{"id":2716,"date":"2012-03-02T16:35:37","date_gmt":"2012-03-02T15:35:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=2716"},"modified":"2012-03-02T16:38:07","modified_gmt":"2012-03-02T15:38:07","slug":"shame-michael-fassbender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/shame-michael-fassbender\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfartig, schamlos, SHAME"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"attachment wp-att-2717\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/shame-michael-fassbender\/shame-poster\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2717\" title=\"Shame-poster\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Shame-poster.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"190\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Shame-poster.jpg 550w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Shame-poster-200x69.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Shame-poster-300x103.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Michael Fassbender scheint einer der Namen zu bleiben, die sich sehr gerne bei der Art von Filmen wiederfinden, die mit sehr viel Anspruch das Mainstream-Kino aufbrechen. Da geh\u00f6rt \u201eJane Eyre\u201c genauso dazu wie der sehnlichst erwartete \u201ePrometheus\u201c. Steve McQueens \u201eShame\u201c z\u00e4hlt definitiv nicht zu dieser Reihe, obwohl gerade dieser Film so viel Aufmerksamkeit erregt, dass er schon zwangsl\u00e4ufig weit \u00fcber das Kunstkino hinaus ein Publikum erreichen wird. F\u00fcr jemanden, der dem Popcorn-Kino huldigt, ist \u201eShame\u201c ein gef\u00e4hrlicher Ausflug \u00fcber den Tellerrand. Denn McQueens traumatischer Seelenstrip ist kompromisslos, manchmal unangenehm und erz\u00e4hlt keine Geschichte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Hypersexualit\u00e4t, oder im Boulevard rei\u00dferisch auch Sexsucht genannt, kann zwar in manchen F\u00e4llen als St\u00f6rung anerkannt werden, doch \u00fcber die Anerkennung als Krankheit streiten sich Gelehrte und Ungelernte gleicherma\u00dfen. Zum Gl\u00fcck ist es auch nicht McQueens und Abi Morgans Absicht, einen Mann und seine eventuelle Krankheit zu sezieren. Und auch wie Michael Fassbender die Figur angelegt hat, scheint Brandon Sullivan nicht wirklich unter dem treibenden Wechsel zwischen Sex und Masturbation zu leiden. Dieser Brandon Sullivan geht tiefer. Und da sich das Drehbuch jeder Art von Handlung verwehrt, hat man sehr viel Zeit, sehr tief zu blicken.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Weder der Kunst verschriebene Voyeure noch die Liebhabe menschlicher Trag\u00f6dien werden hierbei auf ihre Kosten kommen. Obwohl Fassbender sich dessen absolut nicht sch\u00e4men muss, was er reichlich zu zeigen hat, bleibt die Darstellung seines K\u00f6rpers in der k\u00fchlen \u00c4sthetik au\u00dferhalb jeder erotischen Absicht. Selbst die, auch nur seltenen, expliziten Sexszenen entziehen sich jeder Form von stimulierender Wirkung. Dennoch besitzen Sex und nackte K\u00f6rper eine unheilvolle Kraft, die von extrem ausgekl\u00fcgelten Bildkompositionen getragen werden. So wie der gesamte Film. Kein Bild ist wahllos, keine Stimmung unbeabsichtigt. McQueen ist mit seinem Kameramann Sean Bobbitt eine ganz unwiderstehliche Verf\u00fchrung gelungen. Sie scheuen sich auch nicht, ganze Passagen in einer einzigen, festen Einstellung zu drehen. So glaubt sich der Zuschauer in einer sehr intimen Ann\u00e4herung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Doch welche Ann\u00e4herung soll das sein? \u201eShame\u201c entfalten sich als individuelles Puzzle. Brandon Sullivan ist kein Mensch, der unter seinen Leidenschaften und Trieben leidet. Es bleibt etwas Unbestimmtes, nicht einmal vage Anspielungen geben darauf R\u00fcckschl\u00fcsse. Der Sex allerdings, das ist Brandons Weg, die Geister zu vertreiben, die ihn heimsuchen. Von seinem Apartment aus liegt ihm hinter Panoramafenstern die Stadt zu F\u00fc\u00dfen. Aber die Stadt ist ihm nicht ergeben, sie grenzt ihn aus. Noch nie hat man in einem Film die gro\u00dfe Stadt New York so verlassen gesehen. Wenn Brandon laufen geht