{"id":267,"date":"2010-08-20T01:00:44","date_gmt":"2010-08-20T00:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=267"},"modified":"2011-03-26T14:10:50","modified_gmt":"2011-03-26T13:10:50","slug":"fantasy-filmfest-2010-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2010\/fantasy-filmfest-2010-teil-1\/","title":{"rendered":"Fantasy Filmfest 2010 &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: left;\"><a rel=\"attachment wp-att-257\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=257\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-257\" title=\"FF10\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FF10.jpg\" alt=\"\" width=\"149\" height=\"200\" \/><\/span><\/a><strong><span style=\"color: #000000;\">Frisches Blut und alte Haudegen &#8211; Harry Brown<\/span><\/strong><a rel=\"attachment wp-att-257\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=257\"><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><\/a><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Dass der Genrefilm l\u00e4ngst keinen Grund mehr hat, sich im Programmkino-Schatten des strahlenden Mainstream-Multiplex zu verstecken, beweist sich Jahr um Jahr am stetig wachsenden Erfolg des Fantasy Filmfests. F\u00fcr die Macher des Filmfests um Gr\u00fcnder Rainer Stefan bedeutet Genrefilm expliziter Splatter genauso wie Psychoschocker \u2013 vom Gangsterfilm bis zur experimentellen Bilderwucht. Das hei\u00dft vor allem Thriller, Horror oder Science Fiction aus Norwegen, Schweden, Vietnam, Frankreich, Belgien oder S\u00fcdkorea. Blut aus Amerika flie\u00dft dagegen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sehr verd\u00fcnnt durch die Venen des Filmfestes. Was das allj\u00e4hrliche Programm des FFF in reiner, grober, oft sehr derber Form zeigt, hat nat\u00fcrlich l\u00e4ngst auch das modrige Fleisch des amerikanischen Mainstream-Kinos aufgefrischt. Aber Bluttransfusionen dieser Art sind nun mal stark verw\u00e4ssert. Wer wissen will, wie es im Kino zur Legimitation eines von PIRANHAS angeknabberten Penis kommen konnte, der sollte Peter Jacksons BRAINDEAD gesehen haben, ebenfalls ein fr\u00fcherer Beitrag des FFF. Nur, dass der eine Film vor blutigem Charme strotzt, der andere hingegen zur fauligen Effekthascherei verkommen ist<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Sich acht Tage auf ein Festival dieser Gr\u00f6\u00dfe und Art einzulassen, bedeutet in erster Linie, die wirkliche Welt f\u00fcr acht Tage zu vergessen. 74 Filme stehen zur Auswahl, jeweils zwei Filme laufen stets parallel, nur 3 oder 4 werden innerhalb des Programms wiederholt. Eine Selektierung f\u00e4llt dem Fan schwer. Das ewige Hin- und Herbl\u00e4ttern und -studieren des Programmheftes macht die Sache eher schwieriger. Eigentlich will jeder Beitrag gesehen werden. Wirkliche Hardcore-FFFler nutzen da durchaus die M\u00f6glichkeit der verschiedenen Festival-Orte, die zeitversetzt bespielt werden. Doch wer auf Reisen verzichten will und auch sonst mit weniger Freizeit f\u00fcr die Kinobesuche auskommen muss, der bl\u00e4ttert weiter hin und her im Programmheft.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Diverse Kategorien k\u00f6nnen dabei Entscheidungshilfen bieten, bevor man sich fragend die Kopfhaut vom Sch\u00e4del kratzt. Directors Spotlight, Centerpiece, Focus Asia, Special Premiere Screening oder Fresh Blood. Die letzten zwei Kategorien vereint dieses Jahr MONSTERS auf sich. Ein mit minimalster Crew im Guerilla-Stil gedrehter Science Fiction Film, in dem halb Mexiko und Amerika von Au\u00dferirdischen okkupiert ist. Ein Film, der Erinnerungen an den FFF-Erfolg DISTRICT 9 von 2009 aufkommen l\u00e4sst, um danach seinen Siegeszug im normalen Kinoprogramm anzutreten. Und ein Film, der den kommenden Blockbuster-Invasions-Filmen SKYLINE und BATTLE: LOS ANGELES das Blut aus dem K\u00f6rper pressen k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a rel=\"attachment wp-att-268\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=268\"><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-268\" title=\"harry_brown-1\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/harry_brown-1.jpg\" alt=\"\" width=\"137\" height=\"200\" \/><\/span><\/a><span style=\"color: #000000;\">Zur Kategorie Fresh Blood geh\u00f6rt aber auch Daniel Barbers zweite Regiearbeit, mit einem Drehbuch von Gary Young, Autor von erst f\u00fcnf