{"id":2811,"date":"2012-03-20T23:46:41","date_gmt":"2012-03-20T22:46:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=2811"},"modified":"2012-03-22T09:54:49","modified_gmt":"2012-03-22T08:54:49","slug":"take-shelter-darf-sich-nicht-verstecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/take-shelter-darf-sich-nicht-verstecken\/","title":{"rendered":"TAKE SHELTER darf sich nicht verstecken"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"attachment wp-att-2822\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/take-shelter-darf-sich-nicht-verstecken\/take-shelter-1\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2822\" title=\"Take-Shelter-1\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Take-Shelter-1.jpg\" alt=\"\" width=\"249\" height=\"339\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Take-Shelter-1.jpg 249w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Take-Shelter-1-146x200.jpg 146w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Take-Shelter-1-220x300.jpg 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 249px) 100vw, 249px\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Michael Shannon als einen gutm\u00fctigen, einf\u00fchlsamen Familienvater zu besetzen, der langsam den Verstand verliert, scheint auf den ersten Blick eine \u00e4hnlich gelagerte Fehlentscheidung zu sein, wie Jack Nicholson in SHINING zu Beginn als nicht verr\u00fcckten Daddy zeigen zu wollen. Aber Shannons \u00e4u\u00dfere Erscheinung wird dank seines eindringlichen Spiels und der hervorragenden Charakterisierung der Figur zu einer weiteren Ebene in seiner Dualit\u00e4t zwischen Rationalit\u00e4t und Phobie. Den bleibenden Eindruck, den Shannon in REVOLUTIONARY ROAD mit seinen sehr kurzen Auftritten hinterlie\u00df, braucht man hier nicht zu f\u00fcrchten, auch wenn es die Geschichte immerfort m\u00f6glich machen k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Ein Sturm wird kommen, und Curtis\u2018 Angst vor einer Katastrophe nimmt immer drastischere Z\u00fcge an. Was als kleine Unsicherheit beginnt, w\u00e4chst innerhalb k\u00fcrzester Zeit zu Panikattacken und \u00dcberreaktionen heran. Apokalyptische Bilder schaffen sich in Curtis\u2018 Alptr\u00e4umen Platz. Seine Frau Samantha versucht \u2013 so weit m\u00f6glich \u2013 beizustehen. Doch letztendlich wird aus der zu verkraftenden Belastung eine ersch\u00fctternde Zerrei\u00dfprobe, als Curtis beginnt, im Garten einen unterirdischen Schutzraum zu bauen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">In sehr genauen, klar strukturierten Bildern offenbart sich eine atemberaubende Geschichte. Die Ruhe in der Inszenierung und auch wie die Figuren angelegt sind, macht die Erz\u00e4hlung be\u00e4ngstigend real. Regisseur Jeff Nichols hat genau die richtigen T\u00f6ne getroffen, um sein selbst verfasstes Drehbuch so nah an den Zuschauer zu bringen, wie es nur geht. Dazu ben\u00f6tigt er keine Dogma-geschw\u00e4ngerten Inszenierungskapriolen, sondern Nichols entwarf mit Bildgestalter Adam Stone lang stehende Einstellungen, die Gem\u00e4lden gleichkommen. Der Zuschauer darf zusehen, darf mehr als nur die Charaktere selbst erfassen. Es wirkt fast wie eine makabre Einladung in die erste Reihe zu einer Familientrag\u00f6die.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Am erstaunlichsten ist allerdings die Geschichte selbst. Curtis ist sich sehr wohl seines Zustandes bewusst, selbstst\u00e4ndig sucht er sogar \u00e4rztliche Betreuung und macht sich mit Fachb\u00fcchern \u00fcber psychische Erkrankungen schlau. Doch was ist schon der rationale Verstand gegen eine ausgepr\u00e4gte Neurose? Dabei h\u00e4lt Nichols den Zuschauer stets auf Spannung. Ein bisschen Katastrophenfilm, gemischt mit angedeuteter Science-Fiction, ist TAKE SHELTER ein sehr frei interpretierbarer Film, unter dessen aufregender Schale des Offensichtlichen ein aufw\u00fchlender Kern von subtilen zwischenmenschlichen Beziehungen liegt. Sehr intelligent spielt der Film mit Erwartungen und Hoffnungen, zeigt dabei immer glaubw\u00fcrdige Figuren in nachvollziehbaren Handlungen. Dabei verzichtet er sehr geschickt auf diese emotionalen \u00dcberzeichnungen, die einen gewissen Fremdsch\u00e4mfaktor haben. Jeff\u00a0 Nichols f\u00fchrt den Zuschauer so genial an die Charaktere heran, dass man trotz aller Unannehmlichkeiten gerne bei ihnen bleibt und ehrlich mit ihnen f\u00fchlt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ein Sturm wird kommen, und der Zuschauer wird f\u00fcr die gepeinigten Seelen hoffen, dass dieser Sturm real sein wird. Das liegt nicht nur an der am Ende doch sehr gelungenen Besetzung von Michael Shannon, sondern am gesamten Ensemble, dem alles auf den Leib geschrieben scheint. Ganz besonders Jessica Chastain, die sich, wie in all ihren Filmen von 2011, als die bemerkenswerteste K\u00fcnstlerin in kleineren Rollen beweist. Ein Sturm wird kommen, und er wird Diskussionen ausl\u00f6sen, denn das Ende von TAKE SHELTER gibt nur auf den ersten Blick R\u00e4tsel auf. Es ist ein Ende, mit dem man sich nicht einfach nur auseinandersetzen kann, sondern auch will. Weil Jeff Nichols so einen faszinierenden Film geschrieben und umgesetzt hat, dass einem bitter bewusst wird, was man von den gro\u00dfen Studios einfach nicht mehr zu erfahren bekommt.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><a rel=\"attachment wp-att-2812\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/take-shelter-darf-sich-nicht-verstecken\/take-shelter-2\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2812 alignnone\" title=\"Take-Shelter-2\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Take-Shelter-2.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"254\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Take-Shelter-2.jpg 550w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Take-Shelter-2-200x92.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Take-Shelter-2-300x138.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><em>Darsteller:<strong> Michael Shannon, Jessica Chastain, Shea Whigham, Katy Mixon, Ray McKinnon, Lisagay Hamilton u.a.<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Regie &amp; Drehbuch: <strong>Jeff Nichols<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Kamera: <strong>Adam Stone<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Bildschnitt:<strong> Parke Gregg<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Musik:<strong> David Wingo<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Produktionsdesign:<strong> Chad Keith<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>USA \/ 2011<\/strong><\/em><br \/>\n<em>zirka<strong> 124 <\/strong>Minuten<\/em><\/p>\n<h6>Bildquelle: <strong>Ascot Elite Entertainment<\/strong><\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Shannon als einen gutm\u00fctigen, einf\u00fchlsamen Familienvater zu besetzen, der langsam den Verstand verliert, scheint auf den ersten Blick eine \u00e4hnlich gelagerte Fehlentscheidung zu sein, wie Jack Nicholson in SHINING zu Beginn als nicht verr\u00fcckten Daddy zeigen zu wollen. 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