oder auf freien Pl\u00e4tzen seine Zorn hinausschreien m\u00f6chte, keine gewohnten Menschmassen, sondern nur Leere. Die Stadt als Sinnbild f\u00fcr sein Seelenleben. Das sind starke Bilder, unheilvolle Bilder, Bilder die h\u00e4ngenbleiben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Doch \u201eShame\u201c erz\u00e4hlt keine Geschichte. Wo sich in manchen Szenen Dramen aufzubauen scheinen, verfl\u00fcchtigen sie sich in den n\u00e4chsten Momenten schon wieder. Das Spiel mit einer vorgegaukelten Erz\u00e4hlstruktur ist eines der faszinierendsten Erlebnisse bei diesem Film. Tats\u00e4chlich handelt es sich um aneinandergereihte Momentaufnahmen, die allerdings niemals wahllos sind. Die Struktur von \u201eShame\u201c ist wesentlich dichter und intelligenter, als man wiedergeben vermag. Dies macht ihn nicht etwa zu einem Experiment, aber zu einer k\u00fchnen Provokation. Und dabei spielt f\u00fcr diese Provokation der Sex eine weit untergeordnete Rolle.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es ist die Frage, wie nahe man einer fremden Person kommen kann oder kommen darf. Die titelgebende Scham deutet nur vermeintlich auf das Offensichtliche hin. Doch wer Brandon Sullivan kennenlernt, der versteht mit der Zeit, dass diese Scham eine tiefere, nie ausgesprochene Quelle hat. Und die ist f\u00fcr jeden Zuschauer individuell erforschbar. Der Film endet mit einer Verf\u00fchrungssequenz, wie er mit einer begonnen hat, und schlie\u00dft den Kreis. Mehr werden wir von Brandon nicht erfahren. Aber man wird sich weiter mit ihm besch\u00e4ftigen. Zweifellos sind wir einer fremden Person n\u00e4hergekommen, als man sollte. Kompromisslos, manchmal unangenehm, aber absolut spannend. Ein Film, der so viel Aufmerksamkeit erregt, dass er schon zwangsl\u00e4ufig weit \u00fcber das Kunstkino hinaus ein Publikum erreichen wird. Und dieser Blick \u00fcber den Tellerrand wird garantiert nicht jedermanns Sache sein, vielleicht aber den einen oder anderen Zuschauer auf seine unangenehme Art angenehm \u00fcberraschen.<\/span><\/p>\n<div class=\"mceTemp mceIEcenter\">\n<h3 id=\"attachment_2718\" class=\"wp-caption aligncenter\" style=\"width: 560px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><a rel=\"attachment wp-att-2718\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/shame-michael-fassbender\/shame-mcqueen\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2718\" title=\"Shame-McQueen\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Shame-McQueen.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"366\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Shame-McQueen.jpg 550w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Shame-McQueen-200x133.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Shame-McQueen-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><\/dt>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Steve McQueen mit Michael Fassbender am Drehort<\/span><\/h3>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: left; padding-left: 30px;\"><em>Darsteller: <strong>Michael Fassbender, Carey Mulligan, James Badge Dale, Nicole Beharie u.a.<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Regie: <strong>Steve McQueen<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Drehbuch: <strong>Abi Morgan, Steve McQueen<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Kamera:<strong> Sean Bobbitt<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Bildschnitt: <strong>Joe Walker<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Musik: <strong>Harry Escott<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Produktionsdesign: <strong>Judy Becker<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Gro\u00dfbritannien \/ 2011<\/em><br \/>\n<em>zirka <strong>99 <\/strong>Minuten<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Bildquelle: <strong>Fox Searchlight<\/strong><\/span><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Fassbender scheint einer der Namen zu bleiben, die sich sehr gerne bei der Art von Filmen wiederfinden, die mit sehr viel Anspruch das Mainstream-Kino aufbrechen. 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