{"id":29945,"date":"2026-05-21T05:05:14","date_gmt":"2026-05-21T03:05:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=29945"},"modified":"2026-05-20T19:10:16","modified_gmt":"2026-05-20T17:10:16","slug":"vivaldi-und-ich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2026\/vivaldi-und-ich\/","title":{"rendered":"VIVALDI UND ICH"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=29947\" rel=\"attachment wp-att-29947\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-29947 \" title=\"@ X VERLEIH\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Primavera-@-X-VERLEIH.jpg\" alt=\"Primavera - @ X VERLEIH\" width=\"248\" height=\"351\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Primavera-@-X-VERLEIH.jpg 353w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Primavera-@-X-VERLEIH-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Primavera-@-X-VERLEIH-141x200.jpg 141w\" sizes=\"auto, (max-width: 248px) 100vw, 248px\" \/><\/a><strong>PRIMAVERA<\/strong><br \/>\n<strong>&#8211; Bundesstart 21.05.2026<\/strong><br \/>\n&#8211; First-Release 05.12.2025 (ESP)<\/h3>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #000000;\">Preview 13.05.26, Babylon, F\u00fcrth<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Im angehenden 18ten Jahrhundert ist das Ospedale della Piet\u00e0 eines der besseren Waisenh\u00e4user in Venedig. M\u00fctter geben aus diversen Gr\u00fcnden ihre M\u00e4dchen dort ab, die f\u00fcr ihren Aufenthalt und die Erziehung arbeiten m\u00fcssen. Begabtere M\u00e4dchen bekommen Musikunterricht, und d\u00fcrfen bei Gottesdiensten und Konzerten mit Maske und versteckt hinter der Balustrade, f\u00fcr zahlendes Publikum musizieren. Und wenn sie im heiratsf\u00e4higen Alter sind, so ungef\u00e4hr mit 15 Jahren, werden sie f\u00fcr gutes Geld an adelige M\u00e4nner verheiratet. Es sei denn, die M\u00fctter der M\u00e4dchen l\u00f6sen sie wieder aus. Waisenh\u00e4user waren seinerzeit wirtschaftliche Institutionen. Dies ist keine eigenwillige Fantasie, das Ospedale della Piet\u00e0 gibt es noch heute &#8211; in reformierter und modernisierter Form. Wegen nachlassender Musikqualit\u00e4t und ausbleibendem Publikum, wurde im Jahr 1703 der M\u00f6nch Antonio Vivaldi als Musiklehrer engagiert. Doch dies ist nicht seine Geschichte.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">W\u00e4hrend Regisseur Damiano Michieletto im Kino eher unbekannt ist, k\u00f6nnte er durch diverse B\u00fchneninszenierungen passionierten Opernfreunden aufgefallen sein. Doch f\u00fcr einen Opernregisseur \u00fcberrascht die leidenschaftslose Passivit\u00e4t in der Inszenierung von &#8222;Vivaldi und ich&#8220;. Maestro Vivaldi k\u00fcrt nach einem Wettstreit die 16-j\u00e4hrige Cecilia zur &#8218;ersten Geige&#8216; &#8211; nicht weil sie die Beste ist, sondern die mit der gr\u00f6\u00dften Leidenschaft. Mit ihrer Off-Stimme richtet Cecilia ihre Gedanken, Hoffnungen und W\u00fcnsche als imagin\u00e4re Briefe an ihre Mutter, die sie nie kennengelernt hat.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">&#8222;Vivaldi und ich&#8220; ist von Michieletto und Ludovico Rampoldi nach dem Roman &#8218;Stabat Mater&#8216; von Tiziano Scalpa verfasst worden. Es ist eine Inszenierung, die sich in drei Fragmente aufteilt: Musikfilm, Coming-of-Age Drama, und Biografie, wobei Cecilia selbst eine fiktive Figur ist. Es bleiben auch Fragmente, weil sich keines wirklich in seiner m\u00f6glichen Form weiterentwickelt. Der Musikfilm l\u00e4sst die Dynamik und eine ansteckende Begeisterung f\u00fcr Musik vermissen. Das Erwachsenwerden wird unzeitgem\u00e4\u00df wie ein zensiertes Kapitel eines Jane Austen Romans behandelt. Und die Biografie krankt am Desinteresse den Menschen Antonio Vivaldi zu erforschen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Regisseur Michieletto spielt mit den M\u00f6glichkeiten, dass sich zwischen Cecilia und Vivaldi eine Romanze entwickeln k\u00f6nnte. Der fiktive Altersunterschied von neun Jahren w\u00e4re nicht einmal heute fragw\u00fcrdig, im Kontext ohnehin vertretbar. Doch der Film beschr\u00e4nkt sich letzten Endes auf die Verbundenheit durch Musik. Diese Leidenschaft wird auf eine harte Probe gestellt, als Sanfermo aus dem Krieg zur\u00fcckkehrt &#8211; ein alter General, f\u00fcr den Cecilia als Braut auserkoren ist. Ein verheiratetes Leben au\u00dferhalb des Waisenhauses w\u00fcrde f\u00fcr Cecilia auch das Ende des Musizierens bedeuten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Es gibt ein paar verstohlene und jugendfreie Dialoge zwischen den M\u00e4dchen, die beginnen ihre Sexualit\u00e4t zu entdecken. Es gibt heimliche Blicke zwischen Cecilia und Vivaldi, die frei interpretierbar bleiben. Es gibt keine Ansichten von Venedig, die eigentlich Venedig ausmachen. Es gibt eine Priorin (Farbrizia Sacchi), deren Charakter sich nur den Notwendigkeiten der Inszenierung anpasst. Und es gibt den Adel, der stereotyp als eindimensionales verachtenswertes Kollektiv dargestellt ist.