{"id":2732,"date":"2012-03-05T19:31:23","date_gmt":"2012-03-05T18:31:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=2732"},"modified":"2012-03-17T19:43:41","modified_gmt":"2012-03-17T18:43:41","slug":"oscars-2012-nachwirkungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/oscars-2012-nachwirkungen\/","title":{"rendered":"EDITORIAL: Nachwirkungen OSCARS 2012"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"attachment wp-att-2733\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/oscars-2012-nachwirkungen\/oscar-nominated-short-films\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2733\" title=\"oscar-nominated-short-films\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/oscar-nominated-short-films.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"179\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">\u00dcberrascht? Nat\u00fcrlich glaubt man auf den ersten Blick, dies k\u00f6nnte ein \u00fcberalterter Beitrag sein. Das zeigt wieder einmal die Schnelllebigkeit unserer Zeit. Und wie wir mit dieser Zeit umgehen. Ist die Verleihung der Oscars schon eine Woche her \u2013 oder ist sie erst eine Woche her? Zumindest sind endlich die meisten Klugschei\u00dfer und Sport-Trolle wieder in den unendlichen Weiten des Netz untergetaucht. Los wird man sie ja nie wirklich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Aber ehrlich, warum verbringt man drei Stunden seines Lebens vor dem Fernseher, um \u00fcber eine Preisverleihung live zu bloggen, wie schlecht sie ist? Das geschieht nicht aus der Situation heraus. Liest man die Blog-Ank\u00fcndigungen, haben alle Filmfreunde mit Blog bereits im Voraus kundgetan, \u00fcber die Oscars einfach nur zu l\u00e4stern. Ehrlich? Anstatt etwas in ihren Augen Schlechtes mit Nichtbeachtung zu strafen, beschlie\u00dft man, alles, aber auch wirklich alles live schlecht zu reden. Das Netz macht es m\u00f6glich. Welche Zeit <a rel=\"attachment wp-att-2737\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/oscars-2012-nachwirkungen\/bandit-4\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2737\" title=\"Bandit\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Bandit3.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"132\" \/><\/a>wendet man daf\u00fcr auf, welche Energie wird verschwendet. Sich im Netz zum Volltrottel zu machen, ist eine Tradition so alt wie der Zugang f\u00fcr jedermann m\u00f6glich ist. Erschreckend ist nur, dass ausgerechnet sogenannte Brancheninsider und renommierte Seiten \u2013 oder Online-Ausgaben von profilierten Printmedien \u2013 dieses bewusste, von vornherein ausgemachte Schlechtreden begonnen haben. Aber um was zu demonstrieren?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Seit Jahren ist die Academy of Motion Pictures Arts and Sciences in st\u00e4ndiger Kritik, die Oscar-Verleihung m\u00fcsste ausged\u00fcnnt werden, sollte sich einem j\u00fcngeren Publikum zuwenden, sollte sich etwas einfallen lassen, m\u00fcsste interessanter werden. Wirklich? Aber wieso? Dass viele Menschen schlau daherreden, n\u00fctzt der Academy herzlich wenig. Es ist keine Show im eigentlichen Sinne und keine Gala, sondern eine Preisverleihung. Eigenartig, dass keiner dieser ganzen Besserwissern den Auftritt von Cirque du soleil dieses Jahr vollkommen daneben fand. In dieser Zeit h\u00e4tte man aber auch die einzigen zwei nominierten Songs pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen. Oder ein Medley der Anw\u00e4rter auf die Filmmusik.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Jedes Jahr \u00fcberraschen die Produzenten der Oscars damit, dass es keine \u00dcberraschungen gibt. Als treuer Freund althergebrachter Traditionen und Anbeter jedes noch so glamour\u00f6sen Namens findet man das tats\u00e4chlich sehr schade. Jeder m\u00f6chte diesen besonderen Kick, findet ihn ab und zu in erfreulichen Dankesreden oder gelungenen Pr\u00e4sentationseinlagen. Es ist der kr\u00f6nende Abschluss des Preisvergabe-Marathons. Und da ist mit jedem Jahr die Erwartungshaltung hoch. Nun, die Razzie-Awards sind in den April hineingerutscht, aber die bedienen ein anderes Klientel an Zuschauern.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">K\u00fcrzer soll sie werden, schreien die einen. Kategorien m\u00fcssen verschwinden, skandieren andere. Aber was wird dann aus dem Wesen der Preisverleihung? Jeder Name m\u00f6chte verlesen werden, jeder Empf\u00e4nger m\u00f6chte seinen mehr oder minder originell verpackten Dank loswerden. Es mag sein, dass der Charakter der Oscars nicht mehr so zeitgem\u00e4\u00df scheint, aber deswegen muss man doch nicht gleich Kategorien streichen. Dieser Ruf ist unsinnig, weil gegen die Prinzipien der Academy. Zur Filmindustrie z\u00e4hlen eben nicht nur Blockbuster und Arthouse-Lieblinge. Ein Kommentar bei Nikki Finkes Deadline meint, man solle die Kurzfilme endlich aus dem Ablauf streichen, weil niemanden Preise f\u00fcr Filme interessieren, die keiner gesehen hat. Der Kommentator gab sich als einer jener Mitl\u00e4ufer