{"id":4471,"date":"2012-12-27T15:00:33","date_gmt":"2012-12-27T14:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=4471"},"modified":"2013-01-10T22:14:53","modified_gmt":"2013-01-10T21:14:53","slug":"life-of-pi-schiffbruch-mit-tiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/life-of-pi-schiffbruch-mit-tiger\/","title":{"rendered":"LIFE OF PI: SCHIFFBRUCH MIT TIGER"},"content":{"rendered":"<p><em>LIFE OF PI \u2013 Bundesstart 26.12.12.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/life-of-pi-schiffbruch-mit-tiger\/life-of-pi-2\/\" rel=\"attachment wp-att-4474\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4474\" title=\"Life-of-Pi-2, Copyright Fox 2000 Pictures \/ 20th Century Fox\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Life-of-Pi-2.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"259\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Life-of-Pi-2.jpg 600w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Life-of-Pi-2-200x86.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Life-of-Pi-2-300x129.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Man sollte endlich Abstand davon nehmen, ein Buch als unverfilmbar zu bezeichnen, vor allem wenn der Film dazu gerade in die Kinos kommt. Das hat damals die UNERTR\u00c4GLICHE LEICHTIGKEIT DES SEINS zu keinem besseren Buch gemacht und den Film nicht schlechter. Zuletzt war unverfilmbar bei CLOUD ATLAS zu lesen, und nun kommt LIFE OF PI. Dies macht es Ang Lees Adaption nicht leichter, wenn \u00fcberall betont wird, wie sich die literarische Variante gegen\u00fcber einer visuellen Umsetzung verhalten soll. Damit werden nicht nur Erwartungen geweckt, sondern auch Meinungen geformt. In Ermangelung an der Lekt\u00fcre f\u00e4llt es jedenfalls sehr leicht, Ang Lees LIFE OF PI als phantastischen Film zu loben. Seinem poetischsten seit TIGER &amp; DRAGON. Eine Poesie, die sich nicht nur aus der frei interpretierbaren Geschichte ergibt, sondern erg\u00e4nzend aus der imposanten visuellen Umsetzung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Pi w\u00e4chst im indischen Pondicherry auf, wo seine gut situierten Eltern einen Zoo unterhalten. Auf seinem jungen Lebensweg findet Pi Zugang zu allen drei gro\u00dfen Weltreligionen und sieht sich als gl\u00e4ubiger Moslem, Christ und Jude gleicherma\u00dfen. Sein rationaler Vater kann Pi diesen Unsinn nicht ausreden, der Junge hat einfach seinen Weg noch nicht gefunden. Pi wird \u00e4lter, und mit ihm das Gesch\u00e4ft seiner Eltern. Der Zoo ist nicht mehr rentabel, also will Vater die Tiere nach Nordamerika verkaufen und die Familie in Kanada ein neues Leben beginnen lassen. Ein Sturm auf hoher See macht alle gro\u00dfen Pl\u00e4ne zunichte. Nach einer atemberaubenden Sturmsequenz befindet sich Pi in einem Rettungsboot zusammen mit einem Zebra, einem Orang-Utan, einer Hy\u00e4ne und Richard Parker, dem bengalischen Tiger.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Geschichte ist sorgsam in drei Teile gegliedert. Der erste ist Pis Geschichte in Pondicherry und seine Ann\u00e4herungen an einen Leitfaden f\u00fcr sein Leben, wie er die Religionen f\u00fcr sich entdeckt und beginnt, die Welt der Erwachsenen zu hinterfragen. Es ist sehr originell, wie Pi seine Kindheit meistert, das Drehbuch l\u00e4sst sich dabei aber nicht zu billigen Lachern herab. Der Humor ist eher zur\u00fcckhaltend, aber st\u00e4ndig pr\u00e4sent. Dazu geh\u00f6rt auch, wie es der Junge schafft, seinen peinlichen Namen zu \u00e4ndern, der eigentlich gar nicht Pi ist. In diesem Teil bleibt die Kamera eher auf den Details. Das Leben im Zoo, die Augenblicke in der Schule oder in den Gottesst\u00e4tten. Es ist Pis Blick auf das Wesentliche der Dinge. Claudio Miranda zaubert bunte, lebenslustige Bilder eines unbedarften Lebens. Die dabei stellenweise auftretende K\u00fcnstlichkeit von ganz offensichtlich \u201einszenierten\u201c Bildern greifen dem zweiten Teil bereits voraus.