{"id":26406,"date":"2025-03-08T06:06:41","date_gmt":"2025-03-08T05:06:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=26406"},"modified":"2025-03-07T23:47:58","modified_gmt":"2025-03-07T22:47:58","slug":"mickey-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2025\/mickey-17\/","title":{"rendered":"MICKEY 17"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=26410\" rel=\"attachment wp-att-26410\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-26410 \" title=\" c WARNER BROS\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mickey-17-c-WARNER-BROS.jpg\" alt=\"Mickey 17 - c WARNER BROS\" width=\"257\" height=\"363\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mickey-17-c-WARNER-BROS.jpg 389w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mickey-17-c-WARNER-BROS-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mickey-17-c-WARNER-BROS-141x200.jpg 141w\" sizes=\"auto, (max-width: 257px) 100vw, 257px\" \/><\/a><strong>&#8211; Bundesstart 06.03.2025<\/strong><br \/>\n&#8211; Release 28.02.2025 (KOR)<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Asiatisches Kino trifft SESAMSTRASSE trifft Kurt Vonnegut trifft AVENUE 5 trifft George Carlin trifft Italo-Weltraum-Trash der Sp\u00e4tsiebziger. Jedes f\u00fcr sich bereitet durchaus Freude. Alles zusammen, gut gemischt, m\u00fcsste Gold wert sein. In Bong Joon-hos neuestem Streich finden sich noch viel mehr verwertbare Anleihen und Vergleiche. Doch so oder so sind keine dieser verwendeten Zutaten f\u00fcr MICKEY 17 wirklich gut. Die Geschichte des entbehrlichen Mickey, Neudeutsch ein Expendable, der bei jedem wissenschaftlichen Versuch stirbt, mit dem Bioprinter neu gefertigt wird, und jede Inkarnation mit dem Geist und dem Wissen der Vorg\u00e4nger gespeist wird, ist eine sichere Pr\u00e4misse f\u00fcr perfekte Satire und sozialkritische Paukenschl\u00e4ge. Standardthemen f\u00fcr den s\u00fcdkoreanischen Regisseur und Drehbuchautoren, wie sie die Filme PARASITE und SNOWPIERCER dominieren, aber bei allen Filmen von Bong Joon-ho sp\u00fcrbar sind, selbst beim Monsterspa\u00df THE HOST. Doch bei MICKEY 17 will der &#8218;Genre-Mix mit Anspruch&#8216; einfach nicht funktionieren.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Vorweg muss gesagt werden, dass dem Rezensenten nur die deutsche Synchronisation zur Verf\u00fcgung stand. Und diese ist das Schlimmste, was einem in j\u00fcngster Zeit im Kino zugemutet wurde. Man kann durchaus annehmen das Inhalt und Bedeutung der Dialoge in ihrer weltfremden Naivit\u00e4t in der Originalfassung so vorgeben sind. Das ist f\u00fcr einen Film von Bong Joon-ho schon schlimm genug, die Dialoge sind schlicht und ergreifend furchtbar. Aber in der Synchronisation sp\u00fcrt man regelrecht das grauenhafte Unverm\u00f6gen von Sprechern und Dialogregie, mit der Mischung von amerikanischem Kino und asiatischer Inszenierung umgehen zu k\u00f6nnen. Immer und immer wieder blickt man sich w\u00e4hrend der Vorstellung verst\u00f6rt um, ob das was von der Leinwand kommt tats\u00e4chlich Robert Pattinson, Toni Colette, Mark Ruffalo oder Naomie Ackie sein soll.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Satire hat viele Vorz\u00fcge, und viel Verantwortung. Die Definition von Satire variiert, im Kern ist es aber immer dieselbe Aussage. Bongs PARASITE ist Satire. MICKEY 17 ist es nicht, und tut sich selbst als Parodie seinem Publikum keinen Gefallen. Keine Frage, dass der j\u00fcngste Streich des ausgeschriebenen Genies technisch einwandfrei umgesetzt ist. Seinem relativ geringen Budget von etwa 120 Millionen Dollar macht er alle Ehre. Die visuellen Effekte sind tadellos, was auch durch den um ein Jahr verschobenen Starttermin zustande kam. Mit sehr raffinierten Kameraeinstellungen und Inszenierungstricks gelingt es dem Film in seiner Optik stets gr\u00f6\u00dfer und teurer zu wirken. Erneut zeigt sich Darius Khondji als brillanter Kameramann f\u00fcr verschiedenste Genres und visuelle Anspr\u00fcche. In der Bildgestaltung ist MICKEY 17 hervorragend.