Filmen. Das Ergebnis hei\u00dft HARRY BROWN. Den Einstieg bilden schockierende, mit dem Handy gefilmte Bilder. Und der Film h\u00e4lt, was dieser Anfang verspricht. Es ist ein d\u00fcsterer Film, brutal und schonungslos, aber nicht grafisch blutig. Michael Caine spielt diesen Harry Brown, der sich in einer Welt wiederfindet, mit der er kaum noch zurechtkommt. R\u00fccksichtslose und gewaltbereite Jugendliche, die aus einem Stadtviertel einen Alptraum werden lassen, geh\u00f6ren nicht zu dem Lebensabend, wie ihn sich Harry Brown vorgestellt hatte. Er meidet die Schnellstra\u00dfen-Unterf\u00fchrung, weil er wei\u00df, dass sich dort der betrunkene und kaltbl\u00fctige Mob aufh\u00e4lt. Es ist diese Unterf\u00fchrung, wegen der Harry wieder einmal einen l\u00e4ngeren Umweg macht und deswegen zu sp\u00e4t ans Sterbebett seiner Frau kommt. Bei Harry beginnt eine Ver\u00e4nderung, die erst kaum sp\u00fcrbar ist, dann aber knallhart eintritt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">HARRY BROWN ist in allen technischen Aspekten tadellos umgesetzt. Die Bilder von Kameramann Marin Ruhe sind angemessen kalt und bedr\u00fcckend. Ein Film, der mit sehr viel Gesp\u00fcr eine subtil bedrohliche Atmosph\u00e4re erzeugt. Hilfeschreie zerfallen zwischen den Wohnsilos zu undefinierbaren T\u00f6nen. Auf Hilfe darf niemand hoffen. Aber HARRY BROWN ist kein Film der Effekte und technischen Raffinessen, es ist ein Schauspielfilm. Ein Schauspielfilm, bei dem man sich keinen besseren als Michael Caine vorzustellen wagt. Der Altmeister der gehobenen Unterhaltung beherrscht jede seiner Szenen mit greifbarer Pr\u00e4senz. Schleichend wird aus dem alten, traurigen Charakter, ein stoischer, verbitterter J\u00e4ger. Man hat sogar das Gef\u00fchl, dass Caine im Fortlauf des Films immer j\u00fcnger zu wirken scheint. So dominant Caine auch sein mag, lie\u00df es sich das \u201efrische Blut\u201c der Filmemacher nicht nehmen, ihm eine exquisite Auslese britischer Namen an die Seite zu stellen. Emily Mortimer, Charlie Creed-Miles, David Bradley und auch Liam Cunningham in einer kleinen Rolle stehen ihren Mann bzw. ihre Frau, und Jack O\u2019Connell darf die B\u00f6sartigkeit wiederholen, die ihn schon in EDEN LAKE so wunderbar hassenswert machte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">HARRY BROWN k\u00f6nnte die britische Variante von GRAN TORINO sein, allerdings ohne den schmalzigen falschen Pathos. Er hat aber auch viel vom Grundtenor aus NO COUNTRY FOR OLD MEN, mit Menschen; die in einen gesellschaftlichen Wandel hineinleben, der ihre eigenen Wertvorstellungen \u00fcber den Haufen wirft. Doch in erster Linie ist HARRY BROWN ein sehr eigenst\u00e4ndiger Film, der es brillant versteht, den Zuschauer an der Hand zu nehmen und den Griff immer fester zu schlie\u00dfen. Und gerade als man glaubt, den weiteren Verlauf der Geschichte vorausahnen zu k\u00f6nnen, wird HARRY BROWN pl\u00f6tzlich zu einer soziopolitischen Reflexion, allerdings ohne belehrender Absichten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Dieser Film ist einer der Gr\u00fcnde, die das FFF zu etwas Besonderem machen. Wo man auf Entdeckungsreise gehen kann, wo man auch alle Stufen von Emotionen durchlaufen darf, wo man unter Gleichgesinnten verweilt. Und es ist bei weitem nicht nur HARRY BROWN, den man dank des FFF auch dort sehen kann, wof\u00fcr er konzipiert wurde, aber wegen schlampiger Vertriebspolitik kaum gesehen wird: auf der gro\u00dfen Leinwand.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em>Harry Brown<\/em><br \/>\n<em>Darsteller: Michael Caine, Emily Mortimer, Charlie Creed-Miles, David Bradley, Liam Cunningham, Sean Harris, Ben Drew u.a.<\/em><br \/>\n<em>Regie: Daniel Barber \u2013 Drehbuch: Gary Young \u2013 Bildgestaltung: Martin Ruhe \u2013 Bildschnitt: Joe Walker \u2013 Musik: Ruth Barrett, Martin Phipps<\/em><br \/>\n<em>Gro\u00dfbritannien \/ 2009 \u2013 zirka 103 Minuten<\/em><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Bildquelle: Lionsgate<\/span><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frisches Blut und alte Haudegen &#8211; Harry Brown Dass der Genrefilm l\u00e4ngst keinen Grund mehr hat, sich im Programmkino-Schatten des strahlenden Mainstream-Multiplex zu verstecken, beweist sich Jahr um Jahr am stetig wachsenden Erfolg des Fantasy Filmfests. 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