{"id":3443,"date":"2012-08-03T13:08:18","date_gmt":"2012-08-03T12:08:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=3443"},"modified":"2012-08-03T13:09:05","modified_gmt":"2012-08-03T12:09:05","slug":"the-rum-diary","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/the-rum-diary\/","title":{"rendered":"THE RUM DIARY mit Kater-Stimmung"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"attachment wp-att-3445\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/the-rum-diary\/rum-diary-1\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3445\" title=\"Rum-Diary-1\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Rum-Diary-1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"183\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Rum-Diary-1.jpg 600w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Rum-Diary-1-200x61.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Rum-Diary-1-300x91.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Raoul Duke ist wieder da, m\u00f6chte man hoffen. Doch es ist nur sein kleiner Bruder Paul Kemp. Der edle, dauerbetrunkene Journalist, mit dem Hunter S. Thompson in seinem zweiten Roman seinem Alter Ego eine Stimme verleiht. Seit FEAR AND LOATHING scheint Johnny Depp nicht mehr von Hunter losgekommen zu sein und begeisterte sich f\u00fcr das Rum-Tagebuch. In diesem Buch wie schon in FEAR AND LOATHING setzte Hunter S. Thompson zwar fiktive Namen an die Spitze, diese fungierten allerdings als seine ganz pers\u00f6nliche Erz\u00e4hlstimme mit seinen ureigensten Erfahrungen. So war Depp dem Autoren und Journalisten Thompson bereits in der damaligen Terry-Gilliam-Verfilmung sehr nahegekommen und wollte diese Erfahrung mit RUM DIARY wiederholen. Im Hick-Hack von Anschubfinanzierung und Vorproduktion w\u00e4re Depp das Projekt sogar einmal beinahe aus den H\u00e4nden geglitten und die Rolle von Paul Klemp alias Hunter S. Thompson bereits an Benicio del Toro vergeben worden. Del Toro hatte ausgerechnet in FEAR AND LOATHING Johnny Depps Kumpan dargestellt. Doch alles wurde gut. Zumindest f\u00fcr Johnny Depp, der vielleicht gehofft haben mag, dass ihn eine erneute Reinkarnation von Thompson nochmals einen kultigen Schub weiterbringen w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Paul Klemp beginnt seine journalistische Arbeit bei einer amerikanischen Zeitung in San Juan auf Puerto Rico. Der ambitionierte Schreiber bekommt allerdings nur das Horoskop-Segment zugewiesen. Mit seinem Kollegen-Kumpel Sala beginnen mit Rum angereicherte N\u00e4chte und verkaterte Tage, ebenfalls mit Rum. Die Bekanntschaft mit dem Gro\u00dffinanzier Sanderson bringt Klemp in ein sozial-politisches, und die Bekanntschaft mit Sandersons Freundin Chenault in ein gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfiges Dilemma. Aber Paul Klemp ist jung, engagiert und nicht betrunken genug, um die Dinge nicht in die Hand zu nehmen. Welche ihm allerdings immer wieder entgleiten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Geschichte selbst ist weder neu noch besonders originell. Der Einzelg\u00e4nger in einem Land des Umbruchs. Einer, der sich nur scheinbar um nichts schert. Das machte CASABLANCA zum Klassiker und Pollacks HAVANNA zum weichgesp\u00fclten Revoluzzer-Drama. RUM DIARY ist in dieser Beziehung kein schlechter Film. Aber es ist ein Film nach Hunter S. Thompson, mit Johnny Depp, aus dem Jahre 2011. Bruce Robinson, nach 19 Jahren das erste Mal wieder auf dem Regiestuhl, scheint es gefallen zu haben, einen eher ruhigen und manchmal sogar altmodischen Film zu inszenieren. Tats\u00e4chlich macht sich in seiner Inszenierung bemerkbar, dass die Darsteller ausreichend Spielzeit zugestanden wird, ohne dass sich das erm\u00fcdend auswirkt. Aber da w\u00e4re mehr, gerade weil der gemeine Kinog\u00e4nger mit Thompsons Geschichte und der Gilliam-Inszenierung von FEAR AND LOATHING einfach vorbelastet ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Dariusz Wolksi setzte den Film auch sehr konventionell ins Bild. Seine klaren, aber leider auch sehr f\u00f6rmlichen Cinemascope-Bilder orientieren sich eher an den klassischen Dramen, anstatt sich den exaltierten Ausschm\u00fcckungen von Thompsons Vorlage zu f\u00fcgen. Es sind in Robinsons Inszenierung gen\u00fcgend Momente sp\u00fcrbar, welche die Absurdit\u00e4t des Handlungsverlaufs verdeutlichen. Aber die Inszenierung, die Dialoge, die Geschehen bleiben brav, sind kaum zeitgem\u00e4\u00df, und werfen den Film immer wieder zur\u00fcck. Sehr gute Darsteller verlieren sich in einer allzu unmotivierten Abhandlung von konventioneller Erz\u00e4hlform.