{"id":2576,"date":"2012-02-22T20:16:12","date_gmt":"2012-02-22T19:16:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=2576"},"modified":"2012-02-23T09:47:32","modified_gmt":"2012-02-23T08:47:32","slug":"hugo-cabret","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/hugo-cabret\/","title":{"rendered":"HUGOs ern\u00fcchternde Magie"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"attachment wp-att-2578\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/hugo-cabret\/hugo-01\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2578\" title=\"Hugo-01\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Hugo-01.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"257\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Hugo-01.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Hugo-01-155x200.jpg 155w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Wenn Hugo Cabret durch das gl\u00e4serne Ziffernblatt des Uhrenturms von Gare Montparnasse blickt, stellt er sich die Welt als eine einzige, gro\u00dfe Maschine vor. Uhrwerke und Maschinen haben keine \u00fcberfl\u00fcssigen Teile, alles hat seine Bestimmung, jedes noch so gering anmutende Detail hat eine Aufgabe. F\u00fcr Hugo Cabret ist es wichtig, sich die Welt als einzige Maschine vorzustellen, denn so gibt es f\u00fcr ihn die Gewissheit, dass auch er eine Funktion in dieser Welt erf\u00fcllt. Er wei\u00df nur noch nicht, welche Funktion das sein wird. Als Waisenkind lebt er in den l\u00e4ngst vergessenen G\u00e4ngen und Zimmern jenseits der dicken W\u00e4nde des Bahnhofs. Er h\u00e4lt die m\u00e4chtigen Uhren instand, weil ihm sein Vater beigebracht hat, wie Uhrwerke funktionieren. Dies k\u00f6nnte ja seine Bestimmung sein. Oder ist es der defekte Automat in Menschengestalt, den sein Vater einst in einem Museum fand? Was passiert, wenn er es schafft, den Automaten in Gang zu setzen? Dieser wie ein Roboter anmutende Automat kann scheinbar selbstst\u00e4ndig schreiben \u2013 und es k\u00f6nnte eine Nachricht von Hugos verstorbenem Vater sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Was schreibt man \u00fcber einen Film, \u00fcber den man der \u00dcberraschungsmomente wegen eigentlich nichts sagen sollte? Und bei &#8222;Hugo&#8220; ist es sehr leicht, mit sehr wenigen Worten viel mehr zu sagen oder zu verraten, als es dem angedachten Zauber der Geschichte gut tut. Wer unvoreingenommen und unvorbelastet \u201eHugo\u201c sieht, wird in eine Welt entf\u00fchrt, die selbst f\u00fcr einen renommierten Geschichtenerz\u00e4hler wie Martin Scorsese vollkommen neu ist. Durch den exzessiven Gebrauch von 3-D offenbart sich ein atemberaubender Mikrokosmos von Passagieren, Ladenbesitzern, Verk\u00e4ufern und Bahnhofsvorsteher. Der Bahnhof Gare Montparnasse ist das Zuhause von Hugo Cabret, und doch w\u00fcrde er als Herumtreiber ins Waisenhaus gesteckt werden, sollte man ihn erwischen. Es ist eine seltsam anmutende Welt. Und es ist eine seltsam anmutende Geschichte. Sie k\u00f6nnte in einem Paralleluniversum spielen, wirkt so weit weg und ist doch so verst\u00e4ndlich nah. Mit gewaltigen, dem Steampunk entliehenen Bildern reflektiert der Film mit l\u00e4ngst \u00fcberholten Techniken und vergessenen F\u00f6rmlichkeiten unabl\u00e4ssig das Flair einer Epoche, in der man der Welt noch R\u00e4tsel entlocken konnte, die an Magie erinnern.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Gigantische Zahnr\u00e4der, endlos schwingende Pendel, gewaltige Stahlkonstruktionen. Was Robert Richardsons Bilder einfangen, l\u00e4sst einen staunen. Einzelne Bilder, ganze Szenen, die Schnittfolgen, alles ist sorgsam durchdacht, aufeinander abgestimmt und umgesetzt. Ein organischer Fluss, der dem Zauber der unwirklich anmutenden Orte den besonderen Glanz verleiht. Mit nur wenigen Ausrutschern ist \u201eHugo\u201c einer der ganz wenigen Filme, die mit der 3-D-Optik tats\u00e4chlich die Erz\u00e4hlebene erweitern, anstatt als Gimmick zu langweilen. Martin Scorsese hat bis dahin einen Film geschaffen, der in unserer aktuellen Zeit das darstellen k\u00f6nnte, was die Grundgeschichte f\u00fcr jene Zeit bedeutete, in welcher der Film spielt. Denn da ist mehr, sehr viel mehr. \u201eHugo\u201c reflektiert nicht nur in abstrakter Form das Leben und Wirken des jungen Martin Scorsese. Der