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Mit Yang Jin-mo hat der Filmemacher seinen bew\u00e4hrten Cutter wieder mit eingebracht. Yang beherrscht die Kunst der geschickten Reduktion, und versteht jede Szene auf ihre essenziellsten Bilder zu verdichten. Das macht die 137 Minuten grunds\u00e4tzlich sehr kurzweilig. Nur in seiner Inszenierung von Darstellern und ihren stets kindisch wirkenden Dialogen, oder auch in den selbst gesteckten Vorgaben des Handlungsverlaufs, wird der Film manchmal erschreckend lang &#8211; gef\u00fchlt. Und oft ist er auch nicht stimmig. Warum sind sechzehn Kopien des sch\u00fcchternen bis weinerlichen Mickey in ihrem Wesen identisch, nur Mickey 18 zeigt sich als unerbittlicher Mister Cool.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=26409\" rel=\"attachment wp-att-26409\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-26409 size-full\" title=\"(c) WARNER BROS\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mickey-17-b-c-WARNER-BROS.jpg\" alt=\"Mickey 17 b - (c) WARNER BROS\" width=\"640\" height=\"369\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mickey-17-b-c-WARNER-BROS.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mickey-17-b-c-WARNER-BROS-300x173.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mickey-17-b-c-WARNER-BROS-200x115.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der gescheiterte Politiker und Multimilliard\u00e4r Kenneth Marshall will einen weit entfernten Planeten kolonisieren. F\u00fcr diese Mission l\u00e4sst sich Mickey als &#8218;Expendable&#8216; anheuern. Er stirbt etliche Male bei Simulationen dessen, was bei der Expedition schiefgehen k\u00f6nnte, um den Rest der Crew zu sch\u00fctzen. Bis es zu einem Missgeschick mit den Ureinwohnern des Zielplaneten Niflheim kommt. Pl\u00f6tzlich steht die 17 der bereits gedruckten 18 seiner selbst gegen\u00fcber, etwas das absolut nicht sein darf. Schon aus ethischer Sicht d\u00fcrfen zwei K\u00f6rper keinesfalls die selbe Seele haben. Hier funktioniert die Geschichte noch einigerma\u00dfen. Die ethische Frage nach dem Wert eines Menschen und die moralische Verantwortung dem Leben gegen\u00fcber. All das wird f\u00fcr die Mission \u00fcber den Haufen geworfen. Das Szenario ist absurd und b\u00f6sartig zugleich, aber auch relevant. &#8222;Wie ist es zu sterben?&#8220; &#8211; wird zum Running-Gag.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Aber MICKEY 17 will zu viel auf einmal. Gedacht bei\u00dfender Witz, oder die anklagende Farce, dass alles hebt sich immer wieder auf. Der Regisseur hat keine klare Linie. F\u00fcr ein reines Science Fiction-Spektakel ist es zu wenig, zu vorhersehbar, zu lang. Als zeitgem\u00e4\u00df soziopolitische Nabelschau ist es zu offensichtlich und ohne intellektuellen Tiefgang. Ausgerechnet Gr\u00f6\u00dfen wie Toni Colette und Mark Ruffalo kaspern sich ungewohnt unlustig, daf\u00fcr erschreckend peinlich an ihren Rollen als Milliard\u00e4rspaar ab als w\u00e4re es Kinderbelustigung. Die exzessive Leidenschaft f\u00fcr Saucen von Collettes Ylfa beginnt schon nach k\u00fcrzester Zeit zu nerven, wird aber als Gag im Verlauf immer weiter strapaziert. Bong zeigt wenig Interesse an einer ernsthaft satirischen Gegenwartsbeschreibung. Aber selbst als absurder Bl\u00f6dsinn will der unstete Mix nicht funktionieren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Was den Film retten k\u00f6nnte, w\u00e4re ein f\u00fcr Bong Joon-hos Filme gewohnter, tonaler Richtungswechsel. Und der findet dann tats\u00e4chlich statt, wie man es erwarten