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Johnny Depp zeigt erneut, dass er eigentlich immer Captain Sparrows bleiben wird. Amber Heard sieht gut aus, hat aber kaum Esprit, um glaubhaft eine Diva der 60er-Jahre zu verk\u00f6rpern. Michael Rispoli ist die einzige\u00a0 Konstante, die den Film charakterlich auf einer Ebene zu halten versteht. So interessant die RUM DIARYs auch sein m\u00f6gen, sie sind weit entfernt davon, was Terry Gilliam vierzehn Jahre zuvor vollbracht hatte. FEAR AND LOATHING ist gewiss keine leicht verdauliche Psychoanalyse, wurde dem verwirrten Charakter von Thompsons Geschichte aber gerecht. RUM DIARY hingegen wirkt wie eine jugendfreie Version einer mit drei X gebrandmarkten Erwachsenen-Unterhaltung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">RUM DIARY ist ein sehr unterhaltsamer, sehr gut umgesetzter Film. Aber er hinkt seinen M\u00f6glichkeiten von verdrehtem Humor und absurder Logik weit hinterher. Sehr zum Bedauern um einen Film, der in seiner anarchischen Struktur so viel mehr an strukturell losgel\u00f6sten M\u00f6glichkeiten dramaturgischer Absurdit\u00e4ten zu bieten h\u00e4tte. Technisch kann man Bruce Robinsons\u00a0 Film nichts vorwerfen. In Bildsprache und Inszenierung ist RUM DIARY tadellos, aber als alkoholgeschw\u00e4ngerte, von allen Konventionen befreite Parabel wirkt es einfach nur leidenschaftslos und einf\u00e4ltig. RUM DIARY ist ein sehenswerter Film, der sich allerdings allen modernen und dem Thema angemessenen Sehgewohnheiten verschlie\u00dft. Es ist ein Film mit Johnny Depp, aber es ist kein Film, der die wilden Erfahrungen und chaotischen Lernprozesse von Hunter S. Thompson wirklich zu vermitteln versteht. Eben doch nur eine jugendfreie Version einer mit vielen M\u00f6glichkeiten versehenen Fassung, die Erwachsenen Freude bereitet h\u00e4tte.<\/span><\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-3444\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/the-rum-diary\/rum-diary-2\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3444\" title=\"rum-diary-2\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/rum-diary-2.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"442\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/rum-diary-2.jpg 600w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/rum-diary-2-200x147.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/rum-diary-2-300x221.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Darsteller:<strong> Johnny Depp, Michael Rispoli, Giovanni Ribisi, Amber Heard, Aaron Eckhart, Richard Jenkins <\/strong>u.v.a.<\/em><br \/>\n<em>Drehbuch &amp; Regie: <strong>Bruce Robinson <\/strong>nach <strong>Hunter S. Thompson<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Kamera: <strong>Dariusz Wolski<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Bildschnitt: <strong>Carol Littleton<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Musik: <strong>Christopher Young<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Produktionsdesign: <strong>Chris Seagers<\/strong><\/em><br \/>\n<em>USA \/ 2011<\/em><br \/>\n<em>zirka <strong>120<\/strong> Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildquelle: <strong>Central Film \/ Sony Pictures Home Entertainment<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Raoul Duke ist wieder da, m\u00f6chte man hoffen. Doch es ist nur sein kleiner Bruder Paul Kemp. Der edle, dauerbetrunkene Journalist, mit dem Hunter S. Thompson in seinem zweiten Roman seinem Alter Ego eine Stimme verleiht. 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