{"id":276,"date":"2010-08-02T00:00:58","date_gmt":"2010-08-01T23:00:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=276"},"modified":"2014-11-07T23:19:45","modified_gmt":"2014-11-07T22:19:45","slug":"christopher-nolans-inception","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2010\/christopher-nolans-inception\/","title":{"rendered":"Christopher Nolans Inception"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2010\/christopher-nolans-inception\/inception1\/\" rel=\"attachment wp-att-279\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-279\" title=\"inception1\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/inception1.jpg\" width=\"158\" height=\"200\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Ist es wirklich genug, dass man einen Film einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommt? Sollte das nicht das Anliegen eines jeden ambitionierten Filmautors sein? Mit immenser Beharrlichkeit l\u00e4sst sich Nolan einfach nicht in die Schublade des Regisseurs stecken. Er kommt eigentlich der Antwort auf die Hollywood-Standard-Frage am n\u00e4hesten: wer in die Schuhe von Steven Spielberg wachsen k\u00f6nnte. Doch auf der anderen Seite ist Nolan den europ\u00e4ischen Meistern wesentlich n\u00e4her. Nicht der stoischen K\u00e4lte von Bergman, aber der unkonventionellen Frische von Truffaut bestimmt. F\u00fcr sieben seiner bisher acht Regiearbeiten hat er selbst die B\u00fccher verfasst. Das funktionierte bei Woody Allen immer gut. In der sehr hochpreisigen Sparte des Hollywood-Blockbusters hingegen ist es eigentlich kaum vorstellbar.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Selten ist ein Film in seiner Wirkung seiner eigenen Handlung so nahe gekommen. Nolan zwingt sein Publikum in ein Konstrukt aus Fragen und M\u00f6glichkeiten, das \u00e4hnlich funktioniert wie der Tr\u00e4ume manipulierende Cobb (DiCaprio). Im Auftrag omin\u00f6ser Interessenten stiehlt Cobb eigentlich Ideen und Tr\u00e4ume aus dem Unterbewusstsein Dritter, mit Mitteln, die man nicht verstehen muss. Der Gro\u00dfindustrielle Saito (Watanabe) ist dabei das j\u00fcngste Opfer, der sein Unterbewusstsein allerdings so fest im Griff hat, dasser Cobb und seinen Partner Arthur (Gordon-Levitt) \u00fcberw\u00e4ltigen kann. Als Wiedergutmachung m\u00fcssen Cobb und seine neu zusammengestellte Truppe einen Auftrag f\u00fcr Saito erledigen. Allerdings sollen die Traumt\u00e4nzer keinen geistigen Diebstahl begehen, sondern eine bestimmte Idee in das Unterbewusstsein des Saito-Konkurrenten Robert Fischer (Murphy) implizieren. Fischer muss am Ende davon \u00fcberzeugt sein, dass diese Idee tats\u00e4chlich von ihm selbst ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Auf den ersten Gedanken wirkt es nicht sonderlich originell, die Gedankenwelt der Wirklichkeit nachzuempfinden, in der die Personen sich in realen Szenarien und Umgebungen bewegen. Doch das ist der ausgefuchste Trick in Nolans Geschichte, der mit dem Fortlauf der Handlung immer weitere Ebenen von Traum, Bewusstsein und Gedanken hinzuf\u00fcgt und ineinander verschachtelt. Dass dies kein einfacher Popcorn-Spa\u00df wird, macht der Film gleich mit der ersten Szene deutlich, die sich erst am Ende aufl\u00f6st. Dabei zuviel von Handlung oder Aufl\u00f6sung zu verraten, ist kaum m\u00f6glich. Zu vielschichtig und auch viel zu ambitioniert sind Nolans Gedankeng\u00e4nge zur Gedankenwelt ausgefallen. Aber daraus ergibt sich auch ein ganz besonderes Filmvergn\u00fcgen, das den Zuschauer ununterbrochen fordert. Mit einem geradezu perfekt anmutenden Ensemble, raffinierten Regieeinf\u00e4llen und einer bestechenden Optik wird das Publikum gnadenlos in den Irr- und Wirrgarten hineingezogen und nicht mehr losgelassen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Kopfkino ist das, in zweifacher Hinsicht. Es findet im Kopf der Protagonisten statt und wird im Kopf des Zuschauers weitergesponnen. Im Blockbuster-Kino \u00e4u\u00dferst selten dieser Tage, das sonst von Neuauflagen und Fortsetzungen bestimmt wird. Vor zehn Jahren, zu Zeiten MEMENTOs, hat Nolan bereits mit den ersten Entw\u00fcrfen f\u00fcr INCEPTION begonnen. Sp\u00e4testens, wenn sich drei zeitgleich spielende Handlungsebenen aus drei verschiedenen Ebenen des Unterbewusstseins \u00fcbereinanderlegen, versteht man, dass diese Zeit des Drehbuchschreibens wirklich notwendig war. Und wenn sich dabei auch noch eine vierte Realit\u00e4t \u00f6ffnet, welche eigentlich sehr irreal ist und dieses verwirrende Szenario umschlie\u00dft, dann versteht man auch, dass INCEPTION \u00fcberhaupt nicht richtig greifbar wird. Christopher Nolans Welt zu beschreiben, ist kaum m\u00f6glich.