{"id":4667,"date":"2013-01-29T23:59:34","date_gmt":"2013-01-29T22:59:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=4667"},"modified":"2013-02-01T17:52:08","modified_gmt":"2013-02-01T16:52:08","slug":"lincoln-steven-spielberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2013\/lincoln-steven-spielberg\/","title":{"rendered":"LINCOLN vom Mensch zum Staatsheiligtum"},"content":{"rendered":"<p><em>LINCOLN \u2013 Bundesstart 24.01.2013<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2013\/lincoln-steven-spielberg\/lincoln-01\/\" rel=\"attachment wp-att-4669\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4669\" title=\"lincoln-01, Copyright 20th Century Fox \/ Touchstone Pictures\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/lincoln-01.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"296\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/lincoln-01.jpg 600w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/lincoln-01-200x98.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/lincoln-01-300x148.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Mensch, der Mann, die Ikone, der Mythos. Mit LINCOLN schuf Steven Spielberg seinen bisher politischsten Film, wenngleich M\u00dcNCHEN sehr nahe an diesem Attribut ist. Das liegt daran, dass es Spielberg hervorragend gelingt, den mystifizierten Volkshelden zu einem ehrlichen Menschen zu machen. Nat\u00fcrlich auch ein Verdienst der geradezu gespenstischen Personifizierung durch Daniel Day-Lewis, der die Rolle trotz Spielbergs Hartn\u00e4ckigkeit mehrmals ablehnte. Dabei sollte aber auch Tony Kushners Beitrag mit einem \u00fcber mehrere Jahre gewachsenen Drehbuch nicht vergessen werden. Dies ist ein Spielberg-Film durch und durch. Und doch l\u00e4sst er sich nur marginal mit einem seiner anderen f\u00fcnfzig Filmen vergleichen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Selten war der Hollywood-Wunderknabe l\u00e4nger mit der Vorproduktion eines Films besch\u00e4ftigt. \u00dcber zehn Jahre, in denen er nebenher acht Filme als Regisseur drehte, war LINCOLN sein steter Wegbegleiter. Dabei wurde nichts dem Zufall \u00fcberlassen. Alte Fotos und Zeichnungen dienten als Vorlage f\u00fcr die Bauten und die Ausstattung. Dokumente und Tageb\u00fccher bildeten die Grundlage nicht nur f\u00fcr die Darsteller, sondern auch f\u00fcr akkurate Dialoge. Ein Umstand, der Sally Fields beinahe die Rolle der \u201aMolly\u2018 Mary Todd Lincoln gekostet h\u00e4tte, da sie f\u00fcr die Rolle als Pr\u00e4sidentengattin eigentlich viel zu alt war. Das f\u00fchrte sogar so weit, dass sich der Regisseur im zeitgen\u00f6ssischen Anzug am Set bewegte. Wobei Bilder belegen, dass er trotzdem nicht auf eine seiner Baseballcaps verzichtete. Aber schlie\u00dflich war es LINCOLN, und so viel h\u00e4tte dabei schiefgehen k\u00f6nnen. Schon der kleinste Ausrutscher w\u00e4re f\u00fcr Hysteriker und Historiker Grund genug gewesen, Spielberg seinen Film um die Ohren zu hauen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es sind die vier entscheidendsten Monate in der Geschichte Amerikas. Zu diesem Zeitpunkt sind sie nicht wirklich die Vereinigten Staaten. Pr\u00e4sident Lincoln wurde gerade in eine zweite Amtszeit gew\u00e4hlt, die Sklaverei soll abgeschafft und der B\u00fcrgerkrieg beendet werden. Vier Monate, die niemals Zeit genug sein konnten, um Abe Lincolns politisches Ansinnen umzusetzen. Denn sollte der 13. Artikelzusatz durch das Repr\u00e4sentantenhaus verabschiedet werden, der die Abschaffung der Sklaverei\u00a0 beinhaltet, w\u00fcrde der S\u00fcden keine Kapitulation unterzeichnen. W\u00fcrde hingegen die Kapitulation vorher unterzeichnet, s\u00e4hen die Abgeordneten keinen Grund mehr, dem 13. Artikelzusatz zuzustimmen. LINCOLN ist also nicht nur eine Biografie, er ist gleichzeitig Zeitdokument und Abbild der bis heute ungebrochenen Strukturen in der politischen Landschaft Amerikas.