Regisseur hat aus dem Film eine offensive, leidenschaftliche und dazu noch sehr pers\u00f6nliche Liebeserkl\u00e4rung an das Kino geschaffen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Aber \u201eHugo\u201c ist kein wirklich guter Film geworden. So tief die Verbeugung vor dem Kino der fr\u00fchen Tage auch ausfallen mag, entt\u00e4uscht er mit einer mittelm\u00e4\u00dfigen Geschichte. Sollte sich John Logan akribisch an Brian Selznicks Vorlage gehalten haben, h\u00e4tte er gut daran getan, sich gravierende Freiheiten herauszunehmen. W\u00e4hrend die Charakterzeichnungen durchaus stimmig und nachvollziehbar sind, und dabei ist es egal, ob der historische Kontext korrekt ist, krankt es gewaltig an den vielen losen Enden. Von Anfang an legt der Film F\u00e4hrten, Hinweise und Anspielungen, die sp\u00e4ter nie wieder aufgegriffen werden. Was sich wie ein geniales Konstrukt aufzubauen scheint, l\u00f6st sich in einem Nichts von braver, geradliniger Geschichte auf. Immer wieder wird dem Zuschauer glauben gemacht, der visuelle Zauber k\u00f6nnte sich am Ende mit der Magie der Erz\u00e4hlung zum filmischen Bombast vereinen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201eHugo\u201c ist weder ein schlechter Film noch einer, der entt\u00e4uscht. Es ist ein kraftvolles St\u00fcck Kino, das anspricht, mitrei\u00dft und zu Herzen geht. Aber es ist nie der Film, der er h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, wenn er mit dem Mut zur Ver\u00e4nderung an die Geschichte gegangen w\u00e4re. Ein Uhrwerk und eine Maschine haben tats\u00e4chlich nur so viele Teile, wie sie ben\u00f6tigen. Jedes R\u00e4dchen, jeder Bolzen, Gest\u00e4nge, Riemen, Lager, alles hat seine Aufgabe, jedes Teil ist wichtig, damit alles funktioniert. Die Huldigung an das Kino einer vergangenen Zeit h\u00e4tte zu einer Offenbarung f\u00fcr das heutige Kino werden k\u00f6nnen. Aber Scorsese hat f\u00fcr diesen Film nicht wirklich Magie angewandt, sondern nur mit Zaubertricks gearbeitet. Und wie bei jedem guten Trick hat \u201eHugo\u201c seine staunenden Ohs und \u00fcberraschten Ahs verdient. Aber Zaubertricks funktionieren meist mit der Kunst der Ablenkung. Diese Ablenkungen sind \u00fcberfl\u00fcssige Teile, sie geben nur vor, wichtig zu sein, damit alles funktioniert. Wie Handlungsst\u00fccke, die nur ihrer selbst willen eingebunden wurden. Sie dienen dem Moment, aber nicht dem gr\u00f6\u00dferen Ganzen. So h\u00e4tte \u201eHugo\u201c etwas wesentlich Gr\u00f6\u00dferes werden k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><a rel=\"attachment wp-att-2579\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/hugo-cabret\/hugo-02\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2579\" title=\"Hugo-02\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Hugo-02.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"343\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Hugo-02.jpg 550w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Hugo-02-200x124.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Hugo-02-300x187.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><em>Darsteller:<strong> Asa Butterfield, Chloe Grace Moretz, Ben Kingsley, Sacha Baron Cohen, Emily Mortimer, Christopher Lee, Helen McCrory, Michael Stuhlbarg <\/strong>u.a.<\/em><br \/>\n<em>Regie: <strong>Martin Scorsese<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Drehbuch: <strong>John Logan<\/strong> &#8211; nach dem Buch von <strong>Brian Selznick<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Kamera: <strong>Robert Richardson<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Bildschnitt: <strong>Thelma Schoonmaker<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Musik: <strong>Howard Shore<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Produktionsdesign: <strong>Dante Ferretti<\/strong><\/em><br \/>\n<em>USA \/ 2011<\/em><br \/>\n<em>zirka <strong>126 <\/strong>Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildquelle:<strong> Paramount<\/strong><em><br \/>\n<\/em><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Hugo Cabret durch das gl\u00e4serne Ziffernblatt des Uhrenturms von Gare Montparnasse blickt, stellt er sich die Welt als eine einzige, gro\u00dfe Maschine vor. 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