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte man mit Blick auf das gr\u00f6\u00dfere Gesamte zur Vermutung kommen, dass der Anspruch wesentlich gr\u00f6\u00dfer war, als es die M\u00f6glichkeiten der Umsetzung zulie\u00dfen. Aber mit Gewissheit l\u00e4sst sich das eigentlich nicht behaupten, denn der, der Christopher Nolans wahrgewordenen Traum wirklich in voller Sch\u00f6nheit verstanden haben will, ist schwer zu finden. Jemand, der fasziniert und nachhaltig beeindruckt bleibt, findet sich hingegen leicht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Dennoch m\u00fcssen sich die Marketing-Strategen von Warner Bros. die R\u00fcge gefallen lassen, eine Mogelpackung ins Rennen geworfen zu haben. In den \u00fcberf\u00fcllten Wochen und kurzen Fristen des Kinosommers m\u00f6chte jeder um die Hand des Zuschauers anhalten, und wenn man schon keine Fortsetzung, Comic-Verfilmung oder einen Neustart vorweisen kann, dann muss man eben auf den Typen hinweisen, den die Welt als Regisseur von DARK KNIGHT kennt. Dazu wird in Poster-Form das Versprechen abgegeben, ein CGI-gespicktes Effekte-Abenteuer erwarten zu d\u00fcrfen. Sich \u00fcberlappende Stra\u00dfenz\u00fcge und zerfallende St\u00e4dte. INCEPTION h\u00e4lt selten, was die Werbung suggeriert, h\u00e4lt sich eher bedeckt, \u00fcberw\u00e4ltigt aber mit der schieren Leichtigkeit und Genialit\u00e4t, wie sich diese Effekte dann tats\u00e4chlich pr\u00e4sentieren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Eine Stra\u00dfe, die sich in sich selbst faltet, ist nat\u00fcrlich gerade in der Gr\u00f6\u00dfe einer vorbildlichen Kinoleinwand ein optischer H\u00f6henrausch. Noch dazu, weil sich die Tricktechniker nicht auf einen apokalyptischen Alptraum einlassen, sondern \u00e4sthetisch faszinieren. Aber zum wirklichen H\u00f6hepunkt entwickelt sich der Kampf von Joseph Gordon-Levitt gegen ein \u00c4quivalent von Leukozyten des Unterbewusstseins in menschlicher Form. Das Set ist ein sich langsam um sich selbst drehender Hotelkorridor, in dem sich die Protagonisten fast schwerelos bewegen. In Schnitt, Kamera und Inszenierung schon jetzt ein Klassiker des Action-Kinos. Und wenn man noch die Umst\u00e4nde mit einbezieht, aus welchen Gr\u00fcnden es \u00fcberhaupt zu diesem Kampf unter diesen Umst\u00e4nden kommen konnte, dann reflektiert sich die ganze Genialit\u00e4t von Christopher Nolans Phantasie.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">In allem ist INCEPTION aber nicht der Film, der zwingend zum wiederholten Ansehen einl\u00e4dt. Er birgt keine Geheimnisse, die sich beim zweiten Mal mit einem gro\u00dfen Aha-Effekt offenbaren k\u00f6nnten. Zudem ist er auch weniger verspielt, als man der Thematik zugestehen k\u00f6nnte. Personen, ihre Handlungen und die grundlegenden physischen Gegebenheiten zeigen kaum unterschiedliche Verh\u00e4ltnisse zwischen Realit\u00e4t und Unterbewusstsein. Das ist bestimmt auf eine Art die Absicht des Regisseurs und Drehbuchautors, die Unterscheidungen von verschiedenen Traum- und Realit\u00e4tsebenen noch st\u00e4rker aufzuheben. Dennoch geht dem Film dadurch dieses undefinierbare Etwas verloren, welches ihn komplett aus der Schiene des kalkulierten Sommerkinos genommen h\u00e4tte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Christopher Nolan best\u00e4tigt sich in vollem Umfang als Ausnahmeregisseur, der l\u00e4ngst ganz oben angekommen ist und eigentlich die Vergleiche nicht zu scheuen braucht, ob es nun in Richtung Spielbergs Hollywood oder dem europ\u00e4ischen Autorenkino gehen sollte. INCEPTION ist nicht ohne Makel, doch diese kratzen h\u00f6chstens an der Oberfl\u00e4che. Die 160 Millionen Dollar Produktionskosten sind ein klares Zugest\u00e4ndnis an den Erfolg der beiden BATMAN-Filme gewesen. Im Nachhinein d\u00fcrfte Warner mit der Entscheidung \u00e4u\u00dferst zufrieden sein. Ebenso der Zuschauer, der endlich einmal keine Veranlassung sieht, das Budget in Frage zu stellen.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Darsteller: Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt, Tom Hardy, Ken Watanabe, Ellen Page, Dileep Rao, Marion Cotillard, Cilian Murphy, Tom Berenger, Pete Postlethwaite und Michael Caine<\/em><br \/>\n<em>Regie, Drehbuch: Christopher Nolan \u2013 Kamera: Wally Pfister \u2013 Bildschnitt: Lee Smith \u2013 Musik: Hans Zimmer \u2013 Produktionsdesign: Guy Hendrix<\/em><br \/>\n<em>USA \/ 2010 \u2013 zirka 148 Minuten<\/em><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Bildquelle: Warner Bros.<\/span><em><br \/>\n<\/em><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist es wirklich genug, dass man einen Film einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommt? Sollte das nicht das Anliegen eines jeden ambitionierten Filmautors sein? Mit immenser Beharrlichkeit l\u00e4sst sich Nolan einfach nicht in die Schublade des Regisseurs stecken. 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