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Mit siebzig Minuten nimmt der zweite Teil im Rettungsboot den gr\u00f6\u00dften, aber auch wichtigsten Teil ein. Pi verbringt 227 Tage auf dem pazifischen Ozean, im st\u00e4ndigen Clinch mit seinem Leidensgenossen Richard Parker. Sie erleben grausame Durst- und Hungerstecken, aber auch die Wunder des Lebens, des Ozeans und ihrer Selbstreflektion. In diesen 70 Minuten stecken Regisseur und Kameramann Miranda alle M\u00f6glichkeiten ab, um mit drastischen \u00dcberh\u00f6hungen von Sinnbildern oder nur durch Szenen um ihrer selbst willen bei diesem unglaublichen Abenteuer die eigentliche Poesie darin erkennen zu lassen. Den Szenen des Leids von Junge und Tiger werden immer wieder atemberaubend komponierte Bilder entgegengestellt, die in ihrer Unnat\u00fcrlichkeit kaum zu \u00fcbertreffen sind, dadurch aber eine noch h\u00f6here Akzeptanz beim Zuschauer erreichen. Was auf dem Ozean passiert, soll eben keinen Leidensweg darstellen, soll nicht den Jungen zum Mann formen und soll am Ende auch kein Abenteuer sein. Es soll die Kraft des Lebens symbolisieren. Eine von vielen Sequenzen, die den Zuschauern \u00fcberw\u00e4ltigen und gleichzeitig schaudern lassen, ist ein Wal, der n\u00e4chtens durch einen Schwarm fluoreszierender Qualen schie\u00dft und das Rettungsboot beinahe zum Kentern bringt. In dieser wie in vielen \u00e4hnlichen Szenen zeigt sich die eigentliche Kunst der Macher, die gesamte Technik und k\u00fcnstlerischen Aspekte auf das H\u00f6chstm\u00f6gliche in Einklang zu bringen. Das gipfelt nicht nur in exzellent gestalteten 3D-Bildern, sondern man bezieht sogar noch das Variieren mit den Seitenverh\u00e4ltnissen vom Academy-Format hin zu Cinemascope mit ein. Den ganzen Film hindurch bilden Kameraposition, Bildaufteilung, Schnittsequenz und die Tricktechnik eine selten gesehene Harmonie.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die k\u00fcrzeste Zeit der dreigeteilten Geschichte steht der Rahmenhandlung zur Verf\u00fcgung. Es ist der erwachsene Pi, der einem Schriftsteller mit Schreibblockade die Geschichte vom Schiffbruch mit Tiger erz\u00e4hlt. Es ist aber auch der kontroverse Abschnitt in der Geschichte. Alles, was der Zuschauer sieht, alles, was er erlebt, und die f\u00fcr den Zuschauer einhergehenden Erfahrungen, seien sie spiritueller oder menschlicher Natur, werden mit dem Schriftsteller und dem erwachsenen Pi auf den Kopf gestellt. Am Ende zeigt sich eine Geschichte mit zwei Gesichtern und mit der M\u00f6glichkeit f\u00fcr den Zuschauer, sich selbst zu entscheiden. Und das ist das eigentliche Kunstst\u00fcck in LIFE OF PI, weil er sich trotz seiner esoterischen und religi\u00f6sen Einfl\u00fcsse der Rationalit\u00e4t nicht verweigert. Doch was haben wir schon von dieser Rationalit\u00e4t? Trotz zahlreicher M\u00f6glichkeiten wird der Zuschauer in keiner Minute mit Dogmen, Weisheiten oder Lehrspr\u00fcchen bel\u00e4stigt, was sofort angenehm auff\u00e4llt, weil es auch sehr ungew\u00f6hnlich ist. Wenn man aus dem Kino geht, h\u00e4lt der Film noch lange nach. Doch nicht etwa die zwei Seiten der eigentlichen Geschichte werden bewegen, sondern nur der eine Teil, den wir in Frage stellen m\u00fcssten. Denn der Zuschauer hat sich l\u00e4ngst entschieden, weil die Sehnsucht nach Wundern viel st\u00e4rker ist.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2012\/life-of-pi-schiffbruch-mit-tiger\/life-of-pi-3\/\" rel=\"attachment wp-att-4472\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4472\" title=\"Life-of-Pi-3, Copyright Fox 2000 Pictures \/ 20th Century Fox\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Life-of-Pi-3.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"338\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Life-of-Pi-3.jpg 600w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Life-of-Pi-3-200x112.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Life-of-Pi-3-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Darsteller: <strong>Suraj Sharma, Irrfan Khan, Adil Hussain, Tabu, Rafe Spall, Gerard Depardieu, Ayush Tandon, Gautam Belur<\/strong> u.a.<\/em><br \/>\n<em>Regie: <strong>Ang Lee<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Drehbuch: <strong>David Magee<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Kamera:<strong> Claudio Miranda<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Bildschnitt: <strong>Tim Squyres<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Musik: <strong>Mychael Danna<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Produktionsdesign:<strong> David Gropman<\/strong><\/em><br \/>\n<em>USA \/ 2012<\/em><br \/>\n<em>zirka <strong>125<\/strong> Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildquelle: <strong>Fox 2000 Pictures \/ 20th Century Fox<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>LIFE OF PI \u2013 Bundesstart 26.12.12. 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