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=29948\" rel=\"attachment wp-att-29948\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-29948 size-full\" title=\"@ Kimberley Ross - X VERLEIH\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Primavera-1-@-Kimberley-Ross-X-VERLEIH.jpg\" alt=\"Primavera 1 - @ Kimberley Ross - X VERLEIH\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Primavera-1-@-Kimberley-Ross-X-VERLEIH.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Primavera-1-@-Kimberley-Ross-X-VERLEIH-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Primavera-1-@-Kimberley-Ross-X-VERLEIH-200x113.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Das alles ist nur m\u00e4\u00dfig interessant. Daf\u00fcr gelingt dem Regisseur mit der Musik eine Art Bogen aufzubauen, dem allerdings die Spannung fehlt. Mit dem steigenden Erfolg des Orchesters &#8211; dank der experimentellen Kompositionen von Vivaldi und Cecilias Spiel &#8211; wird auch die Musik lauter und kr\u00e4ftiger, und gewinnt immer mehr an Aufmerksamkeit. Allerdings fehlt dazu die inszenatorische Finesse, um Bild und Musik zu einer einander aufbauenden emotionalen Einheit zu verschmelzen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Im Gro\u00dfen und Ganzen ist &#8222;Vivaldi und ich&#8220; eine One-Woman-Show von Tecla Insolia, die mit ihrem unaufdringlichen Auftritt und ihren feinen Z\u00fcgen eine fantastische Besetzung f\u00fcr Cecilia ist. Ein verhaltenes Spiel und stets aufmerksame Mimik zeigen eine junge Frau, die hin und her geworfen wird zwischen Unschuld, Leidenschaft und Entschlossenheit. Es scheitert an der Geschichte und letztlich an der Regie, dass sich Insolias sp\u00fcrbares Potential nicht vollends entfalten darf. Dazu ist aber auch Michele Riondino als Antonio Vivaldi nicht gerade der beste Partner, der stets den Eindruck macht, als ob er seine Regieanweisungen im laufenden Take bekommen w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">&#8222;Vivaldi und ich&#8220; ist &#8211; trotz aller M\u00fcdigkeit in der Inszenierung und den verschlafenen M\u00f6glichkeiten eines starken Hybrides von Musikdrama &#8211; ein durchaus anregendes Sittengem\u00e4lde, dass Interesse an faktischen Nachfragen herausfordert. Die spekulative Geschichte von realen und fiktiven Personen wird sich sicherlich als Roman \u00e4u\u00dferst ansprechend gelesen haben. In Damiano Michielettos Inszenierung ist von diesem Reiz nur wenig zu sp\u00fcren, weil er die manipulativen M\u00f6glichkeiten des Mediums nicht nutzt &#8211; obwohl die Leidenschaft des sich gleichenden Paares danach schreit.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=29949\" rel=\"attachment wp-att-29949\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-29949 size-full\" title=\"@ Kimberley Ross \/ X VERLEIH\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Primavera-2-@-Kimberley-Ross-X-VERLEIH.jpg\" alt=\"Primavera 2 - @ Kimberley Ross \/ X VERLEIH\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Primavera-2-@-Kimberley-Ross-X-VERLEIH.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Primavera-2-@-Kimberley-Ross-X-VERLEIH-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Primavera-2-@-Kimberley-Ross-X-VERLEIH-200x113.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<blockquote><p><span style=\"color: #3535bd;\"><em>Darsteller: <strong>Tecla Insolia, Michele Riondino, Fabrizia Sacchi, Stefano Accorsi, Andrea Pennacchi<\/strong> u.a.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #3535bd;\"><em>Regie: <strong>Damiano Michieletto<\/strong><\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #3535bd;\"><em>Drehbuch: <strong>Damiano Michieletto, Ludovico Rampoldi<\/strong><\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #3535bd;\"><em>nach dem Roman von<strong> Tiziano Scarpa<\/strong><\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #3535bd;\"><em>Kamera: <strong>Daria D\u2018Antonio<\/strong><\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #3535bd;\"><em>Bildschnitt: <strong>Walter Fasano<\/strong><\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #3535bd;\"><em>Musik: <strong>Fabio Massimo Capogrosso<\/strong><\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #3535bd;\"><em>Produktionsdesign: <strong>Gaspare De Pascali<\/strong><\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #3535bd;\"><strong><em>Italien, Frankreich \/ 2025<\/em><\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #3535bd;\"><em><strong>110<\/strong> Minuten<\/em><\/span><\/p><\/blockquote>\n<h6>Bildrechte: <strong>Kimberley Ross \/ X VERLEIH<\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PRIMAVERA &#8211; Bundesstart 21.05.2026 &#8211; First-Release 05.12.2025 (ESP) Preview 13.05.26, Babylon, F\u00fcrth Im angehenden 18ten Jahrhundert ist das Ospedale della Piet\u00e0 eines der besseren Waisenh\u00e4user in Venedig. 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