w\u00fcrde, wenn sich Mickey 17 und Mickey 18 begegnen und eine gemeinsame Strategie zum \u00dcberleben finden m\u00fcssen. Aber der Wechsel geht in die falsche Richtung. Das ist der Moment, wenn Bong seinen Film strukturell in den absoluten Mainstream dreht, und mit den Albernheiten voll aufdreht. Erneut beweist Robert Pattinson seine Vielseitigkeit, und er zeigt wie man eine undankbar flach scheinende Rolle mit dem richtigen Gesp\u00fcr f\u00fcr den Moment immer wieder gl\u00e4nzen l\u00e4sst. Sein unglaublich trauriger Gang, seine mitf\u00fchlende Resignation oder die subtilen Gesten, wenn der Fokus auf anderen Figuren liegt. Robert Pattinson ist der eigentliche Grund, weshalb man MICKEY 17 durchh\u00e4lt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Man kann nur erahnen worauf der verantwortliche Filmemacher hinaus wollte, wenn er das Vokabular mehr und mehr, und bis zur nervt\u00f6tenden Grenze auf &#8222;beschissen&#8220; und &#8222;verfickt&#8220; reduziert. Man kann nur erahnen &#8211; wie die meisten Aspekte in Handlung und Regie. Das Bong nicht linear erz\u00e4hlt ist, neben Pattinson, noch das gelungenste Element. Und er kann Emotionen &#8211; richtig emotional zu Herzen gehen &#8211; da verfehlt Bong Joon-ho auch hier nicht das Ziel. Aber MICKEY 17 ist auch politisch, sozialkritisch, hat gesellschaftliche Kommentare, und \u00fcberaus satirische Spitzen. Aber das ergibt sich nicht nat\u00fcrlich, diese inhaltlichen Aspekte sind nicht korrelierender Teil der filmischen Erfahrung. Man muss sich Sinn, Sinnlichkeit und Hintersinn nebenher und hinterher selbst hart erarbeiten. Und dadurch gewinnt MICKEY 17 von Bong Joon-ho irrt\u00fcmlich den faden Geschmack von fehlender Substanz.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=26408\" rel=\"attachment wp-att-26408\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-26408 size-full\" title=\"c WARNER BROS\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mickey-17-a-c-WARNER-BROS.jpg\" alt=\"Mickey 17 a - c WARNER BROS\" width=\"640\" height=\"355\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mickey-17-a-c-WARNER-BROS.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mickey-17-a-c-WARNER-BROS-300x166.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Mickey-17-a-c-WARNER-BROS-200x111.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<blockquote><p><span style=\"color: #5c5c5c;\"><em>Darsteller: <strong>Robert Pattinson, Steven Yeun, Mark Ruffalo, Noami Ackie, Toni Collette<\/strong> u.a.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #5c5c5c;\"><em>Regie &amp; Drehbuch: <strong>Bong Joon Ho<\/strong><\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #5c5c5c;\"><em>nach <strong>Edward Ashton<\/strong>s Novel \u201eMickey 7\u201c<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #5c5c5c;\"><em>Kamera: <strong>Darius Khondji<\/strong><\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #5c5c5c;\"><em>Bildschnitt: <strong>Yang Jin-mo<\/strong><\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #5c5c5c;\"><em>Musik: <strong>Jung Jae-il<\/strong><\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #5c5c5c;\"><em>Produktionsdesign: <strong>Fiona Crombie<\/strong><\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #5c5c5c;\"><strong><em>S\u00fcdkorea, USA \/ 2025<\/em><\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #5c5c5c;\"><em><strong>137<\/strong> Minuten<\/em><\/span><\/p><\/blockquote>\n<h5>Bildrechte: <strong>WARNER BROS.<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; Bundesstart 06.03.2025 &#8211; Release 28.02.2025 (KOR) Asiatisches Kino trifft SESAMSTRASSE trifft Kurt Vonnegut trifft AVENUE 5 trifft George Carlin trifft Italo-Weltraum-Trash der Sp\u00e4tsiebziger. 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