich genauso gut ein, st\u00f6rt allerdings auch die Spannung in der eigentlichen, ideologischen Auseinandersetzung. Und f\u00fcr die sind Matthew Goode und Anthony Hopkins wie geschaffen. Jedem geschliffenen Schlagabtausch folgen raffinierte Ausf\u00fchrungen. Hopkins und Goode hauen sich mit herrlicher Selbstsicherheit ihre fundierten Argumente um die Ohren, wie man es fast nicht besser erhoffen kann. F\u00fcr Beobachter wird es Lehrstunde und intellektuelle Herausforderung gleicherma\u00dfen. Und am Ende gewinnen beide, was den \u00fcblichen Regeln einer historischen Fiktion nachkommt. Das Gedankenspiel um den unbekannten Besucher wird zu einem plausiblen Ereignis. Genau so h\u00e4tte es auch passiert sein m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=25580\" rel=\"attachment wp-att-25580\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-25580 size-full\" title=\"Freud 2 - Copyright X VERLEIH \/ PATRICK REDMOND\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Freud-2-Copyright-X-VERLEIH.jpg\" alt=\"Freud 2 - Copyright X VERLEIH \/ PATRICK REDMOND\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Freud-2-Copyright-X-VERLEIH.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Freud-2-Copyright-X-VERLEIH-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Freud-2-Copyright-X-VERLEIH-200x133.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Darsteller: <strong>Anthony Hopkins, Matthew Goode, Liv Lisa Fries, Jodie Balfour, Jeremy Northam, Orla Brady<\/strong> u.a.<\/em><br \/>\n<em>Regie: <strong>Matthew Brown<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Drehbuch: <strong>Matthew Brown, Mark St. Germain<\/strong><\/em><br \/>\n<em>nach dem B\u00fchnenst\u00fcck von <strong>Mark St. Germain<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Kamera:<strong> Ben Smithard<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Bildschnitt: <strong>Paul Tothill<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Musik:<strong> Coby Brown<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Produktionsdesign:<strong> Luciana Arrighi<\/strong><\/em><br \/>\n<strong><em>Irland, Gro\u00dfbritannien, USA \/ 2023<\/em><\/strong><br \/>\n<em><strong>110<\/strong> Minuten<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<h6>Bildrechte: <strong>WARNER BROS<\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FREUD\u2019S LAST SESSION &#8211; Bundesstart 19.12.2024 &#8211; Release 18.04.2024 (AUS) Am 25. 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