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Obwohl LINCOLN wie ein monumentales Epos erscheint, ist er dann doch ein Kammerspiel. Ein sehr menschliches Kammerspiel. Die monumentale Staatsikone Lincoln wird zu einer greifbaren Figur. Zu einer sehr menschlichen Figur. Aber die Geschichte des \u00fcberm\u00e4chtig wirkenden Pr\u00e4sidenten ist am Ende doch die Geschichte einer Nation. Dadurch entspinnt sich f\u00fcr den Film eine eigenartige Wechselwirkung. Denn tats\u00e4chlich wird die Politik von einem bodenst\u00e4ndigen Menschen bestimmt, dessen Politik zu einer \u00fcberh\u00f6hten Metapher f\u00fcr die Zukunft einer gespaltenen Nation wird. Es ist eben Steven Spielbergs politischster Film. Wobei er dadurch auch sehr viel \u00fcber das bisher ungebrochene System von politischer Einflussnahme aussagen kann. Dieses durch und durch Amerikanische macht es vor allem dem deutschen Publikum schwer, in der ersten H\u00e4lfte LINCOLNs dem Geschehen im vollen Umfang zu folgen. Das \u00e4ndert sich in der zweiten H\u00e4lfte, und dies zur Freude des Publikums, aber nicht auf Kosten der komplexen Erz\u00e4hlform, wenn Regie und Buch es schaffen, eine allseits verst\u00e4ndliche Struktur zu finden, ohne zu trivialisieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">LINCOLN wird im nichtamerikanischen Ausland keineswegs den heimischen Erfolg erreichen. Das Thema, die Figur und die Geschichte sind eben geographisch gebunden. Es ist diese alles \u00fcberragende Kunst von Steven Spielberg, nicht zu vergessen in einem kongenialen Einklang mit dem exquisiten Drehbuch, bis zum Ende doch diese Begeisterung f\u00fcr LINCOLN zu inszenieren, welche die Zuschauer schon bei allen anderen Spielberg-Filmen so mitgerissen hat. \u00dcberragende Darsteller, herausragende Detailversessenheit, die hohe Kunst von au\u00dferordentlicher Bildgestaltung und dieses be\u00e4ngstigende Gesp\u00fcr f\u00fcr Tempo und Rhythmus formen Steven Spielbergs j\u00fcngste, ohne \u00dcbertreibung als Meisterwerk zu bezeichnende Filmgeschichte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">LINCOLN als Meisterwerk ist keiner Einzelleistung zuzuschreiben. Denn man darf Janusz Kaminskis \u00fcberstrahlende Bilder mit ihren ausgewaschenen Farben nicht vergessen, die wieder einmal eine sehr eigenwillige, aber stimmige Atmosph\u00e4re f\u00fcr einen Spielberg-Film schaffen. Und vor allen Dingen Daniel Day-Lewis. Es ist nicht einfach so, dass er Abraham Lincoln ist. Vielmehr ist in der Figur von Abraham Lincoln keine Spur von Daniel Day-Lewis mehr zu erkennen. In keinem Film seiner Karriere, auch nicht in MY LEFT FOOT, war der Darsteller derart in seiner Figur aufgegangen. Egal, was vorher war oder was nachher kommen mag, Abraham Lincoln ist mit Daniel Day-Lewis zu einer verst\u00e4ndlichen Figur auch f\u00fcr die Welt au\u00dferhalb des Kinos geworden. Daniel Day-Lewis war noch nie weniger Darsteller als in der Charakterisierung von Abe Lincoln, aber auch noch nie intensiver in einer Darstellung wie in der des 16. Pr\u00e4sidenten der Vereinigten Staaten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ihre Namen sind Steven Spielberg, Janusz Kaminski, Daniel Day-Lewis, dazu geh\u00f6rt auch der Rest des Ensembles. Sie haben LINCOLN zu dem gemacht, was dem Film letztendlich seine W\u00fcrde verleiht. Ein Filmkunstst\u00fcck, welches ein nationales Dilemma zu einer verst\u00e4ndlichen\u00a0 Stunde von Geschichte f\u00fcr die Allgemeinheit und den Rest Amerikas portraitiert. Ein sehr erwachsener Steven Spielberg eben.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2013\/lincoln-steven-spielberg\/lincoln-02\/\" rel=\"attachment wp-att-4671\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4671\" title=\"lincoln-02, Copyright 20th Century Fox \/ Touchstone Pictures\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/lincoln-02.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/lincoln-02.jpg 600w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/lincoln-02-200x133.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/lincoln-02-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Darsteller: <strong>Daniel Day Lewis, Sally Field, David Strathairn, Joseph Gordon-Levitt, James Spader, Hal Holbrook, Tommy Lee Jones, Lee Pace, Michael Stuhlbarg, David Costabile, Jackie Earle Haley<\/strong> u.v.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie:<strong> Steven Spielberg<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Drehbuch: <strong>Tony Kushner<\/strong> teilweise basierend auf <strong>Doris Kearns Goodwin<\/strong>s Buch \u201aTeam of Rivals\u2018<\/em><br \/>\n<em> Kamera: <strong>Janusz Kaminski<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: <strong>Michael Kahn<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Musik: <strong>John Williams<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: <strong>Rick Carter<\/strong><\/em><br \/>\n<em> USA \/ 2012<\/em><br \/>\n<em> zirka<strong> 149<\/strong> Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildquelle: <strong>20th Century Fox \/ Touchstone Pictures<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>LINCOLN \u2013 Bundesstart 24.01.2013 Der Mensch, der Mann, die Ikone, der Mythos. 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