zu erkennen, denen das Verteilen von Schelte unter der G\u00fcrtellinie ehrliche Freude bereitet, egal, ob vielleicht auch etwas \u00fcberraschend Gutes w\u00e4hrend der Oscars passieren k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Seit zwei Jahren vertreibt die Firma SHORTS INTERNATIONAL LTD die f\u00fcr einen Oscar nominierten Kurzfilme auf diversen Plattformen, zum Beispiel auch \u00fcber iTunes. Dieses Jahr packten sie nicht nur die Kurz-Dokumentationen bei, sondern machten die gesamte Rolle f\u00fcrs Kino tauglich und bespielten im Vorfeld der Verleihung weltweit sehr viele Leinw\u00e4nde. Das hat nat\u00fcrlich einen gesch\u00e4ftst\u00fcchtigen Hintersinn. Daf\u00fcr verschwanden zu fr\u00fcheren Zeiten die Kurzfilme st\u00e4ndig unangek\u00fcndigt auf irgendwelchen \u00f6ffentlich-rechtlichen Sendern. Nun gibt es f\u00fcr jeden die M\u00f6glichkeit, die Kunst des kurzen Films zu genie\u00dfen. Ja, und um am entsprechenden Abend auch f\u00fcr diese Kategorien fiebern zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Kurzfilm ist keine Filmkunst, die sich vom aktuellen Kino in ihrer Erz\u00e4hlform so sehr unterscheidet. Nur dass man beim Kurzfilm viel experimenteller arbeiten und kreativere Stilmittel einsetzen kann. Eines d\u00fcrfen die Schlaumeier, Klugreder und Filmversteher nicht vergessen: als das Kino laufen lernte, gab es nur Einakter. Rollen mit einer maximalen Laufl\u00e4nge von 20 Minuten, in denen ganze Geschichten erz\u00e4hlt wurden. Wer die \u201eCinema 16\u201c-Reihe auf DVD kennt, der hat die Kurzfilme gesehen, mit denen die heutigen Gr\u00f6\u00dfen im Filmgesch\u00e4ft ihren Einstand feierten. Warum diese Kategorie f\u00fcr einen unsinnigeren, weil einfallslosen Grund streichen, als sich einmal darauf einzulassen? Sich damit zu besch\u00e4ftigen und die Originalit\u00e4t zu bewundern, mit der angehende Filmemacher ihre Visionen umsetzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Zugegeben, der deutsche Live-Action-Beitrag \u201eRaju\u201c dieses Jahr war die ganze hohe Kunst langweiliger Filmhochschulen-Doktrin. Aber daf\u00fcr entsch\u00e4digten doch die bizarren Einf\u00e4lle von \u201eTuba Atlantic\u201c oder die br\u00fcllend komische Aufl\u00f6sung von \u201ePentecost\u201c. Nicht zu vergessen die peitschende Erz\u00e4hlform von \u201eTime Freak\u201c und das ergreifend menschliche, aber nie sentimentale Ende des Gewinners \u201eThe Shore\u201c. Daf\u00fcr brillierten bei den Animierten die unterschiedlichsten Stilmittel. Bei \u201eWild Life\u201c und \u201eDimanche\/Sunday\u201c teilweise sogar sehr riskante Umsetzungen in der Animation. \u00dcber den sehr geleckten, auf Konzept getrimmten Gewinner \u201eThe Fantastic Flying Books of Mr. Morris Lessmore\u201c k\u00f6nnte man streiten, weil \u201eA morning stroll\u201c dann doch mutiger war und sogar mit wechselnden Stilmitteln der Erz\u00e4hlung eine ganz eigene Ebene hinzuf\u00fcgte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Wenn man sich nur einmal darauf einlassen w\u00fcrde, k\u00f6nnte man feststellen, dass Kurzfilme in ihrer Mannigfaltigkeit und Originalit\u00e4t dem kommerziellen Langfilm ohne Weiteres die Stirn bieten. Die heute popul\u00e4rsten Animationsfilme sind Pixar-Produktionen, nur weil die Pixar-Leute mit ihren kurzen Geschichten das Fundament daf\u00fcr legen konnten. Und jetzt, wo jedermann jederzeit Zugriff auf diese kleinen, aber auch gro\u00dfen Kunstwerke hat, die im Bollwerk der alles dominierenden Oscar-Verleihung mitgezogen werden, ist der Ruf, diese Kategorien endlich abzuschaffen, viel absonderlicher geworden. Hollywood feiert mit den Oscars sich selbst, wer m\u00f6ge das bezweifeln, so war es von Anbeginn gedacht. Und in gewissen Kategorien honorieren eben diese Helden unseres Popcorn-Kinos diese frischen Freigeister und ihre noch unverdorbenen Visionen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Vielleicht wird es wirklich endlich Zeit, dass die Oscars einen neuen Anstrich bekommen. Aber dar\u00fcber soll sich jemand den Kopf zerbrechen, der etwas davon versteht. Diversen Live-Bloggern und ihren gehaltlosen Kommentatoren kann man dieses Verst\u00e4ndnis durchaus absprechen. Auf keinen Fall will ich auf Gesichter wie \u201eThe Shore\u201cs Terry und Oorlagh George verzichten, deren Nat\u00fcrlichkeit und echte Freude zu den besseren Momenten der 84. Preisverleihung geh\u00f6rten. Und wer h\u00e4tte je gedacht, dass William Joyce und Brandon Oldenburg mit ihrer Nervosit\u00e4t bei der Dankesrede nach dem Sieg von \u201eThe Fantastic Flying Books of Mr. Morris Lessmore\u201c noch einmal die Kurve bekommen w\u00fcrden. Ach ja, die Show selbst war schon etwas fade, aber sie hatte ihre Momente.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcberrascht? Nat\u00fcrlich glaubt man auf den ersten Blick, dies k\u00f6nnte ein \u00fcberalterter Beitrag sein. Das zeigt wieder einmal die Schnelllebigkeit unserer Zeit. Und wie wir mit dieser Zeit umgehen. 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